Nachtjäger

Nachtjäger 1
 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 8. Juli 2013
  • |
  • 448 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-10429-0 (ISBN)
 
Fesselnd, erotisch, magisch - die neue Romance-Serie aus den USA

Lass dich niemals mit einem Menschen ein! So lautet das oberste Gesetz der Ikati, wunderschöner Gestaltwandler, die seit Jahrhunderten verborgen in den Wäldern leben, um der Verfolgung durch die Menschen zu entgehen. Doch einer von ihnen hat einst ein Kind mit einer Menschenfrau gezeugt: Jenna. Clanführer Leander ist klar, dass er herausfinden muss, ob Jenna ebenfalls eine Ikati ist oder ein ganz gewöhnlicher Mensch. Doch die schöne Jenna trifft ihn mitten ins Herz, und plötzlich ist sein Schicksal untrennbar mit ihrem verknüpft ...

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Heyne
  • 0,63 MB
978-3-641-10429-0 (9783641104290)
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1

Wenn Jenna geahnt hätte, dass dies der letzte Tag ihres genau geplanten, vorhersehbaren Lebens sein würde, hätte sie wohl nicht so viel Zeit auf ihre alltägliche Routine aus Erledigungen, Einkäufen und Putzen ihrer Wohnung verschwendet, die sich im Nachhinein sowieso als völlig sinnlos erwies. Aber wie es diese wichtigen Tage so an sich haben, begann auch dieser mit keinem Hinweis auf das, was kommen sollte.

Es war ein Sonntag im Juli, und es war heiß. Glühend heiß. Die Art von Hitze, die es in Südkalifornien selten gibt, die Art, bei der die Gemüter der Menschen gereizt sind, die Blumen ihre Köpfe hängen lassen und die bereits sowieso schon mächtig überlastete Stromversorgung vollends zusammenbricht, was zu mehreren Stromausfällen in der kleinen Stadt am Meer führte, in der Jenna lebte. Selbst die Bikini-Mädchen auf ihren Rollerblades, die eingeölten Bodybuilder und die Legionen von Touristen mit Kameras und karierten Shorts, die gewöhnlich die Strandpromenade vor Jennas Wohnung bevölkerten, waren vor der Hitze geflohen. Nur noch Scharen kreisender Möwen überwachten mit scharfen Blicken den flirrenden Himmel über dem Meer.

Da Jenna extreme Temperaturen problemlos ertrug - sie hatte bereits überall auf der Welt gewohnt und niemals Beschwerden wegen des Wetters gehabt, ob sie sich nun in Afrika oder in Alaska aufgehalten hatte -, war sie die Einzige im Supermarkt, die nicht so wirkte, als wäre sie gerade aus der Sauna gekommen. Alle um sie herum schwitzten, stöhnten und hingen wie Topfpflanzen herum, die man schon lange nicht mehr gewässert hatte. Sie hingegen trug ein auf Taille geschnittenes Wollkleid und hatte ihr langes, schweres Haar offen, das ihr in dicken, honigfarbenen Wellen fast bis zum Po hing. Sie blieb cool und so entspannt, als ob sie sich in einem Kühlschrank befände.

Der Metzger hinter der Theke hingegen wirkte ganz und gar nicht cool.

»Was darf es sein, Miss?« Mit müden Augen und roten Wangen blinzelte er unter seinem weißen Papierhut hervor. Er keuchte angestrengt. Schweiß stand ihm auf der Stirn und der Oberlippe. Im Grunde sah er so aus, als ob er kurz vor einem Herzinfarkt stünde.

»Ein Steak«, sagte sie und zeigte durch die Glasvitrine.

»Das Filet ist gerade im Angebot«, erwiderte er lustlos. »Möchten Sie vielleicht ein Stück vom Filet?«

Das hätte sie tatsächlich gerne gewählt, aber sie konnte es sich nicht leisten.

»Danke, aber ich nehme das Steak.« Mit dem Salat und der Flasche Cabernet, die sich bereits in ihrem Korb befanden, würde das ein leckeres Essen ergeben. Normalerweise aß sie bei der Arbeit - im Stehen -, aber heute Abend hatte sie frei und wollte sich etwas Gutes tun.

Der Metzger bewegte sich schwerfällig, als wäre er unter Wasser. Langsam wickelte er das Steak in ein Stück braunes Packpapier und reichte es ihr über die Theke.

