Holland speciaal

Eine lekker Landeskunde über wakker Nederland
 
 
CONBOOK (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 26. Januar 2015
  • |
  • 256 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
E-Book | PDF mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-943176-44-5 (ISBN)
 
Während sich Reiseführer auf Sehenswürdigkeiten und Landesporträts auf Geschichtliches konzentrieren, wirft Holland speciaal einen umfassenden Blick auf das Gesamtkunstwerk namens »Königreich der Niederlande«.

Auf seiner satirisch-unterhaltsamen Rundreise führt Sie Thomas Fuchs zu all den Orten, die Touristen interessieren, aber auch zu den weniger bekannten Ecken und Kanten Hollands. Mit ungeniertem und unverstelltem Blick fördert er dabei spannende Informationen zutage und widmet sich Klischees, die bezeichnender und skurriler nicht sein könnten. Und dies in einem Stil, der so witzig und respektlos ist, wie es das Thema verlangt. Dabei zeigt sich: Die Niederlande sind alles andere als flach, sondern facettenreich, verblüffend und immer wieder für eine Überraschung gut.

Schwingen Sie sich gemeinsam mit Thomas Fuchs aufs Hollandrad und riskieren Sie einen unverrauchten Blick auf das lekker Königreich!

Intensiver Blick unter die Oberfläche der Niederlande, mit viel Wissen und satirischen Spitzen
  • Deutsch
  • Neuss
  • |
  • Deutschland
  • 1,37 MB
978-3-943176-44-5 (9783943176445)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Thomas Fuchs schreibt historische Romane wie 'Arminius - Kampf gegen Rom', Biographien wie 'Hemingway - Ein Mann mit Stil' und Reportagen. Schon sein erster Roman 'Grenzverkehr' hatte einen starken Holland-Bezug. Darüber hinaus wirkte er als Deutschland-Korrespondent für eine - leider nur kurzlebige - niederländische Satire-Zeitschrift und als Gagschreiber für Rudi Carrell. Sein jüngst verfasstes Stadtporträt 'Amsterdam - 111 Orte, die man gesehen haben muss' ist im Emons Verlag erschienen.

Noord-Holland


Auf der Landkarte sieht die Provinz Noord-Holland wie ein mahnend erhobener Zeigefinger aus. Links vom Finger befindet sich die Nordsee, rechts das IJsselmeer und an der Spitze, gewissermaßen als Fingernagel, die Insel Texel. Noord-Holland ist beinahe doppelt so groß wie das Saarland und hat knapp drei Millionen Einwohner. Die Silhouette des erhobenen Zeigefingers ist nicht unpassend, wenn man bedenkt, wie gerne Holländer andere belehren und »aufklären«. Und nicht wenige verwenden viel Zeit darauf, einem klarzumachen, dass man die ganzen Niederlande auf keinen Fall mit Amsterdam gleichsetzen darf.

Amsterdam ist die größte Stadt Noord-Hollands. Und ob es den Landsleuten in den anderen Regionen gefällt oder nicht, diese Stadt dürfte in weiten Teilen das Image bestimmen, welches die Welt von Holland hat. Dafür sind die Landsleute nicht immer dankbar. Amsterdam ist nicht unbedingt die Hauptstadt der Herzen. Irgendwie kann sich nicht jeder Niederländer mit dem Gedanken anfreunden, dass die Welt mit seinem Land vor allem ein Sündenbabel verbindet, welches gleich hinter dem Bahnhof beginnt (so weit, so üblich). Und wenn dann bei jeder Begegnung der Gesprächspartner in ein Grinsen verfällt, welches er für ahnungsvoll hält (»Hähä, Holland. Gras rauchen, hähä.«), und wenn dann der Holländer auch noch den Fehler macht zu erklären, dass man nicht »Gras rauchen« sagt, sondern »blowen« - dann sitzt er gleich noch tiefer im Schlamassel (»Verstehe. Blowjob, hähä.«).

Es muss ein bisschen so sein, als würde man als Deutscher überall auf der Welt immer nur nach dem Oktoberfest oder der Reeperbahn gefragt. Aber zum Glück gibt es bei uns ja auch noch andere Assoziationen. Eine wechselvolle Geschichte hat manchmal auch ihre Vorteile.

In Wahrheit ist Amsterdam so typisch niederländisch wie Wien typisch österreichisch oder New York amerikanisch ist. Wer Amsterdamer aus vollem Herzen ist, versucht aus dieser Alleinstellung das Bestmögliche zu machen. Man sieht sich - mindestens! - in einer Liga mit New York. Wofür es ja zumindest auch geschichtliche Argumente gibt. Die amerikanische Metropole wurde als Nieuw Amsterdam gegründet, und weil offenbar so viele dort siedelnde holländische Kolonisten Jan Kees hießen, bürgerte sich später für die Nordstaatler die Bezeichnung »Yankees« ein.

