Frauen lieben

Eine lesbische Suche nach Gott
 
 
Morawa Lesezirkel GmbH (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 8. November 2019
  • |
  • 264 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-99093-303-9 (ISBN)
 
Die Sexuelle Revolution hat Menschen dazu befreit, ihren eigenen Weg zu gehen und dabei die traditionellen Muster sexueller Selbstverwirklichung zu verlassen. Einen solchen Weg der Suche nach Freiheit, Glück und Liebe hat Teresa Frei gewählt. Ihr Buch "FRAUEN LIEBEN" ist radikal offen, es kommt aus dem Bauch, ist ein Buch der existenziellen Neugier, ein Buch der freimütigen Bekenntnisse und unverstellten Erfahrungen. Ein Buch voll zärtlicher Töne und tiefer Gedanken. Ein spirituelles Buch, in dem sich die Autorin nichts schenkt, weil sie an die Wurzeln des Lebens und die Wunden der Kindheit geht. Ein Buch des Suchens und Findens. Ein Buch für Frauen, die mit der Liebe und mit Gott noch nicht abgeschlossen haben.
weitere Ausgaben werden ermittelt
Teresa Frei arbeitete viele Jahre erfolgreich in der IT-Branche. Privat engagierte sie sich sportlich als Fußballerin und suchte ihr Glück in verschiedenen lesbischen Beziehungen. Heute lebt sie in Österreich und betreibt ein kleines Startup im sozialen Bereich. Die Reflexion über ihre wilden Jahre führte sie näher an Gott und an den Sinn ihres Lebens heran.

I. »Das ist unser Bub«

Ich war so eine Art vorweihnachtliche Bescherung. Wir schreiben das Jahr 1965: Im Krankenhaus einer westdeutschen Großstadt schlüpfte ich aus Mamas Schoß. Später erzählte sie, dass ich schon frühmorgens vor lauter Hunger die ganze Säuglingsstation zusammengeschrien hätte, woraufhin mich die bedauernswerten Krankenschwestern in ihrer Not schnell aus meinem Kinderbettchen befreiten und an Mamas Brust andockten. Jedoch waren ihre »Milchballons« nur mäßig gefüllt, und die kleine Teresa wurde nie so richtig satt. Zwei Wochen nach meiner Geburt kamen wir nach Hause. Es war Heiligabend und Mama erwartete voller Freude die Bescherung. Doch dann kam die Ernüchterung: Papa schenkte ihr eine »Philicorda«, eine Art Erstentwicklung eines elektronischen Pianos. Mama konnte damit aber nichts anfangen, da sie sich nicht dafür interessierte und ihre Klavierspielkenntnisse mangelhaft waren. Eine schöne Bescherung! Noch Jahre später erzählte sie von dieser Begebenheit, die gut zum Ausdruck bringt, dass sich meine Eltern nicht wirklich kannten, oder sagen wir, nicht fähig waren, ihre Bedürfnisse zu benennen und dem anderen zu kommunizieren.

Möglicherweise war dies dem Umstand geschuldet, dass beide - in den Zwanzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts geboren - in einem gesellschaftlichen Umfeld aufgewachsen waren, in dem man seine Bedürfnisse wenig oder nur unzureichend kundtun konnte. Die politischen Wirren und soziokulturellen Gegebenheiten der damaligen Zeit trugen leider oft dazu bei, alles positiv Menschliche aufzufressen oder zumindest zu unterdrücken. Viele Themen, wie z. B. Partnerschaft, Beziehungen, Sexualität, waren deshalb nicht nur in unserer Familie tabu. Darüber hinaus lernten meine Eltern nicht, mit Konflikten umzugehen. Wenn es Papa zu viel wurde, wurde er entweder jähzornig oder zog sich zurück und war dann emotional nicht erreichbar für uns. Mama reagierte mal so, mal so. Anstatt klare Grenzen zu ziehen, rieben sich die beiden aneinander auf, oft zum Leidwesen von uns Kindern. Zumindest empfand ich es beim Aufwachsen so.

Papa war ein Künstlertyp und eher von der Marke »Eigenbrötler«, Mama eine liebevolle »Glucke der Nation«, sehr kommunikativ und um eine gute Erziehung bemüht. Papa war in einer armen Bauernfamilie aufgewachsen. Er war das älteste von fünf Kindern, wollte studieren, musste aber eine Lehre an der Drehbank machen. Er stammte aus einem kleinen mitteldeutschen Ort, der an der ehemaligen Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland liegt. Sein Vater wurde nicht einmal sechzig. Nie habe ich ein Foto von ihm gesehen. Von seiner Mutter weiß ich nur, dass sie während der ersten Ehejahre meiner Eltern ab und zu auf Besuch kam. Papa äußerte nie den Wunsch, sein Herkunftsgebiet einmal wiederzusehen. Bei Nacht und Nebel hatte man ihn kurz nach dem Krieg an der »Ostzonengrenze« festgehalten und ihm die Einreise in seine eigene Heimat verweigert. Dieses und viele andere traumatische Kriegserlebnisse steckten, wohl zumeist unverarbeitet, in ihm. Erst als Erwachsene erkannte ich darin einen möglichen Grund für seinen Jähzorn.

Ich sah Papa nur einmal weinen. Er rieb sich die blauen Augen und seine Tränen glänzten, als er mir erzählte, wie er als Soldat über dem Mittelmeer abgeschossen worden war. Er war Co-Pilot gewesen und hatte sich einigermaßen gut befreien können, aber es war ihm nicht gelungen, seinen in den Gurten des Pilotensitzes verfangenen Kameraden zu retten. Papa nahm tief Luft und erzählte mit leiser Stimme weiter. Er hatte zusehen müssen, wie sein Kamerad und zugleich guter Freund mit dem Flugzeug in den Fluten des Meeres versunken war. In aufblasbaren Einmann-Schlauchbooten waren er und zwei andere Gefährten über zwei Tage auf dem Meer getrieben, bis sie von französischen Soldaten mit gezogenen Waffen am Strand empfangen und in ein Kriegsgefangenenlager gesteckt worden waren. Mit schon gefassterer Stimme fuhr Papa fort, dass er das alles nur deshalb überlebt hatte, weil er nicht geraucht hatte und seine Tabakration gegen Lebensmittel hatte tauschen können. Da er künstlerisch begabt war, hatte er die Holzkreuze seiner in der Gefangenschaft verstorbenen Kameraden schnitzen müssen. Aus dieser Zeit blieb ihm ein treuer Freund bis zu seinem Lebensende, der in der ehemaligen DDR lebte und ihn daher nur selten besuchen durfte. Überhaupt hatte Papa, soweit ich es mitbekommen konnte, außer diesem nur einen weiteren Freund und lebte eher zurückgezogen, auch wenn er sich viel in die ehrenamtliche Mitarbeit in der Kirchengemeinde und später im Schuldienst einbrachte.

Mama war drei Jahre jünger als Papa und lebte mit ihren Eltern in einem durch die Stahl- und Eisenhüttenverarbeitung geprägten Vorort meiner Heimatstadt. Als jüngstes von vier Kindern fühlte sie sich verpflichtet, meine Oma zu unterstützen, da ihre Söhne in den Krieg ziehen mussten und die ältere Tochter in ein Kloster eingetreten war.

Papa und Mama lernten sich in Südfrankreich kennen. Nach der Gefangenschaft war Papa zunächst dortgeblieben und verdiente sich mit Malen und einem Hotelküchenjob sein Brot. Mama war Kindergärtnerin und begleitete eine große Gruppe von armen Arbeiterkindern zu einer Ferienfreizeit an die französische Mittelmeerküste. Bei diesem Aufenthalt hatte sie sich einen Sonnenstich eingefangen und konnte nicht wie geplant mit den Kindern zurückreisen, sondern musste länger bleiben. Endlich genesen, trat sie die Heimreise an und wartete an einer Haltestelle auf den Bus. Auf den schattigen Parkbänken war nur noch ein Platz frei, und so nahm sie neben einem braun gebrannten, circa dreißigjährigen, mittelblonden Mann Platz. Es war Papa. Er schleckte ein Eis und sprach sie auf Französisch an, merkte aber rasch, dass Mama alles, nur kein Sprachentalent, war. Sie unterhielten sich weiter auf Deutsch und klopften sich kurz auf ihre Zukunftspläne und Lebensansichten ab. Dann kam der Bus. Papa verstaute Mamas Gepäck und sie tauschten noch schnell die Adressen aus.

Schon bald darauf entschloss sich Papa zu einem ersten Besuch. Voller Freude wartete Mama zusammen mit ihren Eltern am Bahnhof. Leider vergebens. Auf der langen Reise hatte sich Papa auf einem Zwischenstopp für die bevorstehende Begegnung ein wenig frisch gemacht und dadurch den Anschlusszug verpasst. Diese »typisch-Papa«-Aktion hielten wir Kinder unserer Mutter immer dann vor Augen, wenn sie sich zuweilen über Papa wunderte, hätte sie wohl schon an jenem Tag erkennen können, dass Papa stets ein bisschen in seiner eigenen Welt lebte .

So verschieden die Herkunft und die Lebensumstände meiner Eltern gewesen waren, so verschieden waren auch ihre Bedürfnisse. Sie heirateten schon bald nach einem eher flüchtigen Kennenlernen, da der Krieg und die Gefangenschaft vielen jungen Männern die besten Jahre bereits geraubt hatten. Nach der Hochzeit, Anfang der Fünfzigerjahre, lebten meine Eltern zunächst in einer mitteldeutschen Kleinstadt. Kurz nach der Geburt meiner ältesten Schwester Monika kehrten sie in die Heimat meiner Mutter zurück. Gemeinsam mit meinen Großeltern zogen sie in ein neu erbautes Haus. Mein Onkel Horst, der Bruder meiner Mutter, hatte leider eine glücklose Ehe zur Scheidung bringen müssen und bezog im selben Haus ein Zimmer. Bald darauf kam meine zweitälteste Schwester Vera zur Welt. Mama hatte einige Jahre danach eine Fehlgeburt, bevor Anfang der Sechzigerjahre meine dritte Schwester Annika geboren wurde.

Meine Mutter hatte eine sehr starke Bindung zu ihrer Mutter, ich würde fast sagen, eine emotionale Abhängigkeit. Oma starb zwei Jahre vor meiner Geburt, während Mama mit Annika schwanger war. Bis ins hohe Alter erzählte Mama von Oma, als ob diese gestern erst verstorben wäre. Ich war acht, als mein Opa starb. An ihn habe ich nur noch wenige, aber gute Erinnerungen. Er war geduldig, ging mit mir auf den Spielplatz und kaufte mir meine Lieblingsbonbons. Mama sagte, er wäre etwas phlegmatisch gewesen, zum Leidwesen der Oma. Er war Schreiner, und vor dem Krieg war die väterliche Schreinerei sehr gut gegangen. Danach war aber alles zerstört.

So lebten, als ich geboren wurde, in meinem Elternhaus mein Vater, meine Mutter, mein Opa, Onkel Horst und meine drei älteren Schwestern. Das Haus hatte zwar zwei Stockwerke, aber es gab zu wenig Platz für uns alle. Onkel Horst war kinderlieb. Oft frühstückte ich, auf seinem Schoß herumturnend, eine Haferflockensuppe. Die räumliche Situation war für ihn nicht leicht: War ursprünglich ein Stockwerk für ihn allein geplant gewesen, so okkupierten wir dieses nun mit der ganzen Familie, sodass für ihn nur ein Zimmer übrig blieb. Bis zur Pubertät teilte ich mit Annika ein Zimmer. Da wir vom Naturell her grundverschieden waren, stellte dies stets eine gewisse Herausforderung für uns beide dar. An Monika und Vera habe ich für den Zeitraum meiner ersten Lebensjahre nur wenig Erinnerung. Von Erzählungen her weiß ich, dass sie sich sehr liebevoll um...

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