Interview mit der Liebe

Roman
 
 
Forever (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 4. Dezember 2017
  • |
  • 345 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
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978-3-95818-250-9 (ISBN)
 

Gibt es die wahre Liebe?

Mikka ist am Ende. Es ist bereits Monate her, dass ihn seine Verlobte hat sitzen lassen, aber er kann sie nicht loslassen. Er trinkt zu viel, vergräbt sich in seiner Arbeit als Radioredakteur und stößt alle Freunde von sich. Seine nette Nachbarin Larissa hat bei ihm keine Chance und auch die oberflächliche Beziehung zur Polizistin Sara ist nicht das, was er will. Die wahre Liebe nämlich. In seiner Radiosendung ist er auf geradezu verzweifelter Suche danach. Doch keiner der Anrufer kann ihm eine Antwort geben. Bis sich eines Abends eine mysteriöse Frau in der Sendung meldet. Mikka fühlt sofort eine Verbindung zu ihr und macht sich auf sie zu finden. Dabei merkt er, dass er für die wahre Liebe bisher blind war…

  • Deutsch
  • Deutschland
  • 2,79 MB
978-3-95818-250-9 (9783958182509)
395818250X (395818250X)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Christian Zeitmann ist Autor mehrerer Romane und Thriller. Unter dem Pseudonym Maya Freiberger schreibt er gemeinsam mit seiner Frau romantische Liebesromane. Das Ehepaar lebt im Bergischen Land.

1


September

Der Wecker riss ihn aus dem Tiefschlaf. Kein guter Start in den Tag. Draußen war es bereits hell und ein Blick auf die Uhr versetzte ihm einen weiteren Schlag. Die Decke noch um ein Bein gewickelt, schwang er sich über die Bettkante und hetzte los. Er kam nicht weit. Trudelnd wie ein Propellerflugzeug mit defektem Seitenruder setzte er erst mit den Händen auf, um anschließend mit dem Kopf gegen die Schrankwand zu krachen. Benommen drehte er sich auf die Seite und befühlte seine Stirn.

»Verdammt, das gibt eine Beule.« Seine Stimme klang krächzend, was auf eine viel zu kurze Nacht mit einer Menge Alkohol schließen ließ.

Es dauerte seine Zeit, bis er Arme und Beine sortiert, sich aus seiner Decke befreit und den leichten Schwindel niedergekämpft hatte. Schwankend öffnete er die Schlafzimmertür und torkelte über den schmalen Flur ins Badezimmer. Das Licht über dem Spiegel stach unerbittlich in seine Augäpfel und sein ungeniertes Gähnen erinnerte ihn an seinen letzten Besuch bei den Nilpferden im Kölner Zoo. Über seinem rechten Auge hatte sich eine ordentliche Schwellung gebildet. In Verbindung mit dem Restalkohol in seinen Venen mussten sich in Kürze nicht zu verachtende Kopfschmerzen ausbreiten.

Hin- und hergerissen zwischen Morgentoilette, Arzneimittelschrank und Kaffeemaschine, fühlte er sich bereits um 7 Uhr morgens vollkommen überfordert. Er traf eine Entscheidung. Ob es die richtige war, würde sich erst im Laufe des Vormittags herausstellen.

Seine Wahl fiel auf den Joker. Das Kühlkissen. Leider erwies sich der Joker als unbrauchbar, da er es versäumt hatte, das Kissen in den Kühlschrank zu legen. Also musste die leere Flasche Wodka herhalten, die er unnötigerweise wieder in den Kühlschrank gestellt hatte. So brachte sie ihm wenigstens einen doppelten Nutzen, wie er hoffte.

Stöhnend ließ er sich auf die Couch fallen und presste sich die kalte Flasche an die Stirn. Nach fünf Minuten, in denen er beinahe wieder eingedöst wäre, kündigte sich das erste Pochen hinter seiner Stirn an und die Beule hatte sich trotzig noch ein Stück weiter vorgewagt. »Mist!«

Entnervt ließ er die Flasche auf die Couch sinken und machte sich auf die Suche nach Aspirin. Fündig geworden, schluckte er zwei Tabletten mit einem Schwall Leitungswasser und stieg anschließend unter die Dusche. Er fühlte sich schmutzig und müde.

