Blutrote Küsse

Roman - Cat & Bones 1
 
 
Blanvalet Taschenbuch Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 31. Oktober 2011
  • |
  • 416 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-07167-7 (ISBN)
 
Düster, gefährlich, erotisch

Eine coole Vampirjägerin, jede Menge Action und eine schier unmögliche Liebe .

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Blanvalet
  • 0,45 MB
978-3-641-07167-7 (9783641071677)
3641071674 (3641071674)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Jeaniene Frost lebt mit ihrem Mann und ihrem Hund in Florida. Obwohl sie selbst kein Vampir ist, legt sie wert auf einen blassen Teint, trägt häufig schwarze Kleidung und geht sehr spät zu Bett. Und obwohl sie keine Geister sehen kann, mag sie es, auf alten Friedhöfen spazieren zu gehen. Jeaniene liebt außerdem Poesie und Tiere, aber sie hasst es zu kochen.

1


Als ich das Blaulicht hinter mir bemerkte, erstarrte ich. Ich hatte nämlich beim besten Willen keine Erklärung für das, was ich auf der Ladefläche meines Pick-ups spazieren fuhr. Ich fuhr rechts ran und hielt den Atem an, als der Sheriff an mein Autofenster trat.

»Hi. Gibt's Probleme?« Pure Unschuld lag in meiner Stimme, als ich darum betete, dass in meinen Augen nichts Ungewöhnliches zu sehen war. Beherrsch dich, du weißt, was passiert, wenn du dich aufregst.

»Ja, Ihr Rücklicht ist defekt. Führerschein und Fahrzeugpapiere bitte.«

Mist. Das musste beim Aufladen passiert sein. Da war Eile geboten gewesen.

Ich gab ihm meinen echten Führerschein, nicht den gefälschten. Abwechselnd richtete er den Strahl seiner Taschenlampe auf den Ausweis und mein Gesicht.

»Catherine Crawfield. Du bist Justina Crawfields Tochter, oder? Von der Kirschplantage Crawfield?«

»Ja, Sir.« Das sagte ich höflich und gelassen, als hätte ich nicht das Geringste zu verbergen.

»Also, Catherine, es ist fast vier Uhr früh. Warum bist du so spät noch unterwegs?«

Ich hätte ihm sagen können, was ich in Wahrheit trieb, nur wollte ich mir keine Schwierigkeiten einhandeln. Oder einen längeren Aufenthalt in der Gummizelle.

»Ich konnte nicht schlafen, da dachte ich mir, ich fahr noch ein bisschen durch die Gegend.«

Zu meinem Entsetzen schlenderte er zur Ladefläche des Pick-ups und leuchtete mit der Taschenlampe hinein.

»Was hast du denn da hinten?«

Oh, nichts Besonderes. Eine Leiche unter ein paar Säcken und eine Axt.

»Säcke mit Kirschen von der Plantage meiner Großeltern.« Hätte mein Herz noch lauter geklopft, wäre er davon taub geworden.

»Tatsächlich?« Mit der Taschenlampe stieß er eines der unförmigen Plastikgebilde an. »Einer ist undicht.«

»Macht nichts.« Meine Stimme war fast nur noch ein Piepsen. »Die platzen ständig auf. Darum transportiere ich sie ja in diesem alten Laster. Die Ladefläche ist schon ganz rot.«

Erleichterung überkam mich, als er seine Erkundungstour beendete und wieder an mein Fenster trat.

»Und du fährst so spät noch durch die Gegend, weil du nicht schlafen konntest?« Seine Mundwinkel verzogen sich wissend. Er ließ den Blick über mein enges Oberteil und die zerzausten Haare schweifen. »Und das soll ich glauben?«

Die Anzüglichkeit war offenkundig, und ich verlor beinahe die Fassung. Er dachte, ich hätte mich in fremden Betten herumgetrieben. Wie meine Mutter vor fast dreiundzwanzig Jahren.Als uneheliches Kind hatte man es in einer solch kleinen Stadt nicht leicht, so etwas war hier noch immer nicht gern gesehen. Die heutige Gesellschaft hätte damit kein Problem mehr haben sollen, doch in Licking Falls, Ohio, hatten die Leute eigene Moralvorstellungen. Und die konnte man bestenfalls als archaisch bezeichnen.

