Am Fuß der blauen Berge - Das Buch zur Serie

Zwei spannende Abenteuer der erfolgreichen Kult-Westernserie in einem Sammelband
 
CulturBooks Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 21. April 2020
  • |
  • 260 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-948724-03-0 (ISBN)
 
Die Geschichte spielt in den 1870er Jahren im "Wyoming Territory"; bedeutet Wyoming war noch kein Bundesstaat und die Eisenbahn hatte Laramie noch nicht erreicht. Die Postkutsche war somit das Fernverkehrsmittel Nr. 1 und entsprechend eine Postkutschen-Station der "Great Central Overland Mail" eine wichtige Institution, gelegentlich sogar lebenswichtig. Zwei Brüder und ein "Gelegenheitsarbeiter der besonderen Sorte" sind die Helden der Serie: John Smith spielte Slim Sherman, Farmer und Posthalter, und Robert Fuller einen Revolverhelden, der das Schießen aufgegeben hatte und in Laramie hängengeblieben war (Rollenname: Jess Harper). Dann gab es noch Andy, Shermans kleinen Bruder (gespielt von Robert Crawford Jr.) und schließlich verkörperte Hoagy Carmichael das Faktotum "Jonesy", das in seiner bärbeißigen Art für das leibliche Wohl im Männerhaushalt sorgte. Die Western-Serie "Laramie" (poetischer deutscher Titel: "Am Fuß der blauen Berge") prägte eine ganze Generation von Fernseh-Zuschauern. Viele von ihnen halten die Serie noch heute für die beste aller Zeiten, zumindest für die beste Serie dieses Genres. In den USA wurden 124 Folgen ausgestrahlt, in Deutschland immerhin 52. Für deutsche Verhältnisse war dies ein Riesenbrocken; eine "Riesenstrecke", wie heute der Fachausdruck dafür lautet. Aufgrund des gigantischen Erfolgs erschienen zu Beginn der 60er-Jahre zwei Fernsehbücher mit eigenständigen Geschichten. Dieser Sammelband enthält die beiden Abenteuer, die hiermit nach über 50 Jahren wiederveröffentlicht werden.
  • Deutsch
  • 0,36 MB
978-3-948724-03-0 (9783948724030)
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Die alte Kutsche


»Uiih!«

Eine Peitsche knallte und Andy rief:

»Hü - hott! Hü! - Vorwärts, los! Hü!«

»Andy!«

Plötzlich wurde es still auf dem Ranchhof. Andy sprang vom Bock der alten Kutsche herunter und rannte aus der Scheune hinaus auf den Hof.

»Was ist los, Slim?«, fragte er den erwachsenen Bruder.

Der Eigentümer der Sherman-Ranch und Kutschenstation blickte mit gerunzelter Stirn auf den Jungen hinab.

»Wie oft habe ich dir schon aufgetragen, den Wassertrog zu füllen?«, fragte er. »Jeden Augenblick muss die Kutsche ankommen; und im Übrigen merke dir endlich: Solange ernsthafte Arbeit auf dich wartet, mag ich es nun einmal nicht, dass du deine Zeit mit kindischen Spielen verplemperst. Hast du mich nun endlich verstanden?«

»Ja, ja, Slim«, murmelte der Junge. »Entschuldige bitte! Ich fülle auch sofort den Trog. Bestimmt, ich dachte ...«

Slim legte dem jungen Bruder den Arm um die Schulter.

»Hör einmal, Andy«, mahnte er. »Ich finde, du solltest dich nun bald ein bisschen wie ein Erwachsener benehmen. Als du noch ein halbes Baby warst, da konntest du auf dem Bock der alten Kutsche da Kutscher spielen, sooft es dir Spaß machte. Aber jetzt bist du doch wirklich kein Kind mehr! Wenn Jess und ich morgen früh die Herden nach Flint City treiben, musst du zum Beispiel mit Jonesy zusammen den ganzen Laden hier allein schmeißen. Du weißt doch zur Genüge, was das bedeutet! Wir schulden der Bank noch immer tausend Dollar im Monat, und wenn du weiter nur wie ein sechsjähriges Kind herumtrödelst, dann ...«

»Das Essen ist fertig, Slim!«, fiel ihm aus der offenen Tür des Hauses eine Stimme ins Wort.

