Schwester Ellies Traum vom Glück

 
 
Cora Verlag GmbH & Co. KG
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 12. Februar 2020
  • |
  • 130 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7337-2979-0 (ISBN)
 
Schwester Ellie weiß, dass sie nach einer Enttäuschung von Ärzten die Finger lassen sollte. Aber dann bittet ausgerechnet der neue Chirurg James Leonardi sie um ein Date. Ein Traummann, in den sie sich glatt verlieben könnte! Obwohl sie nie etwas mit einem Kollegen anfangen wollte ...

PROLOG

Das alte Gartentor in der Hill Street 71 quietschte, als Ellie es aufstieß. Sie nahm das Geräusch gar nicht wahr, so eilig hatte sie es heimzukommen. Durch die Tränen sah sie wie durch einen Schleier, deshalb brauchte sie mehrere Anläufe, um das Schlüsselloch der Haustür zu finden. Sie fühlte sich hundeelend, wollte nur noch die Bettdecke über den Kopf ziehen und sich vor der Welt verstecken.

Endlich gab die Tür nach, und Ellie stolperte ins Haus. Ihr war schlecht. Sie schaffte es gerade noch ins Badezimmer, bevor sie sich übergeben musste. Anschließend lehnte sie den Kopf gegen die kühlen Wandkacheln und fragte sich, ob ihr Magen das Abendessen schon vollständig losgeworden war. Das Fleischgericht, das sie bestellt hatte, vertrug sich nicht gut mit der Übelkeit, die seit Robs Ankündigung in ihr rumorte. Warum hatte sie sich überhaupt die Mühe gemacht, etwas zu essen?

Körperlich ging es ihr jetzt etwas besser, aber seelisch war sie am Boden zerstört. Sie ließ sich Wasser über das Gesicht laufen und putzte die Zähne, doch der Geschmack der Zahnpasta ließ sie erneut würgen. Schnell raffte sie mit einer Hand die blonden Haare im Nacken zusammen, dann musste sie sich auch schon das zweite Mal übergeben.

Nach der Spätschicht gingen Jess und Tilly gemeinsam vom Krankenhaus nach Hause in die Hill Street. Jess marschierte in die Küche, schaltete den Wasserkocher ein und suchte Brot, das noch keine Spuren von Schimmel aufwies. Eine von uns muss dringend einkaufen, dachte sie und schob ein paar essbar aussehende Scheiben in den Toaster.

Aus dem Badezimmer kam das Geräusch von laufendem Wasser und gleich darauf von jemandem, der sich erbrach.

"Ist das Ruby?", wunderte sich Tilly.

"Keine Ahnung", sagte Jess. Wenn vier, manchmal auch fünf Leute unter einem Dach wohnten, behielt man in all dem Trubel nur schwer den Überblick.

Tilly ging durch den Flur und klopfte an die Badezimmertür. "Ruby, bist du das? Alles in Ordnung?"

"Was machst du da?", ertönte Rubys Stimme hinter ihr.

Überrascht drehte sich Tilly um. "Wir dachten, du bist im Bad. Es klingt, als würde sich jemand übergeben."

Ruby kam die Treppe herunter. "Ich jedenfalls nicht. Aber Adam ist hier. Ich habe gehört, wie er nach Hause gekommen ist, und jemand war bei ihm."

"Vielleicht Ellie", mutmaßte Jess hoffnungsvoll. Sie wollte lieber nicht darüber nachdenken, wen Adam sonst mitgebracht haben könnte.

"Ellie ist zum Abendessen mit Rob verabredet", erwiderte Ruby.

Die Badezimmertür wurde geöffnet, und Ellie erschien, blass und zitternd. Die Wimperntusche hatte schwarze Flecken unter ihren Augen hinterlassen.

"Was machst du denn zu Hause?"

"Was ist aus dem Abendessen mit Rob geworden?"

"Ist dir übel?"

Ellie blickte von einer Freundin zur nächsten und machte den Mund auf, brachte aber keinen Ton heraus.

"Da stimmt etwas nicht." Ruby nahm Ellie bei der Hand, zog sie ins Wohnzimmer und bugsierte sie auf ein Sofa. Ellies Hände waren eiskalt. "Wir brauchen eine Decke. Ich glaube, sie steht unter Schock." Ruby konnte weder Kratzer noch Blut oder blaue Flecken bei ihrer Freundin entdecken. "Ellie, rede mit uns. Was ist passiert? Bist du verletzt?"

Jess brachte Taschentücher und legte Ellie eine Steppdecke um die Schultern. "Hattest du einen Unfall?"

Ellie schüttelte den Kopf. Ihr Körper war unversehrt, aber wie sollte sie erklären, was für ein Abend hinter ihr lag? Keine ihrer Mitbewohnerinnen wusste, dass sie von dem Mann, mit dem sie seit drei Monaten zusammen war, einen Heiratsantrag erwartet hatte. Keine wusste, was sie sich erhofft hatte oder wie ihre Welt auf den Kopf gestellt worden war.

Ihre Freundinnen setzten sich auf die anderen Sofas.

"Du siehst grässlich aus", stellte Tilly in ihrer nüchternen Art fest. "Was ist los?"

Wenn vier Frauen - und ein häufig abwesender Mann - zusammenlebten, gab es nur wenige Geheimnisse. Ellie wollte die Geschichte nicht verschweigen, bezweifelte jedoch, dass sie heute Abend von ihrem Reinfall erzählen konnte. Sie zog die Decke eng um sich und suchte Trost in der Wärme. "Ihr werdet sagen, dass ihr es mir prophezeit habt", meinte sie mit bebender Stimme.

