Zikaden singen vom nahen Tod

 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 20. August 2020
  • |
  • 1747 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7519-8364-8 (ISBN)
 
Eine Mordserie erschüttert die Stadt Marseille. Die Art der Tötungen weisen auf einen im Kampfsport gut ausgebildeten Mann. Die junge Kommissarin Shina de Sanciere gerät in eine völlig fremde Welt, in eine Zeitepoche, die nach ihren Vorstellungen heute so nicht mehr existiert.
Tödliche Intrigen, gepaart mit alten Traditionen des Fernen Ostens, eiskalte Todesverachtung, erschütternde menschliche Studien einer hemmungslosen Unbeugsamkeit und erbarmungslose Diktatur treffen aufeinander. Jahrhunderte alte Gepflogenheiten haben selbst heute noch Einfluss auf einen Teil der Menschen.
In diesem Thriller treffen europäisches Denken und fernöstliche Mentalität, prallen zwei Kulturen aufeinander; moderne Lebensformen kulminieren in jahrtausendalten Traditionen. Tödliche Intrigen, gepaart mit alten Traditionen des Fernen Ostens, eiskalte Todesverachtung, erschütternde menschliche Studien einer hemmungslosen Unbeugsamkeit und erbarmungslose Diktatur treffen aufeinander. Jahrhunderte alte Gepflogenheiten haben selbst heute noch Einfluss auf einen Teil der Menschen. Fernöstliche Mentalitäten konkurrieren mit europäischem Denken und Lebensweisen.
Dieser Roman ist eine Mischung von Abenteuer, Liebe und Intrigen vor dem Hintergrund der geheimnisvollen Welt des Fernen Ostens.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 1,48 MB
978-3-7519-8364-8 (9783751983648)

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Die ersten Strahlen der Morgensonne weckten sie. Etwas verdutzt setzte sie sich hoch und sah sich um. Amüsiert schüttelte sie den Kopf. Auf dem Weg in die Küche, um Kaffee zu kochen, zog sie ihr Shirt aus und warf es auf einen der Sitzhocker, die an dem hohen Tresen standen, der Küche von Wohnzimmer trennte. Die Kaffeemaschine blubberte kurze Zeit später vor sich hin, sie duschte, putzte Zähne, zog sich an, nahm eine Tasse Kaffee mit in das Bad, wo sie die Haare kämmte und wenig schminkte. Sie hatte noch Zeit, so goss sie schnell die Blumen und begab sich auf den Weg zu ihrer Dienststelle.

Der kleine Raum, spartanisch eingerichtet, empfing sie mit total muffiger Luft und sie riss das Fenster auf, um einmal mehr den Krach von der Straße zu hören. Sie setzte sich hin, nachdem sie einen Kaffee geholt hatte, und las die Notiz, die auf ihrem Platz lag. Schnell wählte sie die Nummer der pathologischen Abteilung des Gerichtsmedizinischen Institutes und ließ sich mit Doktor. Orimoto verbinden.

"Na, mein Kind, hast du Zeit? Komm zu mir herüber. Ich habe etwas Interessantes für dich."

"Was ist es und um welchen Toten handelt es sich, Doktor Orimoto? Das Mädchen?"

"Komm her und du erfährst alles."

"In einer halben Stunde bin ich da."

Sie verließ ihr Büro und sagte Raimund Verier Bescheid.

Die wenigen Schritte von ihrem Büro in der Rue de la Justice bis zum Institut in die Rue Benedit lief sie zu Fuß. Um diese Uhrzeit herrschte Hochbetrieb auf der Straße, wo Hupen, Quietschen der Reifen und das Brummen der Motoren zu hören war. Menschen hasteten an ihr vorbei, alle auf dem Weg zu ihrer Arbeitsstelle.

Sie liebte Marseille, diese schillernde Metropole. Einerseits der ohrenbetäubende Verkehrslärm, die stinkenden Abgase - andererseits verfügte sie über sehenswerte Prachtstraßen, wunderschöne alte Gebäude, dazu sprudelte die Stadt vor Leben. Das alles liebte sie, aber besonders die fehlenden Hochhäuser, die hier kaum zu sehen waren. Sie liebte die Märkte, wo sie sich oftmals mittags Baguette und Käse kaufte, um es folgend in der Sonne sitzend zu genießen. Das Besondere dieser Stadt war für sie das multikulturelle Flair. Sie liebten diese Menschenvielfalt, da gerade für viele Afrikaner das die City war, wo sie das erste Mal Europa betraten.

