Carringo und das Inferno im Öl-Camp

 
 
Uksak E-Books (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 14. Mai 2020
  • |
  • 128 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7389-4035-0 (ISBN)
 
Mahon Tabor, der Agent der Hilton Company, ist verletzt. Trotzdem hofft er, den Zug in Menardville zu erreichen, der dafür sorgen kann, dass der Abstand zwischen Carringo und ihm noch größer wird. Carringo will endlich seine Unschuld beweisen, denn immer noch wird er steckbrieflich wegen der angeblichen Beteiligung am Halcon-Canyon-Massakers gesucht. Aber erst gilt es für Carringo und seinen Freund Chaco ein paar Freunden zu helfen ...
  • Deutsch
  • 0,51 MB
978-3-7389-4035-0 (9783738940350)

1


Als der Sturm nachließ, hörte Laura Rusk die Wölfe. Ihr langgezogenes Heulen übertönte das wilde Singen der Böen, die noch immer Schwaden von Schneeflocken in die breite Felsspalte hineintrieben, in der das Mädchen Schutz vor dem Unwetter gefunden hatte.

Sie war völlig durchgefroren. Aber sie lebte, und nur das zählte im Augenblick. Ihre blaugefrorenen Hände hatten sich um den Griff des schweren Revolvers vom Kaliber 45 gekrampft. Der bläulich schimmernde Waffenstahl mit der fleckigen Brünierung glänzte feucht, als sei er von einem feinen Eisfilm überzogen.

Wieder klang das Heulen der Wölfe auf - viel näher diesmal.

Mühsam richtete sich Laura auf, verlor das Gleichgewicht und stürzte fast. Ihre Handflächen schmerzten, als sie an der rauen Felswand Halt fand. Einen Moment hielt sie keuchend inne und versuchte, die letzten Energiereserven zu mobilisieren. Doch in ihren Beinen war nur noch wenig Kraft. Von ungebrochenem Willen getrieben, verließ sie taumelnd die Felsspalte. Laura wirkte ausgemergelt, das Gesicht hohlwangig. Ihr löchriges Kleid schützte sie kaum vor der Kälte. Mit zusammengebissenen Zähnen setzte sie einen Fuß vor den anderen. Vor ihr lag ein flacher Abhang, der weiß war von Schnee. Der Wind fegte über die weiße Decke und peitschte Eiskristalle vor sich her, die wie feine Nadelspitzen auf Lauras ungeschütztes Gesicht trafen.

Bohrender Hunger zog ihren Magen krampfartig zusammen. Der Durst hatte ihre Kehle entzündet. Sie bückte sich und hob eine Handvoll Schnee auf, den sie im Mund zergehen ließ. Es schmeckte bitter, als das eisige Wasser durch ihre Kehle rann.

Erschauernd zog Laura die Schultern hoch. Mit unsicheren Schritten bewegte sie sich weiter.

Irgendwann fand sie im dichten Unterholz des nahen Bergwaldes trockenes Holz. Sie schichtete es auf, bis sie es mit beiden Armen gerade noch umfassen konnte. Dann, als sie die knorrigen Zweige zu ihrem Unterschlupf trug, standen winzige Schweißperlen auf ihrer Stirn - trotz der Eiseskälte.

Eine Ewigkeit schien zu vergehen. Im Schutz der Felsspalte hockte Laura vor dem kleinen Holzhaufen, der ihr wie ein kostbarer Schatz erschien. Den Revolver hatte sie beiseite gelegt. Zwischen den Handflächen bewegte sie einen fingerdicken Zweig, dessen unteres Ende sich in der rissigen Rinde eines Astes drehte. Feiner Staub wirbelte aus dem fast morschen Holz.

Laura gönnte sich keine Pause, sie arbeitete verbissen. Es war die einzige Möglichkeit, ein Feuer anzufachen. Denn außer dem Revolver und dem, was sie auf dem Leib trug, besaß sie nichts.

Endlich drang der beißende Geruch von Rauch in ihre Nase. Laura erwachte aus ihrer Lethargie. Erregt steigerte sie die Bewegung ihrer Handflächen, als sie eine feine Rauchsäule aus dem morschen Ast emporsteigen sah. Kurz darauf war es geschafft. Funken sprühten, wuchsen zu beängstigend winzigen Flammen, die jedoch in dem staubtrockenen Holz gute Nahrung fanden.

