Immer wenn du schläfst

Psychothriller
 
 
Random House ebook (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 15. Januar 2018
  • |
  • 512 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-20198-2 (ISBN)
 
Nach einem Schicksalsschlag beginnt Carly Townsend ein neues Leben. In der Hoffnung, die schrecklichen Erinnerungen zurückzulassen, zieht die junge Frau in eine andere Stadt und geht wieder zur Uni. Eines Nachts kurz nach ihrem Einzug wacht Carly auf. Sie fühlt sich benommen, blickt in die Dunkelheit - und auf die Silhouette eines Mannes. Panisch tastet sie nach ihrem Handy, da ist der Mann plötzlich verschwunden. Eine Woche später dringt der Fremde erneut in ihre Wohnung ein, und Carly ist ihm schutzlos ausgeliefert. Doch niemand glaubt ihr - die Polizei findet keine Einbruchsspuren, alle Fenster und Türen sind stets verschlossen. Derweil ist sie allein - mit der Angst vor jeder kommenden Nacht ...
  • Deutsch
  • 0,70 MB
978-3-641-20198-2 (9783641201982)
3641201985 (3641201985)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Jaye Ford war Journalistin und Werbeberaterin, bis ihr mit 40 klar wurde, dass sie ihren Traum vom Schreiben nie würde realisieren können, wenn sie sich nicht sofort an den Schreibtisch setzen und mit ihrem Roman anfangen würde. Inzwischen wurde ihr erster Thriller Die Beute in sieben Sprachen veröffentlicht. Sie lebt zur Zeit mit ihrem Mann am Lake Macquarie in Australien.

1

Carly fuhr aus dem Bett hoch, taumelnd und wild im Dunkeln um sich greifend, hin- und hergerissen zwischen Kampf und Flucht.

Wo? Wo war er?

Mit aller Macht lauschte sie nach irgendwelchen Geräuschen und hörte das Hämmern ihres Herzens, das trockene Rasseln ihres Atems. Kein Klopfen, kein Rumpeln, kein Poltern. Das bedeutete verdammt noch mal überhaupt nichts.

Sie hatte ihr Handy in der Hand. Carly konnte sich nicht erinnern, danach gegriffen zu haben. Sie brauchte drei Versuche, um die Nummer zu wählen. Und es dauerte eine Ewigkeit, bis sich eine Stimme meldete. Am liebsten hätte sie geschrien, schaffte es, die Worte zu einem Zischen zu dämpfen: »Hier ist jemand in meiner Wohnung!«

»Hier ist die Polizei. Wir sind wegen eines Einbrechers in dieser Wohnung verständigt worden.«

Carly drückte den Mund an die Gegensprechanlage. »Ich. Von mir. Ich weiß nicht, wo er ist.«

Sie drückte auf den Türöffner für den Hauseingang. Wartete eine halbe Ewigkeit, ehe sie gedämpfte tiefe Stimmen draußen im Flur hörte, ein Klopfen an der Tür. Sie öffnete sie einen Spalt weit und erblickte zwei Uniformen. Männer, die Körpermitte wuchtig von all der Ausrüstung am Gürtel. Die Brustkörbe der beiden pumpten vom Spurt die Treppe herauf. Beide musterten sie kurz - nackte Füße, Flanellpyjama, einen Föhn in der Hand.

»Sind Sie verletzt?«, erkundigte sich der eine.

Steifes Kopfschütteln.

»Ist jemand bei Ihnen in der Wohnung?«

»Ich . weiß es nicht.«

Der Polizist warf über Carlys Schulter hinweg einen kurzen Blick in ihren Flur. Sein Kollege schaute den Hausflur hinunter, den sie entlanggekommen waren. Ein Funkgerät knisterte. Carlys Magen verkrampfte sich.

»Dürfen wir reinkommen?«, fragte der Polizist.

Ja bitte. Sie öffnete die Tür weit, sah Pistolen und Handschellen an ihren Gürteln. Der, der gesprochen hatte, fand die Lichtschalterleiste an der Wand und machte Licht im Flur. Carly kniff in der jähen Helligkeit die Augen zusammen; es juckte sie in den Füßen davonzulaufen.

»Bitte warten Sie hier, während wir die Wohnung überprüfen«, sagte er.

