Ein Jahr auf Ibiza

Reise in den Alltag
 
 
Verlag Herder
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 5. Dezember 2013
  • |
  • 192 Seiten
 
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978-3-451-80058-0 (ISBN)
 
Anne Funk beginnt eine verhängnisvolle Affäre. Wie man in Sachen Liebe Schluss macht, eine Freundschaft beendet, von falschen Idealen ablässt - das alles hatte sie bis dato in ihrer Lebenskarriere gelernt. Aber so kurz vor der 30 will sie von einem anderen Alltag kosten. Ein Jahr auf Ibiza - quasi als Tapas, die ihr wieder Appetit auf das Menü ihres Lebens machen sollen.
  • Deutsch
  • Freiburg im Breisgau
  • |
  • Deutschland
  • 3,98 MB
978-3-451-80058-0 (9783451800580)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Anne Funk, geb. 1980, studierte Politik in Trier und Bordeaux und arbeitete als Redakteurin für verschiedene Print- und Online-Medien. Für eine Reisereportage zwischen Deutschland und Frankreich wurde sie 2007 mit dem Nachwuchspreis des Deutsch-Französischen Journalistenpreises ausgezeichnet. Heute arbeitet sie für die saarländische Landesregierung im Europa-Ministerium.
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prólogo


„ANNE FUNK MACHT TABULA RASA!“ Mein Facebook-Eintrag an diesem schwül-heißen Juli-Abend war folgenschwer: Ohne meine Pläne im Detail preiszugeben, wollte ich ein Statement an die Öffentlichkeit abgeben. Eines, das meinen Alltag reinigt wie das Gewitter, das sich draußen ankündigte. Wie man in Sachen Liebe Schluss macht, eine Freundschaft beendet, von falschen Idealen ablässt – das alles hatte ich bis dato in meiner 29-jährigen Lebenskarriere gelernt. Aber ich wollte, so kurz vor der Dreißig, von einem anderen Alltag kosten. Ein Jahr auf Ibiza – quasi als Tapas, die mir wieder mehr Appetit auf das Menü meiner Vita machen sollten.

Zwei Jahre und vier Besuche zuvor hatte meine verhängnisvolle Affäre mit der Insel begonnen. „Wir müssen hier mal raus, und wenn es nur für eine Woche ist!“, beschloss mein Freund P. damals. Und ich machte mich zwischen Redaktionsalltag und Magisterarbeit auf die Suche nach einer passenden Destination für den Tapetenwechsel. Sardinien, Portugal oder Korsika kamen in die engere Auswahl. Aber alle kurzfristigen Angebote überstiegen unser Budget. „Wie wär’s mit Ibiza?“, schlug ich vor – überrascht von meiner Initiative, da ich Balearen-Urlauber bislang in zwei Kategorien unterteilt hatte: die Ballermann-Billigtouristen und die betuchten Finca-Touristen, die ganz in Weiß gekleidet zwischen Strandclub und Agroturismo-Bleibe fernab von Palma de Mallorca lustwandelten. Beides war für uns ausgeschlossen – aus ästhetischen beziehungsweise finanziellen Gesichtspunkten. „Für 320 Euro eine Woche Ibiza mit Flug und Hotel“, das beruhigte zumindest mein monetäres Gewissen („Viel falsch machen kann man ja da nicht“). Und die Aussicht, die Strand-Tage in Club-Nächte zu verwandeln, ließ uns alles andere als kalt.

???

„Guck mal, da hinten ist Es Vedrà. Das Inselchen ist ein spiritueller Kraftort – da muss ich hin!“, rüttelte ich P. bei der Landung auf der weißen Insel wach. Der schielte verschlafen zuerst in Richtung der kargen Felsspitze vor Ibiza, die ich ihm aus der Vogelperspektive präsentierte. Und dann, doch etwas skeptisch, auf mich – denn seit einigen Monaten war ich damals auf einem Esoterik-Trip und wollte auf der sogenannten magischen Insel mit Yoga beginnen. Doch dann verzauberte uns Ibiza tatsächlich: Den Clubs hatten wir schon am ersten Abend abgeschworen, nachdem wir die Opening-Party des Privilege erlebt hatten. Rund 10 000 Gäste fasst der größte Club der Welt, und zur Saison-Eröffnung schien sich unter diesen zehntausend kaum jemand zu finden, der seine Laune nicht chemisch gepusht hätte. Wir blieben zwei Stunden.

An den darauf folgenden Tagen entpuppte sich die nur 572 Quadratkilometer kleine Insel als viel zu facettenreich, als dass sie und ihre Gäste in eine meiner Schubladen gepasst hätten: Da waren die Festland-Spanier, die wie die Engländer (Letztere residieren zumeist in ihrer Hochburg San Antoni im Westen der Insel) kommen, um die Sommerresidenz der weltbesten DJs zu zelebrieren. Da waren die Familien mit Kindern, die das klare Wasser, die sauberen Strände und die vielen Aktiv-Urlaub-Angebote pauschal nutzen. Da waren die Jugendlichen, die, gerade der Pubertät entschlüpft, in einem Cluburlaub einen Party-Trip mit wenig Schlaf und allen Freiheiten suchen. Da war der Jetset, der mit Organic Food, Yoga und Yacht der Vida Loca fröhnt. Da waren die Individualisten, die ebenfalls mit Yoga (allerdings ohne Yacht) in einem sogenannten Retreat (eine Art Rückzugsprogramm aus dem Alltag) ihrem neuen Ich auf der Spur waren und dafür meist im ruhigen Norden der Insel Erfüllung finden. Ganz zu schweigen von jenen, die die magische Insel als Lebensmittelpunkt auserkoren haben und zu denen ich später noch kommen werde.

So unterschiedlich die Motive der Ibiza-Gäste sind, so abwechslungsreich waren damals unsere Tage. Und wir kosteten vom organischen Essen (man könnte es auch orgiastisch nennen, denn die Vorstellung, gesund und köstlich zu essen, löste in mir als Genussmensch rauschhafte Zustände aus) und ließen einen Tag auf einem weißen Daybed mit Cocktails und Blick aufs Meer in einem der Beach-Clubs verstreichen. Ergötzten uns beim Hippie-Nachtmarkt an Räucherstäbchen, Tuniken und Vollwert-Cookies. Tanzten zu den Trommeln, umringt von Feuerspuckern, beim sonntäglichen Happening am Benniras Beach. Und erkundeten die Spuren der Piraten in Ibizas Altstadt, Dalt Villa.

???

Als wir schließlich an Es Vedrà angekommen waren, schien sogar mein Freund in den Bann der Mythen und Legenden um das Inselchen geraten zu sein. Denn als ich ihn dabei ertappte, wie er bunte Steine am Strand sammelte, gab er wie selbstverständlich zu, dass er doch eine Art Strahlkraft spürte, die dieser Felsen aussendete. An meinem Geburtstag schließlich schickte mein Vater mir eine Mail: „Vive le jour où tu es née. Laisse entrer le soleil dans ton cœur!“ (Es lebe der Tag, an dem du geboren bist. Lass die Sonne in dein Herz eintreten.) Wir kommunizierten in Herzensdingen immer auf Französisch. Er hatte gespürt, wie gut mir, die noch vor der Abreise müde, gestresst und ein wenig orientierungslos war, diese Insel tat. So wie mein Vater mein Seelenverwandter war, so war diese Insel in sieben Tagen eine Art Seelenheimat geworden.

Ein Gefühl, das mich damals schlichtweg überrumpelte – konnte ich diesen Bann doch logisch nicht erklären. Gut, da waren das Meer, das Klima, der Urlaub fernab vom Alltagsstress. Aber es gab gleichermaßen etwas, das mir genau entsprach, das mich, die viel zu viel in der Vergangenheit kramte und für Zukunft und Karriere malochte, einfach ich selbst sein ließ, so, wie ich war – in jedem Augenblick.

Als unser Flieger abhob, musste ich weinen. (Das letzte Mal hatte ich zum Urlaubsabschied mit acht Jahren in der Bretagne geweint und auch nur, weil ich meine Strandfreunde verlassen musste.) Zurück in der deutschen Heimat ließ mich das Gefühl nicht los, und ich bekam Sehnsucht – so sehr, dass ich meine Freundin Madeleine schon drei Monate später überredete,wieder mit mir eine Woche auf der magischen Insel zu verbringen.

