Seventeen Moons - Eine unheilvolle Liebe

 
 
cbj (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 12. September 2011
  • |
  • 528 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-05670-4 (ISBN)
 
Manche Geheimnisse verändern dein Leben. Andere bringen es in Gefahr...

Früher dachte ich, in unserer Stadt würde sich nie etwas verändern. Jetzt weiß ich es besser, und ich wünschte, ich hätte damals recht gehabt. Denn seit ich mich in Lena, das Caster-Mädchen, verliebt habe, sind alle Menschen, die mir etwas bedeuten, in Gefahr. Wir dachten, Lena sei die Einzige, auf der ein Fluch liegt, aber da haben wir uns geirrt. Ihr Fluch ist jetzt unser Fluch .

Seit ihrem sechzehnten Geburtstag - der schicksalhaften Nacht, in der sie ihren Freund Ethan ins Leben zurückholte und darüber ihren Onkel Macon verlor -, zieht Lena sich mehr und mehr von allen zurück. So groß ist ihr Schmerz, dass die dunkle Seite die Oberhand über sie zu gewinnen scheint. Da taucht der geheimnisvolle, attraktive John Breed auf. Mit seinem Versprechen einer fernen paradiesischen Caster-Welt zieht er Lena sosehr in den Bann, dass sie alles aufgibt - auch Ethan. Ethan weiß: Will er Lena nicht für immer an die dunkle Seite verlieren, muss er sie aus dem unterirdischen Caster-Labyrinth herausholen. Aber ist er wirklich dazu ausersehen, ihr in die gefährlichen Tunnel zu folgen, die seit Jahrhunderten Platz der dunklen Magie sind und die kein Sterblicher betreten darf?

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
  • 0,89 MB
978-3-641-05670-4 (9783641056704)
3641056705 (3641056705)
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Immerwährender Frieden


15.2.


Da war der Regen, der von Ammas schwarzem Sonntagshut tropfte. Da war Lena, die mit bloßen Beinen in dem zähen Schlamm vor dem Grab kniete. Und da war dieses unangenehme Kribbeln in meinem Nacken, weil viel zu viele Geschöpfe um mich herumstanden, die wie Macon waren. Inkubi - Dämonen, die sich nachts von den Erinnerungen und Träumen der Sterblichen nährten. Da war das unsagbar gruselige Geräusch, als sie das letzte Stückchen dunklen Himmel aufrissen und verschwanden, kurz bevor der erste Lichtstreif am Horizont erschien. Sie waren wie eine Schar schwarzer Krähen, die auf ein geheimes Stichwort hin von einer Hochspannungsleitung auffliegt.

Es war Macons Beerdigung.

Ich erinnere mich noch an jede Einzelheit, als wäre es erst gestern gewesen, obwohl mir manches davon völlig unglaublich vorkommt. Beerdigungen sind eine vertrackte Angelegenheit - so wie das Leben auch. Manches Wichtige verdrängt man völlig, aber zufällige, scheinbar flüchtige Augenblicke verfolgen einen, blitzen im Geist wieder und wieder auf.

Woran ich mich erinnern kann: Als es noch dunkel war, weckte mich Amma, um vor Morgengrauen zum Garten des Immerwährenden Friedens zu gehen. Lena war zerschlagen und erstarrt und am liebsten hätte sie alles um sich herum erstarren lassen und zerschlagen. Der Himmel war dunkel, so wie die Hälfte der Anwesenden am Grab dunkel war, die nämlich, die keine Menschen waren.

Aber da ist noch etwas, woran ich mich jedoch beim besten Willen nicht erinnern kann. Es ist da, kriecht durch mein Unterbewusstsein. Seit Lenas Geburtstag, ihrem Sechzehnten Mond, dem Tag, an dem Macon starb, habe ich versucht, mich daran zu erinnern.

Ich weiß nur, es ist etwas, das ich auf keinen Fall vergessen darf.

Am Morgen von Macons Beerdigung war es draußen noch stockduster, nur hin und wieder fiel zwischen den Wolken der Mondschein durchs offene Fenster. In meinem Zimmer war es kalt, aber das war mir egal. In den letzten beiden Nächten seit Macons Tod hatte ich das Fenster offen gelassen, in der idiotischen Hoffnung, er würde noch einmal kommen, sich in meinen Schaukelstuhl setzen und eine Weile bei mir bleiben.

