Carina

Sylt-Roman
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 21. August 2020
  • |
  • 527 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7519-8459-1 (ISBN)
 
Carina wächst nach dem plötzlichen Tod der Eltern bei ihrem Großvater auf der schönen Nordseeinsel Sylt auf. Sie eifert in allem ihrem toten Vater nach, will Rechtsanwältin und Pferdezüchterin werden. Doch es kommt anders. Sie wird als Model entdeckt. In der Welt zählt nur eins: Schönheit. Sie verfällt nun in diesen Wahn.
Als ihr Großvater stirbt, erbt sie ein kleines Vermögen und eine Pferdezucht. Sie lernt den Tierarzt Torben kennen, und weiß, das wird ihr Mann. Sie sieht sich am Ziel all ihrer Wünsche. Sie ist reich, schön und alle sollen das anerkennen, ihr zu Füßen liegen. Nur sie verliert fast alle Freunde, den Mann, den sie liebt und steht vor einem Scherbenhaufen.
Das Problem zu erkennen, ist wichtiger, als die Lösung zu erkennen, denn die genaue Darstellung des Problems führt zur Lösung.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,88 MB
978-3-7519-8459-1 (9783751984591)
Ich versuche, die Aufmerksamkeit der Leser zu fesseln, sie zu unterhalten und zu erfreuen, möglicherweise zu erregen oder tief zu bewegen.

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Montagvormittag ging sie kurz entschlossen zu der Agentur. Sie schaute sich neugierig, in dem großen, hellen, modern eingerichtetem Büro, um. An den Wänden sah sie Aufnahmen von verschiedenen Modells hängen, manche waren ihr bekannt, andere nicht. Eins hatten aber alle gemeinsam, sie waren sehr schön, wenn auch auf unterschiedliche Art. Komisch, geisterte es ihr einen Moment durch den Kopf, was ist eigentlich schön? Sie musste Opa fragen, woran er das ausmachte.

Eine junge Frau kam auf sie zu und musterte sie ungeniert. Carina erklärte kurz, warum sie hier war und wurde in ein anderes Zimmer geführt. Erneut blickte sie sich neugierig um. Sie sah Sitzgelegenheiten, Kameras auf Stativen, Schirme, Scheinwerfer, Stoffe. Auf einem Ständer hingen Kleider, lagen Tücher.

"Hallo! Du bist ja doch gekommen."

Sie drehte sich zu der Stimme von Mike Seelfeld um und begrüßte ihn.

"Pure Neugier! Ich wollte wissen, ob an Ihren Aussagen etwas Wahres dran ist oder es doch nur ein Scherz war."

"Sage ruhig Mike zu mir. Wir duzen uns alle. Wollen wir gleich ein paar Aufnahmen machen?"

"Ich bin Carina! Klar doch, mal sehen, was dabei herauskommt", feixte sie ihn an.

"Du wirst sehen, das ist nicht so einfach und leicht, wie es sich anhört. Ich hoffe, du hast ein paar Stunden Zeit?" Jetzt perplex, "Stunden? Ich dachte, so ein paar Fotos knipsen, dauert nur Minuten."

"Da irrst du dich gewaltig, also, hast du Zeit?"

"Ja, klar. Zurzeit ist ja Semesterpause."

Er rief kurz nach einem Mann, der wenig später mit zwei weiteren Frauen erschien.

"Was studierst du?", wandte er sich Carina zu.

"Rechtswissenschaft, öde und langweilig."

"Das glaube ich gern. Ziehe bitte deine Jacke aus und entferne die Haarspange. Dann stellst du dich dorthin."

Er deutete auf eine Ecke, die in Weiß gehalten war. Sie machte, was er sagte und dann folgten vier Stunden, die sie nie vergessen sollte. Es war teilweise langweilig, lustig, aufregend, aber eins auf jeden Fall, ungewöhnlich.

Danach saßen sie bei einem Kaffee zusammen, während die Aufnahmen entwickelt wurden.

"Ganz schön anstrengend. So hätte ich mir das nie vorgestellt, aber es hat Spaß gemacht. Was passiert nu?"

Er sah sie an und lachte, während er sich zurücklehnte und seine langen Beine ausstreckte.

"Wie kann etwas schön anstrengend sein?"

