Zwanzig Fässer Sauerkraut - Teil 2

zwischen den Indianern / zwischen den Fronten
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 12. August 2020
  • |
  • 300 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7526-3088-6 (ISBN)
 
Das Leben von George Hungerlund und seiner Freundin Clara Pruz in Nordamarika ab 1751 geht weiter. Werden sie wie bisher bei den Indianern leben? Müssen sie eventuell erneut flüchten? ... sie finden viele neue Freunde wie Daniel Boone oder die Iowa-Indianer verleben einsame Winter in der Prärie, werden älter und ihre Kinder heiraten. Das ganze hochemotional und mit harten Fakten unterlegt.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 1,84 MB
978-3-7526-3088-6 (9783752630886)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Rolf Gänsrich schreibt seit 1996 Kiezgeschichte und -geschichten in der Monatszeitung "Prenzelberger Ansichten", Moderationen für seine eigenen Hörfunksendungen bei einem freien Berliner Radio und Kurzgeschichten, Gedichte und vieles mehr

IV. Zwischen den Fronten


Wie verabredet, wollte man von nun an Waren nach Fort Du Quesne liefern. Die erste dieser neuen Lieferungen übernahm George der Weiße Wolf noch selbst, gemeinsam mit Ray, auch um nach Sabine zu sehen. Auf dem Hinweg legte er wieder einen Zwischenstopp in seiner Zweigniederlassung am Ohio-River ein. Natürlich hatte er nicht die Absicht, den Handel mit den Briten komplett aufzugeben, aber es musste jetzt vorsichtiger geschehen und so wies er John Walton und Tom Armstrong an, nicht wie bisher auf geradestem Weg den Handelspfad zur nächsten britischen Siedlung zu nehmen, sondern ruhig auch Umwege von zwei bis drei Tagen zu nehmen und dabei gelegentlich mal an den Resten von Bedford vorbei zu schauen. Ihr Weg bis zur nächsten britischen Siedlung bestand ohnehin aus nicht viel mehr, als aus einer Aneinanderreihung von Wildwechseln, Pfaden der Waldbisons und einstigen Handelsrouten der zum größten Teil aus dem östlichen Vorland des Allegheny-Gebirges vertriebenen Indianer.

Statt eines extra Lastenkanues transportierten Ray und der Weiße Wolf ihre Waren dieses mal in ihren beiden eigenen Kanues.

Bei ihrer Ankunft in Fort Du Quesne wurde der Weiße Wolf von einigen Mitgliedern der Torwache gleich wiedererkannt. Das Fort war in den zwei Wochen, seit seiner Abfahrt von hier gewachsen. Der Weiße Wolf sah neue die Fundamente und die ersten Pfosten neuer Häuser einer kleinen Ansiedlung, die sich in nordöstlicher Richtung dicht am Fort von außen gegen die neuen Palisaden drückten. Der Proviantmeister von Du Quesne machte ihnen an der Anlegestelle persönlich seine Aufwartung, ließ die mitgebrachten Waren, wieder zwei Fässer Sauerkraut, mehrere Spannen Kinnikinnick und eine Elle mit mageren Sommerpelzen, abtransportieren. Während er den Weißen Wolf mit ins innere des Forts in sein Warenlager nahm, blieb Ray sicherheitshalber bei den Kanues. Dort in dem Warenlager des Forts entdeckte George der Weiße Wolf viele Dinge, die er schon lange nicht mehr gesehen, aber dennoch nicht entbehrt hatte. Darunter war unter anderem echtes, europäisches Weizenmehl, das allerdings seinen Preis sicher nicht wert war, Waffen aller Art, Pulver und Kugeln in allen möglichen Abpackungen, Lederhäute, aber auch Bücher und sogar deutsches Bier aus Danzig. Von letzterem ließ er sich einen kleinen Steinkrug voll abfüllen, um es später am Ohio mit Ray und Micha in Ruhe zu genießen. Auch mit allen anderen Waren, vor allem Pulver und Blei, wurden sich George der Weiße Wolf und der Proviantmeister schnell handelseinig. Den Transport der Einkäufe zur Anlegestelle übernahmen zivile Angestellte aus dem Fort. Der Weiße Wolf fragte den Proviantmeister auch, ob er etwas von Sabine wisse, der verneinte aber in einem komischen Kauderwelsch aus französisch, englisch und deutschen Brocken.