Ein Amsterdamer hält seine Stadt vor allem für eines: unvergleichlich. Dafür gibt es viele Gründe, nicht wenige in der Geschichte. Zwar wurde die Stadt der Grachten schon im Mittelalter gegründet, die Entstehungsgeschichte war allerdings nicht typisch mittelalterlich. Kein König, kein Bischof legte den Grundstein. Und an dem Beginn des Aufstiegs der Metropole steht, wie es sich für Holland gehört, ein Kompromiss.

Im 17. Jahrhundert wollten die Statthalter der gerade unabhängig geworden niederländischen Provinzen ihr Territorium ausdehnen, bis runter nach Flandern. Auch den wichtigen Hafen Antwerpen wollten sie gerne besitzen. Den Amsterdamern war das gar nicht recht. Denn erstens war Krieg schlecht fürs Geschäft und zweitens würde Antwerpen als Teil des Verbunds der Provinzen schnell wieder eine blühende Hafenstadt - und damit unliebsame Konkurrenz - werden. Der Status quo war für Amsterdam angenehmer. Antwerpen in spanischem Besitz und die Küste kurz davor in holländischer Hand. Da der damals herrschende Prinz Willem II. (in voller Länge lautet sein Name übrigens: Willem Frederik George Lodewijk van Oranje-Nassau) das anders sah, kam es zwischen ihm und der Stadt zum Streit. Truppen marschierten auf, Amsterdam sollte in die Knie gezwungen werden. Das klappte aber nicht so ganz, ein Teil der Soldaten verlief sich in der Heide bei Hilversum, die große Schlacht, die auch eine Machtdemonstration des Statthalters sein sollte, fiel aus. Schließlich einigte man sich darauf, einander nicht sonderlich zu mögen, aber es auch nicht ohne den anderen auszuhalten. Diese Vernunftehe begründete im 17. Jahrhundert sowohl den Aufstieg Amsterdams wie auch den der vereinigten Provinzen.

Amsterdam war immer eine Kaufsmannsstadt. Gegründet von unternehmungslustigen Pfeffersäcken, die tausende Pfähle in den Morast des Flussufers rammten und fortan vor allem drei Dinge erledigen wollten: Geschäfte, Geschäfte und Geschäfte. Krieg war schlecht, weil er nicht gut fürs Business war, und Könige und Fürsten waren nervig, weil sie dauernd Sonderwünsche hatten und Versorgungsposten für ihre kretinöse Verwandtschaft wollten.

So blieb das Verhältnis zwischen der Stadt und dem Königshaus bis in die Gegenwart gespannt. Noch in den Sechzigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts kam es zu Ausschreitungen, weil Beatrix ausgerechnet den deutschen Prinz Claus heiraten wollte. Als sie 1980 den Thron bestieg, sah Amsterdam für einen Tag so aus, als sei das Land im Bürgerkrieg.

Die Auseinandersetzungen, die sich bald zu veritablen Straßenschlachten auswuchsen, begannen am Morgen in der Klinkerstraat, verlagerten sich im Laufe des Tages an die Blauwbrug und den Muntplein, bis sie dann am Abend am Leidseplein ihr Ende fanden. Es kam zum Einsatz von Wasserwerfern und Tränengas, Zivilfahnder mischten sich unter die Demonstranten, um »Rädelsführer« aus der Menge zu fischen. Für die Generation, die diese Auseinandersetzungen »live« erlebt hat, waren die Ereignisse so prägend wie für ihre deutschen Altersgenossen die Ereignisse um Wackersdorf und die Castor-Transporte.

In den Jahren danach besserte sich das Verhältnis ein wenig. Die Seelmann-Eggebrechts dieser Welt erzählten, dass die Amsterdamer ihren Claus mit der Zeit ins Herz geschlossen hätten und diese Zuneigung sich in vielen Scherzen zeigte. Das mag bei einigen stimmen. Richtig ist auf jeden Fall, dass viele Witze über den Gatten der Königin gemacht wurden.

Ein typischer Prinz-Claus-Witz ging so: Beatrix ist auf Dienstreise. Claus will die Zeit nutzen und sich im Rotlichtviertel einen blasen lassen. Leider weiß er nicht, was einen guten Blowjob ausmacht. Sein Kammerdiener weiß Rat. »Sagen Sie der Dame einfach, sie soll ihr Glied in den Mund nehmen und Honolulu sagen.«

Also macht sich Claus auf den Weg und murmelt als Gedächtnisstütze: »Honolulu. Hauptstadt von Hawaii. In Amerika. Hauptstadt. Amerika.«

Als Claus wieder in den Platz zurückkommt, bemerkt der Kammerdiener sein ziemlich verkniffenes Gesicht. »Majestät, was ist geschehen?«, fragt der Diener besorgt.