Mit großer Anstrengung unterdrückte ich meinen Ärger. War ich wütend, fielen meine menschlichen Wesenszüge gewöhnlich wie eine zweite Haut von mir ab.

»Könnte das unter uns bleiben, Sheriff?« Noch ein unschuldiger Augenaufschlag. Bei dem Toten hatte der immerhin funktioniert. »Ich mach's auch nie wieder, versprochen.«

Er maß mich mit Blicken und spielte dabei an seinem Gürtel herum. Sein Hemd spannte sich über seinem Wanst, doch ich sparte mir Bemerkungen über seinen Leibesumfang oder die Tatsache, dass er nach Bier stank. Schließlich lächelte er und ließ dabei einen schiefen Vorderzahn sehen.

»Fahr nach Hause, Catherine Crawfield, und lass das Rücklicht reparieren.«

»Ja, Sir!«

In meiner Erleichterung gab ich ordentlich Gas und fuhr davon. Das war knapp gewesen. Nächstes Mal würde ich vorsichtiger sein müssen.

 

Gewöhnlich galten die Sorgen der Leute Vätern, die ihrer Unterhaltspflicht nicht nachkamen, oder den Leichen, die ihre Familien im Keller hatten. Mir war beides nicht erspart geblieben. Oh, verstehen Sie mich nicht falsch, ich hatte nicht immer gewusst, was ich war. Meine Mutter, die Einzige, die sonst noch über das Geheimnis Bescheid wusste, hatte es mir erst gesagt, als ich sechzehn war. Ich wuchs mit Fähigkeiten auf, die andere Kinder nicht hatten, wollte ich aber etwas darüber wissen, wurde sie böse und befahl mir, nicht darüber zu reden. Ich lernte, verschwiegen zu sein und meine Besonderheiten zu verbergen. Alle anderen fanden mich einfach sonderbar. Ich hatte keine Freunde, trieb mich zu den merkwürdigsten Uhrzeiten draußen herum und war seltsam bleich. Selbst meine Großeltern wussten nicht, was in mir steckte, aber das galt schließlich auch für meine Opfer.

Meine Wochenenden verliefen inzwischen immer gleich. Ich klapperte alle Clubs ab, die man mit dem Auto innerhalb von drei Stunden erreichen konnte, immer auf der Suche nach Action. Nicht von der Sorte, die der gute Sheriff gemeint hatte; ich suchte etwas anderes. Ich soff wie ein Loch und wartete, bis der Richtige auf mich aufmerksam wurde. Jemand, den ich hoffentlich um die Ecke bringen konnte, falls ich zuvor nicht selbst dran glauben musste. Das machte ich jetzt seit sechs Jahren. Vielleicht wollte ich sterben. Eigentlich lustig, wo ich doch praktisch halbtot war.

Die Tatsache, dass ich in der Woche zuvor fast mit dem Gesetz in Konflikt geraten wäre, hielt mich daher auch am folgenden Freitag nicht von meinen Aktivitäten ab. So hatte ich wenigstens die Gewissheit, einen Menschen glücklich zu machen. Meine Mutter. Die hegte ihren Groll zu Recht. Ich wünschte mir bloß, er hätte sich nicht auf mich übertragen.

Die laute Musik des Clubs warf mich fast um und ließ meinen Puls in ihrem Rhythmus hämmern. Vorsichtig bahnte ich mir einen Weg durch die Menge und suchte nach jener unverkennbaren Aura. Der Club war brechend voll, ein typischer Freitagabend. Nachdem ich etwa eine Stunde lang herumgeschlendert war, machte sich allmählich Enttäuschung in mir breit. Hier waren anscheinend nur Menschen. Aufseufzend setzte ich mich an die Bar und bestellte einen Gin Tonic. Der erste Typ, der versucht hatte, mich umzubringen, hatte mir einen bestellt. Jetzt war das mein Lieblingsdrink. Hat schließlich keiner behauptet, ich wäre nicht sentimental, oder?