Am Fluss traf der Weiße Wolf wieder auf Ray, der sich schon daran gemacht hatte, die Kanues mit den eingekauften Waren zu beladen und der Weiße Wolf beteiligte sich daran. Einer plötzlichen Eingebung folgend, ließ er aber Ray nochmals allein bei den Booten und ging zurück ins Fort. Irgendwer würde ihm sicher sagen können, wie es Sabine ging. Wo könnte man Informationen bekommen? Der Weiße Wolf entschied sich, als erstes den Barbier aufzusuchen. Vor allem die oberen Dienstgrade in einer Armee besuchten den ja regelmäßig. Dort konnte man immer etwas Neues erfahren. Es ist schließlich eine wirkliche Vertrauenssache, einem fremden Menschen mit einem scharfen Messer an der eigenen Kehle, oder bei Zahnschmerzen im eigenen Mund herum hantieren zu lassen. Deshalb erzählt man beim Barbier viel Persönliches. Aber in der Stube des Barbiers konnte er nichts weiter erfahren, als den Hinweis, es einmal in der Schenke im Fort zu versuchen.

So ging der Weiße Wolf also dort hin. Mitten am Tag saßen hier, wie in den Gaststuben der ganzen Welt bis heute, die immer genau gleichen drei schäbigen Gestalten. Da gab es zum einen den Zuträger, der immer versuchte, alle auch nur annähernd rebellisch erscheinenden Gespräche genauestens zu verfolgen, um anschließend sie und die Namen derer, die da diskutiert hatten, bei seinem militärischen Vorgesetzten zu verpfeifen. Dann gab es diesen grundsätzlich alles kommentierenden Zahnlosen, der nie Probleme mit, aber immer Probleme ohne Alkohol hatte und bei dessen meckerndem Gewieher, das ein Lachen darstellen sollte, er regelmäßig seine ein- oder zwei Zahnstumpen entblößte. Und schließlich gab es die mindestens genauso abgewrackte Halb-Prostituierte, die sich sofort an jeden Neuankömmling, der nur halbwegs nach gefüllter Brieftasche aussah, schmiegte und ihm vollkommen ungefragt ihre Zunge in die Ohren oder gar bis an die Mandeln schob. Die Frau musste der Weiße Wolf erst einmal abwehren. Er fragte als ersten den Wirt nach Sabine, wobei die Verständigung nicht einfach war, weil der Wirt kein englisch oder deutsch, George aber kein französisch sprach.

Der Zahnlose wieherte in seiner dunklen Ecke, als er diese beidseitig erfolglosen Verständigungsversuche mitbekam und rief dann George in gebrochenem deutsch an: "Hast du einen Cognac für einen alten Unteroffizier?" George sah den Wirt an. Der verstand nun auch ohne Worte, schob einen Becher auf die Theke und goss irgendetwas, das schrecklich nach billigem Fusel roch, hinein. George nahm den und setzte sich zu dem Alten in die Ecke.

