Gespaltene Städte?

Soziale und ethnische Segregation in deutschen Großstädten
 
 
VS Verlag für Sozialw.
erschienen am 24. Februar 2009 | 181 Seiten
 
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978-3-531-91188-5 (ISBN)
 
Wo wohnt die ärmere Bevölkerung, wo die Ausländer? Wie haben sich die räumlichen Verteilungen beider Gruppen verändert? Welcher Zusammenhang besteht zwischen den Verteilungen der beiden Gruppen? Auf diese Fragen richten sich die Analysen in diesem Buch. Untersucht werden die soziale und ethnische Segregation in den 15 größten Städten Deutschlands im Zeitraum 1990 bis 2005.
Für beide Gruppen werden die Veränderungen sowohl der Segregation als auch der Anteil der beiden Gruppen in den einzelnen Stadtteilen dargestellt, in farbigen Karten dokumentiert und erklärt.



Dr. Jürgen Friedrichs ist Professor Emeritus im Forschungsinstitut für Soziologie der Universität zu Köln.

Dipl.-Geogr. Sascha Triemer war wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungsinstitut für Soziologie und arbeitet gegenwärtig in der 'Planungsgesellschaft Verkehr Köln'.
2008
Deutsch
Wiesbaden
1,95 MB
978-3-531-91188-5 (9783531911885)
3531911880 (3531911880)
weitere Ausgaben werden ermittelt
1 - Inhalt [Seite 5]
2 - Einleitung [Seite 7]
3 - 1. Problem: Einkommenspolarisierung und Armut [Seite 8]
4 - 2. Methoden und Daten [Seite 19]
5 - 3. Soziale Segregation [Seite 26]
6 - 4. Ethnische Segregation [Seite 67]
7 - 5. Stabilität sozialer und ethnischer Segregation? [Seite 105]
8 - 6. Dokumentation [Seite 114]
9 - Literaturverzeichnis [Seite 160]
10 - Anhang 1: Städte-Klassifikationen [Seite 172]
11 - Anhang 2: Datenquellen [Seite 174]
4. Ethnische Segregation (S. 71-72)

Im Abschnitt 1.3 haben wir dargestellt, welche positiven Folgen der sozialen Mischung in einem Wohngebiet zugeschrieben werden. Um zu zeigen, welche Bedeutung der ethnischen Segregation und der ethnischen Mischung in Wohngebieten zukommt, führen wir eine Reihe von empirischen Ergebnissen an. Einen Überblick über die Ergebnisse deutscher Studien gibt Friedrichs (2008). Wir gehen dabei auch auf die Mikroebene der Kontakte und des individuellen Verhaltens ein, obgleich wir entsprechende Hypothesen mit unseren Makro- Daten nicht testen können. Die Annahmen sind dennoch wichtig, um die Segregation zu erklären und die vermuteten Folgen ethnischer Mischung zu spezifizieren. Wir kommen auf die Annahmen auf der Kontext- und der Mikroebene bei der Diskussion der Ergebnisse in Kapitel 5 zurück.

4.1 Ethnische Mischung, Kontakte und Vorurteile

McCulloch (2001) dokumentiert die positive Folgen einer ethnischen Mischung für die Stabilität des Wohngebietes, hingegen zeigen Sampson und Groves (1989), dass ein höheres Maß an abweichendem Verhalten in Gebieten mit hoher ethnischer Mischung auftritt. Kennedy und Silverman (1985) belegen einen empirischen Zusammenhang von sozialer Mischung und Kriminalitätsfurcht. Sie spezifizieren auch den Mechanismus für dieses Ergebnis: Ist die wahrgenommene soziale Mischung (einschließlich der ethnischen) hoch, so führt dies zu einer Unsicherheit über die Umgebung, diese Unsicherheit führt zu Furcht vor Kriminalität. Musterd und Ostendorf (2007) berichten Ergebnisse über die Segregation von Migranten aus der Türkei, Marokko, Surinam und den Antillen.

Es zeigt sich, dass die Türken die Gruppe mit den höchsten Segregationswerten sind. In Amsterdam hat die Segregation der Türken im Zeitraum 1980 bis 2004 von 37,3 auf 42,4 zugenommen, in Rotterdam hingegen von 50,1 auf 44,1 abgenommen, ebenso in Den Haag von 66,4 auf 51,1. Immer noch ist aber die Segregation der Türken höher als die anderer Gruppen, sie betrug im Jahre 2004 z.B. für die Surinamesen in Amsterdam 32,9, in Rotterdam 21,1 und in Den Haag 33,5. Ferner stellen die Autoren fest, dass fast 40 % aller Türken in Amsterdam im Jahre 2004 in Gebieten mit einer hohen Konzentration von Türken wohnten, definiert als Anteile mit vier Standardabweichungen über dem städtischen Durchschnitt.

Die Türken und Marokkaner - im Gegensatz zu den beiden anderen Gruppen - haben weniger Kontakte außerhalb ihrer Gruppe. Die Kontakte sind noch geringer, wenn in dem Wohngebiet der Anteil der Migranten hoch ist. Zu den wichtigsten (beabsichtigten) Folgen der sozialen Mischung gehören die Kontakte zwischen den sozialen Gruppen. Die klassische Hypothese von Allport (1954: 261- 282) lautet: Durch Kontakte zwischen sozialen Gruppen werden die Vorurteile gegenüber der jeweils anderen Gruppe vermindert.

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