Das war Jonesy, den steifen Hut fest und dabei doch ein wenig verwegen auf dem Kopf. Aufmunternd blinzelten seine Augen, als er dem Jungen einen verstohlenen Blick zuwarf. Als alter Arbeiter der Familie Sherman seit der Zeit, als Slims und Andys Vater noch lebte - das waren noch Zeiten des Glücks und des Wohlstandes gewesen! -, hatte Jonesy noch heute das Recht, dem kleinen Andy ein väterlicher Freund zu sein.

»Komm schon, Junge«, mahnte er freundlich. »Auf dich wartet da ein Steak, an dem auch ein ausgewachsener Kerl noch seine Freude hätte!«

Der Ranchbesitzer nahm den Arm von der Schulter des jungen Bruders und blickte Jonesy an. »Schon gut«, murmelte er. »Wir kommen schon.«

Schweigsam schlenderten sie zu dritt zum Ranchhaus.

Jess Harper, der einst als Wanderbursche von Land zu Land gezogen war und sich auf alle mögliche Art den Lebensunterhalt verdient hatte, bis er schließlich als Slims Helfer auf der Sherman-Ranch doch noch Wurzeln schlug, saß schon am Tisch und ließ es sich gut schmecken.

»Ist dir eine Laus über die Leber gelaufen?«, fragte er den Rancher.

»Jawohl!« Slims Stimme klang nicht gerade sehr freundlich. »Ich habe Andy einmal daran erinnern müssen, dass die Zeit der albernen Kinderspiele endgültig vorbei ist. Schließlich muss er irgendwann vernünftig werden. Ich ...«

»Möchtest du nun etwas von den zarten Bohnen?«, rief Jonesy vom Herd herüber.

»Wie? Was sagst du? Ach so - ja, natürlich!«

Darauf blieb Slim eine Weile still und widmete sich nur noch der dicken Suppe, die Jonesy ihm hingestellt hatte. Aber man merkte ihm an, dass er sich den Ärger noch nicht ganz vom Herzen geredet hatte.

»Überhaupt sollte man endlich die alte Kutsche in der Weise verwerten, in der man noch den einzigen Nutzen daraus ziehen kann«, knurrte er schließlich. »Ich meine wahrhaftig, man sollte sie kleinhacken und als Feuerholz verwenden. Ja, am besten machst du dich daran, Andy, während ich mit Jess die Herde nach Flint City treibe. Jonesy wird dir bei den schweren Arbeiten helfen.«

Andy sah betroffen drein wie jemand, dem die Petersilie verhagelt ist.

»Aber Slim .«, wandte er ein.

Doch der Rancher blickte den kleinen Bruder nur unwirsch an.

»Du hast gehört, was ich anordne!«, sagte er schroff. »Da sind gar keine Worte mehr zu verlieren, verstanden!«

Nachdem das heraus war, beruhigte sich die gereizte Atmosphäre ein wenig. Aber erst am Nachmittag konnte Jonesy ein paar Worte mit dem Jungen allein sprechen.

»Überlass die Sache nur getrost mir, Andy«, flüsterte er ihm zu. »Slim sorgt sich um den Preis, den er für seine Herde erzielen möchte. Du weißt ja selbst, was dabei auf dem Spiel steht, nicht wahr? Die Laramie-Kutschen-Linie hat außerdem Sorgen, weil in letzter Zeit einige ihrer Wagen überfallen worden sind. Deshalb könnte man auf den Gedanken kommen, unsere Station für eine Weile stillzulegen. - Aber nein!«, schwächte Jonesy rasch ab, als er bemerkte, wie der Junge auffahren wollte. »Ich sage ja gar nicht, dass es tatsächlich dahin kommen kann - aber an die Möglichkeit sollte man immerhin vorsorglich denken. Die Linie hat schwere Verluste hinnehmen müssen, und das kann Slim auch nicht gleichgültig bleiben. Mr. Frazer, der Direktor, hat vor wenigen Tagen mit Slim darüber gesprochen. Falls man aber die Banditen erwischt und falls Slim für seine Rinder fünfzehn Dollar je Stück erzielt, wird er gewiss wieder sehr viel freundlicher dreinschauen.«

Er lächelte dem Jungen zu und versetzte ihm einen freundschaftlichen Klaps auf den Rücken. »Na, klar?«

Der Junge nickte. »Ja, Jonesy, alles ist klar«, murmelte er. »Jetzt begreife ich manches besser . Danke, Jonesy!«

Kein Wort wurde mehr darüber gesprochen, dass die alte Kutsche in der Scheune zu Kleinholz zerhackt werden sollte. Als Slim und Jess am folgenden Morgen bei Sonnenaufgang endlich aufgesessen waren und mit der Herde abreiten wollten, sah es schon so aus, als sei diese Sache in Vergessenheit geraten. Slim hatte noch ein paar Cowboys engagiert, die ihn am alten Cherokesenpfad - einige Kilometer von der Ranch entfernt - erwarten und ihm beim Treiben der Herde helfen sollten.