An dem großen, alten Gebäude angekommen, zückte sie eine Karte und wenig später öffnete sich die Tür automatisch. Grabesstille empfing sie und sehr kühle Luft. Jeder Schritt hallte wider, als sie zu der Treppe lief.

Unten im Keller traf sie auf Dr. Orimoto, der gerade aus einem der Autopsiesäle trat. Er trug wie immer einen grünen Kittel, der hinten geknöpft war. Sie konnte nicht verstehen, warum die Knöpfe eigentlich auf dem Rücken waren. So was von umständlich, dachte sie auch heute amüsiert. Jedes Mal benötigt man jemanden, der beim An- und Ausziehen hilft. Eine junge Frau trat jetzt auf den Gerichtsmediziner zu und knöpfte ihm den Kittel auf, den er achtlos in einen Korb warf.

Shina zuckte zusammen, als eine Stahltür weiter hinten zuschlug. Er ergriff sie am Oberarm und führte sie durch die nächste Stahltür, einen kleinen Korridor hinunter, bis zu seinem Büro.

"Bring uns Kaffee", sagte er barsch zu einem jungen Mann, der im Vorzimmer Akten ordnete, ihn jetzt verwundert ansah, bevor er aufsprang. Danach grinste Orimoto seine Sekretärin an, die das erwiderte, bevor sie Shina zunickte. "Er muss die armen Kerle andauernd erschrecken."

Doktor Kanaye Orimoto brummte: "Nur damit sie nicht einschlafen."

Shina schmunzelte die Frau an, trat an ihm vorbei in das große helle Büro. Obwohl sein Büro sich im Keller befand, hatte man eine wunderschöne Aussicht, da das Gebäude nach hinten heraus auf einer Schräge erbaut war.

"Weißt du, diese Studenten taugen zu nichts, nur zum Kaffeeholen. Setz dich."

Er schloss die Tür, wusch die Hände und reichte ihr einen Stapel Fotos und eine Lupe. "Sieh sie dir ausführlich an."

"Das ist ja der alte Mann von gestern Morgen. Ich dachte, das wäre ein normaler Sterbefall?"

"Das sollte wohl so aussehen, ist es aber nicht. Schau die Bilder an."

Mit der Lupe suchte sie Bild für Bild ab, konnte jedoch nichts feststellen und legte alles auf den Schreibtisch zurück. Der junge Mann brachte Kaffee und verließ wortlos den Raum.

"Und?" Der Pathologe und Leiter der Rechtsmedizin blickte sie fragend an.

"Nichts, nur ein paar Kratzer."

Er schlürfte seinen Kaffee, verzog sein Gesicht und sie schaute ihn aufmerksam an. Seine schwarzen Augen waren jetzt geschlossen. Ein Zeichen, das er überlegte. Seine grauen Haare waren Streichholz kurz und standen beharrlich ein wenig ab. Er war klein, schmächtig, drahtig, voller Energie und Elan. Sie verglich ihn mit einem Wiesel. Er war Japaner, wie sie wusste, aber in Paris aufgewachsen. Durch seine Heirat mit einer Französin hatte es ihn nach Marseille verschlagen. Er hatte zwei Söhne, die bereits erwachsen waren. Sie schätzte ihn so um die fünfzig, obwohl sie sein Alter schwer bestimmen konnte. Sie mochte ihn und das beruhte auf Gegenseitigkeit. Er behandelte sie wie eine Tochter, die er nicht hatte. Er unterstützte sie und erklärte ihr stets alles, ohne dabei belehrend zu wirken. Für einen Moment sah sie diesen aufregenden Beau vom Vorabend vor sich, aber als jetzt der Mediziner sprach, war der vergessen.

"Exakt, ein paar Kratzer. Drei davon sind tatsächliche Kratzer, älterer Natur, unwichtig. Einer ist neu und kein Kratzer, obwohl es auf den ersten Blick so aussieht. Der Mann wurde vergiftet, und zwar durch ein ganz seltenes Gift und auf eine noch merkwürdigere Art."

"Erzählen Sie bitte." Ihre Neugier war jetzt geweckt. Sie trank den Kaffee, stellte mit verzogenem Gesicht die Tasse ab. Das Zeug schmeckte ekelig bitter.

"Nicht mal Kaffee kochen können sie. Das Gift, Zagarashi jaku, wird aus grünen Pflaumen hergestellt und es ist für seine schnelle tödliche Wirkung bekannt."