Ich erinnerte mich noch genau an jene Nacht, als ich ihn im Dunkeln an meinem Fenster stehen sah. Damals war mir klar geworden, was er war: kein Vampir, wie ich anfangs vermutet hatte, und auch keine mythische Gestalt aus einem Buch, sondern ein leibhaftiger Dämon. Einer, der sich von Blut ernähren konnte, der es jedoch vorzog, sich an meinen Träumen zu nähren.

Macon Melchizedek Ravenwood. Für die Menschen hier in der Gegend war er schlicht der alte Ravenwood, ein Einsiedler und Sonderling. Aber er war auch Lenas Onkel und der Einzige, der je so etwas wie ein Vater für sie gewesen war.

Ich zog mich gerade im Dunkeln an, als ich wieder dieses warme Gefühl verspürte, das Lenas Gegenwart in mir auslöste.

L?

Lena sprach aus der Tiefe meiner Gedanken; sie war mir so nah, wie man einem anderen Menschen nur sein konnte, und gleichzeitig auch so weit entfernt. Wir benutzten Kelting, um miteinander zu sprechen, dieses Raunen, mit dem sich Caster schon verständigten, lange bevor es die sogenannte Mason-Dixon-Linie gab, jene gedachte Grenze, die darüber entschied, wer zu den Südstaaten gehörte. Es war die geheime Sprache der Vertrautheit und der Not, geboren in Zeiten, in denen man auf dem Scheiterhaufen enden konnte, wenn man anders war. Es war eine Sprache, in der wir uns eigentlich gar nicht unterhalten konnten, denn ich war ja ein Sterblicher. Aber aus einem unerklärlichen Grund konnten wir es trotzdem. Es war unsere Sprache für das Unausgesprochene und das Unaussprechliche.

Ich kann's nicht. Ich werde nicht gehen.

Ich gab es auf, meine Krawatte zu binden, und ließ mich aufs Bett fallen. Die uralten Matratzenfedern knarrten.

Du musst. Du wirst es dir nie verzeihen, wenn du es nicht tust.

Einen Augenblick lang sagte sie nichts.

Du weißt nicht, wie das ist.

Oh doch, das weiß ich.

Ich dachte an jenen Tag zurück, als ich auf dem Bett saß und Angst hatte, aufzustehen und meinen Anzug anzuziehen; als ich Angst hatte, in der Seelenmesse Verlass mich nicht zu singen und dann in dem düsteren Autokorso durch die Stadt zum Friedhof zu fahren, um meine Mutter zu beerdigen. Denn erst damit war alles grausame Wirklichkeit geworden.

Ich konnte die Erinnerung daran kaum ertragen, aber ich öffnete mich Lena und zeigte ihr alles .

Du meinst, du schaffst es nicht, aber du hast keine andere Wahl. Denn Amma wird dich an der Hand nehmen, dich zum Auto geleiten und in die Kirchenbank führen, und sie wird bei den Beileidsbezeugungen neben dir stehen - auch wenn jede Bewegung schmerzt, als wärst du von einem Fieber befallen. Du blickst in die Gesichter vor dir, hörst das mitleidige Murmeln, aber du verstehst nicht, was sie sagen. Der Schrei in deinem Kopf übertönt alles. Also lässt du es über dich ergehen, wenn sie dir die Hand auf den Arm legen, du steigst ins Auto und alles geht seinen Lauf. Denn du schaffst es, wenn dir jemand sagt, dass du es schaffst.

Ich stützte den Kopf in die Hände.

Ethan .

Ich sage, dass du es schaffst, L.

Ich rieb mir über die Augen; sie waren nass. Rasch knipste ich das Licht an und starrte, ohne zu blinzeln, so lange in die nackte Glühbirne, bis die Tränen getrocknet waren.

Ethan, ich habe Angst.

Ich bin hier. Ich gehe nicht weg.

Schweigend versuchte ich, meine Krawatte zu binden, aber ich spürte Lenas Gegenwart, als säße sie in einer Ecke meines Zimmers. Seit mein Vater nicht mehr hier war, kam mir das Haus leer vor.