»Braten Sie es nicht zu lang. Es braucht nur vier Minuten auf jeder Seite.«

Sie hatte nicht vor, es zu braten, nahm aber nicht an, dass er etwas mit dieser Information anfangen könnte. »Gut, danke für den Tipp.«

Er zwinkerte ihr zu und schenkte ihr ein schläfriges Lächeln, das beinahe etwas Anzügliches hatte.

Und in diesem Moment passierte es.

Zuerst war es nur ein leichtes, heißes Stechen, eine seltsame, greifbare Schockwelle, die von nirgendwoher und doch von überall um sie herum zu kommen schien. Der Hitzeschlag traf sie so unerwartet, dass sie beinahe ihre Tasche fallen ließ. Überrascht blickte sie auf ihre Finger und konnte zusehen, wie Gänsehaut über ihren Arm lief. Dann steigerte sich diese seltsame heiße Welle, die sie erzittern ließ und die bis in ihr Innerstes vordrang. Sie war so heiß und so intensiv, dass Jenna einen Moment lang glaubte, tatsächlich verbrannt zu werden.

Vorsichtig sah sie sich um, wobei sie nur ihre Augen bewegte.

Nichts.

Das kann ja wohl kaum der Metzger sein, der mich derart durcheinanderbringt, dachte sie und musterte den Mann noch einmal genauer. Er schwitzte, lächelte noch immer und musste mindestens zwanzig Jahre älter als sie sein. Seine kräftigen Unterarme ruhten auf der Fleischvitrine wie zwei Stücke haariges, tätowiertes Fleisch.

Nein. Garantiert nicht der Metzger.

Sie sah sich erneut um und bemerkte den Blick eines großen, grauhaarigen Herrn, der neben seiner Frau vor einem Weinregal in ihrer Nähe stand. Die Frau redete ununterbrochen. Er starrte Jenna auf jene Weise an, die sie von Männern kannte. Nein, der konnte es auch nicht sein. Sicher nicht.

Wer - oder was - war es dann?

In diesem Moment schoss ihr eine beängstigende Erinnerung - eine Warnung - durch den Kopf, die ihr einen kalten Schauder über den Rücken jagte.

Wenn sie dich finden . Lauf.

Es waren die Worte ihrer Mutter - eine Warnung, die sie täglich bis zu ihrem Tod wiederholt hatte. Eine Warnung ohne Erklärung, eine Warnung, die bei Jenna einen wahren Verfolgungswahn und ein großes Misstrauen Fremden gegenüber ausgelöst hatte. Dieses Misstrauen reichte so tief, dass sie bisher noch nie wirklich Freunde gefunden hatte.

Sie dachte daran, dass ihre Mutter im Laufe ihres Lebens viele seltsame Dinge gesagt hatte, die Jenna nicht verstand. Und dass sie viel getrunken hatte. »Du hast einfach nur Hunger«, murmelte sie vor sich hin, was den verschwitzten Metzger dazu brachte, fragend die Augenbrauen hochzuziehen. »Du bist einfach nur hungrig und wahrscheinlich übermüdet, und außerdem herrschen hier mindestens tausend Grad. Reiß dich also zusammen.«

Sie machte sich auf den Weg zur Kasse, wo sie sich hinter einem Mann einreihte, der so dick war, dass sie sich kaum vorstellen konnte, wie er durch den Gang passen sollte, ohne die Zeitschriften und Süßigkeiten auf den Regalen zu beiden Seiten herunterzureißen. Sie legte ihre Sachen auf das Band, ehe sie sich umdrehte und den großen Kühlschrank mit den gekühlten Getränken öffnete, der zwischen ihrem Gang und dem nächsten stand. Sie wählte eine Plastikflasche mit Cola, da es keine Milch gab - keine Vollmilch -, was ihre zweitliebste Nahrung nach Steak war.

Als sie die Tür schloss und sich zur Kasse umdrehte, schien die Luft auf einmal anders zu sein. Sie kam ihr wie aufgeladen und so schwer vor, dass sie es bis in die Knochen spürte.

Zum zweiten Mal stellte ein plötzlicher Stromschlag die Härchen auf ihren Armen und in ihrem Nacken auf. Er jagte eine Schockwelle durch sie hindurch, als ob sie von einem Feuerspeer getroffen worden wäre. Einen Moment lang hielt sie die Luft an. Der gewaltige Mann vor ihr warf ihr einen lethargischen Blick zu, während ein unheimlicher Gedanke durch ihren Kopf schoss.

