Aufruhr der Engel

 
 
Pandämonium Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen im November 2018
  • |
  • 268 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-944893-20-4 (ISBN)
 
Sie sind wieder da.
Viele Äonen nach dem ersten Fall Satans macht sich ein neues Heer von Engeln auf, um gegen den Gott des Alten Testaments zu rebellieren - diesmal mit eher ungewöhnlichen Waffen.
Ein neuer Krieg steht bevor, der auch die Schöpfung zu gefährden droht. Doch die Macht und Anziehungskraft der Menschentöchter ist größer als vermutet und sorgt für allerlei Wirrungen. Im frivolen Paris des frühen 20. Jahrhunderts kommt es zu amourösen Eskapaden und mehrmals sogar zum blanken Verbrechen.
Wie die Welt, in der wir leben, wirklich zur besten aller Welten werden kann, offenbart sich erst bei Satans glamourösem Auftritt.

Anatole France (1844 - 1924) war ein bekannter französischer Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger. International bekannt wurden seine Romane Die Insel der Pinguine und Thaïs.
In kirchlichen Kreisen jedoch munkelte man, er sei mit dem Teufel im Bunde; aus diesem Grund setzte der Vatikan sein Gesamtwerk auf die Liste der verbotenen Bücher.
In seinem Roman Aufruhr der Engel kommen Freunde der dunklen Mächte und der kunstvollen Satire gleichermaßen auf ihre Kosten.
  • Deutsch
  • 1,19 MB
978-3-944893-20-4 (9783944893204)
Anatole France (1844 - 1924) war ein bekannter französischer Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger. International bekannt wurden seine Romane Die Insel der Pinguine und Thaïs.
In kirchlichen Kreisen jedoch munkelte man, er sei mit dem Teufel im Bunde; aus diesem Grund setzte der Vatikan sein Gesamtwerk auf die Liste der verbotenen Bücher.

Kapitel I: Umreißt in wenigen Zeilen die Geschichte einer französischen Familie von 1789 bis auf den heutigen Tag


Unter dem Schatten von Saint-Sulpice erhebt sich zwischen einem grünen, moosbewachsenen Hof und einem schmalen Garten, in dem trotz der hohen, eng zusammenstehenden Gebäudeteile noch immer zwei große Kastanienbäume ihre kahlen Äste emporrecken, das dreistöckige Herrenhaus der Familie d'Esparvieu. Dort lebte zwischen 1825 und 1857 das bedeutendste Mitglied der Familie, Alexandre Bussart d'Esparvieu, Vizepräsident des Staatsrats zu Zeiten des Juliregiments, Mitglied der Akademie der moralischen und politischen Wissenschaften sowie Verfasser des Essays über die zivilen und religiösen Institutionen der Völker, einem drei Oktavbände umfassenden Werk, das leider unvollendet blieb.

Dieser ungewöhnliche Vordenker einer liberalen Monarchie gab sein aus Blut, Wohlstand und Ruhm bestehendes Erbe weiter an Fulgence-Adolphe Bussart d'Esparvieu, Senator des Zweiten Kaiserreichs, der sein Vermögen nicht nur dem Erwerb von Ländereien verdankte, auf denen später die Avenue de l'Impératrice verlief, sondern auch einer bemerkenswerten Rede zugunsten der weltlichen Macht der Päpste.

Fulgence hatte drei Söhne. Der älteste, Marc-Alexandre, war der Armee beigetreten und machte dort eine glänzende Karriere: Er war ein guter Redner. Der zweite, Gaétan, bei dem sich keine spezielle Begabung feststellen ließ, lebte die meiste Zeit auf dem Land, ging jagen, züchtete Pferde und frönte der Musik und der Malerei. Der dritte, René, von Kind an für den Beruf des Richters ausersehen, legte sein Amt vorzeitig nieder, um bei den Ferry-Dekreten nicht Partei gegen die bestehende religiöse Ordnung ergreifen zu müssen. Später, als er in der Präsidentschaft des Monsieur Faillières eine Rückkehr zu den Tagen des Decius und des Diokletian erkannte, stellte er all sein Wissen und seinen Eifer in den Dienst der verfolgten Kirche.

Vom Konkordat des Jahres 1801 bis hin zu den letzten Jahren des Zweiten Kaiserreichs nahmen alle Esparvieus an der heiligen Messe teil, um ein gutes Beispiel abzugeben. Obgleich sie in der Tiefe ihres Herzens Skeptiker waren, betrachteten sie die Religion doch als Herrschaftsinstrument.

Marc und René waren die ersten ihres Geschlechts, die so etwas wie aufrichtige religiöse Hingabe an den Tag legten. Der General, als er noch ein Oberst war, hatte sein Regiment der Kathedrale Sacré Coeur anvertraut und übte seinen Glauben mit einer selbst für einen Soldaten bemerkenswerten Inbrunst aus, so wie wir ja wissen, dass die Tochter des Himmels, die Frömmigkeit, sich die Herzen der Generäle der Dritten Republik oft zur bevorzugten Wohnstatt erwählte.

Glaube ist immer im Wandel begriffen. Während der alten Ordnung fanden sich die Gläubigen unter dem gemeinen Volk, nicht aber bei der Aristokratie oder der gebildeten Mittelschicht. In der Zeit des Ersten Kaiserreichs war die gesamte Armee, vom ersten bis zum letzten Mann, völlig religionslos. Heute glaubt das gemeine Volk an gar nichts mehr. Die Mittelschicht wäre gerne gläubig, und manchmal gelingt es ihr, so wie es auch Marc und René d'Esparvieu gelang. Ihr Bruder Gaétan hingegen, der Edelmann vom Lande, brachte es nicht fertig, sich zu einem Glauben zu bekennen. Er war Agnostiker, was ein von neuzeitlichen Menschen gern gewählter Begriff ist, um die abscheuliche Bezeichnung Freidenker zu vermeiden. Er bekannte sich auch offen dazu, Agnostiker zu sein und handelte damit dem ratsamen Brauch zuwider, ein solches Geständnis besser für sich zu behalten.

Das Jahrhundert, in dem wir leben, kennt so viele Formen des Glaubens und Unglaubens, dass künftige Historiker ihre liebe Not haben werden, sich darin zurechtzufinden. Aber geht es uns denn besser, wenn wir versuchen, die religiöse Befindlichkeit zur Zeit des Symmachus oder des Ambrosius zu entwirren?

Als glühender Christ fühlte sich René d'Esparvieu dem liberalen Gedankengut, das seine Ahnen ihm als heiliges Erbe anvertraut hatten, zutiefst verpflichtet. Obgleich es seine Aufgabe war, sich einer atheistischen und jakobinischen Republik zu widersetzen, bezeichnete er sich immer noch als Republikaner. Und als er für die Unabhängigkeit und Eigenständigkeit der Kirche eintrat, geschah dies im Namen der Freiheit.

Im Laufe der langen Debatten über die Trennung von Staat und Kirche und der Streitigkeiten über die Bestände fanden die Synoden der Bischöfe und die Versammlungen der Gläubigen in seinem Haus statt. Während die anerkanntesten Autoritäten von katholischer Seite - Prälaten, Generäle, Senatoren, Abgeordnete und Journalisten - im großen grünen Salon untergebracht wurden und jede anwesende Seele sich in sanfter Unterwerfung oder erzwungenem Gehorsam gen Rom wandte, und während Monsieur d'Esparvieu, den Ellbogen auf den marmornen Kaminsims gestützt, das bürgerliche dem kanonischen Recht gegenüberstellte und beredt gegen die Plünderung der Kirche Frankreichs protestierte, blickten zwei Gesichter aus einer anderen Zeit, regungslos und stumm, herab auf das Treiben unserer Tage; rechts vom Kamin, gemalt von David, sah man Romain Bussart, einen Gutshofbauern auf Esparvieu, hemdsärmelig und in Drillichhosen, von unflätigem Aussehen, aber nicht ohne einen Anflug von Schläue. Er hatte guten Grund zu lächeln: Der wohlhabende Mann legte, als er kirchlichen Grund und Boden erwarb, den Grundstein für den Reichtum der Familie. Zur Linken, gemalt von Gérard, sah man - die gesamte Kleidung herausgeputzt mit Orden - den Sohn des Bauern, Baron Émile Bussart d'Esparvieu, Präfekt zur Zeit des Kaiserreichs, Träger des Großen Siegels unter Karl dem Zehnten, gestorben 1837 als Vorsteher seiner Pfarrgemeinde, mit Couplets aus La Pucelle auf den Lippen.

René d'Esparvieu heiratete 1888 Marie-Antoinette, die Tochter des Barons Coupelle, Schmiedemeister von Blainville (Haute Loire). Seit 1903 war Madame René d'Esparvieu Vorsitzende der Gemeinschaft christlicher Mütter. Diese perfekten Eheleute, die ihre älteste Tochter 1908 verheirateten, hatten damals noch drei Kinder im Haus - ein Mädchen und zwei Jungen.

Der jüngere von beiden, der sechsjährige Léon, hatte ein Zimmer neben seiner Mutter und seiner Schwester Berthe. Maurice, der ältere, wohnte in einem kleinen, aus zwei Räumen bestehenden Pavillon am Ende des Gartens. Der Knabe gelangte auf diese Weise zu einer Freiheit, die es ihm leicht machte, das Familienleben zu ertragen. Er war recht gutaussehend, dazu pfiffig, ohne sich allzu sehr verstellen zu müssen, und seinem verschwiegenen Lächeln, bei dem sich nur ein Mundwinkel nach oben bog, mangelte es nicht an Charme.

Mit 25 verfügte Maurice über die Weisheit des Predigers Salomo. Im Zweifel darüber, ob ein Mensch irgendeinen Nutzen von all den Mühen hat, die er unter der Sonne auf sich nimmt, brachte er sich selbst gar nicht erst in die Verlegenheit. Von frühester Kindheit an beschränkte sich das Interesse, das dieser junge Kandidat an der Arbeit zeigte, auf die Frage, wie man ihr am besten aus dem Weg gehen könne, und nur seiner beharrlichen Unwissenheit über die Lehre der École de Droit war es zu verdanken, dass er Doktor der Rechtswissenschaften und Anwalt am Berufungsgericht wurde.

Er plädierte nicht und praktizierte nie. Er verfügte über kein Wissen und hatte auch nicht das Verlangen, sich welches zu erwerben, was ganz und gar seinem Genie entsprach, dessen liebreizende Zerbrechlichkeit er niemals überstrapazieren wollte; glücklicherweise sagte sein Instinkt ihm, dass es besser sei, wenig zu verstehen als eine Menge misszuverstehen.

Wie der Abbé Patouille zu sagen pflegte, hatte Maurice vom Himmel die Vorzüge einer christlichen Erziehung mit auf den Weg bekommen. Von Kindheit an wurde ihm zu Hause anhand guter Beispiele vorgelebt, was Frömmigkeit bedeutet, und als er sich nach seinem Schulabschluss an der École de Droit einschrieb, empfand er die Weisheiten der Doktoren, die Tugenden der Beichtväter und die Standhaftigkeit der kirchlichen Nährmütter in seinem Umkreis als eine Art heimischen Herd. Als er zur Zeit der großen Kirchenverfolgung in Frankreich am sozialen und politischen Leben teilnehmen durfte, praktizierte er jugendlichen Katholizismus in all seinen Ausdrucksformen; er half seiner Gemeinde beim Aufbau von Barrikaden während der Zeit der Kirchenbestände, und zusammen mit seinen Gefährten ließ er die Pferde des Erzbischofs frei, nachdem er aus dessen Palast vertrieben worden war. Bei all jenen Gelegenheiten zeigte sich bei ihm nur ein gedämpfter Eifer; nie sah man ihn in den vorderen Reihen des Heldentrupps, wie er die Soldaten zu ruhmreichem Ungehorsam anstachelte oder Staatsvertreter mit Schmutz und Flüchen bewarf.

Er tat seine Pflicht, das war alles; und als er sich bei der großen Wallfahrt nach Lourdes im Jahre 1911 unter den Bahrenträgern hervortat, so darf man befürchten, dass dies nur geschah, um Madame de la Verdelière zu gefallen, die Männer mit Muskeln verehrte. Der Abbé Patouille, ein Freund der Familie und sehr bewandert, was die Kenntnis der menschlichen Seele betraf, wusste, dass Maurice nur auf sehr halbherzige Weise nach Märtyrertum strebte. Er machte ihm auf seine lauwarme Art Vorhaltungen, zog ihn am Ohr und schimpfte ihn einen schlimmen Finger. Maurice blieb dennoch gläubig.

Inmitten aller Zerstreuungen der Jugend blieb sein Glaube unbeschadet, da er ihn völlig zweitrangig behandelte. Nie hatte er auch nur ein einziges Dogma näher untersucht; ebenso wenig war er auch nur um ein paar Zoll tiefer in die...

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