Maker Days for Kids

Analyse und Konzepterstellung
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 31. Juli 2018
  • |
  • 200 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7528-5341-4 (ISBN)
 
Die Bedeutung der Maker Education, welche hier im Zuge von Maker Days umgesetzt wird, nimmt beständig zu. Hier werden im ersten Teil theoretische Grundlagen erarbeitet, die dem Making zugrunde liegen. In Bezug auf die formulierte Forschungsfrage werden dabei auch Tendenzen der Maker-Bewegung erörtert, die bestimmten sozialen Gruppen die Partizipation erschweren. Diese Ergebnisse werden in einem zweiten Teil mit der konkreten Realisierung von Maker Days in Verbindung gebracht. Die 2015 stattgefundenen Maker Days for Kids in Bad Reichenhall werden analysiert und die damals gesammelten Daten ausgewertet. Daraus geht schlussendlich hervor, wie Maker Days konzipiert und umgesetzt werden können und welche Bedeutung Veranstaltungen wie Maker Days hinsichtlich der technischen und informatischen Bildung zukommt.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 5,76 MB
978-3-7528-5341-4 (9783752853414)
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Die Autorin Lena Gappmaier studierte Lehramt Informatik an der Technischen Universität Graz und Lehramt Deutsch an der Universität Graz.

6 Making und Bildung


Wenn Anderson beschreibt, was Maker als Personen ausmacht, trifft er die Aussage, dass wir alle als Maker geboren werden. Er verweist auf die Faszination, die man als Kind erfährt, wenn man etwas zeichnet, bastelt oder mit LEGO baut (vgl. 2012, 12). Die Bedeutung des Makings geht aber über das Kleinkindalter hinaus. Es lassen sich Parallelen zwischen Making und pädagogische Ansätzen und Theorien herstellen, anhand derer gezeigt werden kann, welches Potential Making-Aktivitäten für Kinder und Jugendliche bereithält. (Vgl. Schön/Ebner/Kumar 2014, 5f.) Dieses Potential kann genützt werden, um auf eine ständig im Wandel befindliche Gesellschaft und Arbeitswelt zu reagieren und eventuelle Schwächen des Bildungssystems auszugleichen (vgl. Halverson/Sherdidan 2014).

6.1 Bildungs-/Lerntheoretischer Hintergrund

Seymour Papert kritisiert, dass Schule Kindern und Jugendlichen vermittle, Lernen finde nur durch Unterricht statt. Denn so wird die Fähigkeit von Kindern untergraben, sich selbstständig Wissen und Fähigkeiten anzueignen. Dabei zielt schulisches Lernen hauptsächlich auf die Fähigkeit ab, zur richtigen Zeit die richtigen Antworten zu geben. Gegenüber dem Lernen im schulischen Umfeld stellt Papert das "häusliche Lernen", jenes Lernen, das durch eigenes Entdecken und Beobachten zustande kommt. Papert nennt es auch "natürliches Lernen", "Lernen nach Piaget" oder "entdeckenlassendes Lernen". Diese Ideen stehen im Zeichen der Bewegung des Konstruktivismus. Darunter wird verstanden, dass Lernen ein aktiver Konstruktionsprozess ist, in dem die Lernenden Wissen selbst als Repräsentation der Welt erzeugen. Am erfolgreichsten ist dieser Prozess, wenn er selbstbestimmt erfolgt. In diesem Sinne steht auch der Slogan "Verstehen ist erfinden", den Piaget, einer der berühmtesten Vertreter konstruktivistischer Lerntheorien, prägte [zit. nach Papert 1996, 53]. Es besteht somit kein reiner Wissenstransfer von der Lehrperson zu den Lernenden (eine sogenannte Pipeline oder Ein-Weg-Kommunikation). Vielmehr müssen die Bedingungen geschaffen werden, die das 'Erfinden' ermöglichen. (Vgl. Papert 1996, 52-57)