Die Dusche behob zumindest Ersteres. Letzteres würde nur mit einem Espresso zu beheben sein. Das Badehandtuch um die Hüften gewickelt, marschierte er mit noch nassem Oberkörper zurück in die Küche und schaltete die Maschine ein. Während er wartete, tastete er vorsichtig über die Beule und zuckte erschrocken zurück. Weniger wegen des Schmerzes, als wegen der unerwarteten Dimension der Schwellung.

Schwach erinnerte er sich an die vergangene Nacht. Seine Arbeit. Berge von Arbeit. Und an noch etwas erinnerte er sich mit einem drängenden, schmerzlichen Gefühl: Seine Einsamkeit. Sie kam immer dann zutage, wenn er sich auch nur zu einem einzigen Glas Alkohol hinreißen ließ. In den letzten Monaten war es allzu häufig zu diesem vermeintlich einen Glas Alkohol gekommen. Bisher nur an den Wochenenden. Nun hatte er es bereits am Wochenanfang getan. Die Versuchung war einfach viel zu groß gewesen und sein Wille viel zu schwach. Aus einem Glas waren schnell zwei, drei geworden und irgendwann war die Flasche leer gewesen.

Sein Blick fiel auf die leere Wodkaflasche. Sie war genauso leer wie sein Innerstes. Aber hatte er sich nicht selbst für sein jetziges Leben entschieden? Er hatte unzählige Chancen gehabt, die Gesellschaft der Wodkaflasche gegen einen menschlichen, warmen Körper einzutauschen. Ein Wesen aus Fleisch und Blut, das am nächsten Morgen nicht leer neben ihm liegen würde und noch nicht einmal genügte, um eine Beule zu behandeln.

In dem Moment, als die Leuchtanzeige der Kaffeemaschine auf grün umschaltete, ertönte die Klingel an der Haustür. Er zuckte herum und benötigte einige Sekunden, um sich zu erinnern, warum es um 7:15 Uhr bei ihm klingelte. Als es ihm einfiel, gönnte er dem Schmerz hinter seiner Stirn Gesellschaft, indem er mit dem großen Zeh an einem der Einbauschränke hängen blieb. Der Zusammenstoß ließ ihn aufjaulen wie einen Hund, dem man auf den Schwanz getreten hatte. Humpelnd und leise fluchend kämpfte er sich bis zur Haustür vor und sah durch den Spion. Dann schloss er auf und öffnete.

»Larissa .«

Bevor die junge Frau mit dem rötlichen, hochgesteckten Haar etwas sagte, blickte sie an ihm runter. »Wie ich sehe, bist du noch nicht fertig.«

»Doch. Fix und fertig.«

»Hattest du einen Unfall?«

Instinktiv fuhr seine Hand zur Stirn. Im gleichen Moment rutschte sein Handtuch und für eine Sekunde stand er vollkommen nackt vor ihr. Sie öffnete die Augen etwas weiter, dann lächelte sie. »Ich werde zwar hoffnungslos zu spät kommen, aber wenigstens hat es sich gelohnt.«

Er schlug das Handtuch mit geröteten Wangen wieder um seine Hüften und trat zur Seite. »Willst du einen Kaffee?«

»Mein Chef wird mich hassen, aber was soll's.« Sie schob sich an ihm vorbei und er schloss die Tür hinter ihr.

»Hab ich dich jetzt verschreckt?«, fragte er und ging voraus in die Küche. »Apropos, guten Morgen.«

»Guten Morgen, Mikka. Meinst du wegen der Beule auf der Stirn, deinem blutenden Zehennagel, der Alkoholfahne oder dem, was sich hinter dem Handtuch hervorgewagt hat?«

»Such dir was aus.« Er stellte eine Tasse unter die Maschine.

»Dann nehme ich die Fahne, weil die mich wirklich erschreckt hat.«

»War wohl ein Glas zu viel gestern.« Nachdem der Kaffee durchgelaufen war, stellte er ihn auf die Ablage. »Milch und Zucker?«

»Milch«, sagte sie beiläufig. »Hast du wieder die Nacht durchgearbeitet?« Sie betonte ihre Worte in einer tadelnden Art und Weise.

»Ja, ich bin im Moment an mehreren Artikeln gleichzeitig dran. Und .«

»Und du meinst eine Flasche Wodka hilft dabei?« Ihr Blick fiel auf die Couch.

