Eine hanseatische Familie - Das Haus Leupolth Anno 1502-1777: 4 Romane der Historiensaga

 
 
Uksak E-Books (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 30. August 2020
  • |
  • 400 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7389-4426-6 (ISBN)
 
Eine hanseatische Familie - Das Haus Leupolth Anno 1502-1777: 4 Romane der Historiensaga von Tomos Forrest Über diesen Band: Dieser Band enthält folgende Romane von Tomos Forrest: Nur ein Grashalm im Wind Das Geheimnis des Buckligen Das Schwarze Gold Ahornblätter, rot wie Blut Anno 1502: Die beiden großen Handelshäuser der Familien zu Leupolth und Vestenberg sind dabei, ihre langjährige Rivalität beizulegen. Zum einen schließen die beiden Patriarchen einen Vertrag über die Einfuhr eines vollkommen neuen und Gewinn versprechenden Gewürzes ab. Dann soll die Vermählung Valentins mit Enndlin, der Tochter Vestenbergs, den neuen Pakt der beiden Häuser endgültig besiegeln. Alles scheint wunschgemäß zu verlaufen, nur aus der Faktorei in Sevilla kommt keine Ware mehr nach Nürnberg, schon gar nicht die sehnlichst erwarteten 'Muskatnüsse', die über Aufstieg und Fall des Handelshauses entscheiden können. So bricht der Patritzier Harlach zu Leupolth selbst nach Sevilla auf und gerät in die Hände eines gefährlichen und hinterlistigen Verbrechers. Doch auch in Nürnberg geht nicht mehr alles seinen gewohnten Gang, als Valentin zu Leupolth plötzlich der verführerischen Osanna Ortsee begegnet ... Anno 1502 beginnt die Familiensaga des Handelshauses Leupolth - geschrieben von Tomos Forrest.
  • Deutsch
  • 1,73 MB
978-3-7389-4426-6 (9783738944266)

Nürnberg, drei Monate zuvor

Es gab ein paar tolle Gerüchte, die von Mund zu Mund durch Nürnberg liefen und bald, wie es so schön hieß, von den Spatzen auf den Dächern gepfiffen wurden. Einige waren allerdings von diesen Gerüchten wenig begeistert, denn man mahlte sich sofort die Folgen aus. Danach bestand die nicht unberechtigte Hoffnung, mit der Vermählung von Valentin zu Leupolth und Enndlin Vestenberg die beiden mächtigsten Häuser der Stadt zu vereinen. Doch noch hatten die beiden Väter nicht mehr als ein erstes, behutsames Gespräch geführt, denn seit Menschengedenken waren diese beiden Familien verfeindet. Es waren viele Dinge geschehen, die zu einer zaghaften Annäherung geführt hatten, und letztlich gab Enndlin den Ausschlag, als sie in einem Gespräch unter vier Augen ihrem Vater das grundsätzliche Einverständnis zu dieser Verbindung gab, und der Vater der zukünftigen Braut zeigte sich sehr zuversichtlich.

"Man hat ja Augen im Kopf!", frohlockte Hieronymus Vestenberg und strich seiner schönen Tochter zärtlich über die Haare, was er für gewöhnlich selten tat.

"Aber du weißt hoffentlich, Enndlin, dass ich dich niemals zu einer Verbindung, die du nicht willst, zwingen würde."

"Ach, Vater!", seufzte die junge Frau. "Er ist sicher nicht der schlechteste Kerl in Nürnberg, und wenn es durch unsere Verbindung endlich Frieden zwischen den Familien gibt, dann will ich mit Freuden einwilligen!"