Auch die noch weiter zurückliegende Arbeit John Deweys ist in diesem Zuge zu nennen (z. B. "My Pedagogic Creed", 1929; "The School and Society", 1899; "The Educational Situation", 1902). Nach dem amerikanischen Pädagogen muss Schule mitten im Leben verortet sein und darf nicht nebenher ablaufen. Das wird nach Dewey ermöglicht, wenn Kinder mit Werkzeugen und Materialien arbeiten, wenn sie aktiv etwas schaffen, konstruieren und untersuchen. Dabei betont er gleichermaßen den sozialen Aspekt: Schule müsse individuelle und gesellschaftliche Ideale vereinen - das gegenseitige Helfen gehöre dabei zum natürlichen Lernprozess. Das Lernen erfolge außerdem nicht in einzelnen Fächern, sondern ergäbe sich aus der praktischen Arbeit. Es erfolge dabei selbstbestimmt, das Kind definiere die Art und das Maß des Lernens. (Vgl. Rechtmann 1969, 272f.)

Papert baut auf diesen Philosophien Deweys und Piagets auf. Er konzentriert sich besonders auf das Konstruieren und benennt dieses Konzept mit der Wortschöpfung Konstruktionismus:

Constructionism - the N word as opposed to the V word - shares construcivism's connotagion of learning as 'building knowledge structures' irrespective of the circumstances of the learning. It then adds the idea that this happens especially felicitously in a context where the learner is consciously engaged in constructing a public entity, wether it's a sand castle on the beach or a theory of the universe. (Papert/Harel 1991, 1).

Simplifiziert kann man Konstruktionismus als "learning by making" verstehen (ebd., 6). Papert und Harel gehen in ihren Überlegungen von künstlerischen Tätigkeiten aus, in denen Kinder vollends aufgehen und lernen, während sie ausprobieren, die Werke anderer sehen, davon inspiriert werden und wiederum neue Ideen umsetzen. Die Ergebnisse sind Objekte, die wertgeschätzt werden. Dieses intuitive Prinzip versucht Papert auf Lernen im Allgemeinen umzulegen - wie kann ein erfolgreicher, selbstgesteuerter Erwerbsprozess etwa auf die Mathematik übertragen werden? Nach Papert wird dies erreicht, indem die Lernenden als ProduzentInnen oder eben KonstrukteurInnen auftreten. Es wird etwas erzeugt - das ist der Aspekt, der Paperts Konstruktionismus vom Konstruktivismus unterscheidet -, das es wert ist, gezeigt und geteilt zu werden. Dabei kann es sich sowohl um digitale als auch um physische Erzeugnisse handeln. (Vgl. Martinez/Stager 2013, 21)

Neben dem Konstruktionismus gibt es noch andere pädagogische Modelle und Konzepte, mit denen sich Making in Einklang bringen lässt. Besonders jene im Zeichen der Reformpädagogik weisen Denkansätze auf, die sich in ihren Grundzügen gut mit dem Konzept, das hinter Making steht, vereinen lassen (vgl. auch Schön/Ebner/Kumar 2014, 5). Ein Konzept, das eine ganze Bewegung nach sich zog und bis heute präsent ist, stammt von Maria Montessori. Die Ärztin arbeitete mit geistig behinderten Kindern und gründete 1906 das erste Kinderhaus in Rom. Von dort ausgehend verbreitete sich Montessoris Konzept, das vor allem auf dem selbstbestimmten Lernen basiert, weltweit. Die Lehrpersonen können dabei anleiten und vormachen, um die Aufmerksamkeit des Kindes zu kanalisieren. Daneben kommt der Umgebung die wichtigste Bedeutung zu: Durch die dortigen Materialien kann das Kind selbstbestimmt den eigenen Lernbedürfnissen folgen. (Vgl. Dühlmeier 2012, 290)