Ich hörte Amma im Flur, und schon stand sie wortlos in der Tür, ihr Feiertagstäschchen in der Hand. Sie sah mich aus ihren dunklen Augen an. Die zierliche Person kam mir richtig groß vor, auch wenn sie mir nicht mal bis an die Schulter reichte. Sie war für mich die Großmutter, die ich nie gehabt hatte, und die Mutter, die ich verloren hatte.

Mein Blick glitt zu dem leeren Stuhl neben dem Fenster, über den sie meinen Sonntagsanzug gelegt hatte, so wie vor einem knappen Jahr schon einmal, dann starrte ich wieder in die nackte Glühbirne.

Amma streckte die Hand aus und ich reichte ihr die Krawatte. Vielleicht war Lena nicht die Einzige, die meine Gedanken lesen konnte.

Ich bot Amma meinen Arm, als wir den Hügel zum Garten des Immerwährenden Friedens hinaufstiegen. Der Himmel war düster, und der Regen setzte ein, ehe wir auf der Anhöhe angelangt waren. Amma trug ihr bestes dunkles Kostüm. Der ausladende Hut schützte sie vor dem Regen, nur der üppige weiße Spitzenkragen wurde an den Rändern nass. Sie hatte ihn mit ihrer besten Brosche am Kleid festgesteckt - ein Zeichen der Ehrerbietung. Das alles hatte ich schon im vergangenen April gesehen, ebenso wie ich ihre besten Handschuhe auf meinem Arm gespürt hatte, als sie mich stützte, während wir damals den Hügel erklommen. Diesmal wusste ich nicht, wer wen stützte.

Ich begriff nicht ganz, weshalb Macon ausgerechnet auf dem Friedhof von Gatlin beerdigt werden wollte, schon gar nicht, wenn man bedachte, wie sich die Leute hier ihm gegenüber verhalten hatten. Glaubte man Gramma, Lenas Großmutter, dann hatte Macon unmissverständlich angeordnet, hier begraben zu werden. Er selbst hatte die Grabstätte vor Jahren gekauft. Lenas Familie war darüber wohl nicht sonderlich glücklich gewesen, aber Gramma hatte Macons Willen durchgesetzt. Sie würden seinen Wunsch respektieren, wie es in jeder anständigen Familie im Süden üblich war.

Lena? Ich bin hier.

Ich weiß.

Ich merkte, wie meine Stimme sie beruhigte, so als hätte ich meinen Arm um sie gelegt. Mein Blick glitt zu dem Baldachin, unter dem die Beisetzungsfeierlichkeiten abgehalten wurden. Es sah aus wie bei jeder anderen Beerdigung in Gatlin auch, was irgendwie verrückt war, denn schließlich ging es um Macon, den alten Ravenwood.

Es war noch nicht richtig hell, trotzdem konnte ich in der Ferne bereits Konturen ausmachen. Windschief, keine war wie die andere. Da waren die alten, krummen Reihen der kleinen Grabsteine auf den Kindergräbern, die überwucherten Familiengrabmäler, die verwitterten weißen Obelisken mit den kleinen Messingkreuzen, die an die Gefallenen der Konföderierten Armee erinnerten. Sogar General Jubal A. Early, dessen Standbild über das General's Green in der Stadtmitte wachte, lag hier begraben.

Wir gingen um das Familiengrab einiger nicht ganz so berühmter Gatliner herum. Sie lagen hier schon so lange, dass sich der geschmeidige Stamm einer Magnolie um den größten Grabstein gewunden und ihn völlig überwuchert hatte.

Ja, und geheiligt waren sie. Alle waren sie geheiligt, woraus man ersehen konnte, dass wir den ältesten Teil des Friedhofs erreicht hatten. Geheiligt - so lautete das erste Wort auf jedem alten Grabstein in Gatlin, das wusste ich von meiner Mutter. Als wir näher kamen und sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, sah ich, wohin der schlammige Kiesweg führte. Ich dachte sofort an die steinerne Friedhofsbank auf dem grasbewachsenen, von Magnolien umsäumten kleinen Hügel. Und ich erinnerte mich daran, wie mein Vater auf dieser Bank gesessen und nicht in der Lage gewesen war, sich zu rühren oder auch nur ein Wort zu sprechen.

Meine Füße drohten, mir den Dienst zu versagen, denn sie hatten das Gleiche herausgefunden wie ich: Macons Garten des Immerwährenden Friedens und das Grab meiner Mutter lagen nur...

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