Mr. Data und das Braitenberg-Universum

Künstliche Wesen - Ansätze einer Theorie, Band I
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 15. Januar 2018
  • |
  • 520 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7460-0223-1 (ISBN)
 
Struktur und Prozess der Welt sind Struktur und Prozess ihrer Bewusstwerdung. Welt und Bewusstsein sind nicht zwei Dinge, sondern ein einziges, das sich selbst enthüllt. In einem künstlichen Wesen, das genau so gebaut ist, finden Welt und Mensch ihre abschliessende Erklärung.
Der erste Band entwickelt die philosophischen und konstruktivistischen Grundlagen des Baus eines solchen Wesens, das letztlich eine fensterlose Monade im Sinne Leibniz' ist.
Der zweite Band wertet das Erarbeitete philosophisch und fundamentalpsychologisch aus. Es geht dabei unter anderem um Subjektinklusion und Erörterungen zu Symmetrie, Bewusstsein und Realität.
Das Buch ist Bericht über ein Leben des Nachdenkens über Probleme aus Philosophie, Psychologie und Physik, angereichert mit einer lockeren Rahmenerzählung.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 5,56 MB
978-3-7460-0223-1 (9783746002231)
3746002230 (3746002230)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Adrian W. Fröhlich (1953) studierte in den siebziger und achtziger Jahren Humanmedizin und Philosophie und war in der Informationstechnologie (Künstliche Intelligenz, Software Engineering, Projektmanagement, Management) und in der Medizin (Arzt) tätig. Seit 2002 arbeitet er als Psychiater und Psychotherapeut.
Seine bisherigen Sachbuchveröffentlichungen umfassen u.a. Plastware - das Spiel der Spiegel (Edition Diolkos, 1995), Mythos Projekt (Galileo Press, 2001), Die erschöpfte Begeisterung (Kohlhammer, 2015).

2Vorbemerkung


Die Natur weiss nichts und macht nichts.

Terje Rian, Ranger auf dem Dovre Fjell, Norwegen

1

Für alle unsere Anschauungen gilt zunächst einmal: «[..] sie erfassen das Sein als etwas, das mir als Gegenstand gegenübersteht, auf das ich als auf ein mir gegenüberstehendes Objekt, es meinend, gerichtet bin. Dieses Urphänomen unseres bewussten Daseins ist uns so selbstverständlich, dass wir sein Rätsel kaum spüren, weil wir es gar nicht befragen. Das, was wir denken, von dem wir sprechen, ist stets ein anderes als wir, ist das, worauf wir, die Subjekte, als auf ein gegenüberstehendes, die Objekte, gerichtet sind. Wenn wir uns selbst zum Gegenstand unseres Denkens machen, werden wir selbst gleichsam zum Anderen und sind immer zugleich als ein denkendes Ich wieder da, welches dieses Denken seiner selbst vollzieht, aber doch selbst nicht angemessen als Objekt gedacht werden kann, weil es immer wieder die Voraussetzung jedes Objektgewordenseins ist. Wir nennen diesen Grundbefund unseres denkenden Daseins die Subjekt-Objekt-Spaltung. Ständig sind wir in ihr, wenn wir wachen und bewusst sind.»7

Damit sind wir am Tatort. Bevor wir aber mit den Ermittlungen beginnen, sollte ich mich fairerweise dem geneigten Leser vorstellen. Doch das ist schwierig in einer Zeit, die eine mittelalterlich anmutende Titelsucht pflegt - und man muss sagen: erneut - dem naiven Akademismus verfallen ist, den unsere Kultur schon einmal überwunden hatte, indem sie echte Intellektuelle und Geistmenschen hervorbrachte, die durch ihre Gedanken überzeugten und nicht durch die akademische Vita, nicht allein durch eine solche, und wo es noch eine, aus heutiger Sicht betrachtet, überaus gebildete und zahlenmässig umfangreiche Leserschaft gab, die solches zu schätzen wusste. Jean Zieglers Ceterum, dass es in der Schweiz keine Intellektuelle gebe, traf damals nicht zu, heute jedoch auf jeden Fall, und nicht nur auf die Schweiz, sondern auf den deutschsprachigen Raum, wenn nicht sogar auf ganz Westeuropa. Natürlich gibt es immer Ausnahmen, aber es sind Ausnahmen.