Als schließlich in der Felsspalte das Feuer aufflackerte und Laura eng an die wärmenden Flammen rückte, spürte sie das nahende Unheil wie eine böse Vorahnung. Sie warf den Kopf herum, spähte ins Freie.

Jähes Entsetzen packte sie. Draußen auf dem Hang tauchten die Wölfe auf. Sie trotteten aus dem Wald - große Tiere mit buschigem, graubraunem Pelz und mächtigen Schädeln. Sie waren abgemagert, so dass die Rippen sich unter dem Fell abzeichneten. Wieder heulten sie, gierig, drohend und - wie es schien - siegessicher.

Lauras Magen verkrampfte sich. Stechende Schmerzen durchzuckten ihren Leib. Übelkeit stieg in ihr hoch. Sie presste die Hand gegen die Lippen und vermied es gerade noch, sich zu übergeben. Schwer atmend lehnte sie sich mit dem Rücken gegen die kalte Felswand. Nur allmählich wich die Übelkeit und ließen auch die Schmerzen nach. Laura spürte, wie sehr die Magenkrämpfe an ihren Kräften zehrten. Würde sie überhaupt noch fähig sein, sich selbst zu schützen? Wussten diese Bestien dort draußen nicht bereits, dass sie allein und ihnen ausgeliefert war?

Laura hob den schweren Revolver auf. Am Tage vorher hatte sie damit zum ersten Mal in ihrem Leben einen Menschen erschossen, einen Banditen. In höchster Not war es ihr gelungen, ihr Leben mit dem Colt zu verteidigen. Dennoch hatte sie kein rechtes Vertrauen zu der Waffe. Die Trommel war nur noch mit drei Patronen geladen. Viel zu wenig gegen ein Rudel hungriger Wölfe.

Das Geheul schwoll an, begleitet vom Abklingen der fauchenden Windböen. Nur noch in unregelmäßigen Abständen wurden Schneeflocken emporgewirbelt und umgaben die Raubtiere mit einem dichten weißen Schleier, der sie wie unwirkliche Schemen erscheinen ließ. Dann wieder, in der kristallklaren Winterluft, glühten die schmutzig gelben Augen der Wölfe voller Beutegier und Mordlust. Ihr heißer Atem bildete feine Schwaden, die sich rasch verflüchtigten.

Mit beiden Händen packte Laura den kalten Griff des Colts und legte den Lauf auf ihre Knie. Sie wagte nicht, sich zu rühren, spürte kaum noch die Kälte. Die Angst löschte alle anderen Empfindungen in ihr aus.

Die Wölfe verlangsamten ihre Bewegungen und näherten sich der Felsspalte bis auf Steinwurfweite. Das Geheul verstummte. Die Tiere begannen, unruhig hin und her zu streichen.

Laura war wie gelähmt. Die plötzliche Stille ließ ihre Angst nur noch wachsen. Es schien, als bereiteten sich die Bestien nun auf den entscheidenen Moment vor, als lauerten sie nur noch darauf, ihre sichere Beute aus der Reserve zu locken. Oder spürten sie instinktiv, dass Laura eine Waffe besaß? Hielten sie sich nur deshalb noch zurück?

Das Mädchen brachte es nicht fertig, den Blick von dem Wolfsrudel zu wenden. Niemals hatte sie geglaubt, dass man dem Tod ins Auge sehen konnte, ohne den Verstand zu verlieren oder in Panik zu geraten. Doch jetzt, in diesem Moment, hatte sie Gewissheit, dass das Verderben unaufhaltsam war. Und sie begriff nicht, dass es nur die Todesangst war, die ihr zu einer seltsamen Art von Ruhe verhalf.

Noch zögerten die Wölfe. Deutlich waren jetzt ihre blitzenden Reißzähne zu erkennen. Lautlos trotteten die Bestien über den verharschten Schnee ein nervöses Durcheinander von zottigem Grau.

Plötzlich war ein erstes Knurren zu hören. Es klang heiser, ungeduldig und herausfordernd.

Unwillkürlich zuckte Laura zusammen. Ihre Gedanken begannen zu rasen, die scheinbare Ruhe fiel von ihr ab.

