Weihnachtsbar der 1000 Sterne

 
 
books2read (Verlag)
  • erschienen am 15. November 2018
  • |
  • 230 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7337-1288-4 (ISBN)
 
Weihnachtsglück mit Tücken Weihnachten mag das Fest der Liebe sein, doch bei Kneipenbesitzer Chris und seiner Mitarbeiterin Lucie donnert es im Dezember gewaltig. Der Grund dafür ist ganz einfach. Chris ist ein eingebildeter Vollidiot und Lucie ein kleines Biest - jedenfalls, wenn man den jeweils anderen fragt. Dass sie trotzdem aneinanderkleben wie Zuckerstange an Strickpulli, können sie sich nicht so recht erklären. Zwischen Festtagstrubel und kleineren Katastrophen müssen Chris und Lucie versuchen, sich zusammenzuraufen, und merken dabei immer wieder: Harmonie ist überbewertet, solange es unter dem Baum so verheißungsvoll knistert.
Auflage
  • Deutsch
  • 1,82 MB
978-3-7337-1288-4 (9783733712884)

1. ZERSTÖRTE DEZEMBERPLÄNE

"Das kannst du mir nicht antun!" Lucie ballte die Hände zu Fäusten und starrte in das leidige Gesicht ihres Chefs. Chris Hobius, dieser Sklaventreiber!

Er würdigte sie keiner Antwort. Stattdessen wühlte er in seinem Rucksack, zog eine Chipstüte nach der nächsten heraus und warf sie ins oberste Fach des Holzregals, das sich hinter der Bar entlang bis dicht unter die Decke zog. Jedes Mal, wenn einer der Gäste nach Chips verlangte, hatte Lucie Mühe, dort heranzureichen. Chris holte noch ein paar Packungen Erdnüsse hervor, pfefferte sie zu den Kartoffelchips, und schließlich schob er die Tüten zurück so weit es ging. Lucie kochte. Das war pure Absicht!

Um sie noch weiter zu provozieren, drehte er den Rucksack um und schüttelte ihn aus, um sicherzugehen, dass er leer war. Sie sah, wie eine Packung Kaugummi, Papierschnipsel und jede Menge Krümel zu Boden fielen. Er bückte sich nach den Kaugummis und steckte sie sich in die Jeanstasche. Den Rest schob er mit dem Fuß unter den Tresen. Na toll! Es war Lucies Aufgabe, hier nachher den Boden zu fegen. Und Chris wies nur zu gern darauf hin, wenn sie beim Saubermachen irgendwo etwas Dreck übersehen hatte. Dabei war er der größte Schmutzfink weit und breit.

Er fuhr sich durchs Haar und blickte Lucie an, als wüsste er nicht mehr, worüber sie eben gesprochen hatten. Selbst jetzt, in ihrem Zorn, ging ihr wieder einmal durch den Kopf, wie unverschämt gut ihr nerviger Chef aussah. Ihr gefielen die klaren hellgrauen Augen und das kräftige dunkelblonde Haar, das wie immer wild und unfrisiert bei jeder Bewegung hin und her wippte. Das selbstgefällige Lächeln, das seine Lippen umspielte, machte ihn nur noch anziehender.

Lucie drängte die Gedanken beiseite und konzentrierte sich wieder auf ihre Wut. Mit seinem guten Aussehen und diesem athletischen Körper konnte er sie nicht um den Finger wickeln! Auch wenn er es sonst gewohnt war, leichtes Spiel bei den Frauen zu ha- ben.

"Ich hatte seit einem halben Jahr keinen einzigen freien Tag. Du hast mir versprochen, dass ich im Dezember zwei Wochen Urlaub bekomme!" Obwohl Lucie mit eindringlicher Stimme zu ihm sprach, schienen die Worte ihn nicht zu erreichen. Der Kerl wirkte völlig gleichgültig.

"Ich kann dir jetzt nicht frei geben, Lucie", erklärte er ihr schulterzuckend. "Wir sitzen in der Patsche, ich hab gar keine Wahl. Wenn du auf jemanden wütend sein willst, dann auf Timmy. Ich kann schließlich nichts dafür, dass er nach zwei Monaten von heute auf morgen das Handtuch geworfen hat." Er bückte sich unter den Tresen und begann, an der Verrohrung unter der kleinen Spüle herumzufingern. Damit schien die Unterhaltung für ihn beendet zu sein.