Der erste wahrhaft gescheite Mensch, dem ich in meinem Leben begegnet bin, war mein Vater, ein Mensch, der über das verfügte, was ich als Realitätsfantasie bezeichne, die Fähigkeit, Vergangenheiten und Zukünfte nicht nur als Wirklichkeiten zu sehen, sondern das Spezifische des Wirklichen in ihnen spielen zu lassen, wozu es einer radikalen Kenntnis des Menschen bedarf, die in unserer Welt selten geworden ist. In Henri Lauener begegnete ich dann einem Philosophen, wie er trockener und exakter nicht sein konnte, der aber das pralle Leben liebte und sprühenden Geist besass, der es ihm erlaubte, selbst konträre Meinungen gelten zu lassen, ohne sie zu akzeptieren. Der dritte derartige Geist, dem ich begegnen durfte, war Valentin Braitenberg. Er las und begriff den formalisierten Teil meiner Theorie ohne weitere Erklärung und hielt sie für so bedeutsam, dass er mir ohne weitere Fragen dazu gratuliert hat. Nie hätte ich gedacht, dass diese Theorie jemand verstehen könne, dem sie nicht Punkt für Punkt erklärt wird. Braitenberg war einer der Denker der Biokybernetik, darüber hinaus ein begnadeter Geschichtenerzähler und Essayist, dessen Herausforderung das Gescheite war, das Markenzeichen des Intellektuellen.

Ich erinnere mich, dass ein Freund meines Vaters, Walter Robert Corti, Philosoph und Begründer des Kinderdorfes in Trogen, mit seinem erfolglosen Grossprojekt der Akademie das wollte, was heute monnaie courante ist. Er wollte die Ethik über die Ontologie stellen und war der Meinung, dass nur das gedacht werden dürfe, was den Grundprinzipien der Ethik genügt. Seine Idee hat sich weitgehend durchgesetzt, nicht wegen seines Wirkens, sondern als Folge der Erinnerungskultur an die Shoa. In den achtziger und neunziger Jahren ist hier Entscheidendes passiert. Die Shoa hat in der Diskussion inzwischen in Westeuropa und den USA jene Position eingenommen, die in der voraufgeklärten Welt der Wirklichkeit des Bösen zukam. Unter dieser Kautele versiegelt sie das Universum des Geistes auf die gleiche Weise, wie es vor der Aufklärung das katholische Dogma tat. Ethisch betrachtet ist dagegen - angesichts der millenaren Verbrechen der Nazis - nichts einzuwenden. Doch philosophisch hat es Konsequenzen. Nicht die Aufklärung wurde dadurch befördert, sondern paradoxerweise die Gegenaufklärung. Der Publizist ist heute wieder ein Fréron und kein Voltaire mehr, doch nennt er sich Voltaire. Das Dogma, kein katholisches dieses Mal, sondern ein menschenrechtliches, ist zurück. Normalerweise stösst sich daran niemand. Doch wer in Bereiche des Denkens vordringt, wie sie in diesem Buch erforscht werden, steht in der Gefahr der Häresie.

Auf die Frage, wer ich bin, gibt es angesichts dessen keine zufriedenstellende Antwort. Es ist am ehrlichsten, wenn wir uns darauf einigen, dass diese Frage dann zu klären sein wird, wenn das Buch seine allfällige Wirkung entfaltet. Wer begreift, was dieses Buch liefert, wird erkennen, dass es nur von einem Geist geschrieben werden konnte, der souverän ist und sich über alle sichtbaren und unsichtbaren Grenzen hinwegsetzt, nicht um sie zu verletzten, sondern um herauszufinden, ob es sie zu Recht gibt, bzw. was es zu Recht gibt, und was nicht.

Das Buch ist, das muss zugestanden werden, dann ein extrem harter Brocken, wenn es jemand in allen Einzelheiten verstehen möchte. Und das würde es auch dann sein, hätte ich mir die Mühe genommen, es über zehntausend Seiten auszubreiten und damit vielleicht ein bisschen verständlicher zu machen. Es ist ein fast unverständlicher Text aus dem einen Grund, weil sein Gegenstand schwierig zu fassen ist. Vieles an diesem Buch ist aber auch gut verständlich. Doch täuscht das über das Eigentliche hinweg.

