Dr. Stefan Frank 2471 - Arztroman

Halt mich, bis die Angst mich verlässt
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 30. Oktober 2018
  • |
  • 64 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-7155-0 (ISBN)
 
Halt mich, bis die Angst mich verlässt - Nur in den Armen ihres Freundes fühlt sich Nella sicher



Nella Bleyer lebt seit einiger Zeit in einem Münchner Mietshaus. Den anderen Hausbewohnern ist die junge Frau ein Rätsel. Alle verstehen sich zwar ausgezeichnet mit ihr, Nella ist freundlich, ausgesprochen hilfsbereit und jederzeit für die anderen da. Doch zugleich wirkt die Achtundzwanzigjährige oft ungewöhnlich verschlossen und vorsichtig - beinahe ängstlich. Und obwohl sie sich oft bei ihren Nachbarn aufhält, hat noch nie jemand ihre Wohnung betreten.

Als Timo Drenker neu in das Haus zieht, fühlt er sich von Nella schnell sehr stark angezogen, aber gerade ihm gegenüber zeigt sie sich anfangs besonders distanziert. Erst nach und nach kann er ihr Vertrauen und damit auch ihre Freundschaft gewinnen. Bald verbringen sie viel Zeit miteinander, es erwachen zarte Gefühle.

Und doch bleibt ein Thema zwischen ihnen unausgesprochen: Welche Sorgen verbirgt Nella? Was verursacht die große Angst, die sie so offensichtlich ausstrahlt? Timo weiß, dass er seine Freundin nicht drängen darf, aber er weiß auch, dass er sie nicht vor einer Gefahr beschützen kann, die er gar nicht kennt ...

***

Dr. Stefan Frank - dieser Name bürgt für Arztromane der Sonderklasse: authentischer Praxis-Alltag, dramatische Operationen, Menschenschicksale um Liebe, Leid und Hoffnung. Dabei ist Dr. Stefan Frank nicht nur praktizierender Arzt und Geburtshelfer, sondern vor allem ein sozial engagierter Mensch. Mit großem Einfühlungsvermögen stellt er die Interessen und Bedürfnisse seiner Patienten stets höher als seine eigenen Wünsche - und das schon seit Jahrzehnten!

Eine eigene TV-Serie, über 2000 veröffentlichte Romane und Taschenbücher in über 11 Sprachen und eine Gesamtauflage von weit über 85 Millionen verkauften Exemplaren sprechen für sich:

Dr. Stefan Frank - Hier sind Sie in guten Händen!

Jede Woche erscheint eine neue Folge.
Alle Folgen sind in sich abgeschlossen und können unabhängig von den anderen Folgen der Serie gelesen werden.


"Was täte ich bloß ohne dich, Nella", sagte Anne Heidbrink, als ihre junge Nachbarin Nella Bleyer zwei schwere Einkaufstüten auf dem Küchentisch abstellte und begann, diese auszupacken.

"Du würdest genauso leben wie jetzt, schätze ich. Wenn ich nicht für dich einkaufen würde, täte es eben jemand anders aus dem Haus", erwiderte Nella. "Wir sind hier eine gute Gemeinschaft."

Damit hatte sie recht. Sie lebten in einem Mietshaus in Schwabing, in dem die meisten Leute schon lange wohnten.

Der jüngste Neuzugang war Nella, sie war erst vor wenigen Wochen nach München gezogen, und bald würde es einen weiteren neuen Mieter geben, in der Wohnung über ihrer. Ein junger Mann, so viel wussten sie schon. Anne war ihm einmal im Fahrstuhl begegnet und hatte einen guten Eindruck von ihm gehabt. Danach war mit einem weiteren Mieterwechsel erst einmal nicht zu rechnen.

Zehn Mietparteien wohnten auf insgesamt fünf Stockwerken, zwanzig Menschen - sechs davon Kinder -, die gute Kontakte untereinander pflegten. Nella war dank ihrer hilfsbereiten und liebenswürdigen Art sofort mit offenen Armen empfangen worden, einige Frauen hatten schon angefangen, sie zu bemuttern, weil sie so schüchtern und zurückhaltend war.

Anne sah ihr zu, wie sie die Einkäufe im Kühlschrank verstaute. Nella war achtundzwanzig Jahre alt, schlank und ausgesprochen hübsch mit ihren langen, glatten, hellbraunen Haaren. Sie bewegte sich schnell, wusste genau, wohin jedes Stück gehörte, und in Windeseile war alles weggepackt.

Sie stellte den Einkaufskorb in die Ecke, hängte die Beutel an einen Haken und drehte sich zu Anne um.

"Fertig!", sagte sie. "Was kann ich sonst noch für dich tun?"

"Koch uns beiden einen Tee, und lass uns noch ein bisschen reden", bat Anne. "Wenn du nichts anderes vorhast."

"Habe ich nicht", erwiderte Nella, während sie bereits das Teewasser aufsetzte. "Wie geht's deinen Hüften heute?"

Anne unterdrückte einen Seufzer.

"Schlimm", sagte sie dann. "Ich muss zu Herrn Dr. Frank, aber mir graut es vor dem langen Weg nach Grünwald."

Sie lebten in München-Schwabing, während Annes Hausarzt Dr. Stefan Frank in Grünwald praktizierte. Genau genommen war er nicht nur Annes Hausarzt - alle Bewohner des Hauses gingen mittlerweile zu ihm. Anne war die Erste gewesen, und weil sie immer wieder von ihm gesprochen hatte, war schließlich ihre Nachbarin ebenfalls nach Grünwald gefahren, um zu sehen, ob Annes Hausarzt auch ihrer werden könnte, und das hatte sich so fortgesetzt, bis hin zu Nella.

"Ich kann dich begleiten, wenn du willst", schlug Nella vor. "Allerdings habe ich kein Auto, das weißt du. Aber die Straßenbahn geht ja ziemlich häufig. Du müsstest dann nur warten, bis ich Frühdienst in der Kita habe, weil das sonst mit den Sprechzeiten nicht hinhaut."

Nella war Erzieherin. Sie liebte Kinder, und Kinder liebten sie, und seltsamerweise hatte sie trotz ihrer Schüchternheit und ihrer leisen, zurückhaltenden Art keinerlei Probleme, sich durchzusetzen. Nach Annes Meinung gab es niemanden, der für diesen Beruf besser geeignet war als Nella.

"Ich kann mir doch nicht dauernd von dir helfen lassen, Kind", sagte Anne. "Du hast einen anstrengenden Beruf, du brauchst auch mal Ruhe und Zeit für dich."

Nella goss den Tee auf, stellte zwei Tassen auf den Tisch, Milch und Zucker dazu. Anne schüttelte sich.

"Also, Tee mit Milch, das ist wirklich das Letzte", sagte sie. "Dass man das überhaupt trinken kann!"

Nella lächelte. "Tee mit Zucker, dass man das überhaupt trinken kann!", sagte sie und setzte sich. "Also, was ist jetzt mit einem Termin bei Herrn Dr. Frank?"

Anne ließ sich Zeit mit ihrer Antwort, bis Nella den Teefilter aus der Kanne genommen und beide Tassen gefüllt hatte.

"Er meint, ich solle mich operieren lassen, das habe ich dir doch erzählt. Er sagt, mit achtundsiebzig bin ich jung genug, um meine neuen Hüften danach auch noch richtig genießen zu können. Aber ich habe einfach Angst davor, dass es danach noch schlimmer sein könnte als jetzt."

"Ist das nicht heutzutage fast schon eine Routineoperation?"

"Ja, und meistens geht es gut, aber eben nicht immer. Ich habe zwei Bekannte, die sagen, sie würden das nie wieder machen lassen. Die eine hat sich im Krankenhaus einen von diesen Keimen eingefangen, die Hüfte hat sich entzündet, und jetzt kann sie praktisch nicht mehr laufen, weil die Ärzte die Entzündung nicht in den Griff bekommen haben. Bei der anderen ist es auf der einen Seite gut gegangen, aber auf der anderen nicht. Da sitzt die neue Hüfte nicht richtig. Sie hat Schmerzen ohne Ende, aber der Operateur behauptet, alles sei bestens. Wenn ich so etwas höre, denke ich immer, ich lasse es lieber bleiben."

"Ich schätze, das sind Ausnahmen", sagte Nella, gab etwas Milch in ihren Tee und trank den ersten Schluck. "In der Waldner-Klinik würdest du dir garantiert keinen Keim einfangen, und wenn du nach der OP Schmerzen hättest, würden sie dem so lange nachgehen, bis sie den Grund gefunden hätten."

"Das sagt Herr Dr. Frank auch, und eigentlich würde ich ihm gerne glauben, aber ich bin im Moment etwas mürbe geworden durch die Schmerzen. Da neige ich dann immer dazu, alles pessimistisch zu sehen."

"Wenn du willst, begleite ich dich nicht nur in die Praxis, sondern bin auch bei dem Gespräch mit Herrn Dr. Frank dabei. Vielleicht fallen mir noch Fragen ein, die du ihm noch nicht gestellt hast. Ich meine, ich müsste ja sowieso auf dich warten, mehr Zeitaufwand wäre das nicht."

Anne nickte langsam.

"Wenn du das wirklich tun würdest?"

Nella lächelte. "Hör schon auf, Anne! Wenn ich dir etwas anbiete, kannst du es auch annehmen. Ich weiß, wann mir etwas zu viel wird, glaub mir."

"Aber du kaufst nicht nur für mich ein, du hütest auch die Kinder von Ellermanns, weil sie wegen seiner kranken Mutter jetzt so viel unterwegs sein müssen, und gießt noch die Blumen von Robert Kreutzer, wenn er unterwegs ist - was er ja praktisch dauernd ist."

"Ich habe Zeit genug", versicherte Nella. "Also, zurück zu Herrn Dr. Frank und einem Termin bei ihm."

"Du kannst echt hartnäckig sein", murmelte Anne.

"Das muss man in meinem Beruf auch."

"Sag mir, wann du Frühdienst hast, dann mache ich einen Termin aus", seufzte Anne. "Aber damit du es nur weißt: Eine Entscheidung ist damit noch nicht gefallen."

"Steh bitte einmal auf."

"Warum denn? Du weißt, wie schwer mir das fällt."

"Deshalb sollst du ja aufstehen."

Anne schüttelte unwillig den Kopf, kam der Bitte ihrer jungen Freundin aber schließlich doch nach. Sie stemmte sich mühsam in die Höhe, verzog dabei das Gesicht vor Schmerzen und brauchte fast zwei Minuten, bis sie so sicher stand, dass sie sich nicht länger am Tisch festhalten musste. Nella beobachtete sie aufmerksam, ohne sich zu rühren.

"Hast du genug gesehen?", fragte Anne.

"Ja, danke." Nella sprang auf und half ihr, sich wieder auf den Stuhl sinken zu lassen, was auch nicht ohne Schmerzen möglich war, wie sie wusste.

Dann kehrte sie zu ihrem Platz zurück.

"Weißt du, dass ich das schon lange nicht mehr gesehen habe? Wenn ich zu dir komme, sitzt du, und wenn ich wieder gehe, sitzt du immer noch. Auf der Straße bin ich dir schon lange nicht mehr begegnet, im Treppenhaus auch nicht. Mir ist das eben erst aufgefallen: Ich sehe dich eigentlich nur noch sitzend. Und ich muss dir sagen, dass ich es mir nicht so schlimm vorgestellt habe. Das ist doch kein Leben, Anne! Ich verstehe deine Ängste, aber selbst wenn die Operation nur ein bisschen helfen sollte, wäre es doch schon besser als jetzt, oder?"

Als sie sah, dass Anne vor Schmerzen Tränen in den Augen hatte, sprang sie wieder auf, kniete neben dem Stuhl ihrer Freundin nieder und umarmte sie.

"Mach den Termin aus, und lass uns so bald wie möglich zu Herrn Dr. Frank fahren", bat sie. "Ich hatte ehrlich keine Ahnung, wie schlimm deine Schmerzen sind."

"Überredet", murmelte Anne und konnte sogar schon wieder lächeln.

***

Timo Drenker lief durch seine neue Wohnung und machte Fotos. Außerdem hatte er einen Zollstock dabei und sich den Grundriss auf einem großen Blatt aufgezeichnet.

Er war dabei, seine Möbel zu verteilen, musste aber feststellen, dass sein Sofa leider um einige Zentimeter zu groß war für die Nische, in die er es gerne gestellt hätte, und dass er in der Küche Schwierigkeiten bekommen würde. Aber er war ein grundsätzlich positiv denkender Mensch, und so ging er davon aus, dass er die anstehenden Probleme irgendwie würde lösen können. Ihm fiel eigentlich immer etwas ein, es würde dieses Mal nicht anders sein.

Die Wohnung hatte ihm gleich gefallen. Die Lage war sehr gut, ein wenig am Rand von Schwabing, aber immer noch zentral, und das Haus hatte eine gute Größe. Er lebte gern mit vielen Menschen zusammen, jedenfalls dann, wenn die Gemeinschaft einigermaßen funktionierte. Ein paar Störenfriede waren meistens dabei, aber wenn sich die anderen untereinander gut verstanden, konnte man das verkraften.

Die Hausverwaltung hatte ihm versichert, er werde hier ein ausnehmend gutes Klima unter den Mietern vorfinden, und so war er froh gewesen, dass er am Ende den Zuschlag erhalten hatte.

Drei Zimmer hatte er jetzt, und die brauchte er auch, weil er überwiegend zu Hause...

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