... über uns die Dächer von Rom

Liebesroman
 
 
Zeilenfluss (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. August 2020
  • |
  • 313 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96714-076-7 (ISBN)
 
Sofia erfüllt sich ihren langersehnten Traum: eine Reise nach Rom. Dort lernt sie den charmanten Bildhauer Adriano kennen, der ihr nicht nur den Kopf verdreht, sondern auch ihrem verstorbenen Freund Noah zum Verwechseln ähnlich sieht. Während ihres Urlaubs in der ewigen Stadt begegnet Sofia dem charmanten Bildhauer Adriano. Er zeigt ihre sein Rom und führt sie zu romantischen Plätzen und durch Ruinen längst vergangener Tage. Die beiden kommen sich näher, aber sein ständiges plötzliches Verschwinden und die Ähnlichkeit zu ihrem verstorbenen Freund Noah stellen Sofia vor ein Rätsel. Als auch noch unerwartet Adrianos Vater auf der Bildfläche erscheint, ist das Chaos perfekt. Wird Sofia nun endlich herausfinden, was Adriano zu verbergen versucht?
  • Deutsch
  • 0,91 MB
978-3-96714-076-7 (9783967140767)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Prolog


 

 

»Noah«, flüsterte ich in die Dunkelheit hinein, während mir Tränen über die Wangen strömten. Etwa zwei Jahre waren nun vergangen, seitdem ich zum letzten Mal in sein aschfahles, lebloses Gesicht geblickt und mit den Fingerspitzen seine kalte Haut berührt hatte. Seither begegneten wir uns in vielen Nächten in meinen Träumen. Die Träume endeten immer gleich. Ich hielt Noah an den Händen, während er am Abhang eines Felsens hing. Sosehr ich mich auch anstrengte, meine Kraft reichte nicht aus, um ihn hochzuziehen. Auf seinem Gesicht zeichnete sich keine Angst ab, ganz im Gegenteil, er lächelte und flüsterte mir zu, ich solle ihn loslassen, es sei okay, doch ich konnte nicht. Ich wusste, käme ich seinem Wunsch nach, würde ich ihn nie wiedersehen. Also hielt ich ihn krampfhaft fest, bis ich tränenüberströmt allein in meinem Bett erwachte.

Noah und ich hatten uns vor vielen Jahren auf Sardinien kennengelernt. Ich war neunzehn gewesen. Wir hatten beide als Animateure in einem Hotel nahe dem Meer gearbeitet. Nur zu gut erinnerte ich mich an den Augenblick, als meine Freundin Luisa, deren Idee es gewesen war, vor dem Ernst des Lebens noch etwas zu erleben, die Tür zu unserem Apartment geöffnet hatte. Ein junger Mann mit braunen Augen und dunklen Locken, die wild von seinem Kopf abstanden, lächelte uns an. Er war groß und trug ein weißes T-Shirt mit dem Logo des Hotels. Dazu eine kurze Jeans und Flipflops. Ich war sofort hin und weg von seiner Ausstrahlung, hätte aber zu dem Zeitpunkt nie gedacht, dass er meine erste wirkliche Liebe werden würde.

Das Team der Animateure in unserem Hotel war eine lustige Truppe, bunt durchmischt, aus verschiedenen Ländern. Ich hatte mich schnell an meine neue Umgebung und die Leute gewöhnt. Mir entging nicht, dass Noah mir immer wieder Blicke zuwarf und meine Nähe suchte. Luisa ebenfalls nicht, sodass sie mich deswegen ständig aufzog. Noah war heiß begehrt bei den Mädchen und bei den weiblichen Gästen. Seine charmante und liebenswerte Art hatte nicht nur mich in ihren Bann gezogen. Es wurde getuschelt, dass er hier noch nie eine Freundin gehabt hätte, nicht einmal einen ernst zu nehmenden Flirt.