2

Dieses Buch ist ein erzählter Kosmos. Erzählung spielt in ihm eine zentrale Rolle. Vielleicht die wichtigste Rolle überhaupt. Ich bin in diesem Buch nicht nur als ein Denker unterwegs, sondern auch als Erzähler, der selbst ein pralles Leben gelebt hat und lebt. Ich bin wie jeder Intellektuelle ebenso ein Romantiker, ein Erotiker, ein Aktivist, ein Sünder und ein Ehrenmann. Kein Geist taugt etwas ohne den Mann oder die Frau, die dahinterstehen. Wir leben, lieben und sterben.

Doch fangen wir an!

Solange du jung bist, stehen alle Türen ins Blaue offen. Aber dann, auf der Höhe deines Lebens, gehen sie zu, und ein Schatten tritt zu dir heran und flüstert: Du musst hinab. Es ist ein Kampf, der nicht zu Ende ist, bevor die Kräfte erlahmen, aber noch bevor es zum Sieg kommt. Und alles, was du zurücklässt und aussieht wie ein Sieg, kommt als Niederlage daher.

Das Licht über dir wird erlöschen. Sie werden dich in ein Loch oder ins Feuer werfen. Neuerdings kann man deinen Kohlenstoff auch zu einem Diamanten pressen. Du wirst ihnen niemals verständlicher sein, als du es heute bist.

Als habe ein Stummer geschrien. Der Stuhl, auf dem du sitzt, wird länger bestehen als du.

Mit Ausnahme dessen, was sie an das allgemeine Schicksal des Verscheidens erinnert, wird sie am Ende nichts mehr an dich erinnern. Deine Gedanken wird keiner weiterdenken, deine Gefühle werden nicht mehr gefühlt werden, empfunden wird nicht mehr, wie du empfindest. Deine Welt wird ausgegossen und verschwendet sein. Tot erst könntest du erkennen, wie allein du in Wirklichkeit bist. Tot würdest du merken, wie unersetzlich alles und jedes, selbst das Kleinste ist.

Tot könntest du sehen, wie die Welt über dich hinweggeht. Wo wirst du sein? In der Träne, die du heute weinst.

Es ist ein Hotel, von dem wir nicht sicher sind, ob es überhaupt in Betrieb ist. Ein Kasten aus dem neunzehnten Jahrhundert, herrlich unterhalb der Strasse am Lago gelegen. Die Halle ist verstaubt. Die Rezeption, ein gigantischer Mahagonnyriegel mit Schnitzereien an der Vorderfront. Mit einer gewissen Ehrfurcht schauen wir uns um. Von ferne vernehmen wir Stimmen.

Es kann auch ein Sanatorium sein.

Maria wandert herum, ihre Handtasche auf die Brust gepresst, als fürchte sie, jemand könne sie ihr entreissen. Den Kopf in den Nacken gelegt, erfasst sie die riesige Höhe des Raums. Ob das ein Hotel für uns ist? Ehrlich gesagt, zweifle auch ich daran.

Dann ist er plötzlich da, der Concierge, ein massiger Herr mit ausladendem Schnurrbart und kahlem Schädel. Mit heraufgezogenen Brauen mustert er uns, wartet aber nicht, bis wir ihn nach einem freien Zimmer fragen, er greift nach einem Schlüssel und sagt, während er in sein Buch kritzelt: Ecco Signori -- la chiave! E il numero trecentocinquantasei. Al terzo piano, a destra. La trentesima porta a sinistra, per favore. Una bella camera. Guten Abend, meine Herrschaften, wiederholt er sich in makellosem Deutsch, Ihr Schlüssel, Etage Nummer drei, nach rechts, die dreissigste Tür links. Machen Sie es sich bequem!

Doch da wäre noch meine Frage nach dem Preis.

Seine Reaktion: Unendliche Herablassung, die Antwort und der Blick eines Pharaos.

Wir kämen von Rom, seien auf der Rückreise, versuche ich zu erklären. Ma Signore! Ch'importa? Sie...

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