Das Wispern der Angst

Thriller
 
 
Diana Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 9. Dezember 2013
  • |
  • 512 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-11308-7 (ISBN)
 
Er will nicht ihr Leben, er will ihre Seelen

Jenna Winters hat als alleinerziehende Mutter ihrer Tochter Kim eigentlich genug Probleme. Doch die Alltagssorgen rücken in den Hintergrund, als sich Kims Klassenkameradin Carolin vom Balkon der Winters in die Tiefe stürzt. Ihr Tod ist erst der Anfang. Plötzlich finden sich Jenna und Kim inmitten eines gefährlichen Spiels um Macht wieder, das über ihre Vorstellungskraft und die Grenzen der sichtbaren Welt hinausgeht. Erst langsam beginnen sie zu ahnen, welche besondere Rolle ihnen darin zukommt ...



  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Diana
  • 1,52 MB
978-3-641-11308-7 (9783641113087)
weitere Ausgaben werden ermittelt

2

Donnerstag, 2. Februar

»Das ist einfach hoffnungslos!«

Wütend versetzte Jenna ihrem Bildschirm einen Schlag mit der flachen Hand und sah den Flatscreen, der bedenklich wackelte, zornig an.

»Was ist hoffnungslos?«

Ein attraktiver Mittfünfziger mit kurz geschorenen grauen Haaren, in weißem Hemd und Jeans streckte den Kopf zur Tür herein.

»Rainer? Was machst du denn hier? Es ist doch erst zehn.«

»Nicht fragen, meine Hübsche«, winkte Rainer Henrich ab. »Und jetzt sag mir, was so hoffnungslos ist.«

»Ach, Rainer …« Jenna ließ sich in ihrem Stuhl zurückfallen und legte die Füße auf den Tisch. »Diese Titanschrauben treiben mich noch in den Wahnsinn. Was soll einem dazu bitteschön einfallen? Und er will es auch noch erotisch! Was glaubt der gute Herr Kleinert eigentlich? Mutter und Schraube? Pin-up mit Schraube?«

»Willst du wissen, was man mit Schrauben so alles anfangen kann?«, fragte Rainer zurück und grinste lausbübisch.

»Gott bewahre! Da weißt du sicher mehr als ich.« Jenna hob die Hände. »Aber wenn er so weitermacht, besorge ich ihm ein Nacktmodell, auf dem ich die Schrauben platziere.«

»Na also, geht doch«, feixte Rainer und wandte sich ab.

»Das ist nicht dein Ernst!«

»Warum nicht? Schlag es ihm vor. Ich glaube, die Idee gefällt Herrn Kleinert durchaus.«

»Raus!«, rief Jenna und lachte.

Kurz darauf stand sie in Rainers Büro. »Ich geh mal rüber zu dem Eisenwarenladen in der Müllerstraße. Ich brauche ein Päckchen Schrauben. Hab’ da eine Idee.«

Rainer saß über Papiere gebeugt und strich immer wieder einzelne Stellen rot an. Er nickte stumm und machte eine einladende Geste mit der Hand.

Jenna hüpfte die Stufen hinunter, trat aus dem Haus und schlug den Mantelkragen hoch. Der Winter leistete ganze Arbeit in diesen Tagen, die Räumfahrzeuge konnten die Schneemassen kaum bewältigen. Die Straßen waren zwar frei, doch immer größere Schneeberge türmten sich an den Kreuzungen und auf den Gehwegen und machten das Durchkommen für Fußgänger zum eisigen Hürdenlauf.

Jenna umrundete den Gärtnerplatz und lief die Corneliusstraße nach Norden. Ein kalter Wind wehte ihr die Haare vors Gesicht. Mit einer Hand suchte sie in ihrer Manteltasche nach einem Zopfgummi, als plötzlich, etwa zwei Meter vor ihr, ein blauer Lieferwagen aus einer Einfahrt rauschte. Jenna blieb abrupt stehen, fuchtelte mit den Armen und schrie: »Geht’s vielleicht noch schneller? Das ist ein Gehweg!« Sie blickte nach vorn, die Straße hinunter, um der Mutter mit dem Kinderwagen, die gleich auftauchen und über die Straße gehen würde, eine Warnung zuzurufen. Da öffnete sich auch schon die grün gestrichene Haustür, eine junge Frau wuchtete einen Kinderwagen rückwärts auf den Gehweg, was aufgrund einer Stufe und des festgetretenen Schnees auf dem Gehweg nicht ganz einfach war.

