Dr. Stefan Frank 2551 - Arztroman

Wohin du mich auch führst
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 12. Mai 2020
  • |
  • 64 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-9575-4 (ISBN)
 
Julia und Jannes sind frisch verlobt und erwarten ein Kind, sie könnten nicht glücklicher sein. Doch ihr Glück erhält einen mächtigen Dämpfer, als Jannes bei einem Rodelausflug schwer verunglückt und ins Koma fällt. Sein Zustand stürzt Julia in tiefste Verzweiflung. Niemand kann ihr sagen, ob er wieder aufwachen wird und wenn doch, könnte er für immer ein Pflegefall bleiben. Julia wacht Tag und Nacht bei ihm, aber ihr Flehen scheint vergebens. Ist ihr Glück vorbei, noch ehe es richtig angefangen hat? Die Wochen ziehen ins Land, Jannes¿ Zustand ist unverändert und Julias Schwangerschaft schreitet voran. Da erhält sie die nächste Hiobsbotschaft: Bei einer Untersuchung wird eine Geschwulst in ihrer Gebärmutter entdeckt. Tests ergeben, dass diese gutartig ist, aber sie könnte im Lauf der Zeit das Wachstum des Fötus beeinträchtigen. Und sollte es zu inneren Blutungen kommen, könnten Julia und ihr Kind sterben. Ihre Frauenärztin legt ihr nahe, die Schwangerschaft zu beenden. Julia ist am Ende ihrer Kräfte und muss eine weitreichende Entscheidung treffen ...
  • Deutsch
  • Köln
  • |
  • Deutschland
  • 1,09 MB
978-3-7325-9575-4 (9783732595754)

Wohin du mich auch führst

Arztroman um eine junge Braut und ihr schweres Schicksal

Julia und Jannes sind frisch verlobt und erwarten ein Kind, sie könnten nicht glücklicher sein. Doch ihr Glück erhält einen mächtigen Dämpfer, als Jannes bei einem Rodelausflug schwer verunglückt und ins Koma fällt. Sein Zustand stürzt Julia in tiefste Verzweiflung. Niemand kann ihr sagen, ob er wieder aufwachen wird und wenn doch, könnte er für immer ein Pflegefall bleiben. Julia wacht Tag und Nacht bei ihm, aber ihr Flehen scheint vergebens. Ist ihr Glück vorbei, noch ehe es richtig angefangen hat?

Die Wochen ziehen ins Land, Jannes' Zustand ist unverändert und Julias Schwangerschaft schreitet voran. Da erhält sie die nächste Hiobsbotschaft: Bei einer Untersuchung wird eine Geschwulst in ihrer Gebärmutter entdeckt. Tests ergeben, dass diese gutartig ist, aber sie könnte im Lauf der Zeit das Wachstum des Fötus beeinträchtigen. Und sollte es zu inneren Blutungen kommen, könnten Julia und ihr Kind sterben. Ihre Frauenärztin legt ihr nahe, die Schwangerschaft zu beenden. Julia ist am Ende ihrer Kräfte und muss eine weitreichende Entscheidung treffen .

Ein Blitz zerriss den blassvioletten Himmel wie eine silbrige Klinge. Unwillkürlich zog Julia Gerstner ihre Kapuze tiefer in die Stirn. Donner grollte in der Ferne. Der Sturm trieb eine dunkle Wolkenwand heran, fegte durch die Einkaufsstraße und wirbelte Schneeflocken umher. Jeder Atemzug fühlte sich an, als würde Julia pures Eis inhalieren. Die Passanten pressten ihre Taschen an sich und eilten mit gesenkten Köpfen ihrem Ziel entgegen. Niemand nahm sich die Zeit, stehen zu bleiben und die bunten Auslagen in den Schaufenstern zu bewundern.

Auf dem Kalender ist bereits Frühling, dachte Julia, aber hier draußen fühlt man sich wie mitten im Winter!

Der Schnee knirschte unter ihren Stiefeln, als sie an einem Café vorbeieilte. An einem anderen Tag hätte sie Halt gemacht und sich einen Becher Kaffee mitgenommen, aber heute wollte sie nur rasch nach Hause und sich in die Badewanne legen.