Irritiert blickte sie ihn an. "Sagt man ebenso."

"Dusselig! Du bist wandlungsfähig und offen. Die Fotos werden entwickelt und dann sehen wir weiter. Nicht jedes ebenmäßige Gesicht sieht auch auf Bildern gut aus."

"Wenn ich gut aussehe?"

"Du verstehst es nicht. Gut aussehend kann ich dir jede Frau mit Make-up und der richtigen Beleuchtung zaubern. Ein weiterer Punkt, dass man sich darüber streiten kann, was gut aussehend bedeutet. Mir gefallen eher schwarzhaarige Südländerinnen. Ein anderer Mann sagt, bloß nicht, ich bevorzuge Blondinen. Gerade viele nett aussehende Frauen, so wie du, denken, das wäre das Wichtigste im Leben. Ist es nicht, weil es Milliarden Menschen gibt, die sagen: Sie sieht nett aus, aber nicht mehr. So ist das auch in der Branche. Du wirst vielen nicht gefallen, bist zu gewöhnlich für sie. Für dich spricht eigentlich nur deine Haarfarbe. Nur die anderen Mängel, die nicht dem Schönheitsideal entsprechen, kann man kaschieren oder du wirst eben nur der Haare wegen gebucht. Du entsprichst keineswegs der klassischen Schönheit, wie wirklich große Mannequins. Zum Ablauf. Wir haben eine Kartei, wo alle unsere Modells verzeichnet sind, mit Bildern, Größe, Masse, Gewicht und so weiter. Sollte eine Werbeagentur, ein Modedesigner oder so, Interesse an einem bestimmten Typ Frau haben, geben sie uns diese Angaben und wir schicken die Fotos, danach entscheiden diese sich, ob eine Person infrage kommt oder nicht. Das ist es in Kurzform."

"Was müsste ich tun?"

"Warten! Warten ob dich jemand buchen will oder nicht. Am Anfang ist das etwas schwieriger, bis sich ein Gesicht herumgesprochen hat. Danach ist es wesentlich einfacher, falls es ankommt. Bei dir wäre es von großem Vorteil, dass du eine echte Rothaarige bist. Deine Haare haben eine ungewöhnlich, schöne, warme Farbe. Doch, warten wir ab."

"Wie lange dauert das? Ich bekomme nämlich allmählich Hunger."

"Komm, gehen wir etwas Essen. Ich lade dich ein, aber auch daran müsstest du dich gewöhnen. Manchmal werden an einsamen Stränden stundenlang Aufnahmen geknipst, ohne dass jemand an das Essen denkt."

"Na toll, da muss ich mir eben etwas mitnehmen", grinste sie ihn an, worauf er laut loslachte.

Er führte sie in eine kleine Pizzeria direkt um die Ecke und während des Essens erzählte sie von sich, während er aufmerksam zuhörte und nur gelegentlich eine Frage stellte.

Als sie in seinem Büro waren, kam kurze Zeit später eine Frau herein und legte die Fotos vor ihn hin. Er nahm den Stapel und schaute sie erst schnell, dann noch einmal langsam, ohne Kommentar, an.

Carina versuchte, irgendetwas zu erkennen, oder aus seiner Miene zu lesen, aber nichts. Ein leichtes Kribbeln erfasste ihren Körper, eine Art freudige Erregung. Nach endloser Zeit, wie es ihr vorkam, legte er die Fotos auf den Tisch und blickte sie an.

"Sie sind gut. Deine Natürlichkeit kommt darin zur Geltung. Du wirkst temperamentvoll. Nun musst du entscheiden, was du machen möchtest."

"Darf ich sie sehen?"

Er nickte und sie sah die Bilder an, teilweise lächelnd, teilweise erstaunt. Immer wirkte sie anders, mal ernst, mal lachend fröhlich, mal wütend, mal verspielt, dann leicht sinnlich mit aufgeworfenen Lippen. Sie sah Mike erstaunt an. "Faszinierend! Ich wusste nicht, dass ich so verschieden bin?"

"Das wissen die wenigsten Menschen, weil sie ja nicht ständig einen Spiegel vor Augen haben und selbst dann, sieht man sich darin anders, als wie auf Bildern. Ich würde dich bei uns aufnehmen, da du gute Chancen hast, trotz deines Alters."