Eines Abends fragte er mich dann nach der Show, ob ich ihn an den Strand begleiten würde. Wenn ich heute daran dachte, schloss ich die Augen und versuchte mir ins Gedächtnis zu rufen, wie warm sich der Sand unter meinen Füßen angefühlt hatte und wie erfüllt die Luft vom Duft des Meeres gewesen war. Wie die Sterne über uns gefunkelt hatten, während die Wasseroberfläche im Schein des Mondes fast silbern schimmerte. Ich erinnerte mich an unsere Gespräche und daran, wie er mich dabei angesehen und mir Komplimente gemacht hatte. Nicht zuletzt an den ersten Kuss, der alles verändert hatte. Schon damals wusste ich, dass dies etwas Ernstes zwischen uns werden würde. Noah und ich verbrachten eine sehr romantische und harmonische Zeit auf Sardinien. Manchmal gab es Tage, da wollte er alleine sein, um nachzudenken. Ich ließ ihn gehen, obwohl ich mich fragte, warum er seine Gedanken nicht mit mir teilte. Sein Gemütszustand wechselte ständig zwischen extrem gut drauf und stundenlang grübelnd.

Das Jahr verging schnell. Dann musste ich auch schon zurück nach Münster und Noah nach Heidelberg, um dort sein Medizinstudium zu beginnen. Wir wollten alles dafür tun, zusammenzubleiben, besuchten uns gegenseitig und verbrachten einen Teil der Semesterferien miteinander.

Eines Tages jedoch rief mich seine Mutter Marita völlig aufgelöst an, um mir zu sagen, dass Noah beim Klettern in Österreich abgestürzt sei und schwer verletzt im Krankenhaus im Koma liege. Am Abend zuvor hatte er mir noch erzählt, dass er mit den Jungs am nächsten Tag auf den Gipfel wollte. Noah liebte das Klettern und fuhr daher jedes Jahr in den Semesterferien mit seinen Kumpels für eine Woche in die Berge.

Ich konnte kaum klar denken, dennoch schaffte ich es irgendwie, alles für meine Reise nach Österreich zu organisieren und meine Eltern, Luisa und Olli anzurufen, um ihnen zu erzählen, was passiert war. Sie hatten Noah von Anfang an gemocht. Besonders mit meinem Bruder Olli hatte er sich gut verstanden, obwohl die beiden ziemlich gegensätzlich waren. Schockiert darüber, was mit Noah geschehen war, versuchte er mich zu trösten und bot mir sofort an, mich zum Flughafen zu begleiten. Während der Fahrt brachte ich kaum ein Wort über meine Lippen, immerzu musste ich an Noah und unser gemeinsames Jahr auf Sardinien denken. Da uns in Deutschland viele Kilometer trennten, hatten wir seitdem nur noch wenig Zeit miteinander verbringen können, stattdessen telefonierten wir oft oder skypten stundenlang. Es war schwierig, aber ich vertraute ihm und er mir.

Nach unserem Studium wollten wir durch die Welt reisen und dann zusammenziehen. Wir hatten so viele Pläne. Ich fragte mich voller Angst, was passieren würde, wenn er nicht mehr aufwachen und mir nie wieder in die Augen sehen würde.

 

»Sofia!« Marita fiel mir weinend um den Hals. Sofort schossen auch mir Tränen in die Augen. Tröstend legte ich meine Arme um ihre Taille und drückte sie fest an mich. Sie war frühmorgens in Salzburg gelandet. Wir hatten uns vor dem Krankenhaus verabredet. Die Sonne stand bereits tief, als ich den Weg zum Haupteingang einschlug und sie dort traf. Marita war völlig aufgelöst. Ich sah ihr an, wie niedergeschlagen und kraftlos sie war.

