Seewölfe - Piraten der Weltmeere 594

Themse-Geier
 
 
Pabel eBooks (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. Februar 2020
  • |
  • 115 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96688-008-4 (ISBN)
 
Zwei Reiter fegten fast nebeneinander den steilen Pfad herauf, der zu der Silber-Galeone am Fluß führte. Sie trieben ihre Tiere brutal mit den Zügelenden und Sporen an. Auf den ersten flüchtigen Blick erkannte der Seewolf, daß die beiden Reiter weitaus besser gekleidet waren und gepflegter aussahen als jene Kerle die sich der 'Fidelidad' bemächtigt hatten. Klarer Fall, es handelte sich um die beide Oberhalunken der Themse-Geier, die jetzt flüchten wollten und ihre Kerle im Stich ließen. Fast gleichzeitig schossen Big Old Shane und Batuti ihre Bögen ab. Die Pfeile rasten von den Sehnen und trafen die beiden Reiter mit großer Wucht in die Schultern. Hasard packte, als der erste Mann halb an ihm vorbei war, dessen Fuß und riß den Reiter aus dem Sattel...
  • Deutsch
  • 0,41 MB
978-3-96688-008-4 (9783966880084)

1.


Kapitän Philip Hasard Killigrew stand breitbeinig auf dem Achterdeck der Schebecke und genoß den eigentümlichen Geruch der Straße von Dover. Es war kein exotischer oder sonderlich begeisternder Geruch, aber für den Seewolf und seine Crew bedeutete es den lang erwarteten Duft der Heimat.

"Sind das nun die Türme von Ramsgate, Folkestone oder Hastings? Es kann ja sein, daß sie in den letzten Jahren ein paar Kirchen oder Abwehrtürme gebaut haben, die ich nicht kenne", fragte Stenmark und gab dem Ersten, Ben Brighton, das Spektiv zurück.

Ben zuckte mit den Schultern und erwiderte: "Woher soll ich wissen, was an Land gebaut wurde? Kann ich nicht sagen. Noch nicht. Welcher Kurs liegt an?"

Die Galeone "Fidelidad" mit ihrer kleinen Crew segelte im Kielwasser der Schebecke. An Backbord breitete sich, im dünnen Dunst nur schwer zu erkennen, die Küstenlinie der Insel aus.

"Vorhin habe ich klar Nordost gelesen", antwortete der Schwede.

Der Seewolf schwieg und dachte an die zurückliegenden Abenteuer und Erlebnisse, und er fragte sich, ob sie in London mehr Ruhe haben würden als bisher. Natürlich zweifelte er daran, denn die Zeiten waren alles andere als ruhig. Für ihn war es wichtig, das Silberschiff ohne Komplikationen loszuwerden, die Schebecke zu überholen und seiner Crew an Land jede nur mögliche Annehmlichkeit zu gewähren.

Am Geld sollte es nicht liegen. Die Arwenacks waren keine armen Kirchenmäuse.

Ob sie allerdings das Geld mit vollen Händen ausgaben, war ebenso fraglich wie alles andere.

Nicht mehr als ein Tag Fahrt trennte sie von London, von der London Bridge, vom Liegeplatz am Themseufer.

"Nordost?" Der Erste überlegte. "Dann muß es wohl Folkestone sein."

Aber er war nicht völlig sicher.

"In ein paar Stunden wissen wir's ganz sicher", tröstete ihn Old Donegal. "Was soll's! Wir wollen nach London und nicht nach Ramsgate."

"Man wird ja noch fragen dürfen, nicht wahr?" knurrte Stenmark und enterte zur Kuhl ab.

Die Stimmung der Mannschaft schwankte so dicht vor dem Ziel zwischen Erleichterung und der Befürchtung, im letzten Augenblick noch von ihrem Ziel abgelenkt zu werden, auf welche Art auch immer das passieren mochte.

"Sind eigentlich alle unverkennbar, die Kirchtürme und die Mauern um die Städte", meinte der Seewolf. "Fest steht jedenfalls, daß wir hinter Ramsgate hart nach Backbord segeln müssen. Dan?"

"Sir?"

"Laufen wir mit der Flut themseauf?"

"Das kommt ungefähr hin. Bis wir bei Southend-on-Sea sind, wird die Flut eingesetzt haben."

Vor der Küste segelten kleine Fischerboote langsam nach Südwest. Hinter dem Nebel, der einige Stunden vor Mittag das Land versteckte, hoben sich Rauchsäulen schräg in die Luft. Möwen schwammen auf den Wellen und warfen den beiden Schiffen schräge Blicke zu. Die "Fidelidad" blieb, langsam und behäbig, auf geradem Kurs. Die Schebecke segelte mit einem Schrick in den Schoten vor der Galeone, verringerte dadurch ihre Geschwindigkeit und bewachte gleichzeitig das unersetzliche Silberschiff.

"Das höre ich gern, Dan", erwiderte der Seewolf. "Wir bleiben auf Kurs."

Die ereignisreiche Nacht von Dieppe lag mittlerweile zurück und zählte zu der nicht gerade ärmlichen Erinnerung der Crew. Auch die Mannschaft drüben auf der "Fidelidad" würde froh sein, wenn sie endlich ihr beschwerliches Kommando abgeben könnte. Die Handvoll Männer war überfordert, erschöpft und sicherlich hocherfreut, wenn sie London erreichten und sich an Land ausschlafen und verwöhnen lassen konnten.