Es folgten zwei weitere Besuche im darauffolgenden Jahr. Und mit jedem Mal Ibiza, mit jedem tieferen Eintauchen, mit jeder Begegnung mit den Menschen vor Ort, den gebürtigen Einwohnern, den Aussteigern und den Althippies, wuchs meine Leidenschaft für diese Insel. Ich wollte einfach dort sein. Nicht nur drei Wochen im Jahr. Immer wieder hatte ich überlegt, wie ich das wohl anstellen sollte – und den Traum als „Urlaubs-Schwärmerei“ abgetan.

???

Aber auf meine erste Ibiza-Begegnung folgten Erlebnisse, die mein Wertesystem ziemlich ins Wanken brachten: Als mein geliebter Vater schon wenige Monate nach meinem ersten Mal auf Ibiza verstarb, hatte mein Leben fortan wenig gemeinsam mit dem der jungen Frau, die, behütet aufgewachsen, Studium, Volontariat und Redaktionsleitung gleichzeitig meisterte, die zwischendurch auf hippen Partys unterwegs war, gute Freunde hatte – und doch nicht so richtig wusste, wohin mit alledem.

Ich brauchte vor allem Zeit, Ruhe, Rückzug, nachdem mein Vater gegangen war und ich nicht begreifen konnte, dass in meinem sicheren Leben wirklich so etwas passieren konnte. Dass ein Mensch einfach todkrank ist, stirbt und niemand, nicht mal ich mit meinem großen Lebenshunger und Ehrgeiz, etwas dagegen tun konnte.

Ich zog mich zurück, arbeitete still vor mich hin, lernte nachts für meinen bevorstehenden Studienabschluss, mied Freunde, Bekannte und erst recht Partys – zwei Jahre lang. Wenn ich zwischendurch auf der Insel war, fühlte ich mich geborgen wie zu Hause nie: Da waren die Arbeit, die erledigt werden wollte, die Wohnung, die aufgeräumt werden wollte, die Freunde, die nichts so recht mit mir anzufangen wussten, und meine Mutter, der ich beistehen wollte. Alles kostete mich unglaublich viel Kraft, und ich fragte mich ernsthaft, ob ich irgendwann wieder richtig herzlich lachen könnte. Und doch, ich konnte, nach einiger Zeit – und wieder war es auf Ibiza. Ich weiß schon nicht mehr genau, warum, aber P. und ich saßen am Strand, erzählten und … schwupps, da war es, mein viel zu lautes, schallendes Lachen von früher – weil das Leben leicht war …

Damals bin ich erschrocken – über mich selbst –, aber ich wusste, dass es gut so war. Noch am selben Tag kauften wir ein Bild: Das Bild zeigte eine aufgehende Hibiskusblüte und war ganz in Gold, Weiß und Rot gehalten – meine Lieblingsfarben. Es war das erste Bild, das Elli, eine Auswanderin und inzwischen gute Freundin, bei der wir auf Ibiza wohnten, vor dreißig Jahren gemalt hatte, als sie auf die Insel kam.

Schon von der ersten Begegnung an hatte sie mich fasziniert – eine starke Frau, die auf der Insel viele menschliche und finanzielle Enttäuschungen erlebt hatte und doch nicht von ihr lassen wollte. Ihren Frust malte sie weg, was man ihren Bildern nie anmerkte, weil sie zarte, geschwungene Linien, wunderschöne Symbole und leuchtende Farben vereinten. So ein Hoffnungsmacher-Bild war auch ihr erstes Werk auf Ibiza. „So wirst du auch wieder aufblühen!“ dachte ich mir damals und deutete auf die pralle Hibiskusblüte.

???

An jenem Juli-Abend, an dem ich mein Tabula-rasa-Vorhaben verkündete, saß ich in unserem Wohnzimmer und hatte das Bild lange betrachtet. Da wusste ich, dass ich recht hatte. Ich hatte wieder ein Ziel. Und obwohl meine Lieblingsblume landläufig eher als Hawaiiblume durchgeht, war sie für mich mit ihren leuchtenden Farben, dem Stempel, der an ein schmuckes Zepter erinnert, und ihren zarten Blüten ein Symbol für Ibiza geworden. In China gilt der Hibiskus als „Symbol für Ruhm, Reichtum und Pracht...

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