Die drei Persönlichkeitstypen und ihre Lebensstrategien

Wissenschaftliche und praktische Menschenkenntnis
 
 
wbg Academic in Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WBG) (Verlag)
  • 4. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. Mai 2013
  • |
  • 229 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Adobe DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-534-73574-7 (ISBN)
 
In diesem Buch werden die drei Grundtypen der Persönlichkeit und ihre Lebensstrategien vorgestellt. Im Unterschied zu anderen Charakterkunden geht Dietmar Friedmann prozessorientiert und nicht phänomenologisch vor. Das >Innere< des Menschen wird betrachtet und nicht sein sichtbares Verhalten. Dafür erläutert der Autor, was er unter prozessorientierter Persönlichkeitstypologie versteht, und zeigt, dass die Strukturen unserer Persönlichkeit Spiegelbilder unserer äußeren Lebenswirklichkeit sind. Daneben informiert der Autor über die negativen Seiten der verschiedenen Typen im Verhalten und in der Lebensgestaltung und zeigt, wie Menschen einander typspezifisch manipulieren und sich selbst in ihrer Lebensplanung einschränken. Ergänzend werden andere Modelle der psychologischen Menschenkenntnis mit der prozessorientierten Persönlichkeitstypologie verglichen und Zusammenhänge hervorgehoben.
4., unveränderte Auflage
  • Deutsch
  • Darmstadt
  • |
  • Deutschland
  • 36
  • |
  • 9 s/w Tabellen, 36 Abbildungen
  • Breite: 145 mm
  • 4,08 MB
978-3-534-73574-7 (9783534735747)
3534735749 (3534735749)
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Dietmar Friedmann, geb. 1937, ist der Entwickler der Integrierten Lösungsorientierten Psychologie (ILP), einem kompetenz- und prozessorientierten Psychotherapie- und Coaching-Verfahren. Die Erforschung und Entdeckung psychischer und ontischer Gesetzmäßigkeiten ermöglichten es ihm, die pragmatischen Modelle der systemischen und lösungsorientierten Kurztherapie weiter zu entwickeln und zu integrieren.

1. Prozessorientierte Persönlichkeitspsychologie


1.1 Die Persönlichkeitstypen als Spiegelbilder der Lebenswirklichkeit


Die hier vorgestellte Psychologie der Persönlichkeitstypen enthält neue Erkenntnisse zum Thema Persönlichkeitspsychologie. Etwa, dass die Art, wie unsere Persönlichkeit aufgebaut ist und funktioniert, in hohem Maße übereinstimmt mit den Gesetzmäßigkeiten und Prozessen unserer Lebenswirklichkeit. Wenn man je geglaubt hat, der Mensch sei ein Fremder in dieser Welt, sei anders als dieses Leben hier, gehöre nicht dazu und passe nicht hierher, so gilt eher das Gegenteil. Die Persönlichkeitstypen spiegeln die Bedingungen des Lebens wider, ahmen sie nach und entsprechen ihnen. Dabei handelt es sich um Prozesse, um uns und in uns, im Äußeren des uns umgebenden Lebens und spiegelbildlich im Inneren des Menschen. Deshalb ist diese Persönlichkeitstypologie prozessorientiert: sie geht aus von den unterschiedlichen Strukturen und Prozessen, welche die Persönlichkeitstypen ausmachen.

Bisher wurden die Persönlichkeitstypen von außen beschrieben. Man hat ihre Eigenschaften und Verhaltensweisen beobachtet. Kennt man jedoch ihre inneren Gesetzmäßigkeiten, so wird aus der bisherigen phänomenologischen Persönlichkeitstypologie nun eine prozessorientierte. Jetzt werden die Persönlichkeitstypen von innen her gesehen und beschrieben. Das ermöglicht neue Erkenntnisse und Verbesserungen für die Praxis. Die Persönlichkeitstypen lassen sich mit diesem Wissen sicherer erkennen und zuverlässiger unterscheiden. Eine prozessorientierte Persönlichkeitstypologie ist näher an den Ursachen als eine nur beobachtende. Sie ist genauer, brauchbarer und vielseitiger in der Anwendung.