Auch das pädagogische Konzept nach Freinet ist an dieser Stelle zu nennen. Célestin und Elise Freinet entwickelten ein Schulkonzept, bei dem Lernen durch Arbeit als natürlicher Prozess angeregt werden soll. Kindern muss dafür eine Lernumgebung zur Verfügung gestellt werden, in der dies ermöglicht wird. Davon abgesehen greift die Lehrperson wenig ein, das Lernen erfolgt selbstbestimmt durch das Entdecken und Forschen. Das geschieht etwa, indem Klassenräume als Arbeitsateliers eingerichtet werden und Lernen nicht auf schulische Orte beschränkt wird - die künstliche Trennung zwischen Leben und Schule wird also aufgehoben. (Vgl. Dühlmeier 2012, 289)

Weitere pädagogische Theorien, die in diesem Sinne von Bedeutung sind, sind beispielsweise jene von Johann Heinrich Pestalozzi (vgl. Rechtmann 1969, 155-166), Friedrich Fröbel (vgl. Rechtmann 1969, 207-211) oder die Reggio-Pädagogik nach Loris Malaguzzi (vgl. Kubandt 2012, 335). Obwohl alle genannten Philosophien unterschiedliche Schwerpunkte setzen, lassen sich Gemeinsamkeiten finden. Es wird stets das selbstbestimmte Lernen betont: Die Lernenden können die Aktivitäten nach eigenen Interessen und dem individuellen Fortschritt durchführen. Lehrpersonen stehen für Hilfestellungen zur Verfügung, geben aber nicht vor, wie etwas zu lösen ist. Der Umgebung kommt eine große Bedeutung zu und den Lernenden wird freier Zugang zu Materialen ermöglicht. Es wird das Lernen in einer natürlichen Umgebung angestrebt (besonders bei Montessori ist das von Bedeutung), oder sogar in außerschulische Bereiche verlegt. Damit lassen sich deutliche Überschneidungen zum Konzept des Makings festmachen und die genannten pädagogischen Konzepte können als theoretisches Fundament, auf dem Making aufbaut, herangezogen werden.

6.2 Making zwischen formaler und informaler Bildung

In den letzten Jahrzehnten hat sich unser Gesellschaftssystem durch Phänomene wie die Globalisierung oder digitale Vernetzung grundlegend gewandelt. Das schlägt sich in veränderten Anforderungen nieder, die sowohl die Arbeitswelt als auch das private Leben betreffen. Das Bildungssystem hat sich verglichen dazu wenig verändert. Luke Rainey zeigt dies für das amerikanische Schulsystem (vgl. 2014, 3f.); seine Feststellungen lassen sich aber in großen Teilen auf Europa übertragen. Rainey kreidet diesem System an, vor allem auf "punctuality, obedience, and rote memorization" ausgelegt zu sein (ebd., 4). Das sind Fähigkeiten, die den Anforderungen der heutigen Zeit nicht mehr entsprechen. Stattdessen betont Rainey Kompetenzen wie Flexibilität, Innovativität und Kreativität, außerdem autonom und kritisch Denken zu können - Werte, die für eine funktionierende Demokratie fundamental sind. (Vgl. ebd., 4f.) Es gibt bereits erfolgreiche Ansätze, wie Schule anders gestaltet werden kann, die sich meist an den bereits erwähnten Ideen der Reformpädagogik orientieren. Beispiele sind etwa Schulen, die offene Lernformen oder Lernen nach Montessori umsetzen. Auch in Regelschulen engagieren sich Lehrpersonen innerhalb des Rahmens, der durch den festgesetzten Ort, die beschränkte Zeit sowie die vorgegebene Leistungsbeurteilung besteht, vielfältige Methoden abseits des Frontalunterrichts einzusetzen. Making spielt dabei aber meist nur in einzelnen Projekten, im Rahmen der Nachmittagsbetreuung oder in Freifächern eine Rolle und ist bis jetzt nicht als Teil der formalen Bildung etabliert. (Vgl. Halverson/Sheridan 2014, 498-500; Martin 2015, 30; Schön/Ebner 2017,...

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