War es ein Fehler gewesen, zu Fuß loszumarschieren und das neue Grafiktablett zu kaufen? Aber sie konnte nicht warten. Für ihren neuen Auftrag brauchte sie es so dringend.

Auf einer verschneiten Bank saß eine Frau, kaum älter als Julia selbst. Sie schützte sich mit einer Wolldecke vor der Kälte. An ihrer rechten Schläfe zeichnete sich eine verschorfte Wunde ab. Unter ihrer geringelten Wollmütze lugten dunkle Haare hervor. Sie trug zwei Paar Wollhandschuhe übereinander und hatte sich einen Schal um den Hals gebunden. Sie zitterte sichtlich.

Alarmiert blieb Julia stehen.

"Entschuldigen Sie bitte, benötigen Sie vielleicht Hilfe?"

"Nett, dass Sie fragen, aber mir fehlt nichts." Die Stimme der anderen Frau klang kratzig.

"Ist es Ihnen nicht zu kalt hier draußen?"

"Freilich, aber im Café haben sie mich hinausgeworfen, weil ich nichts bestellt habe. Und jetzt kommt das Gewitter und ich weiß nicht ." Die Unbekannte stockte und strich über ihre Decke.

"Sie wissen nicht, wo Sie hingehen sollen?"

Die Fremde senkte den Blick.

"Haben Sie Hunger?"

Das kaum merkliche Nicken ihres Gegenübers war Julia Antwort genug. Sie kaufte ein Fleischpflanzerl mit einer Semmel und zwei Becher mit heißem Tee an dem nur wenige Meter entfernten Imbissstand. Damit kehrte sie zu der Unbekannten zurück, wischte den Schnee von der Sitzfläche der Bank und setzte sich. Einladend deutete sie auf das Essen.

"Bitteschön."

Die andere Frau sah sie erst ungläubig, dann mit einem dankbaren Lächeln an, und nahm den Teller auf ihren Schoß. Bevor sie aß, faltete sie ihre Hände und schloss die Augen. Ihre Lippen bewegten sich tonlos. Schließlich machte sie sich hungrig über ihr Essen her.

Julia schlang die Finger um ihren Becher und trank. Der Tee war warm und schmeckte nach wilden Beeren.

"Wir werden ein Gewitter bekommen. Haben Sie einen Platz zum Schlafen für die Nacht?"

"Ja, bei Freunden. Dort kann ich heute Abend wieder hin."

"Warum denn erst abends?"

"Weil ich seit einem Monat bei ihnen schlafe. Das ist schlimm genug. Tagsüber mag ich ihnen nicht auch noch auf der Pelle hocken." Die Wangen der Frau röteten sich.

Julia blickte sie fragend an, wartete, ob sich ihr Gegenüber öffnen wollte.

"Mein Freund und ich hatten ein Antiquariat", erzählte die Unbekannte, "aber es ging nicht mehr mit uns. Ich musste ihn verlassen . Gestern, da hat er mich dann gefunden ." Die Unbekannte tastete nach ihrer Verletzung und zuckte zusammen.

"Sie könnten in ein Frauenhaus gehen. Dort wären Sie sicher."

"Das möchte ich nicht. Meine Freunde helfen mir, bis ich eine neue Wohnung gefunden habe, aber es ist schwer, eine zu finden, weil ich noch keinen Job habe. Und einen Job zu finden, ist ohne Wohnung wiederum nicht leicht."

"Sie suchen also eine Arbeit?"

"Ja. Ich würde fast alles machen, aber bis jetzt hatte ich kein Glück. Ich habe keine Zeugnisse, weil wir jahrelang unseren eigenen Laden hatten. Für Arbeitgeber bin ich ein schwer einzuschätzendes Risiko."

Julia überlegte. "Ich habe vor Kurzem einen Auftrag für ein Hotel im Zillertal erledigt. Dort werden immer fleißige Hände gesucht. Zimmermädchen und Servicekräfte. Wäre das etwas für Sie?"

"Aber ja! Meinen Sie denn, ich hätte dort eine Chance?"

"Ganz gewiss. Im Hotel gibt es sogar Unterkünfte für die Angestellten. Damit wären Sie auch Ihre Wohnungssorge los."

"Das ist fast zu schön, um wahr zu sein. Ein Neuanfang in den Bergen ." Mit einem Mal schimmerten Tränen in den Augen der anderen Frau. "Sagen Sie, hat Sie der Himmel geschickt?"

"Ich war einmal in einer ähnlichen Situation wie Sie jetzt. Mir hat damals auch jemand geholfen. Wer weiß, was sonst aus mir geworden wäre."

Julia notierte den Namen und die Anschrift des Hotels auf einem Zettel und reichte ihn der anderen Frau. Diese schloss die Finger darum, als wäre es ein kostbares Juwel.

"Sie sind ein Engel. Ich danke Ihnen so sehr."

"Ich wünsche Ihnen viel Glück. Versprechen Sie mir bitte nur, dass Sie nicht hier draußen im Unwetter bleiben. Fahren Sie zu Ihren Freunden, bevor es richtig losbricht."

"Das mache ich."

"Alles Gute." Julia stand auf und reichte der Fremden die Hand.

Dann wandte sie sich zum Gehen - und prallte im nächsten Augenblick gegen einen silberhaarigen Mann, der straffen Schrittes an ihr vorübereilte. Er brummte unwillig, als er ihr ausweichen musste. Julia entschuldigte sich hastig, aber da war er schon vorbei und im dichten Flockenwirbel verschwunden.

Warum schien es in dieser großen Stadt jeder eilig zu haben?

Julia setzte ihren Weg fort. An der Fußgängerampel drehte sie sich noch einmal um, aber die Bank war bereits leer.

Julia überquerte die Straße. Auf der anderen Seite blieb ihr Blick an einem Schaufenster zu ihrer Linken hängen.

Da hing es! Das perfekte Brautkleid!

Es war schulterfrei und aus einem feinen, weißen Baumwollstoff. Das Vorderteil war mit einer zauberhaften Lochstickerei verziert. Ebenso wie der lange Rock. Unwillkürlich sah sie sich selbst in diesem Kleid, mit einem Blumenkranz im Haar, und sie vergaß alles um sich herum. Jannes und sie wollten im Sommer heiraten. In einem Pavillon im Grünen. Eine Hochzeit mitten in der Natur, das war ihr Traum.

Dieses Kleid ist es! Julias Herz machte einen glücklichen Satz. Seitdem ihr Schatz sie gefragt hatte, ob sie ihn heiraten wollte, musste sie sich manchmal kneifen, um sicher zu sein, dass das alles nicht nur ein schöner Traum war. Und nun hatte sie ihr Kleid gefunden. Es war am Bauch weiter geschnitten und würde ihr auch mit Babybauch passen.

Julia bewunderte das Kleid in der Auslage. Bis unvermittelt jemand hinter sie trat. Warme Hände legten sich über ihre Augen, und eine vertraute Stimme bat:

"Rate, wer ich bin."

Ihr Körper reagierte sofort: Sie schien sich in purem, warmem Glück aufzulösen, als würden alle Grenzen verschwimmen. Wärme breitete sich in ihrem Inneren aus, und ein Lächeln stahl sich auf ihre Lippen.

"Erik?", murmelte sie. "Vincent? Oder . bist du Linus?"

Hinter ihr war ein dunkles Grollen zu vernehmen.

Da lachte sie hell auf, wirbelte herum und blickte in ein warmes braunes Augenpaar.

"Jannes? Was machst du denn hier?"

"Mir überlegen, ob ich Erik, Vincent und Linus nacheinander zum Duell bitten soll oder besser gleichzeitig, um es schnell hinter mich zu bringen."

Ihr Verlobter legte die Arme um sie und gab ihr einen innigen Kuss. Mit seinen eins achtzig überragte Jannes sie um Haupteslänge. Sein Blick war offen und seine sehnige Statur ein Erbteil seines Vaters. Ebenso wie der effiziente Stoffwechsel....

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