Kaufhallengeschichten, Hundegeschichten, Radiogeschichten

 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 21. April 2020
  • |
  • 342 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7519-2512-9 (ISBN)
 
Was einem im Einzelhandel der DDR so passierte und wie man darin die Wende erlebte ist der erste Teil.
Er war aber für ein einzelnes Buch nicht ausreichend.
Was ich mit meinem Hund, einer süßen Pudeline, erlebte, war leider auch nicht ausreichend für ein Buch.
Deshalb und weil ich im April 2020 seit fünfzwanzig Jahren im Radio "on air" bin, noch die Radiogeschichten. Was kann man alles für interessante Menschen im Studio kennenlernen und warum macht "Radio machen" einfach Spaß, kann man hier erfahren.
Die Hintergründe immer journalistisch korrekt recherchiert, die Texte im Radioformat, .... kurz halt.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 4,32 MB
978-3-7519-2512-9 (9783751925129)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Rolf Gänsrich schreibt seit fünfundzwanzig Jahren für die Monatszeitung "Prenzelberger Ansichten", macht seit 1995 regelmäßig Radio, seit 2003 steht er auf Kleinkunstbühnen und machn seit 2011 Stadtüführungen durch seinen Kiez, den Prenzlauer Berg.

die Ratte im Papierbunker

Ich hatte die Ratte wirklich nicht gesehen, als ich eines Nachmittags den Altpapierbunker öffnete, um einige Bündel gefalteter Kartons dort hinein zu bringen. Ich hörte nur ihren Todesschrei, als ich die Stahltür des Bunkers wieder schloß. Eine Ratte hatte versucht zwischen Türscharnier und Wand vor mir zu flüchten, hatte das aber nicht rechtzeitig geschafft und ich zwerquetschte nun mit dem Zuschlagen der Tür ihren kleinen Körper, während ihr Kopf bereits im freien hing.

Niemand von uns hat es je geschafft, den kleinen Kadaver von dort zu entfernen. Die toten Rattenaugen starrten mich noch Jahre später dort an.

Der Ratten-Highway

Wir hatten wohl deshalb in unserer Filiale am Steuerhaus so viele Ratten, weil wir in unmittelbarer Nähe des Zentralvieh- und Schlachthofs waren. Tagsüber sah man diese Tiere nicht. Jeden Abend und auch am Samstag nach Feierabend, mußten zwei Leute unserer Filiale die Tageseinnahmen in einer Geldbombe zur nächsten Sparkassenfiliale, die war in der Fritz-Riedel-Straße, bringen. Das wurde als zusätzliche halbe Arbeitsstunde berechnet. Auf dem Weg dorthin mußte man auf der Landsberger Allee die Ringbahn am S-Bahnhof überqueren. Ab nach zwanzig Uhr, am Freitag war sogar bis 20 Uhr geöffnet und wir verließen die Kaufhalle erst nach 21 Uhr, war auf den Straßen weniger Fußgänger- und Autoverkehr und von da an "tanzten" die Ratten auf der Brücke "Ballett". Die Ratten wurden auf dem Zentralviehhof fast gemästet, waren dick, fett und rund, wie wohlgenährte Kaninchen und liefen Abends und Nachts rudelweise über die Brücke in die angrenzenden Wohngebiete.

Rattenwurst

Die nette Büromitarbeiterin, die uns jeden morgen mit einem kleinen Bollerwagen unsere zwei Kisten frischer Wurst und Fleisch brachte, erzählte uns mal bei ihrer Anlieferung, daß sie deshalb keine Wurst aus ihrer eigenen Firma kaufe, weil sie selbst es schon einige male beobachtet hatte, wie Ratten, die auf den Rändern von Wurstcuttern herum spazierten und die in die sich anbahnende Wurstmasse fielen, dort nicht etwa wieder heraus geholt wurden, sondern der Mitarbeiter stellte einfach die Messer des Cutters dort auf einen noch schnellerern Lauf ein und zerhackte die kleinen Leiber. Dies geschehe wohl täglich, berichtete uns die Dame.