»He! Passen Sie auf!«, rief Jenna ihr zu und wies mit ausgestrecktem Arm auf den Lieferwagen, der nun langsam in die Corneliusstraße einbog und dennoch bedrohlich über den matschigen Belag schlitterte.

Die junge Frau drehte sich aufgeschreckt um und stellte sich schützend vor den Buggy. Ihr kleiner Sohn richtete sich auf und versuchte trotz Anschnallgurt um sie herumzuschauen.

Wo war Timmy?

Jenna blickte sich suchend um. Tatsächlich, da kam der Golden Retriever schon angesprungen, rieb seinen Kopf am Knie der jungen Frau und bellte fröhlich. »Sitz, Timmy«, kommandierte diese und hielt ihn am Halsband fest, bevor er auf die Straße hinausjagen konnte.

Jenna atmete vor Erleichterung durch. Sie hatte vor ihrem inneren Auge schon Frau, Kind und Hund unter dem Lieferwagen verschwinden sehen. Doch kaum hatte sie diesen Gedanken zu Ende gedacht, wurden ihr die Knie weich. Sie lehnte sich gegen die nächste Hauswand und rang nach Luft.

Das gibt’s doch nicht, dachte sie beklommen. Sie kannte die Frau ja nicht einmal. Woher wusste sie, dass die Frau einen Hund besaß – und auch noch, wie er hieß? Jenna hob ihre Hände vors Gesicht und sah, dass sie zitterten. Schnell versteckte sie sie in den Manteltaschen. Ihr Herz hämmerte, und kleine Punkte tanzten vor ihren Augen.

»Erst die Sache mit den Karten, jetzt das. Als Nächstes starre ich noch in eine Kristallkugel und sage meinen Klienten ihren Todestag voraus«, murmelte sie und versuchte, die aufkommende Panik zu unterdrücken.

Der Lieferwagen rutschte mehr als er fuhr, die durchdrehenden Reifen spritzten den Schneematsch hoch. Die Frau hielt ihren Hund immer noch fest gepackt. Sie rief zu Jenna hinüber: »Danke! Den Irren habe ich hier schon öfter gesehen. Es ist ein Wunder, dass er noch nie jemanden umgefahren hat.« Dann drehte sie sich um, schaute mehrfach links und rechts und betrat mit Kinderwagen und Hund die Straße.

Jenna riss sich mühsam aus ihrer Erstarrung. Die Kälte drang durch ihre Kleidung, lähmte sie. Verstohlen blickte sie sich um. Alles war wie sonst auch. Zwei alte Frauen kamen schwer bepackt aus dem benachbarten Drogeriemarkt, der Fahrer eines großen Passats versuchte zwischen zwei Schneehaufen einzuparken, die junge Frau erreichte unbehelligt die andere Straßenseite.

Langsam stieß sich Jenna von der Hauswand ab und setzte vorsichtig einen Fuß vor den anderen. Erst als sie vor der Tür stand, stellte sie fest, dass sie zurück zur Agentur gelaufen war, statt weiter in Richtung Eisenwarenhandlung. Sie nahm den Aufzug, den sie normalerweise mied, und ging unsicher in ihr Büro. Dort ließ sie sich auf das kleine Ledersofa sinken, das an der linken Wand stand, und starrte aus dem Fenster.

Die Wolkendecke, die seit Tagen über der Stadt schwebte und für Unmengen Schnee gesorgt hatte, schien in diesem Moment tiefer zu sinken, als wolle sie die Häuser einhüllen wie ein undurchdringliches Tuch.

»Was hältst du von ihm?«, stand auf dem Zettel, den Simone unauffällig ihrer Banknachbarin hinüberschob und dabei unschuldig in Richtung Lehrerin lächelte.

Kim lächelte gequält. Sie war nicht in der Stimmung für nette Zettelchen, malte lediglich ein Fragezeichen und schob das Papier zu Simone zurück. Es war kurz vor elf und die vierte erbärmlich langweilige Stunde – Mathe bei Dr. Berger. Rund zwanzig Jungen und Mädchen saßen in vier Reihen vor dem Lehrerpult, mindestens die Hälfte von ihnen schaute leicht verzweifelt. Das trübe Februarlicht, das die große Fensterfront hereinließ, erhellte kaum den Raum, die Neonröhren an der Decke verliehen allen Gesichtern einen fahlgelben, ungesunden Glanz. Kims Gesicht war hingegen totenblass, ihre Augen glänzten fiebrig, und sie hatte sich einen zweiten Pulli um die Schultern gelegt, als würde sie frieren.

Dr. Berger hatte Kim gegenüber mit keinem Wort das Gespräch mit Jenna erwähnt, ihre Blicke folgten ihr aber unablässig, und selbst in den Pausen hatte Kim den Eindruck, dass ihre Lehrerin immer wieder an ihr vorbeiging und sie von der Seite heimlich musterte. Obwohl Kim mit Jennas Erziehungstaktik derzeit weniger als gar nicht einverstanden war, hatte sie gelacht, als Alex ihr den Ablauf des Gesprächs mit Dr. Berger geschildert hatte. Es war einer dieser Momente gewesen, in denen Kim ihre Mutter bewunderte, und es hatte sich angefühlt wie früher – ein Komplott zwischen zwei Freundinnen, eine Verschwörung gegen den Rest der Welt.

Das Abendessen mit ihrem Vater hatte Kim auf andere Gedanken gebracht. Sie war für ein paar Stunden ihrem Alltag entronnen, und das tat gut. Dazu kam, dass Alex für vieles Verständnis zeigte, das Jenna an die Decke gehen ließ. Ihr Vater liebte sie über alles, daran gab es keinen Zweifel. Und doch …Kim seufzte innerlich. Auch er hatte nicht erkannt, dass sie mehr auf dem Herzen hatte als schlechte Noten. Dass es ihr nicht gut ging.

Sie waren sich an einem der gemütlichen Tische mit den rot-weiß-karierten Leinendecken gegenübergesessen. Das kleine Restaurant war überraschend schwach besucht gewesen, damit hatten Alex und Kim fast den gesamten Raum für sich gehabt. Sie hatte mehrere Anläufe genommen, Andeutungen gemacht – doch es laut auszusprechen, nein, das ging beim besten Willen nicht. Es war einfach zu verrückt. Und so hatte Alex den ganzen Abend lang eine lustige Chirurgen-Anekdote nach der anderen erzählt und beim Dessert darüber spekuliert, was Kim studieren würde, wenn sie endlich ihr Abitur in der Tasche hätte. Seine Worte waren an ihr vorbeigerauscht wie ein Wasserfall im Hochgebirge.

Irgendwann hatte Kim gemerkt, wie der Druck auf ihre Schläfen stärker wurde, war verstummt und in ein Schweigen versunken, das Alex, angenehm überrascht von seiner Tochter, als Zuhören interpretiert hatte.

Kim hatte abgeschaltet, an ihrem Glas Rotwein genippt und innerlich verzweifelt den Kopf geschüttelt. Es war zum Heulen. Ihre Eltern warfen ihr abwechselnd vor, nicht zuzuhören – doch genau genommen verhielt es sich gerade umgekehrt.

Niemand hörte Kim zu. Sie war allein.

Das Kratzen der Kreide auf der Tafel holte Kim in die Gegenwart zurück. Sie schob die Gedanken an den gestrigen Abend beiseite und warf einen weiteren Blick auf Simones Zettel, den inzwischen ein kleines Herzchen zierte. Sie drehte sich leicht nach links und musterte unauffällig den männlichen Neuzugang, Matthew, der das zweite Schulhalbjahr in ihrer Klasse verbringen würde. Heute war sein dritter Tag. Schon in der Früh war Simone beim...

»Spannung über 500 Seiten!«

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