Bei diesen Worten zog eine leise Röte über ihre Wangen und verlieh ihr ein besonders liebliches Aussehen. Sie galt in Nürnberg als eine Schönheit, die sich zudem stets sehr vorteilhaft kleidete. Die Mode gestattete den Frauen figurbetonte Kleider, und Enndlin bevorzugte zu ihrem braunen Haar und den ebenfalls braunen Augen gern grünen Samt. Wie in ihren Kreisen üblich, trug sie ein ärmelloses Kleid, das Kirtle, mit dem durch Buckram und Stäbchen verstärkten Oberteil, das die Brust betonte. Darüber kam das eigentliche Kleid, das ziemlich eng saß und bei einer jungen, schlanken Frau den Körperbau betonte, und natürlich für bewundernde Blicke bei den Herren sorgte. Doch Enndlin Vestenberg verstand es auf geradezu unnachahmliche und zugleich natürliche Weise sich zu geben und mit ein paar schnellen Blicken aus glutvollen Augen zu kombinieren. Gab es einmal eine Gesellschaft im Hause Vestenberg und die Patrizierfamilien der Stadt kamen alle mit ihren heiratsfähigen Söhnen, dann mochten wohl viele von ihnen später schlaflos in ihrer Kammer liegen und von der schönen Enndlin schwärmen.

Ihre Haare trug sie als unverheiratete Frau meistens offen und lang auf ihre Schultern fallend. Wenn sie das Haus verließ, griff sie gern zu einem besonderen Kopfschmuck, den sie sich von einer ihrer Mägde nach ihren eigenen Entwürfen nähen ließ. Sie wirkte damit exotisch, wie eine geheimnisvolle Schönheit aus einem fernen Land.

Ihre Erscheinung erregte stets besondere Aufmerksamkeit, die jungen Männer blieben stehen, um ihr noch lange nachzusehen, und Enndlin Vestenberg war nicht so hochnäsig wie viele ihrer Altersgenossinnen, die stets so taten, als würden sie die bewundernden Blicke der jungen Männer nicht bemerken. Enndlin grüßte stets mit einem Lächeln, und verwirrte damit zusätzlich viele der Söhne aus gutem Haus, die ihr einmal etwas tiefer in die Augen geblickt hatten.

Das entscheidende Gespräch zwischen Vater und Tochter aber sollte nun erfolgen.

Der alte Vestenberg blickte liebevoll auf seine Tochter, die am Fenster gesessen hatte und die Stickerei in den Schoß sinken ließ, als ihr Vater in die gute Stube trat. Schon die Tatsache, dass der Kaufmann am frühen Nachmittag zu ihr kam, war ein Signal und hatte etwas Besonderes zu bedeuten. Als er dann nach vielem Herumreden endlich auf den Punkt kam und Valentin zu Leupolth erwähnte, lächelte die schöne Enndlin und der alte Herr spürte sofort, dass er nicht viel Überredungskunst benötigte.

"Ist ja auch ein stattlicher Kerl!", meinte er lächelnd. "Sicher misst er seine sechseinhalb Fuß."

"Ja, Vater!", antwortete Enndlin und lächelte etwas schelmisch, als sie ihm ins Gesicht sah. "Wenn er doch nur nicht immer mit diesem furchtbaren Metze Losekann unterwegs wäre. Ein Blick in das Gesicht dieses Mannes und ich habe das Gefühl, in einen Abgrund des Bösen zu schauen!"

Da musste Hieronymus Vestenberg nun doch laut auflachen.

"Oh, Mädchen, was ihr Frauenzimmer doch nur alles immer in den Gesichtern der Männer sehen wollt! Ein Abgrund des Bösen - nein, das ist dieser Metze sicher nicht, und schließlich hat ihm der liebe Gott sein Antlitz gegeben, für das er nichts kann!"

"Ha!", machte Enndlin und beugte sich wieder über ihre Stickerei.

"Was meinst du, Kind?", erkundigte sich der alte Kaufmann besorgt.

"Ach, es ist nichts weiter, Vater. Und ich muss ja nicht den verschlagenen Metze heiraten. Wenn wir erst einmal Mann und Frau geworden sind, werde ich ihn mir schon aus dem Hause zu halten wissen!"

"Oho!", rief ihr Vater fröhlich aus. "Da höre ich doch eine echte Vestenberg sprechen. Keine Sorge, mein liebes Kind, der Valentin wird dich schon auf Händen tragen!"

Darauf antwortete sie lieber nicht mehr, denn es war ihr nicht verborgen geblieben, welchen Ruf sich Valentin in der letzten Zeit erworben hatte. Sicher wurde vieles davon durch den Klatsch der Mägde aufgebauscht, denn sie hörten beim Wasserholen an den Brunnen alles Mögliche, was dann von Mund zu Mund weitergegeben und immer mehr ausgeschmückt wurde.