Ich sehe dich, flüsterte die Welle in ihr. Ich weiß, was du bist.

Sie erbebte. Ihre Finger klammerten sich so fest um die Plastikflasche in ihrer Hand, dass sie kaputtging. Eine Fontäne aus Cola schoss heraus. Die kalte, klebrige Flüssigkeit ergoss sich über ihr Handgelenk und ihre Finger. Ebenso wie über das Regal mit den Magazinen und den Süßigkeiten.

»Alles in Ordnung?«, fragte sie der jungenhafte, attraktive Kassierer und warf einen Blick auf die kaputte Plastikflasche in ihrer Hand. Er runzelte die Stirn. In seinen klaren, blauen Augen spiegelte sich Überraschung wider. »Sie haben aber einen ganz schön kräftigen Griff, Miss.«

»Sie muss schon vorher kaputt gewesen sein«, erwiderte Jenna mit zusammengepressten Lippen. »Wahrscheinlich kam sie schon so ins Regal.«

Ihr war das Blut aus dem Gesicht gewichen. Der gewaltige Mann vor ihr starrte sie nun regungslos und neugierig an. Er lugte unter seinen buschigen Augenbrauen hervor, die wie haarige Raupen auf seiner Stirn saßen, und musterte ihr blasses Gesicht und ihre zitternden Hände. Die Cola tropfte noch immer auf den Boden, wo sie allmählich eine große, klebrige Pfütze auf dem beigefarbenen Linoleum bildete.

Der Kassierer drückte auf einen Knopf und sprach dann in ein Mikrofon. Seine Stimme war im ganzen Supermarkt zu hören. »Aufwischen an Kasse fünf.«

Jenna trat ein paar Schritte vor, wobei sie sich bemühte, mit ihren weißen Sandalen nicht in die klebrige Lache zu treten, die inzwischen wie geronnenes Blut aussah. Das Gefühl unmittelbarer Gefahr war so stark, dass sie sich zwingen musste, nicht einfach loszurennen.

Da ihr der gewaltige Mann inzwischen wieder den Rücken zugewandt hatte und der Kassierer damit beschäftigt war, einem Kunden sein Wechselgeld zu geben, und da keiner der anderen Kunden in der Schlange hinter ihr wissen konnte, was sie tat, schloss sie die Augen und öffnete ihre Sinne. Sie dehnte ihre Wahrnehmung wie eine größer werdende Blase in großen, konzentrischen Kreisen aus, die alles um sie herum aufnahmen.

Das leise Surren der Klimaanlage flüsterte in den Stahlventilatoren über ihrem Kopf. Kaum hörbares Quietschen von Schuhsohlen auf dem Linoleum. Noch leiseres Knarzen von Leder. Gedämpftes Klimpern von Münzen in einer Hosentasche im hinteren Teil des Supermarkts. Ein Streit in der Feinkostabteilung - Ich kriege nie das, was ich will, nicht mal in diesem verdammten Laden -, fauchend durch zusammengebissene Zähne. Der Blick eines Mannes auf Jennas nackte Beine, erhitzt und doch träge. Nichts Gefährliches. Nirgendwo etwas Gefährliches. Noch nicht.

Sie atmete tief durch die Nase ein und nahm all die überwältigenden Sinneseindrücke in sich auf, die sie vor so langer Zeit auszuschließen gelernt hatte.

Da. Da war es.

Ein Tier. Ein hungriges Tier. Ein Raubtier - und zwar ein großes.

Jenna riss die Augen auf, und ihr Herz begann zu rasen. Doch sie blieb wie versteinert stehen, obwohl alles in ihrem Körper schrie: Gefahr! Verschwinde! Lauf!

Sie vermochte nicht zu rennen. Sie war wie...

"Noch nie hat mich ein Debüt so beeindruckt!"
 
"Ich habe mich von der ersten Zeile an in die Geschichte verliebt!"
 
"An 'Nachtjäger' kommt kein Paranormal-Romance-Fan vorbei!"
 
"Fesselt von der ersten Zeile an!"
 
"Sobald man die letzte Zeile gelesen hat, will man nur noch eines: mehr!"

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