»Keine Ahnung. Ist alles ein bisschen viel in letzter Zeit.«

Larissa stand jetzt ganz nah vor ihm und berührte mit ihrer Gürtelschnalle beinahe seinen Oberschenkel. »Es tut mir in der Seele weh, einen Mann wie dich alleine zu sehen. Und noch dazu mit einem ernsthaften Alkoholproblem.«

»Entschuldige bitte mal. Ich habe kein Alkoholproblem.«

»Oh doch, mein Lieber, das hast du. Auch wenn du es nicht wahrhaben willst. An den Wochenenden lasse ich deinen Alkoholkonsum ja noch gelten, aber mitten in der Woche .«

»Sind wir jetzt verheiratet?« Er stellte eine zweite Tasse unter die Maschine, nachdem er ihr, ohne ihre Annäherung weiter zu beachten, einen Schluck Milch eingegossen hatte.

»Wie lange ist deine letzte Beziehung her?«, fragte Larissa und suchte sich einen Stuhl am Küchentisch.

»Ein halbes Jahr? Keine Ahnung. Ich führe kein Buch.«

»Lügner. Als wenn du es nicht genau wüsstet. Es gibt einschlägige Studien, die besagen, dass Singlemänner eine deutlich geringere Lebenserwartung haben.«

»Ganz ehrlich, willst du mich heute Morgen mit so was quälen?« Er machte ein gelangweiltes Gesicht.

»Du standest eben vollkommen nackt vor mir. Auch Frauen haben Fantasien.« Sie zuckte die Schultern und nahm einen Schluck Kaffee.

Larissa wohnte eine Etage über ihm. Sie waren seit vier Monaten Nachbarn. Ihre kecke Art und der lockere Umgang gefielen Mikka. Sie hatte eine sportliche Figur. Ihr besonderes Markenzeichen waren die ständig wechselnden Frisuren und Haarfarben. Sie arbeitete beim Fernsehen und kam somit gewissermaßen aus der gleichen Branche. Er konnte nicht leugnen, dass ihre großen grünen Augen reizvoll waren, aber über den Status einer netten Nachbarin war sie bei ihm noch nicht hinausgekommen. Auch wenn sie sich redlich bemühte das zu ändern.

»Du musst mich nicht mitnehmen«, sagte sie. »Ich kann ebenso gut mit der Bahn fahren. Was ich auch tun werde, bei deiner Fahne. Würde ich dir übrigens auch empfehlen, wenn du an deinem Führerschein hängst.«

»Du kennst meine Abneigung gegenüber dem Bahnfahren.« Er trank seinen Kaffee schwarz und schüttete ihn so schnell herunter, dass ihm der Gaumen schmerzte.

»Wenn das Rechtfertigung genug sein soll .« Sie verdrehte die Augen.

»Ich muss jetzt los, mich anziehen und mir irgendeine Salbe auf die Beule schmieren.« Er versuchte die Dinge etwas abzukürzen.

»Zu spät. Die bringt jetzt gar nichts mehr.« Larissa erhob sich und stellte ihre Tasse auf die Ablage. »Wir sollten reden. Ich meine unter Freunden. Vielleicht solltest du deine Zurückhaltung aufgeben und mir die Wahrheit sagen. Du hast Kummer. Das sehe ich doch.«

»Wie lange bist du schon single?« Seine Gegenfrage schien sie zu überraschen.

»Ein Jahr?«

»Siehst du«, sagte er triumphierend. »Du würdest es also nicht verstehen.«

»Oh doch, du wurdest enttäuscht. Die Liebe deines Lebens, blabla. Sie hat längst einen neuen und du säufst dir inzwischen die Leber kaputt.«

Mikka sah sie einen Augenblick lang aus ernsten Augen an, dann verzog er einen Mundwinkel. »Wenn du dich jetzt beeilst, bekommst du noch die 7:30 Uhr Bahn.«

»Du machst es dir zu einfach.«

»Nein, du machst es zu kompliziert. Ich bin einfach nur versackt gestern. Nicht mehr und nicht weniger.«

»Wie du meinst, aber du könntest auch mal in meinem Wohnzimmer versacken. Ich koche uns was...

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