Da sie die Strukturtypen 'von innen her? versteht, ist sie zugleich kompatibel zu anderen phänomenologischen Persönlichkeitsmodellen, die die Persönlichkeitstypen 'von außen? beschreiben. So wird traditionelles Wissen zum Thema Menschenkenntnis verfügbarer und zugleich zuverlässiger in der Anwendung. Sie kann den gemeinsamen Nenner etwa eines homöopathischen Konstitutionstyps und eines Enneagrammtyps (siehe Kap. 7) erkennen. Dadurch ist eine Koordination dieser klassischen Modelle der Menschenkenntnis möglich.

Der Zuwachs an Wissen und die genauere und verlässlichere Umsetzung in der Praxis lässt hoffen, dass die Persönlichkeitstypologie den Stellenwert in der Psychologie bekommt, der ihr zusteht. Sie könnte für all jene Fachgebiete, in denen es um Menschen geht, die Funktion einer Grundlagenwissenschaft gewinnen, etwa in der Psychologie, der Psychotherapie, der Medizin, der Pädagogik, dem Theater und der Literatur und in vielen anderen Anwendungsbereichen.

Zugleich ist diese prozessorientierte Persönlichkeitstypologie alltagstauglich und beantwortet viele Fragen über uns selbst, über die anderen, mit denen wir zusammenleben und zusammenarbeiten. Warum bin ich so, wie ich bin, fühle, denke und verhalte mich auf meine Art, unterscheide mich von anderen oder stimme mit ihnen überein in meinen Vorlieben, Wertschätzungen und Abneigungen? Wie ist das mit meinem Partner, meinen Kindern, meinen Freunden? Wer sich mit einer Persönlichkeitstypologie vertraut macht, erkennt, dass Menschen zugleich verschiedener und ähnlicher sind als er das bisher wahrgenommen hat. Und dieses Wissen kann ihm helfen, statt immer von sich auf andere zu schließen, den anderen in seiner Wesensart zu sehen und zu verstehen. Es hilft angemessen mit sich und anderen umzugehen, macht Sinnerfahrungen verständlich und verdeutlicht, worauf es im Leben ankommt.

Stand im herkömmlich cartesianischen Denken in den Wissenschaften der Mensch der Natur gegenüber, so wird jetzt deutlich, wie sehr wir mit ihr identisch sind. Die Persönlichkeitstypen selbst sind eine Antwort auf die Bedingungen und Spielregeln des menschlichen Lebens. Sie entsprechen den Strukturen der objektiven Wirklichkeit, so dass in einem gewissen Umfang das Verstehen der Wirklichkeit Voraussetzung wird für Menschenkenntnis und diese wiederum die uns vorgegebenen Lebensbedingungen erklärt. Menschenkenntnis ist so gesehen ein Teilaspekt eines übergreifenden Wissens, das zeigt, wie die Strukturen unserer Psyche mit den Gesetzmäßigkeiten unserer Lebenswirklichkeit übereinstimmen oder, da es sich um Prozesse handelt, wie psychische Abläufe jenen in der äußeren Wirklichkeit entsprechen.

1.2 Drei Welten - eine Wirklichkeit


Viele Menschen glauben, unser Leben funktioniere nach einer einzigen Gesetzmäßigkeit, der Ursache-Wirkungs-Kausalität. Wir kennen sie aus unserem alltäglichen Handeln oder aus technischen Abläufen. Doch damit verlieren wir große und wichtige Lebensbereiche aus dem Blick, all das, was mit Wachstum, Entwicklung und Selbstverwirklichung zusammenhängt und auch die paradoxe Logik des zwischenmenschlichen Geschehens. Was nicht wahrgenommen wird, lässt sich schlecht kultivieren.

Tatsächlich spricht viel dafür, dass unsere Wirklichkeit nicht aus einem Stoff gemacht ist und nach einem einzigen Prinzip funktioniert, sondern aus drei eigengesetzlichen Lebensbereichen besteht, die ganz unterschiedliche Strategien erfordern, um ihnen gerecht zu werden. Wir haben es hier jeweils mit anderen Zeitdimensionen und Energien, vor allem aber mit unterschiedlichen Kausalitäten zu tun, die bestimmen, wie etwas geschieht. Die uns vertraute Ursache-Wirkungs-Kausalität konstituiert den Lebensbereich Handeln, die Zielkausalität prägt den Lebensbereich Erkennen und Identität und die paradoxe oder systemische Kausalität ist das Wirkungs-Prinzip, nach der das Beziehungsgeschehen funktioniert, eine Kausalität über die wir im Abendland wenig wissen.1