Ganz nahe bei der Tür, hinter bewaffneten Polizisten. »Okay.«

Sein Partner hakte ein Mikrofon von seiner Jacke los und sprach leise hinein, während er an ihr vorbeiging. Carly blieb an der Wohnungstür stehen, als die einsame Glühbirne im Wohnzimmer aufleuchtete. Zwei weitere Polizisten erschienen im Hausflur, ein Mann und eine Frau; sie nahmen Carly kaum zur Kenntnis, als sie hereineilten.

Sie schob sich an der Wand entlang hinter ihnen her. Keine gezogenen Waffen, keine Handsignale. Der eine stieg die Treppe zum Loft hinauf, ein anderer drehte den Schlüssel der Balkontüren um und trat hinaus. Die beiden anderen drückten gegen die Fenster zu beiden Seiten der Türen. War er dort hereingekommen?

»Wie lange ist es her, dass Sie ihn gesehen haben?« Es war der erste Polizist, zurück aus dem Loft.

»Ich .« Carly räusperte sich. »Wie spät ist es jetzt?«

»Drei Uhr zweiundzwanzig.«

»Als ich auf mein Handy geschaut habe, war es drei Uhr irgendwas. Und das war . eine Minute, glaube ich, nachdem . nachdem er .« Sie fasste sich an den Hals.

»Okay. Warten Sie hier.«

Er wandte sich ab und sprach rasch und undeutlich in sein Funkgerät. Ein kurzer Austausch mit den anderen Polizisten, Kopfnicken, ein paar gewechselte Worte, deutende Finger.

Carly zog sich das Oberteil ihres Pyjamas fest um den Brustkorb und lauschte den Satzteilen, mit denen sie um sich warfen: nähere Umgebung absuchen, ein Auto, Abkürzungen, die sie nicht ganz mitbekam, irgendetwas von wegen eine ruhige Nacht und noch mehr Kollegen, die kommen und die anderen Stockwerke absuchen würden. Sie schaute zu der trüben Nachtbeleuchtung vor ihrer Wohnungstür hinüber, zu der schwarzen Leere auf der anderen Seite des Treppengeländers. Ein fünf Stockwerke hohes altes Lagerhaus, das einen ganzen Block einnahm. Hier gab es tausend Verstecke.

»Sie können jetzt reinkommen«, sagte der erste Polizist, »hier ist niemand.«

Auf zittrigen Beinen ging Carly zur Küche, drehte den Wasserhahn auf und trank in großen Schlucken direkt aus dem Hahn. Die Nässe berührte das staubtrockene Innere ihres Mundes kaum. Heftig rieb sie sich die Wangen, schnappte sich ein Geschirrhandtuch, vergrub das Gesicht darin und brach in Tränen aus.

»Ist Ihnen kalt?«, erkundigte sich der erste Polizist.

Sie zitterte am ganzen Leib. An der kühlen Luft lag es nicht, doch sie nickte.

»Darf ich einen von meinen Kollegen bitten, ein paar warme Sachen für Sie zu holen? Einen Bademantel? Socken?«

Sie sah das fleckige Violett ihrer Füße, bevor ihr aufging, dass sie fast gefühllos waren. »Oben hängt ein Bademantel an einem Haken. Hausschuhe neben dem Bett.«

»Wie heißen Sie?« Er stand jetzt vor ihr, die Arme ein wenig erhoben, als würde er sie möglicherweise gleich auffangen müssen.

»Charlotte Townsend.« Nein, heute Nacht wollte sie nicht Charlotte sein. Charlotte war jämmerlich. »Carly. Nennen Sie mich Carly.«

»Carly, ich bin Dean, okay?« Dunkles Haar, nicht viel mehr als Stoppeln. Augen wie schwarzer Kaffee. Kein Jungspund: Mitte dreißig; seine Direktheit hatte etwas Freundliches.