"Aye, aye, Sir."

Nicht nur der Seewolf, auch jeder Mann dachte darüber nach, was in London passieren konnte und zwangsläufig passieren mußte. Die Vorstellungen, die jetzt laut wurden, gingen natürlich weit auseinander.

Die Arwenacks wußten, daß diese Stadt, für viele von ihnen nicht zu Unrecht als Heimathafen geltend, nur eine Station bleiben würde. Früher oder später legten sie wieder ab und richteten den Bugspriet in eine andere Richtung der Windrose.

Al Conroy stemmte sich den Niedergang hoch und musterte seine Culverinen. Die Hälfte der Geschützrohre trug keine Schutzhüllen mehr. Die Crew blieb wachsam.

"Also", sagte Dan O'Flynn zu ihm, "viel Gelegenheit, Al, wirst du heute wohl nicht erhalten. Was mich, nebenbei, sehr freut. Irgendwann muß einmal Schluß sein."

Der Stückmeister der Arwenacks warf einen langen, nachdenklichen Blick zur Galeone zurück.

"Wer weiß? Wir sind noch nicht am Kai im Schatten des Towers", antwortete er grimmig. "Bevor die Queen ihr Schiff nicht hat, denke ich ständig an die vielen Schurken, von denen alle Meere voll sind."

"Du mußt Alpträume haben, wie?" brummte Dan und suchte den Horizont mit seinem Spektiv ab.

"Das nicht gerade", meinte Al Conroy. "Aber ich halte mein Pulver trocken und die Lunten am Glimmen."

Hasard nickte ihm zu.

Er zeigte es nicht, aber auch er war unruhig. Natürlich kannte er den Zustand nicht, in dem sich die Themse von der Mündung bis Chelsea befand.

Hasard junior fragte ein wenig besorgt: "Eigentlich müßtest du von früh bis spät lachen, Dad. An was denkst du, wenn du ein solches Gesicht zeigst?"

"Auf keinen Fall an die anständigen Frauen und Männer in der Umgebung der Queen", entgegnete der Seewolf und legte den Arm um die Schulter seines Jungen. "Mittlerweile ist die fremdartige Schebecke hier an den Küsten sicherlich bereits bekannt. Und daß wir eine schwerbeladene Galeone bewachen, wird man genauso wissen."

"Das glaube ich auch."

"Siehst du", erklärte sein Vater. "Darum kann noch allerlei passieren. Hier, auf dem offenen Wasser, wird niemand wagen, die Galeone auch nur schief anzusehen. Außer den Möwen, meine ich."

"Stimmt."

"Aber du wirst erleben, daß die Strecke von der Themsemündung bis zum Tower ungefähr so lang ist wie vom Schwarzen Meer bis Dieppe. Und etwa ebenso gefährlich."

"Ich glaube fast, du bist davon überzeugt", meinte sein Sohn und zeigte offen seine Verwunderung.

"Ich bin überzeugt", bestätigte der Seewolf und grinste kalt. "Überdies haben wir den Angehörigen einer Nation bei uns, die sich mit England in einer Art Kriegszustand befindet. Generalkapitän, sozusagen, Don Juan de Alcazar, um es genau zu sagen."

"Daran", antwortete sein Sohn nach einigen Atemzügen, "habe ich nicht gedacht. Für mich ist Don Juan einer von uns."

"Für mich auch", erwiderte der Seewolf. "Für jeden von uns. Aber nicht für jemanden an Land, der uns daraus einen Strick drehen will."

"Du meinst, es gibt da jemanden?"

"Ich bin ganz sicher, daß es nicht nur einen gibt. Wenn man stets mit dem schlimmsten Ausgang einer Sache rechnet, wird man nicht überrascht."

"Das merke ich mir", schloß Hasard junior.

Der Wind wehte mit wenig Kraft, aber stetig aus einen Strich südlicher als West. Jedes einzelne Schiff, das der Schebecke begegnete, wurde mit größter Aufmerksamkeit aus vielen Augenpaaren beobachtet. Aber sie alle zogen friedlich ihrer Wege.

Die Landschaft glitt lautlos vorbei, und der Nebel wurde gegen Mittag etwas dünner, so daß die Seewölfe deutlich die Türme und Landmarken von Ramsgate an Backbord erkannten. Dahinter sprang das Ufer scharf nach Westen zurück.

Die Schebecke segelte einen Schlag auf den Kanal hinaus, um abzuwarten, bis die "Fidelidad" heranrauschte und die kleine Crew die Segel neu trimmte.

"Kannst du den Kurs halten?" fragte Don Juan de Alcazar und tippte auf die Abdeckung des Kompasses. "Trotz der Strömung?"

Die Galeone stampfte mit Wind von Backbord nach Nordwesten. Recht voraus konnte Southend-on-Sea angepeilt werden. Das vorspringende Massiv des Landes verfälschte die Windrichtung.

"Ich denke, ich schaffe es", erwiderte Jan Ranse und nickte. "Wie fühlt sich ein Spanier, wenn die Hauptstadt des Feindes vor ihm liegt?"

Don Juan lachte kurz und erwiderte in plötzlichem Ernst: "Für mich, wie jedermann weiß, ist ein Engländer kein...

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

2,49 €
inkl. 7% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen