Der Klang meiner Träume

 
 
dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 3. Juni 2020
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96817-006-0 (ISBN)
 

Eine Erinnerung, ein altes Geheimnis und eine verbotene Liebe ... Der neue Liebesroman für Fans von Catherine Ryan Hyde

Seit ihrer Kindheit leidet Marie an einer Sprachstörung, die ihr das Leben schwer macht. Ein Gespräch zu beginnen ist für sie eine große Hürde, die sie jahrelang nicht überwinden kann. Deswegen überredet ihre beste Freundin Louisa sie zu einer Hypnosetherapie, doch diese bringt längst vergessene Erinnerungen an die Oberfläche. Marie sieht sich selbst im Garten ihrer Eltern auf der Schaukel unter dem Apfelbaum, neben ihr ein fröhlich spielendes Mädchen. Und obwohl Marie das Mädchen nicht zuordnen kann, spürt sie eine merkwürdige Vertrautheit. Die Bilder lassen sie nicht mehr los und Marie findet einzig in der Musik Ablenkung und Halt. Vor allem als sie Alexis kennenlernt, für den sie schon bald Gefühle entwickelt - doch Alexis ist die große Liebe ihrer besten Freundin Louisa und damit eigentlich tabu ...

Erste Leserstimmen "die Story war super schön, emotional und sehr romantisch" "der Schreibstil ist sehr flüssig, er hat mich in einer Spirale von Gefühlen mitgerissen" "die Autorin hat es geschafft, mich die Geschichte hautnah miterleben zu lassen" "ein toller Roman, der einen etwas nachdenklich und doch lächelnd zurücklässt" "die Story hat mich von Anfang an gefesselt und ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen"

  • Deutsch
  • Digitale Ausgabe
  • 0,86 MB
978-3-96817-006-0 (9783968170060)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Christina Fuchs wurde 1992 in einem kleinen Tiroler Städtchen geboren. Sie studierte Psychologie und Wirtschaftswissenschaften, lebte ein Jahr lang in Hongkong und arbeitete anschließend als Personalmanagerin in Österreich und in den USA. Vor allem während ihrer Reisen und Auslandsaufenthalte sammelte sie Inspirationen für ihre Geschichten.

Kapitel 1


Heute

Vor einigen Jahren erzählte mir meine beste Freundin Louisa die Geschichte eines Pantomimen, der verhungert war, nachdem er den Schlüssel zu seiner imaginären Kiste verloren hatte. Damals lachten wir. Wer starb schon in einem Fantasiegefängnis, umgeben von unsichtbaren Mauern? Was hatte ihn davon abgehalten, aufzustehen und zu gehen? Warum hatte er sich keinen imaginären Bulldozer erdacht, um die Mauern einzureißen?

Die Geschichte verliert ihren Witz, wenn man selbst an die Stelle des Pantomimen tritt. Er hat über seine Situation mit Sicherheit nicht gelacht, und auch mir verging das Lachen, nachdem ich begriff, dass ich sein Schicksal teilte. Zwar konnte ich gehen, wohin ich wollte, doch diese scheinbare Freiheit täuschte. Die unsichtbare Mauer gab es auch in meinem Leben, und obwohl andere sie als etwas belächelten, das nur in meinem Kopf existierte, fühlte sie sich schmerzhaft real an. Diese gläserne Wand, die sich um meine Stimme schloss und keinen noch so kleinen Ton passieren ließ.

Lange hatte ich geglaubt, dass sich hinter dieser gläsernen Mauer ein Geheimnis verbarg. Die Antwort darauf, warum ich mich zeit meines Lebens so gefühlt hatte, als würde etwas Wichtiges fehlen. Doch die Mauer hatte ich mittlerweile zumindest zum Teil eingerissen - und nichts auf der anderen Seite gefunden.

Ich ließ meine Finger auf der Suche nach der richtigen Stelle über die Buchrücken gleiten. Gelesene Bücher wieder einzuordnen, zählte zu den unbeliebtesten Aufgaben meiner Kollegen in der Bibliothek. Ich machte es gerne. Zwischen den endlos langen Regalreihen, umgeben von so viel Wissen, fühlte ich mich wohl, und die Ruhe behagte mir.

»Marie! Hier steckst du!« Die Stimme meiner Kollegin riss mich aus meinen Gedanken. Es war die mit dem rotgefärbten Haar, die immer eine Schicht Make-up zu viel auftrug, unser neuestes und jüngstes Teammitglied. Elena oder Elisa? Vielleicht auch Elli. Obwohl ich versuchte, mir ihren Namen zu merken, entfiel er mir immer wieder, und da sie schon seit mehreren Wochen bei uns arbeitete, wäre ich mir komisch vorgekommen, jetzt noch danach zu fragen.