Wir bekamen in jenen Jahren Fleisch und Wurst nicht nur vom Zentralviehhof, sondern zur Hälfte bereits aus dem noch nicht auf voller Leistung arbeitenden "Fleischkombinat Eberswalde".

"Bis auf die Eberswalder Würstchen kannste aber die Wurst von da vergessen.", stellte mein Fleisch-Chef Bernie immer wieder fest. "Aber deren Fleisch ist gut."

Das hatte sicher damit zu tun, daß das reine und gute Fleisch des Zentralviehhofs gegenüber gleich nach Westberlin ging. Das gute Fleisch aus Eberswalde ging dagegen zu uns nach Ostberlin, während dort die Brandenburger das nachsehen hatten.

Auf dem Zentralviehhof wurde bis 1991 geschlachtet und produziert.

Und auch noch dies: Eines Morgens kam eine sehr aufgeregte Kundin mit einer Tüte geschnittenen Toastbrotes zu mir, um es zu reklamieren. Eine Maus war dort offenbar mitgebacken und schließlich auch nach dem backen mit geschnitten worden. Das war auch uns nur noch ekelig.

verschiedene Kantinenversorgungen

So unterschiedlich wie die Betriebe, so unterschiedlich waren auch die Versorgungseinrichtungen für die Mitarbeiter.

Eine Caféteria oder Mensa gab es an unserer Schule nicht. Für das Schulessen ging man an unserer Schule über die Straße in eine Baracke, in der auch der Hort untergebracht war und die Vorschule statt fand, einige Jahre wurden auch die 1. + 2. Klasse unterrichtet. Dort noch extra Getränke oder Süßwaren kaufen, gab es nicht. Bis zur Mittelstufe gab es pro Klasse wöchentlich zwei "Milchverantwortliche", die morgens die von uns in der Vorwoche bestellte Milch in Kübeln in die Klasse brachte und verteilte. Die Milch in Berlin war abgepackt zu je einem Viertelliter in dreieckigen Tetrapacktüten, im Rest der DDR in Flaschen mit Alukappe. Es gab die Varianten: normale Vollmilch oder mit den Geschmacksrichtungen Vanille, Erdbeer oder Kakao, später auch Schokolade. Mit Beginn der 7. Klasse ging es alle zwei Wochen im Unterrichtsfach "P.A." - Produktive Arbeit" in eine richtige Firma. In der 7. + 8. Klasse war es das Metalleichtbaukombinat in Hohenschönhausen hinter dem StaSi-Knast. In der 9. + 10. Klasse ging es zum Gummiproduzenten "Pneumant", erst in die Weißenseer Bizetstraße, dann eine Zeit lang in die Boxhagener Straße und auch nach Rummelsburg, irgendwo zwischen Haftanstalt und Kraftwerk Klingenberg. Da überall gab es richtige Kantinen, aber vom Taschengeld war da kaum mehr drin, als der Kauf "so'ner gelben Brause", wie sie die Band Pankow in ihrem Stück "Werkstattsong" besingt, die ekelige und allgegenwärtige "Bitter Lemon".

In meiner Berufsschule gab es keine Pausenversorgung. Man brachte sich Stullen und "eine gelbe Brause" selber mit. Die Kantine im praktischen Teil im ersten Lehrhalbjahr hab ich bereits beschrieben. Im zweiten Halbjahr ging es in die Jacobsohnstraße / Charlottenburger Straße. Diese Kantine hatte so das übliche Minimalangebot, also Bockwurst, Knacker, Buletten mit Schrippe, manchmal sogar mit selbst gemachtem Kartoffelsalat, gelbe Brause, Club-Cola, vielleicht auch noch Apfelsaft und Selters, heißer Kaffee und Tabakwaren. In der Buchhaltung in der Chausseestraße das gleiche Bild. Dort bin ich in der Mittagspause allerdings oft zwei Stationen mit der Straßenbahn bis zum Oranienburger Tor gefahren und hab mir dort Currywurst mit Salat an einem Imbiss geholt. Das letzte Lehrhalbjahr und das erste richtige Berufsjahr war ich in Karlshorst. Dort war alles noch im Aufbau. Die ersten Wochen dort gab es eine Kantine in einer Ziehharmonika-Baracke (eine solche steht heute in der Kopenhagener Str. / Sonnenburger Straße bei mir am Prenzlauer Berg). Erst im Mai 1980 wurde dort die "richtige Kantine" eröffnet. Da gab es neben dem Imbissangebot, täglich vier frische Mahlzeiten, eine Suppe (oft zur Resteverwertung Soljanka) oder Eintopf, ein Fleischgericht mit Kartoffeln, eines war vegetarisch und eines war so ein Mittelding, Spinat mit Rührei, Szegediner Goulasch, "Tote Oma", Quark mit Leinöl und Pellkartoffel oder Eingelegter Hering mit Kartoffeln. In jedem Falle war es immer gute deutsche Hausmannskost.