»Sei brav, Andy!«, ermahnte der große den kleinen Bruder beim Abschied. »Du fährst wie üblich mit der Kutsche zu Schule, und .«

»Aber nein!«, rief Andy aus. »Das geht doch nicht! Jonesy kann doch nicht alles allein erledigen. Bestimmt geht das nicht, Slim!«

Da legte sich ihm eine Hand auf die Schulter. Andy kannte den großen Freund gut genug und wusste daher sofort, dass er ihm ohne Worte bedeuten wollte: >Jetzt hör schon auf, Junge! Rede nicht mehr davon! Bei einem Streit kommt jetzt doch nichts heraus!<

Andy begriff. »Also gut, Slim«, lenkte er ein. »Falls die Kutsche pünktlich kommt, fahre ich damit zur Schule. Darauf kannst du dich verlassen!«

»Das möchte ich dir auch geraten haben!« Slim Sherman lächelte vom Pferd auf den kleinen Bruder hinunter, blinzelte ihm aufmunternd zu und fasste dann die Zügel fester. »Auf Wiedersehen! In einer Woche sind wir zurück, möglicherweise auch etwas früher.« Er winkte seinem Helfer zu. »Komm, Jess! Reiten wir!«

Damit war die Kutschenstation der Laramie-Linie der alleinigen Obhut Jonesys und Andys anvertraut. Der Mann zwinkerte dem Jungen freundlich zu.

»Du weißt ja zur Genüge, Andy«, meinte er, »dass die Kutsche seit Monaten kaum noch einmal pünktlich hier angekommen ist. Und selbst wenn sie nur eine halbe Minute zu spät käme, könntest du hierbleiben, ohne dein Versprechen zu brechen. Denn du versprachst Slim ja nur, zur Schule zu gehen, falls die Kutsche pünktlich ist!«

»Menschenskind, ja!«, jubelte Andy. »Das stimmt genau!«

»Darüber freue ich mich!«, sagte Jonesy. »Komm nun herein. Wir trinken noch eine gute Tasse Kaffee, und dann werden wir dafür sorgen, dass das neue Gespann für Abner Gooch bereitsteht. Komm also ins Haus!«

Nachdem sie ihren Kaffee mit Wohlbehagen getrunken hatten, gab es allerhand auf der Ranch zu erledigen. Vor allem musste der Zaun des Pferdepferches gründlich ausgebessert werden, und als Jonesy nach dieser Arbeit seine abgeschrammte alte Uhr herauszog und nach der Zeit sah, pfiff er vor Überraschung durch die Zähne.

»Na, Andy,« grinste er. »Ich sehe gerade, dass du heute bestimmt nicht mehr zur Schule fährst. Abner Gooch hat schon jetzt fünf Minuten Verspätung!« Doch im nächsten Augenblick bewölkte sich seine Stirn, als er langsam mit dem Jungen zur Station hinüber schritt.

»Wenn nur Abner nichts zugestoßen ist«, fuhr Jonesy nachdenklich fort. »Immerhin kann die Räuberbande, die in der letzten Zeit schon .« Mitten im Satz verstummte er und lauschte zur Straße hin.

»Gott sei Dank! Es ist doch alles in Ordnung!« Er atmete auf. »Da kommt die Kutsche ja!«

Schnell rannte Andy los und war vor dem großen Freund an der Straße.

Jonesy hatte ihn noch nicht eingeholt, als Andy in höchster Aufregung zu ihm zurück rief:

»Aber Jonesy, komm schnell! Da stimmt doch etwas nicht! Sieh nur schnell her!«

Der Junge wies auf den Bock der Kutsche, die gerade über den kleinen Hang vor der Ranch heruntergerollt kam.

»Da lenkt ja niemand die Pferde vom Bock aus!«

Nun erschrak auch Jonesy. Als dann die Pferde - wohl aus alter Gewohnheit - ihren Lauf verlangsamten, überschaute er mit wenigen Blicken die furchtbare Situation und handelte rasch entschlossen.

Er ergriff eine Pferdedecke und scheuchte damit die Pferde zum Ranchhaus hin. Die Pferde scheuten und hätten fast die hohe Kutsche umgekippt. Aber die schon über dem Boden angehobenen Räder auf der rechten Seite fielen auf die Straße zurück, als die...

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