Paul ohne Jacob

 
Paula Fox (Autor)
 
Lübbe (Verlag)
1. Auflage | erschienen am 17. März 2011 | 112 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8387-0864-5 (ISBN)
 
Jacob ist anders. Pauls kleiner Bruder hat das Downsyndrom. Seit er auf der Welt ist, haben seine Eltern nur noch Augen für ihn. Jeder Rülpser, jedes Lachen wird aufmerksam beobachtet. Paul findet Jacob nur peinlich und zieht sich immer mehr von seiner Familie zurück. Bis er eines Tages beschließt, seinen Bruder einfach aus seinem Leben zu streichen. So zu tun, als gäbe es ihn gar nicht. Doch dann passiert etwas, womit Paul nicht gerechnet hat, und ganz langsam kehrt Jacob in Pauls Leben zurück ¿
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"DER ERSTE SAMSTAG (S. 52-53)

Während Jacob sich anziehen ließ oder selbst anzog oder Kleidungsstücke wie von Zauberhand durch die Luft zu ihm geflogen kamen, wartete Paul mit grimmiger Geduld auf dem Bürgersteig vor dem Haus. Die Hände hatte er in die Taschen einer fleckigen Jacke gesteckt, bei der seine Handgelenke aus den Ärmeln hervorragten.Er trug seine ältesten Sachen, von denen ihm nichts mehr so ganz passte.In normalem Tempo konnte er in zehn Minuten zum Geschäftsviertel von Brasston gehen. Mit dem Fahrrad schaffte er es in zwei. Allerdings nur, wenn er allein war.Er hörte die Haustür aufgehen und ins Schloss fallen. Jacob kreischte: »Paul!«Unwillkürlich drehte sich Paul zum Haus um. Seine Mutter stand auf der Treppe, die zur Eingangstür führte.

Sie hielt Jacob an der Hand und lächelte Paul krampfhaft zu. Er wusste, dass sie so tat, als wäre es etwas völlig Normales, dass er mit Jacob zum Arzt ging.Auf Jacobs Ruf reagierte er nicht. Er wandte den Blick ab und starrte einen Riss im Asphalt des Bürgersteigs an. Zwei Ameisen liefen daran entlang. Paul malte sich aus, wie die Ränder der Ritze auf die Ameisen wirken mussten – wie Klippen, die hoch über ihnen aufragten. Er rief sich das vergrößerte Teichwasser im Naturkundemuseum ins Gedächtnis zurück.Er dachte tatsächlich an etwas anderes als an Jacob.

Dieser Gedanke war ihm ein Trost und er empfand einen kleinen Triumph.Jacob zog Mom den kleinen Weg entlang, der vom Haus zum Bürgersteig führte. Sie rief mit falscher Fröhlichkeit: »Jacob! Jacob!« Jetzt war Jacobs aufgeregtes Atmen nicht mehr zu überhören.Blitzschnell hatte sie Jacobs Hand in seine gedrückt – und genauso schnell machte sich Paul wieder davon los.Sie räusperte sich, als sie den Weg zur Haustür zurückging. Ihr Kopf war gesenkt.Pauls Gesicht war so leer wie eine Muschelschale.Aber hinter seiner ausdruckslosen Miene rasten die Gedanken durch seinen Kopf, wie Wolken bei windigem Wetter über den Himmel jagen. Es waren finstere, von Donner erfüllte Gedanken, in denen wortloser Groll lag.

Er machte den ersten Schritt. Lachend machte auch Jacob einen Schritt und kläffte dabei wie ein junger Hund.Paul schlug ein schnelleres Tempo an. Jacob hatte Mühe, mit ihm Schritt zu halten. Unten am Häuserblock kam ein Ehepaar aus einem Haus. Der Mann rief den beiden Jungen hinterher: »Unternimmst du etwas mit deinem Bruder? Das ist aber nett …« Ein Hund, der auf einem erst kürzlich angelegten Rasen stand, sah verwirrt zu ihnen hin und lief plötzlich so schnell davon, dass die Hundemarke an seinem Halsband klirrte.Und so ging es immer weiter. Paul sah weder nach links noch nach rechts. Er bewegte sich so kerzengerade vorwärts, als liefe er an einem Lineal entlang. Jacob versuchte, mit ihm Schritt zu halten, und sah ihm dabei ins Gesicht, suchte es nach Hinweisen ab. Als sie am vierten Häuserblock nach ihrem Haus vorbeigingen, stöhnte Jacob auf.

Ein unbehagliches Gefühl durchrieselte Paul. Mit seinen überstürzten Bewegungen lief Jacob in eine Hecke. Er rannte gegen Baumstämme. Er kam vom Bürgersteig ab und stieß gegen die ausgefransten Seile einer Schaukel, die jemand an einer alten Eiche angebracht hatte. Er tapste in frisch geharkte und bepflanzte Beete. Wo er mit seinen stolpernden Schritten auch hintrat, hinterließ er seine Fußspuren in der feuchten Aprilerde.Als sie das Geschäftsviertel von Brasston erreicht hatten, keuchte Jacob wie ein rennender Hund. Er brachte keinen Ton hervor, auch wenn Paul ihm ansehen konnte, dass er förmlich platzte. Seine sommersprossige Haut war mit Schweißperlen übersät. Jetzt waren auch noch andere Menschen auf dem Bürgersteig."

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