»Sofia, er wird wahrscheinlich . nicht . wieder wach werden«, stotterte sie und hatte sichtlich Mühe, weiterzusprechen. »Die Ärzte meinen, seine Verletzungen am Kopf sind zu schwer. Er hat eine große Blutung, die man nicht stillen kann. Was sollen wir denn nun machen? Ich brauche ihn doch.«

Sie weinte bitterlich. Ich versuchte, meine Gefühle beiseitezuschieben, um nicht zusammenzubrechen. Ich wollte für uns beide stark sein. Wenn Noah nur einen Vater gehabt hätte, der jetzt für ihn und seine Mutter da sein könnte . Aber der war nicht Teil von Noahs Leben. Marita hatte ihrem Sohn, als er alt genug war, erklärt, dass er das Ergebnis einer einmaligen Nacht mit einem Unbekannten war, der ihr damit das größte Geschenk gemacht hätte, das es gab, nämlich ihn, Noah. Heiraten war für Marita nie infrage gekommen, eine feste Beziehung wollte sie ebenfalls nicht. In der jetzigen Situation hätte sie allerdings dringend jemanden gebraucht. Ich wusste nicht, ob ich wirklich stark genug sein würde, ihr Halt zu geben, wo ich ihn doch ebenso benötigte. Es war schwer, für uns beide.

Sie erzählte mir, dass Noahs Freunde am Vormittag kurz vor dem Abflug vorbeigekommen waren. Sie hatten berichtet, dass sich auf einem schmalen Weg, der hinunter ins Tal führte, mit einem Mal unter seinen Füßen Steine gelöst hätten und er dadurch einen Abhang heruntergerutscht sei. Am Ende war er mit dem Kopf an einen Felsen geschlagen. Er hatte noch kurz mit ihnen gesprochen, war dann jedoch bewusstlos geworden. Bis die Rettungskräfte kamen, hatte es wohl einige Zeit gedauert, außerdem gab es Schwierigkeiten, ihn in dem unwegsamen Gelände zu bergen.

»Die Jungs stehen noch immer unter Schock und machen sich Vorwürfe, aber sie können ja nichts dafür«, schluchzte Marita und wischte sich die Tränen fort.

»Keiner kann etwas dafür«, versuchte ich sie zu trösten und sah sie traurig an. »Ich würde jetzt gerne zu ihm gehen. Bringst du mich hin?«

Sie nickte und ging durch die große Glastür, die sich automatisch vor ihr geöffnet hatte. In der Eingangshalle empfing mich bereits dieser typische Krankenhausgeruch. Mir wurde ein wenig übel, aber ich wehrte mich gegen das Gefühl, indem ich durch den Mund weiteratmete. Vor der Tür mit der Aufschrift Neurologische Intensivstation blieben wir stehen. Marita betätigte den Knopf der Gegensprechanlage.

»Ja, bitte?«, ertönte eine weibliche Stimme aus dem Lautsprecher.

»Ich bin die Mutter von Noah Decker. Können wir zu ihm?«, fragte Marita und schluckte schwer. Einen Moment später öffnete sich die große Tür der Intensivstation, und ein Mann mit weißem Kittel kam heraus. Er wirkte ernst, als er sich als Stationsarzt vorstellte. Er bat uns, ihm zu folgen. Der Raum, in den er uns führte, war freundlich und hell eingerichtet. Auf einem kleinen Tisch standen zwei Flaschen Wasser und Gläser. An den Wänden hingen Bilder mit großen gelben und orangefarbenen Blumen. Er zeigte auf die Sitzgarnitur in der Ecke und forderte uns auf, Platz zu nehmen.

Marita und ich krampften beide die Hände zusammen, aus Angst vor dem, was uns der Arzt gleich sagen würde.

»Wir haben die restlichen Untersuchungen Ihres Sohnes abgeschlossen, Frau Decker. Es tut mir wahnsinnig leid, aber wir sind zu dem Ergebnis gekommen .«

Er stockte kurz und sah uns mitleidig an. Mein Herz hämmerte in meiner Brust, und während er weiterredete, blieb die Welt für einen Moment stehen. Ich starrte den Arzt mit offenem Mund an und wollte nicht wahrhaben, was er uns da gerade begreiflich zu machen versuchte.

». dass Ihr Sohn hirntot ist. Bei dem Sturz wurden mehrere Blutgefäße in seinem Gehirn verletzt, sodass es zu einer massiven Blutung kam. Aufgrund der langen Transportdauer und des Ausmaßes der Verletzung war es uns nicht möglich, zu operieren. Es tut mir sehr leid.«

»Aber . wie kann das sein, man muss doch...

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