In der großen Kaufhalle am Bf. Storkower Straße hatten wir gleichfalls eine richtige Kantinenversorgung. Zwei oder drei Leute waren dafür richtig in Vollzeit angestellt. Neben dem üblichen Imbiss schafften es die fleißigen Damen Montags bis Freitags immer auch mindestens eine vollwertige Mahlzeit zu kochen. Oft war es irgendein Eintopf, oder es gab etwas Angeschmortes mit Fleisch. Auch hier gute Hausmannskost für knapp neunzig Personen. Die Damen arbeiteten in zwei Schichten, denn ab 7.30 Uhr gab es Frühstück, danach Mittag und für die Spätschicht wurde am Nachmittag gleichfalls ein Imbissangebot vorgehalten. Morgens kamen die Damen erst in unseren Gemüsebereich, um zu schauen, was wir da hätten, dann ging es zum Fleischer, manchmal bekamen sie vom obersten Chef auch Vorgaben, wenn zum Beispiel mehrere Gläser Bohnen im Verkaufsraum ihr Verfallsdatum bald erreichten und nicht abzusehen war, sie bis dahin noch zu verkaufen, dann wurde das in der Kantine "verwurschtet".

Bezahlt wurde in dieser Kantine übrigens nie in Bar, sondern hier wurde alles ins Verzehrheft eingetragen und am Ende des Tages am Personaleingang bezahlt.

In der Kaufhalle in der Rummelsburger Straße, in der ich ein Zwischenspiel hatte, gab es nur einen Aufenthaltsraum und nicht einmal Kübelessen.

Während meines Grundwehrdienstes bei der NVA gab es mehrere Kantinenarten im gleichen Objekt. In dem Bereich, den wir Grundwehrdienstleistenden betreten durften, wurde nur das normale Essen ausgeschenkt. Brot, Schmalz und Mehrfruchtmarmelade konnte man sich so viel nehmen, wie man wollte, Wurst, Käse und Butter gab es per auf Zuteilung schon fertig auf den Tellern, sowohl zum Frühstück, als auch zum Abendbrot. Mittags gab es diese oben genannten "Zwischengerichte", "Tote Oma", Spinat mit Ei usw., Samstag gab es Eintopf aus der Goulaschkanone, weil da nämlich die Küche grundgereinigt wurde, Sonntags gab es ein Gericht mit Fleisch, also Kassler, Rinderroulade, Schweinebraten. Zu allen Mahlzeiten konnte man sich Malzkaffee oder "komischen Kräutertee" nehmen, soviel man wollte. Alles andere bekam man in der MHO oder per Päckchen von zu Hause. Der Unterschied zur Kantine der den erweiterten Grundwerhdienst leistenden Unteroffiziere bestand darin, daß sie Plastiktischdecken auf ihren Tischen hatten und nicht auf Bänken, sondern auf Stühlen saßen. Die Berufsunteroffizier, Fähnriche und Offiziere hatten Stofftischdecken, gepolsterte Stühle, mußten ihre Mahlzeiten selber bezahlen, hatten dazu aber noch das übliche Imbissangebot bis...

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