"Meines Alters?" Sie blickte ihn überrascht an. "Ich bin gerade zwanzig geworden!"

"Das ist schon alt, viele fangen mit sechzehn, siebzehn an. Willst du es dir noch überlegen, oder hast du dich bereits entschieden?"

"Wenn ich einen Vertrag mit dir mache, wie lange bin ich dann daran gebunden?"

Es folgten langwierige Erklärungen, Hinweise, aber auch Ratschläge und Tipps. Er schilderte ihr in den nächsten Stunden nachdrücklich Vor- und Nachteile.

Nach kurzem Überlegen unterschrieb sie, daraufhin wurde sie noch genau vermessen, Größe, Masse, Gewicht.

"Als Modell für die großen Designer kommst du nie infrage", bemerkte er, nachdem er diese Angaben las. "Deren Kleidungen werden alle noch Norm gefertigt und da weichst du ab. Du bist zu dick, zu üppig. Einsdreiundsiebzig ist ein wenig zu klein."

"Schlimm?", erwiderte sie sein Lachen.

"Man wird sehen, aber ich glaube, das hält sich in Grenzen. Du wirst eben nie Mode präsentieren können, bist mehr so ein Gesicht für Kosmetika, Haushalt, Kataloge. Jetzt kommt die gute Nachricht. Eine italienische Modedesignerin sucht ein rothaariges Modell für ein neues Parfüm. Wir werden deine Unterlagen dahin senden und wenn du großes Glück hast, bekommst du bald deinen ersten Auftrag. Bist du ein Glückskind?"

"Was? Ich weiß nicht."

Auf einmal kam etwas wie Bangigkeit in ihr hoch. Ihr war der Tag wie eine Art Spiel vorgekommen und jetzt das? Erst allmählich drang ihr ins Bewusstsein, was sie heute so spontan entschieden hatte.

Er rief seine Mitarbeiterin, die wenig später mit zwei Gläsern Champagner hereinkam.

"Ich begrüße dich in einer neuen Welt, Carina. Hoffen wir, auf deinen Erfolg."

"Ich bin, glaube ich, völlig durcheinander. Als ich heute Morgen hierher kam, hielt ich das alles noch für einen Scherz und nu das. Ich brauche Ruhe, um das alles zu verdauen."

"Ist doch nichts passiert. Du hast weder einen Auftrag noch sonst etwas. Wenn du Probleme oder noch Fragen hast, melde dich. Wir stehen auch immer mit Rat und Tat zur Seite, nur dann funktioniert das System wirklich. Du wirst sehen, wie es auch dein Leben verändert und es gibt manche, die besonders am Anfang, Schwierigkeiten damit haben, also noch einmal, wenn etwas ist, rede mit mir. Du kommst in eine Welt des Glamours, der Multi-Kulti-Gesellschaft, wo nicht alles Gold ist, was glänzt. Nur wenn du dich zufrieden und gut betreut fühlst, kommt das auch gut rüber. Carina, halte die stets vor Augen, wie unwichtig du bei allem bist, dass da nur die Ware zählt. Bilde dir nichts ein, weil du nun ein sogenanntes Modell bist. Du wirst es nie über die dritte Riege hinaus schaffen, egal was du anstellst, weil dir dazu alles fehlt. Du bist zu dick, zu klein, zu tapsig, zu ungelenkig, zu wenig feminin. Du besitzt keine natürliche Schönheit, sondern es sind nur die Haare an dir interessant. Alles andere wurde hingeschminkt. Große Mannequins sehen auch ohne all das gut aus, du nicht. Gehe sparsam mit dem Verdienst um, falls Aufträge kommen. Du weißt nie, wann man dich nochmals benötigt."

Kurze Zeit später verabschiedete sie sich und bemerkte, dass die Dämmerung schon heraufgezogen war. Zu Hause kochte sie Kaffee und ließ sich auf die Couch fallen. Was habe ich da heute eigentlich gemacht? Jetzt ließ sie sich die Tragweite der Ereignisse durch den Kopf gehen. Sie musste mit jemanden darüber reden - mit Opa.

Die ganze Nacht konnte sie nicht richtig schlafen, da ihr die Geschehnisse permanent durch den Kopf spukten. Sie wollte doch Rechtsanwältin werden, so wie ihr Großvater und...

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