Lucie stieß ein leises Stöhnen aus. Es überraschte sie, dass Timmy es überhaupt so lange als Aushilfe in Chris Hobius' Bar ausgehalten hatte. Chris war nicht gerade ein angenehmer Zeitgenosse, und als Chef machte er einem den Job manchmal zur Hölle. Auf Dauer ertrug das keiner, zumal die Bezahlung alles andere als üppig war. Dass sie ein ganzes Jahr in der Bar ausgehalten hatte, machte Lucie zu einem lebenden Wunder. Sie hatte schon zahllose Aushilfen kommen und wieder gehen sehen, und die meiste Zeit musste sie den Laden mit Chris, dem Kotzbrocken, allein am Laufen halten. Das Problem bei Timmy war, dass er sich ständig von Chris hatte provozieren lassen. Es hatte so oft Streit gegeben, dass Lucie fast daran verzweifelt wäre, die beiden Kampfhähne immer wieder zu beruhigen. Natürlich war klar gewesen, dass Timmy abhauen würde. Aber hätte er nicht einen besseren Zeitpunkt wählen können?

"Ich hab mir zwei freie Wochen verdient, klar?", versuchte Lucie es noch einmal, obwohl sie bereits wusste, dass er hart bleiben würde. Er war gradlinig und blieb immer bei seinem Wort, ohne einen Zentimeter davon abzurücken. Lucie hatte ihn anfangs für diese Eigenschaft bewundert. Sie zeugte von Stärke und einem festen Willen. Aber jetzt war es einmal mehr sie, die darunter zu leiden hatte.

"Verdient, verdient", tönte seine Stimme unter dem Tresen hervor. "Willst du, dass der Laden vor die Hunde geht? Und ich mit ihm?" Er hob den Kopf und bedachte Lucie mit einem anklagenden Blick, als wäre sie das selbstsüchtigste Wesen, das ihm je unter die Augen getreten war. Sie war fassungslos. Was bildete sich der Kerl ein? Er war ein verwöhntes Söhnchen aus reichem Hause, das jederzeit mit Geld überschüttet werden würde, wenn er seine Eltern darum bat. Aber das ließ sein Dickschädel ja nicht zu!

Lucie atmete tief ein und versuchte, den Drang zu unterdrücken, dem Kerl eine Gemeinheit an den Kopf zu werfen. Sie ließ den Blick durch den überschaubaren Saal wandern. Die wenigen kleinen Tische verteilten sich unregelmäßig im Raum. An der gegenüberliegenden Wand prangte das halbe, stark vergilbte Filmplakat. Der Hexer von Edgar Wallace. Chris hatte das Plakat irgendwann herunterreißen wollen. Dummerweise ließ es sich so schwer entfernen, dass er nach der Hälfte aufgegeben hatte. Direkt daneben hing ein verstaubtes Telefon, das noch mit einer Wählscheibe ausgestattet war. Es funktionierte längst nicht mehr, aber Chris hielt es anscheinend für dekorativ. Um einen neuen Festnetzanschluss für die Kneipe hatte er sich bis heute nicht gekümmert. Wohin Lucie blickte, umgaben sie alte, skurrile Dinge. Eine einzelne Lichterkette baumelte über einem Nagel neben der Tür. Weiter rechts hing ein vergilbter Zettel, bei dem es sich um eine Bestenliste vom Dartspielen handelte. Die Dartscheibe selbst hatte der Vorbesitzer der Bar wohl mitgenommen. Ein alter Autoreifen lehnte jetzt nutzlos an der Wand, während er im Sommer als Türstopper diente. Auf der Fensterbank standen vertrocknete Pflanzen, und unter manchen Tischbeinen steckten Bücher, damit die Tische nicht kippelten.

"Um den Laden würde es mir leidtun. Um dich nicht", knurrte Lucie. Auch wenn die Bezahlung furchtbar und Chris ein Kotzbrocken war, waren ihr seine kleine muffige Kneipe und ihre Stammgäste ans Herz gewachsen. Außerdem lagen nur wenige Fußminuten zwischen der Bar und Lucies Wohnung.

"Kleines Miststück", antwortete er, und ein breites Grinsen erschien auf seinem Gesicht.

"Tyrann!" Lucie bemühte sich, ihren zornigen Blick zu halten. "Das war das härteste Jahr meines Lebens", sagte sie, aber es war sinnlos.

"Dein Problem ist sicher nicht die Arbeit bei mir, Mäuschen. Das Problem liegt wohl eher in deinem Privatleben. Es ist dein Spinner zu Hause, der dich fertig macht", meinte er, bückte sich erneut unter den Tresen und verschwand aus Lucies Sichtfeld.

"Ted ist kein Spinner!", platzte es aus ihr heraus. Aber noch bevor sie den Satz zu Ende gebracht hatte, bereute sie, überhaupt auf seine dämliche Bemerkung reagiert zu haben. Und noch mehr bereute sie, Chris jemals von Ted erzählt zu haben. Doch hier in der Kneipe waren die Nächte manchmal sehr lang und ruhig. Dann saßen Chris und sie zusammen, tranken etwas, und irgendwie wurde sie dann immer ganz redselig. Man konnte sich tatsächlich mit diesem Idioten unterhalten, wenn er sich nicht gerade wie ein Schwachkopf verhielt. Und obwohl sie Chris die meiste Zeit nicht leiden konnte, gab es diese Nächte, wenn der letzte Gast einfach nicht nach Hause gehen wollte, in denen sie sich alles Mögliche erzählten.

Lucie wusste von Chris, dass er seit ein paar Jahren auf jede Unterstützung seiner Familie verzichtete, weil er auf eigenen Füßen stehen wollte. Und dass die Bar seit dem Tag, an dem er die Bruchbude übernommen hatte, kurz vor der Pleite stand. Chris wusste wiederum über Lucies besten Freund Ted Bescheid, mit dem sie Tür an Tür lebte. Sie hatte ihm erzählt, dass sie seit frühester Schulzeit ein Team gewesen waren und seither zusammen durchs Leben gingen. Obwohl es eher so war, dass Lucie durchs Leben ging, während Ted zu Hause blieb und auf ihre Rückkehr wartete. Er ging immer seltener vor die Tür. Weil ihn seine Angststörung daran hinderte, arbeiten zu gehen, steuerte Lucie ihm regelmäßig etwas zu seiner Miete bei. Sie fand das nur richtig, immerhin verbrachte sie mehr Zeit bei ihm als in ihren eigenen vier Wänden. Sie erledigte auch Teds Einkäufe, entsorgte seinen Müll, und in ihrer Freizeit verbrachte sie fast jede Minute mit ihm in seiner Wohnung. Sie leistete ihm Gesellschaft und versuchte, ihm immer wieder Mut zu machen, gegen seine Ängste anzugehen.

"Der Finsterling sitzt Nacht für Nacht auf seiner Couch und zählt die Stunden, bis du endlich von der Arbeit kommst und ihm wieder sein Händchen hältst", hörte Lucie ihren Chef murmeln. "Kein Wunder, dass du so gestresst bist."

Diesmal erwiderte Lucie nichts. Weil ihr nichts Schlagfertiges einfallen wollte, weil sie im Streit mit Chris bisher immer den Kürzeren gezogen hatte, und weil es sowieso nichts gebracht hätte. Chris hatte von Anfang an wenig Verständnis für Teds Phobie gezeigt. Folglich konnte er Lucies Verhalten nicht nachvollziehen. In seinen Augen opferte sie sich für Ted auf und ließ sich von ihm ausnutzen. Eigentlich konnte Chris ihr leidtun. Von Freundschaft hatte er offensichtlich keinen Schimmer.

Lucie beschloss, ein paar Meter Distanz zwischen sich und Chris Hobius zu bringen, indem sie sich in den Nebenraum verzog. Als sie in der Tür stand, drehte sie sich noch einmal zu ihm um. "Nur damit du es weißt: Wenn das weiter so geht, bin ich weg! Und sobald ich was Besseres finde, gehe ich sowieso."

Sie ließ ihn stehen, ohne ihm die Gelegenheit zu geben, etwas zu erwidern. Vielleicht wäre es klüger gewesen, wenn sie sich den Kommentar verkniffen hätte. Aber sie war wütend. Vor allem war sie...

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