Für jetzt und immer und danach

Roman
 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 4. März 2013
  • |
  • 416 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-09239-9 (ISBN)
 
Manchmal ist das Ende erst der Anfang

Mithilfe eines Computers hat Sam seine Traumfrau Meredith gefunden. Als deren Oma Livvie stirbt, versucht er sie zu trösten: Er lässt seinen Rechner aus alten E-Mails von Livvie eine neue Nachricht generieren, wie die Oma sie geschrieben haben könnte. Meredith ist begeistert! Sie will weiter mit ihrer virtuellen Livvie kommunizieren. Und sie will anderen ebenfalls die Möglichkeit bieten, auf diese Weise mit ihren geliebten Verstorbenen in Kontakt zu bleiben. Doch damit beginnen die Probleme. Und auch die tiefe Liebe zwischen Sam und Meredith steht bald vor einer gigantischen Prüfung.

Sam arbeitet in einer Agentur für Onlinedating, er selbst hat die Hoffnung auf eine Freundin jedoch schon fast aufgegeben. Aber dann entwickelt er einen neuen Algorithmus, der tatsächlich den perfekten Partner für jeden errechnet. Und so fi ndet auch Sam seine Traumfrau: Meredith. Wenig später stirbt Merediths geliebte Großmutter Livvie. Um Meredith in ihrem Kummer zu helfen, erarbeitet Sam ein neues Programm: Aus allen Briefen und Gesprächen, die Livvie über E-Mail und Video-Chat auf dem Computer hinterlassen hat, erstellt der Algorithmus eine - natürlich erfundene - letzte Mail an Meredith. Das Ergebnis ist so tröstlich, dass Sam und Meredith sogar eine Geschäftsidee daraus entwickeln: RePrise - die Firma, die letzte Gespräche mit Verstorbenen ermöglicht. Aber dann geschieht etwas Schreckliches, und Sam und Meredith drohen alles zu verlieren - selbst ihre große Liebe.

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Heyne
  • 0,84 MB
978-3-641-09239-9 (9783641092399)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Killer-App

Sam Elling füllte das Online-Formular der Partneragentur aus und schwankte zwischen Lachen und Weinen. Einerseits hatte er sich gerade selbst als »humorvoll« beschrieben und die Frage »Wie hoch ist Ihr Machofaktor?« mit acht auf einer Skala von eins bis zehn beantwortet. Andererseits war das Ganze doch ziemlich frustrierend, und niemand, den er kannte, gab weniger als acht Punkte auf einer Männlichkeits-Skala an. Krampfhaft versuchte sich Sam nun fünf Dinge auszudenken, ohne die er nicht leben konnte. Bei dieser Frage probierten es viele auf die witzige Tour und schrieben: Luft, Nahrung, Wasser, ein Dach über dem Kopf plus noch irgendetwas Lustiges. (Sam fand, dass Schweizer Käse eine clevere Ergänzung der Aufzählung gewesen wäre, oder vielleicht Vitamin D, obwohl er, seit er in Seattle lebte, auch ganz gut ohne auskam). Vielleicht konnte er ja den Technikfreak raushängen lassen: Laptop, zweiter Laptop, Tablet-Computer, WLAN-Anschluss, iPhone. Aber dann hielten ihn die Frauen bestimmt für einen Computernerd. Das war er zwar, aber er wollte nicht, dass sie das sofort wussten. Er konnte es auf die sentimentale Tour versuchen: gerahmtes Foto von der Hochzeit der Eltern, Glückspenny des Großvaters, Programmheft seiner Schulaufführung von Grease, bei der er in der Hauptrolle geglänzt hatte, Aufnahmebestätigung am Massachusetts Institute of Technology, erstes Mixtape, das je ein Mädchen für ihn zusammengestellt hatte. Aber das hätte wohl seinem angeblichen Machofaktor widersprochen. Er konnte auch den Laktose-Weg einschlagen: Wieder Schweizer Käse (aus irgendeinem unerfindlichen Grund lechzte er gerade nach Schweizer Käse), Schokoladeneis, Frischkäse, Pizza von Pagliacci (der besten Pizzeria der Stadt) und Double Tall Latte. Das wäre allerdings maßlos übertrieben gewesen. Er konnte gut ohne diese fünf Dinge leben. Ob er es wollte, war eine andere Frage.

Das Problem bestand darin, dass diese ganze Übung ebenfalls fünf Dinge war, nämlich nervig, aufdringlich, gefühlsduselig, peinlich und absolut sinnlos. Er hatte keine Hobbys, weil er rund um die Uhr arbeitete, was wiederum der Grund dafür war, dass er keine Freundin fand. Wenn er nicht rund um die Uhr gearbeitet hätte (oder kein Softwareentwickler gewesen wäre und somit beruflich mit der einen oder anderen Frau zu tun gehabt hätte), hätte er Zeit für Hobbys gehabt, die er hätte aufzählen können. Was dann allerdings nicht nötig gewesen wäre, weil er in diesem Fall nicht aufs Internet angewiesen wäre, um Leute kennenzulernen. Er war zwar ein Computernerd, aber auch schlau, witzig und halbwegs gut aussehend, wie er fand. Er besaß nur schlichtweg keine fünf Hobbys oder fünf originelle Dinge, ohne die er nicht leben konnte, oder fünf interessante Gegenstände auf dem Nachttisch (die ehrliche Antwort hätte gelautet: halbvolles Wasserglas, viertelvolles Wasserglas, leeres Wasserglas, zerknülltes benutztes Kleenex, zerknülltes benutztes Kleenex) oder fünf aufschlussreiche Hoffnungen für die Zukunft (fünfmal hintereinander: nie mehr so einen Schwachsinn ausfüllen zu müssen). Und er interessierte sich auch nicht für die fünf Hobbys anderer Menschen oder die fünf Ansprüche an ihr Leben, ihren Nachttisch oder ihre Zukunft. Er hatte Variationen dieser hirnverbrannten Fragen bereits bei einer anderen Agentur beantwortet, ein paar Verabredungen gehabt und gemerkt, was bei diesem ganzen Blödsinn herauskam. Nämlich Blödsinn. Wenn man sich Frauen aussuchte, die einigermaßen bodenständig wirkten (Bücher, Schreibgerät, Leselampe, Wecker, Handy), bekam man Langweilerinnen. Wenn man Frauen auswählte, die einen exzentrischen Eindruck machten (gelber Regenhut, Polaroidkamera, Limettensprudel, Foto von Gertrude Stein, Plastikfigur des Vorsitzenden Mao), bekam man durchgeknallte Egozentrikerinnen. Wenn man das einzige Mädchen nahm, das gut zu einem zu passen schien (Laptop und ehrlich gesagt sonst nichts, weil das alles ist, was ich brauche), bekam man einen Computerfreak, der dem eigenen Zimmernachbarn aus dem College derart ähnelte, dass man sich fragte, ob er sich in der Zwischenzeit einer nicht sehr überzeugenden Geschlechtsumwandlung unterzogen hatte, ohne einem davon zu erzählen. Das waren also die drei Optionen: langweilig, durchgeknallt oder Trevor Anderson.

Fünf Dinge, ohne die Sam tatsächlich nicht auskam: Sarkasmus, Spott, Hohn, Verachtung, Zynismus.

Das war natürlich nicht die ganze Wahrheit. Sonst hätte er nicht im Internet nach einer Partnerin gesucht, sondern irgendwo schrullig und zufrieden in einer Kellerwohnung gehaust (X-Box, Wii, Playstation, 52-Zoll-Plasmafernseher, Mikrowellen-Nachos). Doch stattdessen saß er hier und warf sich wieder auf den Markt. War das nicht ein Zeichen für Optimismus in Sachen Liebe (Hoffnung, Mut, Wärme, Großzügigkeit, die Aussicht auf jemanden, dem man einen Gutenachtkuss geben konnte)? Vielleicht. Aber das war viel zu kitschig, um es in das blöde Online-Formular zu schreiben.

Das Problem bei dem Formular war nicht, dass die Leute nicht die Wahrheit schrieben – das taten sie nicht –, sondern dass man überhaupt nicht die Wahrheit schreiben konnte, selbst wenn man gewollt hätte. Gegenstände auf einem Nachttisch besitzen keinerlei Aussagewert über die Seele, und Zukunftshoffnungen lassen sich auch nicht so einfach für Formulare oder wildfremde Menschen zusammenfassen. Das Ausfüllen von Lückentexten macht zwar Spaß, aber was man hineinschreibt, ist sicher kein Indikator für die eigene Beziehungstauglichkeit (und so viel Spaß macht es dann auch wieder nicht). Selbst konkrete Antworten auf konkrete Fragen enthüllen nichts von dem, was man unbedingt wissen muss. Sam wollte zum Beispiel eine Freundin, die kochen konnte und es regelmäßig und vor allem gerne tat, aber das ging nicht, weil sie dann mit ziemlicher Sicherheit eine Küchenfee war, bei der immer alles perfekt aufgeräumt sein musste (Sam war nicht besonders ordentlich), und es ging auch nicht, weil sie dann vermutlich der Ansicht war, dass eine Frau an den Herd gehörte und für das Wohlergehen des Mannes zuständig war (Sam war Feminist), und es ging außerdem nicht, weil sie dann bestimmt einer dieser Menschen war, die nur biologische, nachhaltige, regional angebaute, umweltbewusste, vollwertige, rohe, vegane Lebensmittel ohne Zusatzstoffe aßen (Sam liebte Milchprodukte, siehe oben). Doch es musste gehen, weil Sam nicht kochen konnte und sie schließlich etwas essen mussten und weil er als Gegenleistung gerne andere Hausarbeiten wie Geschirrspülen oder Wäschezusammenlegen oder Badputzen übernahm. Für derart komplexe Erörterungen war in dem Formular allerdings kein Platz, und es gab auch keine Zeile, in der er sich als die Sorte Mann zu erkennen geben konnte, die derart bizarre Einzelheiten für relevant hielt.

Aber ein Mann hat nun mal Bedürfnisse. Nicht die, die einem sofort in den Sinn kommen. Na ja, solche auch, doch die standen für Sam nicht an erster Stelle. An erster Stelle stand für ihn, dass er sich jemanden wünschte, mit dem er freitagabends essen gehen und am Samstagmorgen aufwachen konnte, mit dem er ins Museum und ins Kino und ins Theater und auf Partys und in Restaurants und ins Stadion gehen konnte, mit dem er für ein langes Wochenende verreisen, wandern, Ski fahren, die Eltern besuchen konnte und der ihn zu Weinproben und Betriebsfeiern begleitete. Vor allem Letzteres war Sam ein dringendes Anliegen, weil er für ebenjene Online-Partneragentur arbeitete, deren Formular ihm gerade so viel Kopfzerbrechen bereitete. Die Agentur beschäftigte viele geld- und leistungsorientierte Mitarbeiter (meist männlich), die viele geld- und leistungsorientierte Gäste (meist weiblich) zu ihren vielen geld- und leistungsorientierten Firmenfeiern mitbrachten, auf denen festliche Abendgarderobe Pflicht war. Bevor Sam in der Agentur angefangen hatte, hatte er überhaupt keine Abendgarderobe besessen, geschweige denn festliche. Außerdem war er selbst weder geld- noch leistungsorientiert, sondern entschieden der Ansicht, dass ihn seine Arbeit als Softwareentwickler in einer winzigen Bürozelle, umgeben von anderen Softwareentwicklern mit ihren ominösen Mathe-T-Shirts, ihren Star Trek-Figuren und siebenseitigen Zauberwürfeln, von solcherlei Zwängen hätte entbinden müssen. Aber die Anwälte und Marketingleute und stellvertretenden Direktoren und Finanzvorstände und VIPs und Investoren erschienen alle in weiblicher Begleitung und legten die Messlatte entsprechend hoch. Außerdem handelte es sich nun mal um eine Partnervermittlungsagentur – bei Firmenfeiern allein aufzutauchen war also nicht gerade karriereförderlich. Sam verbrachte diese Abende in seinem viel zu steifen Smoking und riss unbeholfene Insiderwitze mit seinen unbeholfenen Leidensgenossen aus der Softwareabteilung, während er an seinem Gratis-Wodka-Tonic nippte und sich Sorgen machte, dass er nie die wahre Liebe finden würde.

Damals an der Highschool in Baltimore, als Holly Palentine die Coolness hinter seinem Computernerd-Äußeren erkannt und erst eingewilligt hatte, beim Schulball mit ihm zu tanzen, und später sich von ihm zum Essen und ins Kino einladen zu lassen und dann an den meisten Nachmittagen nach der Schule mit ihm in seinem Keller herumzuknutschen, war Sam davon ausgegangen, dass er eines Tages seine Jugendliebe heiraten würde. Er erinnerte sich noch genau, wie er beim Frühjahrsball eng mit ihr getanzt und sich dabei ausgemalt hatte, wie sie bei ihrer Hochzeit aussehen würden. Bis sie ihm eines Tages einen Brief aus dem Pfadfinderlager, in dem sie als Betreuerin jobbte, geschickt hatte, um ihn zu fragen, ob sie...

"Ein intelligentes Cyber-Märchen."
 
"Zum Weinen und gleichzeitig so tröstend!"
 
"Herzerwärmend!"

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