»Ich muss dich um einen Riesengefallen bitten. Na ja, eigentlich ist er gar nicht so groß. Ich muss los, um meine Schwester aus dem Krankenhaus abzuholen. Keine Ahnung, was sie wieder angestellt hat. Kannst du für mich die Bibliotheksführung übernehmen?«

»Ähm.« Ich warf einen Blick auf den kleinen Stapel noch einzuräumender Bücher, den ich kaum als Ausrede benutzen konnte.

»Ich weiß, meine Bitte kommt sehr spontan. Es ist wirklich ein Notfall.«

Die Sekunden zogen sich wie tropfender Kleister in die Länge, während ich nach einer Entschuldigung suchte.

»Ich .« begann ich und ging in Gedanken alle möglichen Ausreden durch. Ich könnte so tun, als hätte ich Halsschmerzen. Oder sagen, dass ich in einer halben Stunde zu einem wichtigen Termin musste. Vielleicht sollte ich ihr auch einfach die Wahrheit sagen - dass ich lieber tausend Bücherstapel einräumen würde, als fünf Minuten vor einer Gruppe zu sprechen.

Doch in dem Blick meiner Kollegin lag eine unausgesprochene Dringlichkeit und schließlich war ich schon öfter bei solchen Führungen dabei gewesen und konnte den Text auswendig - nur war der Text das kleinste Problem. Wie so oft, wenn ich sie besonders brauchte, ließ mich meine Stimme im Stich. Wahrscheinlich sah ich aus wie eine Schauspielerin aus einem Stummfilm oder wie ein Fisch, der nach Luft schnappte. Sag etwas, Marie.

Nach weiteren, elendslangen Sekunden schaffte ich es nur, mit den Schultern zu zucken.

Elena, Elisa - oder wie auch immer sie hieß - strahlte. »Danke! Ich mache es wieder gut, versprochen!«

Na, wunderbar. Mein Magen verkrampfte sich beim Gedanken an meine bevorstehende Aufgabe. Meine Kollegin strahlte jedoch und hob die Arme, als wollte sie mich umarmen. In ebendiesem Moment war ich stolz, ihr helfen zu können. Doch dann eilte sie davon und ließ mich und meinen kleinen Bücherstapel zurück. Das Gefühl des Stolzes verschwand sofort.

Am Eingangsschalter wartete bereits eine Gruppe Studenten auf mich. Ganz vorne ein junger Mann in kariertem Hemd, der schon jetzt gähnte, obwohl die Führung noch gar nicht begonnen hatte. Der Student hinter ihm schaffte es kaum, seinen Blick von den zwei Mädchen zu lösen, die mit ihren übergroßen Brillen und identischen Frisuren wie Zwillinge aussahen. Dahinter vier weitere Studenten, die leise miteinander tuschelten. Keiner der Teilnehmer wirkte, als wäre er sonderlich interessiert, und ich fragte mich insgeheim, warum sie sich zur Bibliotheksführung angemeldet hatten. Wenigstens würde mich keiner von ihnen zu genau beobachten oder Fragen stellen. Hoffentlich.

Ich schloss kurz die Augen und blendete meine Zuhörer, so gut es ging, aus.

»Hallo. Willkommen zur heutigen Bibliotheksführung«, begann ich etwas zu leise. Die Gruppe schien erst jetzt zu bemerken, dass ich vor ihnen stand. Einer nach dem anderen schaute mich an, was mir einen Schauer über den Rücken jagte. Schnell senkte ich den Blick. Sie zu lange anzusehen, war schlecht. Schon jetzt spürte ich ihre Blicke wie sengende Glimmstängel auf meiner Haut - jedes Augenpaar eine Schicht meiner unsichtbaren Mauer.

Zum Glück kannte ich ein paar Tricks. Ich stellte mir meine Gruppe als Blumenwiese vor. Klatschmohn, Sonnenblumen und Knabenkraut. Jeder Student wurde zu einer Blüte, die keine Fragen stellen, kein Urteil fällen würde. Ich versuchte etwas Schönes zu sehen, etwas Harmloses - Blütenblätter statt starrender Augen. Wogende Grashalme statt massiver Körper. Es war wichtig, dass ich vermied, über das Sprechen selbst nachzudenken und zu lange zu warten. Denn je mehr Zeit schweigend verstrich, desto schwieriger wurde es, überhaupt etwas zu sagen.