"Davon habe ich noch nie etwas gehört."

"Das glaube ich dir gern, aber lass mich weiter erzählen, dann verstehst du mehr. Die Waffe war eine sogenannte Wurfklinge, wird Hira shuriken genannt und hat die Form von Sternen."

"Von was reden Sie? Es hört sich Japanisch an. Ich verstehe nur Bahnhof."

"Ich rede von Ninjutsu. Er wurde von einem Mann getötet, der die Kunst des Ninjutsu beherrscht."

Es dauerte einen Moment, während sie ihn konsterniert anschaute und überlegte, ob sie lachen sollte, aber als sie seinen Gesichtsausdruck wahrnahm, wie ernst er sie anblickte, riss sie sich zusammen. "Ein Ninja? Sie scherzen. Die gibt es nur noch in Büchern oder im Fernsehen. Die sind seit Jahrhunderten ausgestorben, gleichermaßen wie die Samurai, Rônin, Shôgune."

Er sah sie an und rieb sich mit den Fingern seine Augen, so als wäre er müde. "Nein, das gibt es in der Wirklichkeit, und zwar vor zwei Tagen in Marseille."

"Also, gut, was soll ein Ninja", als sie das Wort aussprach, musste sie sich nochmals das Lachen verkneifen. "Warum soll ein Ninja einen 85-jährigen Mann töten? Dieser Pierre Rocher hatte eine kleine Wohnung, weder besonders eingerichtet, noch sonst ein Hinweis auf Geld oder Wertgegenstände, soviel ich weiß und gesehen habe."

"Ich habe die ganze Nacht durchgearbeitet, weil ich es ebenfalls nicht glauben wollte, aber es korrekt. Wir haben alle Tests wiederholt, mehrfach. In der Wunde wurden nicht nur Rückstände des Giftes festgestellt, sondern dazu feine Metallpartikel. Wir haben alles penibel analysiert. Weißt du, es ist unsere Pflicht den verstummten Opfern das Geheimnis ihres Todes zu entlocken. Jenen Toten, die Tag für Tag zu uns gebracht werden, um nachher für immer zu verschwinden. Es wird der Abschluss ihres Lebens untersucht, teilweise ihr Leben selbst. Es werden nicht Menschen seziert, es wird Teil für Teil ein Kriminalfall aufgebaut, damit der Gerechtigkeit Genüge getan wird und der Täter seine Strafe bekommt. Dem Toten ist damit nicht mehr gedient, aber der allgemeinen Sicherheit, dem Recht."

Er schien müde zu sein, sonst würde er nicht so mutlos, fast deprimiert klingen, sinnierte sie.

"Wieso kann das nicht ein normaler Einbrecher benutzt haben?"

"Weil es eine alte japanische Art ist, Menschen zu ermorden, ohne dass man den Verdacht erregt, dass er umgebracht wurde. Ich bin nur durch eine Zufälligkeit darauf gestoßen. Wir sind ursprünglich von einem simplen Herzversagen ausgegangen. Naheliegend bei dem Alter, so wie er gefunden wurde. Der Mann wurde regulär behandelt, ausgezogen, gewaschen und wir haben seinen Leichnam vorgezogen, um es schnell zwischendurch zu erledigen. Sein Hemd lag an der Seite und mir ist durch Zufall, einem Lichteinfall, ein kleines Loch aufgefallen. Ich habe das Hemd auf den Körper gelegt und die Stelle deckte sich mit einem der Kratzer. Alles andere war reine Routine, obwohl das eine Weile gedauert hat, bis wir wussten, was es eindeutig für ein Gift war. Egal, damit will ich dich nicht langweilen."

"Wieso Ninja und Ninjutsu?" Sie ergriff eine Strähne ihres langen Haares und drehte diese. Eine Geste, die sie nur ausführte, wenn sie sehr stark konzentriert war oder bei großer Nervosität.

"Weil nur diese Männer darin ausgebildet sind. Das ist ..."

Das Telefon klingelte und er tappte danach, ohne hinzusehen, lauschte eine Weile und bejahte. Nachdem er aufgelegt hatte, stand er auf. "Ich muss an die Arbeit. Es gibt Probleme. Hier", er reichte ihr eine Kladde, "ist mein Bericht. Wenn du dich informieren willst, geh zum Asiatischen Institut, da gibt es einen Mann namens...

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