"Danke, mein Freund!", kicherte der Alte wiehernd. "Du willst also wissen, was aus dem jungen Ding geworden ist, das beim Herrn Baron, unserem Kommandanten, vor einigen Wochen aufgetaucht ist, gemeinsam mit einem fremden Paar aus Preußen. Du bist einer davon, mein Junge?" "Ja, mon cher.", erwiderte der Weiße Wolf. Der Alte fuhr fort: "Ja, du, mein Guter.", er kicherte wieder, "Nachdem ihr das Fort hier verlassen hattet, hat der Baron die junge Frau, Sabine hieß sie wohl . hihihi . unseren Soldaten zur Verfügung gestellt. Sehr nett eigentlich, von dem Herrn Baron. Leider aber hat er dafür denen, die diese Frau benutzten, einen Teil ihres Soldes gestrichen und den für sich einbehalten . hihihi . Ein feiner Herr, dieser Herr Baron. .. Ich hab aber nichts gegen ihn gesagt. . hihihi . Haben sie dafür aber mächtig ran genommen, unsere Soldaten die kleine Frau . hihihi". Der Weiße Wolf nickte und der Alte erzählte weiter: "Tja, vor vier Tagen ist die Frau dann plötzlich verschwunden. . hihihi . ein Posten am Haupt-Tor hat sie wohl noch sich am Fluss unten waschen gesehen. Dann war sie plötzlich weg. Ein paar Indianer haben ihre Leiche einen halben Tag später am Ufer von Brunot-Island gefunden. Wir haben sie gestern auf dem Friedhof des Dorfes, in östlicher Richtung vom Fort, beigesetzt. . hihihi . armes Ding, dieses Ding. . hihihi . hat wohl das ganze hier nicht verkraftet."

Der Weiße Wolf hatte genug gehört. Er ließ dem Alten noch einen weiteren Schnaps bringen, drückte dem Wirt dafür zwei Livre (französische Silbermünzen), von denen er eben welche neben den Waren vom Proviantmeister erhalten hatte, in die schwielige Hand und begab sich anschließend zu Ray.

Dem erzählte er, was er eben in der Schänke erfahren hatte.

Recht schweigsam fuhren sie zurück zu ihrer Niederlassung am Ohio-River, recht schweigsam verbrachten sie den Zwischenstopp am Abend.

Auch in ihrer Handelsniederlassung war das erste, wovon der Weiße Wolf unterrichtete, der Tod von Sabine. Einzig, um für sich noch ein paar Tage Zeit heraus zu holen, bevor er wieder zu den Frauen am Biberfluss musste, beschloss George, Ray gemeinsam mit Tom Armstrong zum Biberfluss vorfahren zu lassen, während er mit Micha Fielsch erkunden wollte, was aus dem ehemaligen Bedford geworden war. John Walton der gerade zufällig von einer Handelsreise nach Osten mit zwei Packpferden zurück gekehrt war, sollte unterdessen am Ohio-River bleiben.

Am nächsten Morgen brachen sie auf. Der Weiße Wolf hatte ganz schön zu tun, um mit dem etwas drahtigeren Micha im Wandertempo mithalten zu können. Das gute an seiner Ehe war, dass er gut bekocht wurde und gezwungen war, regelmäßig zu essen. Außerdem liebte er Morgentau zu sehr, um auch nur eine Nacht von ihr fern zu bleiben. Diese Ausflüge nach Fort Du Quesne war das erste mal seit Jahren, dass er sie länger nicht sah. Aber das gute und regelmäßige Essen hatten seiner Figur und seiner Kondition geschadet.

Führte ihr normaler Handelsweg sie sonst schnurstracks nach Osten, nahmen Micha und der Weiße Wolf jetzt einen direkten Weg nach Süden. Wie abgeschieden ihr Handelsposten am Ohio-River eigentlich war, sah man daran, dass sich im Normalfalle höchstens einmal pro Monat ein paar Reisende, meist waren es Indianer, zu ihnen verirrte. Am Biberfluss handelte man dagegen fast täglich mit den Dorfbewohnern, denn ein Problem war aufgetaucht, mit dem man Anfangs nicht gerechnet hatte: Es gab keinen wilden Kohl. Nein, es gab ursprünglich gar keinen Kohl in Amerika! Im ersten Jahr ihres Handelspostens am Biberfluss hatten sie erst noch mühsam einige wenige Sack von Farmern weit im...

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