»Ach«, antwortet Claus. »Ich war so aufgeregt, dass ich den Namen der amerikanischen Hauptstadt verwechselt habe. Statt Honolulu habe ich Caracas gesagt.«

Wenn so ein Witz ein Beleg für die Beliebtheit von Staatsoberhäuptern ist, dann haben wir mehr populäre Politiker als ich dachte.

Die letzten königlichen Großereignisse, wie die Hochzeit zwischen dem jetzigen König Willem und seiner Máxima oder die Thronbesteigung des neuen Vaters des Vaterlandes in 2013, verliefen ohne größere Tumulte. Was wiederum als Zeichen der wachsenden Normalität interpretiert wurde. Es kann aber auch einfach nur Desinteresse sein.

Zwar ist Amsterdam heute offiziell die Hauptstadt des Königreichs der Niederlande. Aber effektiv ist dieser Titel so aussagekräftig wie der Satz, dass Berlin auch während der Teilung die Hauptstadt Deutschlands war. Die königliche Familie ist eigentlich nur in der Stadt, wenn es wirklich nicht anders geht. Parlament und Regierung sitzen in Den Haag; das wirtschaftliche Herz des Landes schlägt in Rotterdam härter und effizienter. Und um die Verwirrung komplett zu machen. Hauptstadt der Provinz Noord-Holland, in der Amsterdam liegt, ist das nicht einmal halb so große Haarlem.

Amsterdam hat nicht mal eine Million Einwohner und fast so viele Fahrräder. Mindestens zweimal am Tag - morgens und abends - wird mit den Drahteseln eine Art »Reise nach Jerusalem« gespielt. Jeder versucht, sich eines zu schnappen und damit zur Arbeit zu fahren. Wer keines erwischt, muss laufen oder den öffentlichen Nahverkehr nutzen. Das dauert in der Regel doppelt so lange. Denn die Busse und Bahnen stehen oft im Stau und fahren Umwege. Wenigstens wirkt die Stadt so viel größer, als sie tatsächlich ist.

Auch wenn Amsterdamer Lokalpatrioten sind: Wer im Grachtengürtel wohnt, möchte in Nieuw West nicht tot überm Zaun hängen (und umgekehrt). Ein alle Schranken überwindendes Amsterdam-Gefühl entsteht eigentlich nur dann, wenn Ajax mal wieder Meister geworden ist und man die Konkurrenz mit Spottgesängen überziehen kann. Zum Glück für die Amsterdamer passiert das ziemlich oft. Aber ansonsten gibt es den Amsterdamer eigentlich nicht. Da jede Stadt der Welt ihre Superlative braucht, ist man in Amsterdam besonders stolz darauf, Heimat für fast zweihundert Nationalitäten zu sein.

Nichteuropäische Zugereiste wurden bis vor kurzem unter dem Stichwort »allochtoon« zusammengefasst. Der Begriff wurde 1971 von der Soziologin Hilde Verwey-Jonker geprägt, weil man nicht mehr das Wort »Imigrant« verwenden wollte. Aber wie es mit gutgemeinten Neuschöpfungen manchmal so ist, nach ein paar Jahren fand man diesen Ausdruck, der auch in der Geologie und Biologie verwendet wird, ebenfalls herabwürdigend. Eine neue allgemein akzeptierte Bezeichnung wurde allerdings bislang noch nicht gefunden; hierzulande würde man von »Menschen mit Migrationshintergrund« sprechen. Deren Anteil an der Stadtbevölkerung beträgt ein Drittel, bei den jüngeren Bewohnern machen sie über die Hälfte aus; dennoch sind die Probleme und Phobien in Amsterdam nicht so ausgeprägt wie beispielsweise in...

Dateiformat: ePUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat ePUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Dateiformat: PDF
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie zum Lesen die kostenlose Software Adobe Reader, Adobe Digital Editions oder einen anderen PDF-Viewer Ihrer Wahl (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie die kostenlose App Adobe Digital Editions oder eine andere Lese-App für E-Books (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nur bedingt: Kindle)

Das Dateiformat PDF zeigt auf jeder Hardware eine Buchseite stets identisch an. Daher ist eine PDF auch für ein komplexes Layout geeignet, wie es bei Lehr- und Fachbüchern verwendet wird (Bilder, Tabellen, Spalten, Fußnoten). Bei kleinen Displays von E-Readern oder Smartphones sind PDF leider eher nervig, weil zu viel Scrollen notwendig ist. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

8,99 €
inkl. 5% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
PDF mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
Hinweis: Die Auswahl des von Ihnen gewünschten Dateiformats und des Kopierschutzes erfolgt erst im System des E-Book Anbieters
E-Book bestellen