Diese unterschiedlichen Kausalitäten erfordern, dass wir uns immer wieder neu und anders auf Situationen einstellen und mit ihnen umgehen müssen, je nachdem welche Kausalität wirksam und zu nutzen ist. Wir müssen ständig entscheiden, welche von unseren Lebenserfahrungen, welche unserer Fähigkeiten und Fertigkeiten und welche Vorgehensweisen jetzt gefordert sind. Das ist so, als ob wir gleichzeitig ein Spiel mit drei unterschiedlichen Spielregeln spielen müssten.

Das Zusammenwirken dieser drei unterschiedlichen Kausalitäten und den ihnen entsprechenden Energien, Zeitdimensionen und Lebensthemen machen das menschliche Dasein reich und vielgestaltig, aber auch anspruchsvoll und schwierig. Und wir wären heillos überfordert, wenn unsere Psyche sich nicht zweckmäßig auf diese verschiedenartigen Lebensbedingungen hin organisiert hätte. Vereinfacht gesagt: wir haben in unserer Psyche drei Abteilungen, die sich auf je eines der drei Lebensthemen spezialisiert haben und sich automatisch auf bereichsspezifische Signale hin einschalten. Doch genauer genommen sind es verschiedenartige Prozesse, denen unsere Psyche entsprechen muss, Prozesse die sich auf unterschiedliche Weise aus den Elementen Fühlen, Denken und Handeln zusammensetzen.

Frühe Spezialisierungen auf einen dieser drei Prozesse führen zu den unterschiedlichen Persönlichkeitstypen. Diese zeigen sich dann als Spezialisten für die eine oder andere Lebenskompetenz. Der 'Beziehungstyp? hat sich schon in seiner Kindheit auf das Beziehungsthema spezialisiert und hat dafür eine besondere Affinität und Begabung entwickelt. Vergleichbares gilt für den 'Sachtyp? und das Denken und für den 'Handlungstyp? und das Handeln. Entsprechend den drei eigengesetzlichen Lebensbereichen haben wir es mit drei Grundstrukturen der Persönlichkeitstypen zu tun.

Diese Grundkompetenzen reichen freilich für das spätere Leben nicht aus; zudem haben sie kompensatorische Züge, mussten Mangelsituationen ausgleichen. Es geht also nicht nur um die Frage, um welchen Persönlichkeitstyp handelt es sich, sondern wie weit hat er die mit seiner Entstehung verbundenen Einschränkungen und Fixierungen überwunden und die zwei anderen Lebenskompetenzen erworben?

Die Persönlichkeitstypen werden hier also nicht isoliert, d.h. ausschließlich psychologisch gesehen und beschrieben, sondern als Spiegelbilder der menschlichen Wirklichkeit. Sie sind mit unterschiedlichen Schwerpunkten Abbilder der objektiven Lebenswirklichkeit und entsprechend auf sie hin organisiert und spezialisiert. Die Vorstellung, der Mensch stehe dem Leben und der Welt als unbeschriebenes Blatt gegenüber, muss wohl aufgegeben werden. Er ist in viel höherem Maße Teil dieses Lebens und dieser Welt, als man bisher vermutet hat. Das ermöglicht ihm auch, auf seine Intuition und unbewusste Kreativität zu vertrauen.

Befasst man sich mit diesen grundlegenden Zusammenhängen, so erfährt man etwas von der Schönheit des Einfachen und Zweckmäßigen, die unsere Wirklichkeit ausmacht. Und man entdeckt, dass wir schon immer ein unbewusstes Wissen über diese Zusammenhänge haben, dass wir Stimmigkeit und Sinn empfinden, wenn wir uns in Übereinstimmung mit diesen Wirklichkeitsgesetzen befinden und uns unbehaglich und irritiert fühlen, wenn wir sie verfehlen. Oder dass wir, wenn wir selbst davon nicht betroffen sind, spontan und mit einer gewissen Schadenfreude lachen, wenn wir beobachten, wie sich jemand 'daneben?...

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