Draußen rotteten sich die Wölfe zusammen. Mit lauernd gesenkten Köpfen näherten sie sich bis auf etwa zwanzig Yards dem Unterschlupf, in dem das Feuer flackerte. Laura hob den Colt. Der Griff war jetzt nicht mehr kalt. Sie blickte auf die schwere Waffe, die doch keine Hilfe bedeuten konnte. Drei Kugeln, von denen vielleicht keine einzige treffen würde.

Es sei denn ...

Nur eine Patrone war nötig, um den tödlichen Reißzähnen der grauen Bestien zu entgehen. Und es würde ein rascher, sicherlich schmerzloser Tod sein.

"Nein!" Laura schrie es jäh hinaus. Ihre Stimme hallte gellend von den Felswänden zurück.

Draußen auf dem Hang verharrten die Wölfe. Regungslos starrten sie zur Höhlenöffnung, bis sie begriffen, dass der Schrei für sie bedeutungslos war. Wieder trotteten sie näher auf das Versteck des Mädchens zu.

Laura schluchzte, schüttelte den Kopf. Nein, niemals durfte sie ihr Leben selbst beenden. Sie erinnerte sich an die Worte ihres Vaters. Es ist eine furchtbare Sünde, an sich selbst Hand anzulegen.

Sie hasste sich dafür, überhaupt daran gedacht zu haben. Ihre Eltern waren strenggläubige Mormonen gewesen, aufrechte Menschen, die ihre Kraft aus den Worten der Bibel geschöpft hatten. Laura hatte es gelernt, nach den gleichen Grundsätzen zu leben. So gab es keinen anderen Weg, als auszuharren. Sie musste ihr Schicksal in Gottes Hand legen.

Wieder erscholl das heisere Knurren, mehrstimmig Neuem zu lähmen drohte. Den Revolver in der Rechten, warf sie mit der Linken neue trockene Äste auf das Feuer. Ein Funkenregen sprühte hoch. Dann prasselten die Flammen heftiger, als sie die zusätzliche Nahrung erfassten.

Das Knurren der Wölfe wuchs zu einem drohenden, bösartigen Grollen an. Noch zögerten die Bestien. Aber Laura fühlte, dass ihre Frist auf Minuten zusammenschmolz. Langsam, als könne sie es den zottigen Tieren verheimlichen, richtete sie sich auf. Ihre Beine zitterten vor Anstrengung. Sie musste sich an der Felswand stützen, um nicht ins Wanken zu geraten.

Ein heiserer Schrei erscholl, fast einer menschlichen Stimme gleich. Es klang wie das Zeichen zum Angriff.

Aus geweiteten Augen sah Laura, wie sich ein graubrauner Schatten aus dem Rudel der Wölfe löste. Mit kraftvollen Sätzen jagte das Tier heran. Es wirkte größter und sehniger als die anderen. Sein Schädel hatte kahle Stellen von schlecht verheilten Narben. Der Anführer des Rudels?

Laura zögerte nicht. Sie bückte sich und packte einen der Äste, die sie gerade aufs Feuer gelegt hatte.

Der Wolf war nur noch fünf Schritte vom Eingang der Höhle entfernt.

Laura schleuderte den brennenden Ast mit der Linken. Ein Strahl von Funken zischte der Bestie entgegen. Der Angreifer wich aus. Das glühende Holz bohrte sich in den Schnee und schmolz eine Mulde. Das Rudel stimmte ein wütendes Geschrei an und schob sich näher auf den Unterschlupf des Mädchens zu.

Während Laura einen weiteren Ast aus dem Feuer hob, sah sie, dass der narbige Wolf einen fast eleganten Bogen beschrieb und von Neuem auf die Höhle zujagte. Seine ausgehungerten Gefährten stießen raue Knurrlaute aus.

Wieder schleuderte Laura den brennenden Ast mit aller Kraft. Sie verschätzte sich. Das Holz prallte rechts gegen die Felswand, geriet aus der Bahn und torkelte viel zu weit vor der Bestie...

Dateiformat: ePUB
Kopierschutz: ohne DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat ePUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "glatten" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Ein Kopierschutz bzw. Digital Rights Management wird bei diesem E-Book nicht eingesetzt.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

2,99 €
inkl. 5% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB ohne DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen