Patrimonium

Ein Pip & Flinx Roman
 
 
Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 22. Juli 2011
  • |
  • 320 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8387-1226-0 (ISBN)
 
Flinx reist zu der fernen Welt mit dem wunderlichen Namen Gestalt. Hier wird er angeblich alle Antworten auf seine Herkunft finden. Doch zu seinem Pech lauert ein Kopfgeldjäger auf ihn, der kürzlich von der fürstlichen Belohnung erfahren hat, die auf Flinx ausgesetzt ist. Ehe Flinx sich+s versieht, wird sein Gleiter abgeschossen, und er muss notlanden. In einem reißenden Fluss, mitten in einer unwirtlichen Gegend, in der es von ausgehungerten Fleischfressern nur so wimmelt ¿
1. Aufl. 2011
  • Deutsch
  • Breite: 125 mm
  • 1,23 MB
978-3-8387-1226-0 (9783838712260)
3838712269 (3838712269)
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1


Tu das Richtige.

Der Ulru-Ujurrianer hatte gut reden, dachte Flinx, während sich die Teacher weiterhin der Welt näherte, die sich am Ende der Reise des mit einem KK-Antrieb ausgestatteten Schiffes befand, das nun langsamer wurde. Dem Ulru-Ujurrianer würde das auch nicht schwerfallen. Doch das war bei den Ulru-Ujurrianern ja immer so. Sie waren unvorstellbar mächtig, immerwährend verspielt und besaßen Talente, die sich dem Ermessen noch erschließen mussten, falls sie nicht gar unermesslich waren. Sie gingen ihrem Tagwerk nach, ohne sich um irgendetwas sorgen zu müssen, indem sie sich damit beschäftigten, ihren unbegreiflichen Spieltrieb auszuleben und ihren Planeten immer näher an ihre Sonne heranzubringen.

Doch selbst dieses ungeheuerliche astrophysikalische Unterfangen kam Flinx einfacher vor als sein Unterfangen, die Geheimnisse, die sich um seine Herkunft rankten, lüften zu wollen.

Er hatte einen Hinweis erhalten. Zum ersten Mal seit vielen, fast schon unendlich vielen Jahren gab es einen greifbaren Anhaltspunkt. Und sogar noch mehr, denn er hatte sogar ein Ziel. Es lag jetzt vor ihm, eine Welt, über die er nie zuvor nachgedacht hatte und die etwa so weit von seiner momentanen Position entfernt lag wie seine Heimatwelt oder New Riviera und Clarity Held, die sich allerdings in der entgegengesetzten Richtung befanden.

Clarity, Clarity. Unter der kundigen Aufsicht und aufmerksamen Führung seiner beiden alten Freunde Bran Tse-Mallory und Truzenzuzex würde sie sich von den Verletzungen erholen, die ihr während jenes Kampfes zugefügt worden waren, der es ihm ermöglicht hatte, von New Riviera, das man auch als Nur kannte, zu fliehen. Während der Körper seiner Geliebten heilte, konnte er vielleicht die offene Wunde schließen, die seine unbekannte Herkunft in ihm klaffen ließ. Sie brannte und schmerzte ebenso sehr wie ein Krebsgeschwür.

Gestalt.

Ein Wort mit sehr vielen Bedeutungen. Vielleicht sogar eine ganze Welt voller Bedeutung, denn so lautete der Name des Planeten, dem er sich mit rasanter Geschwindigkeit näherte. Eine unscheinbare Koloniewelt der H-Klasse VIII mit einem einzelnen Mond, den die Teacher in diesem Augenblick umflog. Sie beheimatete eine Spezies, die sich die Tlel nannte, sowie einige wenige menschliche Kolonisten. Recht exzentrische Kolonisten, wenn man den Informationen der Galografiedatei, die er sich angesehen hatte, Glauben schenken konnte. Doch er rechnete auch gar nicht damit, sich viel mit der Bevölkerung beschäftigen zu müssen. Er war hier, um etwas ganz Besonderes zu finden. Etwas, nach dem er seit sehr langer Zeit suchte, ohne hoffen zu dürfen, es jemals zu finden. Doch jetzt empfand er zum ersten Mal seit Jahren wieder Hoffnung.

Die Frage war nur, ob das, was man ihm erzählt hatte, nicht bloß die zynische Provokation eines Sterbenden gewesen war - eine letzte Lüge, mit der er sich an dem jungen Mann, der für seinen Tod verantwortlich war, rächen wollte.

Ich weiß, wer dein Vater ist, hatte Theon al-bar Cocarol kurz vor seinem Ableben auf Visaria geflüstert. Der seinen Worten nach einzige Überlebende der abtrünnigen, verfemten Eugeniker von der Meliorare-Society hatte Flinx Experiment 12-A genannt, bevor er Gestalt! hauchte und dann unangenehmerweise verstarb. Die Versuchspersonen sollen nichts über ihre biologischen Erzeuger erfahren, war ihm zuvor noch zu entlocken gewesen.

Zur Großen Leere damit, war der erste Gedanke, der Flinx daraufhin durch den Kopf schoss. Während seiner lebenslangen Suche nach seiner Herkunft war er mehr als einmal in einer Sackgasse gelandet. Es wäre nichts als noch mehr Ironie in einem Leben, das ohnehin schon voll davon war, wenn der Hinweis eines sterbenden Ausgestoßenen sich ebenfalls als Irrweg erweisen würde.

Ähnlich bedeutsam waren die Worte, die der Wissenschaftler gewählt hatte, kurz bevor er starb: Ich weiß, wer dein Vater ist, hatte Cocarol verkündet, bevor er seinen letzten Atemzug tat. Ungeachtet des Augenblicks, in dem diese Worte erklungen waren, hatte Flinx das »Ist« genau gehört. Nicht »war«, »ist«. Ein so kleines Wort und doch ein so großes Versprechen. War es möglich, grübelte Flinx seit diesem kritischen und entscheidenden Moment immerfort, dass er nicht nur endlich mehr über die Identität seines Vaters erfahren, sondern diesen tatsächlich finden würde? Das war fast schon zu schön, um auch nur darauf zu hoffen.

Also hoffte er nicht. Er war schon viel zu oft enttäuscht worden, aber er gestattete es sich, in seinem Inneren einen kleinen Platz für diesen Wunsch zu schaffen, denn das musste er einfach tun.

Das Schicksal der Galaxis und all ihrer Bewohner - zivilisiert oder nicht - vor Augen hatten seine Mentoren Bran Tse-Mallory und Truzenzuzex vermutlich kein Verständnis für diesen Umweg. Selbst Clarity hätte es trotz der Liebe, die sie für ihn empfand, nicht ganz nachempfinden können. Doch sie hätte es verstanden. Auch wenn das Schicksal von so vielen auf dem Spiel stand, gab es private Dämonen, die besänftigt werden mussten, bevor sich Flinx vollkommen auf seine eigentliche Aufgabe konzentrieren konnte. Rette zuerst das innere Universum, sagte er sich, dann bist du in einer besseren Verfassung, um alles andere in Angriff zu nehmen.

Pip hatte sich in voller pink-grüner Länge auf der Konsole der Teacher ausgebreitet und hob jetzt den Kopf, um ihn anzusehen. Aufgrund der empathischen Verbindung, die zwischen ihnen bestand, spiegelte die Haltung der Minidrachendame die Unruhe ihres Freundes und Meisters wider.

»Bin ich egoistisch?«, fragte er das Schiff und äußerte seine unterdrückte Unruhe somit laut.

»Natürlich sind Sie das.« Die Teacher war auf viele Dinge programmiert worden, doch Zurückhaltung gehörte nicht dazu. »Das Schicksal der Galaxis ruht in Ihren Händen. Oder in Ihrem Geist, auch wenn es dafür keine passende Analogie zu geben scheint.«

»Aha. Angenommen, ich existiere in dieser hypothetischen Position, nur um nichts dagegen unternehmen zu können, unabhängig davon, was Bran und Tru zu denken scheinen.«

»Da es keine ermutigende Alternative gibt, müssen sie darin Zuflucht suchen, alle noch so aussichtslosen Möglichkeiten auszuloten. Und von diesen stellen wohl Sie die Vielversprechendste dar.«

Flinx nickte. Er erhob sich aus dem Kapitänssessel, ging zu der Konsole hinüber und strich abwesend mit der Hand über Pips Rücken. Die fliegende Schlange zitterte vor Wonne.

»Was denkst du?«, fragte er sanft. »Bin ich die letzte Hoffnung? Bin ich der Schlüssel zu etwas Größerem, etwas Mächtigerem, zu etwas, das mich in meinen Träumen besucht? Oder wie immer man diesen auf perverse Art veränderten Bewusstseinszustand nennen mag, in dem ich mich unbeabsichtigt befinde.«

»Ich weiß es nicht«, erwiderte die Teacher aufrichtig. »Ich diene, ohne vorzugeben, dass ich begreife. Ich kann Sie an jeden Ort bringen, den Sie aufsuchen wollen, nur nicht in die Region des Verstehens. Dieses Ziel wurde mir nicht einprogrammiert.«

Du mechanische Seele, dachte Flinx. Nicht dazu geschaffen, Urteile abzugeben. Da er auf keinen anderen überlegenen Intellekt zurückgreifen konnte, musste er sich auf sein eigenes Urteil verlassen. Seufzend hob er eine Hand und deutete nach vorn. Schon bald würden sie sich bei der Planetenkontrolle anmelden müssen, um in den Orbit eintreten zu können.

»Was ist mit dieser Kursänderung? Was denkst du darüber, dass ich meine Suche nach der Tar-Aiym- Waffenplattform vorübergehend unterbreche, um aufgrund der Informationen, die ich von diesem sterbenden Meliorare erhalten habe, hier nach meinem Vater zu suchen?«

Das Verständnis für gewisse Angelegenheiten war der Teacher zwar nicht einprogrammiert worden, doch ein gewisses Mitgefühl besaß sie durchaus. »Eine unerträgliche Zeitverschwendung. Ich habe aufgrund der mir verfügbaren Fakten und Variablen einige Berechnungen durchgeführt, und das Ergebnis ist kaum zufriedenstellend. Vergessen Sie nicht, dass der Mensch Cocarol nur einen letzten, gemeinen Witz auf Ihre Kosten gerissen haben könnte. Oder vielleicht wusste er gar nicht, was er sagte. Und selbst wenn, könnten sich die Umstände geändert haben, seitdem er sich das letzte Mal damit beschäftigt hat. Jede Information, die er über die Identität oder den Aufenthaltsort Ihres Vaters besaß, könnte inzwischen längst veraltet sein.

Und gleichzeitig kommt das, was sich momentan hinter der Großen Leere befindet, immer näher. Meiner Ansicht nach würden Sie Ihre Zeit sinnvoller nutzen, wenn Sie nach der verschwundenen, uralten Tar-Aiym-Waffenplattform suchen, die bislang unsere einzige Hoffnung auf ein Gerät darstellt, das mächtig genug ist, um es mit der nahenden Gefahr aufzunehmen. Ein Gerät, mit dem nur Sie bisher mentalen Kontakt hatten und den Sie auch als Einziger herstellen können.« Die sanfte und doch schroffe Stimme hielt kurz inne. »Ist es mir wenigstens gelungen, ein Minimum an Schuld bei Ihnen heraufzubeschwören?«

»Der Versuch ist wirklich überflüssig«, gab Flinx schnippisch zurück. »Du musst nichts auffrischen, was mich ohnehin niemals verlässt.«

»Zumindest diese Erkenntnis ist ermutigend«, erwiderte das Schiff. »Da Logik und Vernunft keine Wirkung zu haben scheinen, suche ich nach etwas, das funktioniert.«

In mancher Hinsicht war eine Unterhaltung mit der Teacher einfacher als mit einem Menschen. Das Schiff erhob beispielsweise nie die Stimme, und Flinx konnte die Diskussion jederzeit durch einen simplen Befehl abbrechen, wenn er den Wunsch...

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