Das Lächeln der Fortuna

Erweiterte Ausgabe
 
 
Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 25. November 2011
  • |
  • 1408 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8387-1228-4 (ISBN)
 
Dies ist die Originalfassung von Rebecca Gablés Roman "Das Lächeln der Fortuna". Das Originalmanuskript war lange Zeit verschollen und ist nun wieder aufgetaucht, so dass jetzt diese ungekürzte Ausgabe, vorerst ausschließlich als E-Book, erscheint. Sie enthält sowohl das bisher veröffentlichte als auch das ursprünglich entworfene Ende des Buches. England 1360: Nach dem Tod seines Vaters, des wegen Hochverrats angeklagten Earl of Waringham, zählt der zwölfjährige Robin zu den Besitzlosen und ist der Willkür der Obrigkeit ausgesetzt. Besonders Mortimer, der Sohn des neuen Earls, schikaniert Robin, wo er kann. Zwischen den Jungen erwächst eine tödliche Feindschaft. Aber Robin geht seinen Weg, der ihn schließlich zurück in die Welt von Hof, Adel und Ritterschaft führt. An der Seite des charismatischen Duke of Lancaster erlebt er Feldzüge, Aufstände und politische Triumphe - und begegnet Frauen, die ebenso schön wie gefährlich sind. Doch das Rad der Fortuna dreht sich unaufhörlich, und während ein junger, unfähiger König England ins Verderben zu reißen droht, steht Robin plötzlich wieder seinem alten Todfeind gegenüber ...
1. Aufl. 2011.
  • Deutsch
  • 2,82 MB
978-3-8387-1228-4 (9783838712284)
3838712285 (3838712285)
weitere Ausgaben werden ermittelt
1385 – 1389 (S. 862-863)

Burton, September 1385


Robin stand am frühen Nachmittag im Hof seiner Zweijährigen und lauschte ohne viel Geduld den Ausreden eines Stallburschen, dessen Schützling einen entzündeten Huf hatte, weil er auf feuchtem, unreinem Stroh gestanden hatte. Eine junge Frau kam über die Wiese auf sie zu und bewahrte den Jungen vorläufig vor Robins Strafpredigt. „Zwei Ritter, die Euch sprechen möchten, Mylord.“ Robin runzelte unwillig die Stirn. „Wer sind sie?“ „Ich glaube, der eine ist der junge Earl of Derby.

Den anderen kenne ich nicht.“ „Danke, Malyne. Schick sie her, sei so gut.“ Sie ging ohne Hast davon, und Robin wandte sich mit finsterer Miene an den Übeltäter. „Du wirst den Huf morgens und abends in Kamillensud baden. Verstanden?“ „Ja, Sir.“ „Du bist ein wahrer Faulpelz, Ron.“ „Ja, Sir.“ Er senkte den Kopf und verbiss sich ein Grinsen. Robin verschränkte die Arme und trat einen Schritt auf ihn zu.

„Das findest du komisch, ja?“, erkundigte er sich leise. „Du meinst, du kannst dir so was erlauben, weil du besser reitest als die anderen? Du irrst dich, mein Junge. Wenn es noch mal passiert, wenn ich weiterhin den Eindruck habe, dass du es dir auf Kosten der anderen bequem machst, dann kannst du in Zukunft wieder die Schweine deines Bruders hüten. Ist das klar?“ Ron nickte betreten. „Völlig klar, Mylord.“ „Gut. Dann kannst du deinen neuen Eifer jetzt gleich unter Beweis stellen und bis zum Füttern die Sattelkammer in Ordnung bringen. Wie wär’s.“ Ron wusste es besser, als eine Grimasse zu schneiden.

„Natürlich. Und woher kriege ich Kamillensud?“ „Bitte Malyne, dir welchen zu machen.“ „In Ordnung. Da kommt Euer Besuch, Mylord.“ Robin wandte sich um, und Ron verdrückte sich eilig. Die beiden Ritter kamen über die Wiese geschlendert. Sie waren ein ungleiches Paar: der eine groß und schlank, der andere stämmig, muskulös und eher klein. Robin trat ihnen entgegen. „Henry. Hotspur. Endlich einmal eine angenehme Überraschung.“ Henry, seit nicht allzu langer Zeit der Earl of Derby, nickte auf die Ställe zu. „Ich hatte Sehnsucht. Vater ist in Lancaster, und wir haben uns ein paar freie Tage gestohlen.“

Trotz der anhaltenden Verstimmung zwischen Lancaster und Northumberland verkehrten ihre Söhne freundschaftlich. Northumberland war nahezu von der politischen Bühne verschwunden. Lancaster attackierte ihn unversöhnlich, sobald er auch nur in Erscheinung trat, aber gegen Henrys Bindung zu Hotspur intervenierte er nicht. „Vater lässt fragen, ob du Anfang Oktober nach Rothwell kommst“, fuhr Henry fort. „Um zu jagen oder eine Strategie für das Parlament zu entwickeln?“ Henry grinste. „Beides, schätze ich.“ „Natürlich komme ich.“ Er machte eine einladende Geste. „Lasst uns hineingehen.“ Hotspur wischte sich über die Stirn. „Heiß für September. Wer ist die Blume, die uns am Burgtor abgefangen hat?“ „Die Frau meines Stallmeisters.“ Henry lächelte Robin verstohlen zu. Er wusste natürlich, dass Hughs Frau Wat Tylers Tochter war. Ihre Mutter hatte den schrecklichen Sommer

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