Immer wieder machten Typen mich an. Als junge Frau ohne männliche Begleitung stand einem in ihren Augen wohl »Fick mich« auf die Stirn geschrieben. Höflich bis leicht unhöflich ließ ich sie abblitzen, je nach Hartnäckigkeit des Verehrers. Ich wollte hier keinen Mann kennenlernen. Nach meinem ersten Freund Danny hatte ich mich nie wieder auf eine Beziehung einlassen wollen. War der Typ am Leben, interessierte er mich nicht. Nicht verwunderlich, dass ich kein erwähnenswertes Intimleben hatte.

Nach drei weiteren Drinks beschloss ich, den Club noch einmal abzuklappern, denn meine Lockrufe blieben unbeachtet. Es war fast Mitternacht, und bisher hatten die Leute hier nur getrunken, Drogen genommen und getanzt.

Am anderen Ende des Clubs gab es einige Sitzgruppen. Als ich dort vorbeikam, spürte ich, dass die Luft irgendwie aufgeladen war. Jemand oder etwas war in der Nähe. Ich hielt inne und ging langsam im Kreis, um die Lage zu sondieren.

Plötzlich konnte ich den nach vorn geneigten Scheitel eines Mannes ausmachen. Im zuckenden Diskolicht wirkte sein Haar fast weiß, doch seine Haut war faltenlos. Er sah auf und merkte, wie ich ihn anstarrte. Seine Brauen waren deutlich dunkler als sein anscheinend hellblondes Haar. Auch seine Augen waren dunkel, zu dunkel, als dass ich die Farbe hätte erkennen können. Seine Wangenknochen erschienen wie aus Marmor gemeißelt, und seine makellose, gleißend helle Haut blitzte unter seinem Hemdkragen hervor.

Bingo.

Ein falsches Lächeln im Gesicht, schlenderte ich übertrieben betrunken torkelnd zu ihm hin und ließ mich auf den Stuhl ihm gegenüber fallen.

»Hallo Hübscher«, sagte ich mit möglichst verführerischer Stimme.

»Jetzt nicht.«

Seine Antwort fiel knapp aus, und er hatte einen ausgeprägten britischen Akzent. Einen Augenblick lang stutzte ich. Vielleicht hatte ich ja zu viel getrunken und etwas missverstanden.

»Wie bitte?«

»Ich bin beschäftigt.« Er klang ungeduldig und leicht ärgerlich.

Ich war vollkommen verwirrt. Hatte ich mich getäuscht? Nur zur Sicherheit streckte ich den Arm aus und ließ meinen Finger leicht über seine Hand gleiten. Seine Haut strahlte eine ungeheure Energie ab. Also doch kein Mensch.

»Ich habe mich gefragt .« Um Worte ringend zermarterte ich mir das Hirn nach einer Anmache. Offen gestanden war mir das noch nie passiert. Solche wie er waren gewöhnlich leichte Beute. Ich hatte keine Ahnung, wie ein echter Profi in einer derartigen Situation gehandelt hätte.

»Willst du ficken?«

Die Worte rutschten mir so raus, und ich war selbst entsetzt, sie ausgesprochen zu haben. Gerade noch konnte ich mich davon abhalten, mir die Hand vor den Mund zu schlagen; diesen Ausdruck hatte ich noch nie benutzt.

Nach seiner zweiten Abfuhr hatte er mir den Rücken zugekehrt, jetzt sah er mich mit einem amüsierten Zucken im Mundwinkel wieder an. Seine dunklen Augen musterten mich abschätzend.

»Schlechtes Timing, Süße. Ich kann erst später. Sei ein braves Täubchen, und schwirr ab, ich finde dich.«

Mit einer wegwerfenden Handbewegung scheuchte er mich weg. Steif stand ich auf, verzog mich und konnte nur den Kopf schütteln darüber, wie die Situation sich entwickelt hatte. Wie sollte ich ihn jetzt umbringen?

Benommen suchte ich die Damentoilette auf, um mein Aussehen zu überprüfen. Mein Haar war in Ordnung, trotz seines üblichen auffallend intensiven Rottons, und ich trug...

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