»Okay.«

»Möchten Sie jetzt mal den Föhn weglegen?«

Sie hielt das Ding in der Hand wie eine rote Riesenpistole, mit der Mündung nach oben; das Kabel schleifte auf dem Boden. Jetzt kam sie sich blöd vor, aber loslassen konnte sie es nicht. »Ich hab sonst nichts gefunden, was als Waffe getaugt hätte.«

»Verstehe.«

»Falls ich jemandem eins verpassen müsste.«

»Mit dem Ding da könnte man ganz schönen Schaden anrichten.« Er fasste den Föhn ganz vorn am Rohr, zog ihn ihr aus den zitternden Fingern, als nähme er ihr eine Schusswaffe ab, und legte ihn auf den Küchentresen, wo er niemandem etwas tun konnte. »Warum setzen wir uns nicht hin?«

Durch ein Meer aus dunklen Uniformen ging sie wackelig zu dem kleinen Sofa hinüber. In ihrem grünen Pyjama mit den dicken weißen Schafen drauf fühlte sie sich beklommen und unsicher und kam sich lächerlich vor - eine Frau von dreiunddreißig, die allein lebte und zum Schlafen eine Schafherde anzog. Dean sprach leise mit den anderen Polizisten, und sie zerstreuten sich. Dann zog er ein Notizbuch hervor und setzte sich neben sie, Knie an Knie.

»Können Sie mir erzählen, was passiert ist, Carly?«

Sie rieb sich die Oberschenkel. »Ich bin aufgewacht und . und . ich .« Worte surrten in ihrem Gehirn, ihr Mund hatte Mühe, sie herauszulassen. Zeitraffer und Zeitlupe zugleich. »Er, äh .« Ihre eine Hand flatterte zwischen Hals und Wange. »Hat mich angefasst, und .« Sie verschlang die Finger zu einem Knoten. »Er ist weggegangen.«

»Sie waren in Ihrem Schlafzimmer?«

»Ja.« Ihre Hand zuckte über den Kopf, in Richtung des Zimmers im Loft.

»Und er hat Sie angefasst, als Sie aufgewacht sind?«

Bei der Erinnerung daran - an den Druck, die Liebkosung - schauderte sie unwillkürlich. »Er stand neben dem Bett.«

»Und dann hat er Sie angefasst?«

Sie drückte das Geschirrhandtuch gegen den Mund, bemühte sich, das Pulsieren und Toben in ihrem Inneren nicht hochkommen zu lassen. Die Erinnerung war unscharf und wirr, doch ihr Hals und ihre Wange brannten, als wären sie versengt worden.

Eine leichte Berührung an der Schulter ließ sie zusammenfahren. Die Polizistin hatte ihren Bademantel und ihre Schuhe gebracht. Darin war Carly wärmer, doch sie schlotterte immer noch. Sie klemmte die Hände zwischen die Knie, um das Zittern zu beherrschen.

»Dazu stelle ich Ihnen gleich noch ein paar Fragen«, meinte Dean, »aber zuerst möchte ich ein paar Infos an unsere anderen Streifen weitergeben. Können Sie den Mann beschreiben?«

Carly schüttelte den Kopf.

»Das ist schwer, ich weiß, aber eine Beschreibung ist wichtig.«

»Nein, ich meine, das kann ich nicht. Ich konnte nichts sehen.«

»Nehmen Sie sich einen Moment Zeit zum Nachdenken, Carly.«

»Ich brauche nicht nachzudenken«, fauchte sie. »Es war dunkel.«

Er nickte, als sei ihr Zorn völlig logisch. »Sie haben gesagt, er stand neben dem Bett. Wie haben Sie das gemerkt?«

»Ich hab ihn gesehen«, erwiderte sie, dann ging ihr auf, dass das blöd war. »Seine Silhouette.«

»Können Sie mir sagen, wie diese Silhouette ausgesehen hat?«

Sie kratzte sich die Handrücken. Steckte die Hände in die Bademanteltaschen. »Es war ein Schatten. Hat ausgesehen wie ein Schatten.«

»Ist ja gut, Carly. Ganz ruhig.« Er wartete kurz. »Draußen fahren Streifenwagen herum. Wenn der Einbrecher zu Fuß unterwegs ist, ist es möglich, dass jemand ihn sieht, wenn ich eine Beschreibung rausgeben kann. Okay?«

Sie nickte.

»Also, versuchen wir's mal. War der Schatten groß?«

»Er war .« Denk nach. »Groß genug, dass er .« Sie hielt sich die Hände vors Gesicht - so, wie sie wünschte, dass sie es getan hätte, als er da gewesen war. ». dass er sich über mich gebeugt hat. Und . und .« Er hatte auf sie geatmet. »Die Silhouette eines Menschen, und eher dünn. Jedenfalls nicht dick.«

»Wie sieht's mit der Kleidung aus? Was hatte er an?«

»Alles war schwarz. Er war eine schwarze Silhouette in einem schwarzen...

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