Heute half mir das Bild der Blumenwiese, um weiterzureden.

»Am Anfang erkläre ich euch, wie ihr ein Buch ausleihen und den Online-Katalog benutzen könnt, um einen bestimmten Titel zu finden. Danach schauen wir uns die verschiedenen Abteilungen an. Die Bibliothek ist ein Ort, an dem viele Leute lernen. Darum bitte ich euch, während des Rundgangs so leise wie möglich zu sein und höchstens zu flüstern.« Eigentlich hätte ich nun erwähnen sollen, dass ich bei Fragen jederzeit zur Verfügung stand. Den Teil ließ ich aus.

Wir marschierten los. Erst jetzt bemerkte ich, dass ich die ganze Zeit ein Buch so fest umklammert hatte, dass meine Fingerknöchel weiß hervortraten.

»Zum Ausleihen der Bücher gibt es bei uns ein elektronisches System.«

Anstatt das Prozedere zu erklären, deutete ich auf einen der Computer, die zur Ausleihe verwendet wurden, und führte die Schritte manuell vor, wobei ich es vermied, irgendjemanden direkt anzusehen.

»Bei Interesse könnt ihr euch eine Bestätigung ausdrucken lassen. Ich zeige euch nun, nach welchem System wir die Bücher und Magazine sortieren.«

Diesen Teil mochte ich wesentlich lieber. Weil ich vor der Gruppe hergehen konnte und niemanden ansehen musste und weil die langen Bücherreihen der einzige Ort der Bibliothek waren, an dem ich mir echtes Interesse meiner Zuhörer erwartete.

Wir waren in der Abteilung für Pädagogik, als die ersten Fragen gestellt wurden.

»Wie viele Bücher können wir uns auf einmal ausleihen?«, wollte eines der Mädchen wissen.

Ich holte tief Luft. Kein Grund nervös zu werden. Du schaffst das, Marie!

»Bis zu fünfzehn.«

Die Antworten auf die meistgestellten Fragen hatte ich ausgearbeitet und auswendig gelernt, als ich anfing, in der Bibliothek zu arbeiten.

»Wie lange dürfen wir ein Buch behalten?«

»Das hängt vom Titel ab. Normalerweise drei bis vier Wochen.«

»Was passiert, wenn wir vergessen, das Buch zurückzugeben?«

»Einen Tag vor Ablauf der Frist bekommt ihr automatisch eine E-Mail zugeschickt.«

»Und wenn wir's trotzdem vergessen?«

Dann ist eine Strafe zu bezahlen, wollte ich sagen, doch plötzlich krachte es, als ein Student zwei Meter neben mir seine Bücher zu Boden fallen ließ.

»Oh, Entschuldigung«, nuschelte er und errötete.

Ich nickte, als wäre es kein Problem. In Wahrheit war es das doch, denn in ebendiesem Moment entglitt mir die Vorstellung einer Wiese und die Blumen verwandelten sich in einen Haufen Menschen zurück, die mich fragend anschauten. Plötzlich war ich wieder die junge Schülerin, die vor der Klasse stand und kein Wort herausbrachte, obwohl sie den Text für die Präsentation in- und auswendig wusste. Ich atmete tief ein, konzentrierte mich auf das Gefühl des Sauerstoffs in meinen Lungen.

Sag es, Marie. Komm schon, sag's einfach! Dann ist eine Strafe zu bezahlen. Nur sechs kleine, einfache Worte, die sich weigerten, meinen Mund zu verlassen. Ich hob einen Zeigefinger in die Höhe, als wollte ich etwas Wichtiges erklären und müsste nur kurz darüber nachdenken.

»Oder wenn wir die Frist nicht verlängern können und das Buch trotzdem behalten?«, hakte der Student im karierten Hemd nach.

Ich spürte die Blicke förmlich auf meiner Haut, während die Sekunden verstrichen. Schon sah ich, wie das erste Gruppenmitglied die Augen verdrehte, während die anderen noch fragend oder verwirrt dreinschauten.

»Gibt es dann eine Strafzahlung?«, versuchte eines der Mädchen mit Brille mir zu helfen. Mehr als ein Nicken bekam ich als Antwort nicht zustande. Immerhin.

»Wir können die Führung auch selbst übernehmen«, meinte einer, und alle, bis auf die Studentin mit Brille, der ich offenbar leidtat, kicherten.

Mit aller Mühe brachte ich ein Lächeln zustande, bedeutete der Gruppe mit...

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