Zu gleicher Zeit, in der Hieronymus Vestenberg mit seiner Tochter sprach, stand Harpach zu Leupolth, der Vater Valentins, am Fenster seines Comptoirs und sah mit wohlgefälligem Blick auf das Treiben vor seinem Haus. Er hatte einige der alten Butzenscheibenfenster schon längst mit den teuren Zylinderglasscheiben ersetzen lassen, die ihm einen guten Ausblick ermöglichten. Zufrieden strich er seinen rötlichen Bart, der sein ganzer Stolz war. Er trug ihn anders als die meisten Kaufleute der Stadt, und auch das war eines seiner Charaktermerkmale. Nicht mit den anderen konkurrieren, sondern ihnen vormachen, was es bedeutete, ein zu Leupolth zu sein und damit seinen eigenen Modestil zu pflegen. Natürlich war das mit geschlitzten Ärmeln versehene Wams, seinem Alter angemessen, aus dunklem Samt geschneidert. Desto besser und auffälliger aber quoll der dunkelrote Stoff seines weit geschnittenen Hemdes daraus hervor und bot einen interessanten Kontrast zum Bart, den er in zwei spitz auslaufenden Enden als Gabelbart trug. Harlach war etwa so groß wie sein Sohn Valentin und hielt sich dabei immer noch sehr gerade, wenn er durch die Stadt ging. So waren sein schwarzes Samtbarett und der fuchsrote Gabelbart sein weithin sichtbares Erkennungszeichen, was jedoch nicht nur von Vorteil war. Harlach hatte sehr häufig Geld verliehen oder großzügig gestundet, was nun häufig dazu führte, dass seine Schuldner ihn schon von Weitem ausmachen konnten und rasch in eine Gasse abbogen, um unangenehmen Fragen auszuweichen. Harlach zu Leupolth sah stets großzügig darüber hinweg und fand zu einem späteren Zeitpunkt den Anlass, eine kleine Bemerkung im Gespräch fallenzulassen, dass man sich ja leider in der letzten Zeit mehrfach knapp verfehlt hätte.

Nachdem er kürzlich von Hieronymus Vestenberg erfahren hatte, dass ihr zukünftiges, gemeinsames Geschäft mit einem neuartigen Gewürz zustande kommen würde, weil der Konkurrent sich finanziell beteiligte, sah er nun der Nachricht von dem Gespräch mit dessen Tochter gespannt entgegen. Mit der Verbindung zwischen Valentin und Enndlin würde ein neues, mächtiges Handelshaus in Nürnberg entstehen, da konnte er die Gerüchte gern bestätigen, die ihm natürlich nicht verborgen blieben.

Trotz der erwarteten Zustimmung befand sich Harlach in großer Unruhe. Ihr wichtigster Handelspartner in Sevilla lieferte plötzlich nicht mehr, und aus dem Comptoir der Leupolths dort war keine Nachricht zu bekommen. Zwei Kuriere hatte der Patriarch bereits ausgeschickt, sie kamen mit leeren Händen zurück und berichteten, dass sie das Handelshaus fest verschlossen vorfanden und ihnen auf Nachfrage nur mitgeteilt wurde, dass der Kaufmann Richard von Oertzen, ihr Beauftragter in Sevilla, bereits vor Wochen mit unbekanntem Ziel abgereist sei. Voller Unruhe hatte sich der alte Harlach zu Leupolth nun schon entschlossen, selbst aufzubrechen, begleitet von zwei Kriegsknechten, und trotz seines Alters zu Pferd, damit man unterwegs beweglicher war, als mit einem der ungelenken, klobigen Fahrzeuge, über die das Handelshaus verfügte.

Auch der Vorschlag Valentins, ihn zu begleiten, wurde rundweg vom alten Herrn abgelehnt. "Wer soll sich denn um die Geschäfte in Nürnberg kümmern, Valentin? Willst du die Geschäfte allein Johann überlassen? Von mir aus gern, du weißt, dass er mein Vertrauen besitzt!"

Das hatte den Ausschlag gegeben.

Johann Eisfeld war der uneheliche Sohn Leupolths, noch zu Lebzeiten...

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