"Natürlich tun wir das nicht", versicherte Jess.

Ellie blickte sie an. Tilly und Ruby waren mit Rob nie richtig warm geworden, deshalb versprach sie sich von Jess am meisten Mitgefühl. "Rob hatte mich zum Abendessen eingeladen. Ich dachte, er macht mir einen Antrag, aber er hatte eine andere Überraschung parat." Sie nahm ein Taschentuch und putzte sich die Nase. "Er ist verheiratet."

"Was?"

"Verheiratet?"

"Mistkerl", fauchte Tilly. "Ich hatte bei ihm gleich ein schlechtes Gefühl."

"Das hilft jetzt wenig." Jess wandte sich wieder Ellie zu. "Erzähl von Anfang an."

Ellie schniefte und nahm noch ein Taschentuch. "Rob wollte mich zum Essen ausführen, darum habe ich geglaubt, dieser Abend würde ein Meilenstein in unserer Beziehung sein. Ihr wisst ja, dass Rob nicht viel vom Ausgehen hält, sondern lieber zu Hause bleibt. Er sagt immer, dass er nach seinen langen Arbeitstagen ausspannen will und sein Privatleben kein Thema in der Klinik sein soll." Ellies Mitbewohnerinnen nickten. Sie kannten Rob. Er war Orthopäde am Eastern Beaches Hospital, in dem sie alle vier als Krankenschwestern arbeiteten.

Bisher hatte Ellie seine Gründe legitim gefunden. Jetzt fragte sie sich allerdings, ob er sie damit nur hatte täuschen wollen. "Ich dachte, wenn wir endlich richtig ausgehen, ist unsere Beziehung für Rob etwas Festes, über das jeder Bescheid wissen darf. Ich hielt es für ein gutes Zeichen und habe fest damit gerechnet, dass er mir einen Antrag macht - oder mir wenigstens vorschlägt, bei ihm einzuziehen. Dann hat er die Katze aus dem Sack gelassen: Seine Frau und seine Tochter fliegen nächste Woche aus Großbritannien her."

"Eine Tochter hat er auch?"

"Und du wusstest von nichts?"

"Natürlich nicht", antwortete Ellie scharf. "Glaubt ihr etwa, ich würde mich mit einem verheirateten Mann einlassen?"

"Nein." Ruby schüttelte den Kopf. "Aber wie hält man so etwas geheim?"

"Ganz einfach", meinte Tilly. "Man lässt Frau und Kind im Ausland."

"Aber er muss doch Fotos von ihnen in der Wohnung haben, Anrufe von ihnen bekommen und so was", überlegte Jess laut.

"Wegen des Zeitunterschieds und seiner Schichten im Krankenhaus war es wohl leicht für Rob, nie in meiner Gegenwart mit seiner Familie zu telefonieren", sagte Ellie. "Ich hatte keinen Grund zu vermuten, dass er lügt. Es gab keine Anrufe, er trägt keinen Ehering, und in seinem Appartement steht kein einziges Familienfoto."

"Hat er dir erzählt, warum die beiden ausgerechnet jetzt kommen? Er ist doch schon seit Monaten hier."

"Sie wollten das Ende des Schuljahres abwarten."

"Wie alt ist seine Tochter denn?"

"Keine Ahnung." Ellie war nicht scharf auf Einzelheiten gewesen. "Alt genug jedenfalls, um zur Schule zu gehen."

"Also hat er sich mit dir nur die Zeit vertrieben, bis seine Frau herfliegt?", fragte Ruby entsetzt.

"Ich wusste gleich, dass etwas bei ihm faul ist." Tilly klang, als hätte sie Rob liebend gern den Hals umgedreht.

"Na, dann wirst du das, was jetzt kommt, umso mehr genießen", meinte Ellie. "Er dachte, ich würde die Affäre mit ihm fortsetzen, wenn seine Frau hier ist."

"Du machst Witze! Hoffentlich hast du ihm ordentlich die Meinung gesagt."

"Und ob. Eine richtige Szene habe ich ihm gemacht. Ich wusste gar nicht, dass ich so etwas kann. Wahrscheinlich ist er mit mir in ein Restaurant gegangen, weil er dachte, da würde ich mich zusammenreißen." Ellie rief sich den Moment in Erinnerung und war froh, dass sie aufbegehrt hatte. Sie mochte sich zutiefst gedemütigt fühlen, aber wenigstens hatte sie das letzte Wort gehabt. Und so deprimierend der Abend auch gewesen war, so ging es ihr doch schon etwas besser, nachdem sie sich ihren Freundinnen anvertraut hatte. "Ich kann nicht fassen, wie dämlich ich war."

"Es ist nicht deine Schuld, Ellie. Rob hat dich belogen", tröstete Ruby.

"Menschenskind, seine arme Frau", warf Tilly ein.

"Wen interessiert denn seine Frau! Was ist mit Ellie?" Jess war stinksauer.

Tilly winkte ab. "Ohne ihn ist Ellie besser dran. Seine Frau hat weniger Glück; sie muss sich weiter mit ihm herumplagen."

"Aber ihr wisst doch, wie gern ich zu jemandem gehören möchte." Ellie streckte zum dritten Mal die Hand nach den Taschentüchern aus. "Ich hatte all meine Hoffnungen auf Rob gesetzt, und er hat mich zum Narren gehalten."

"Rob ist der Narr", widersprach Ruby. "Verschwende bloß keine Zeit damit, ihm nachzuweinen. Du lernst einen anderen Mann kennen. Einen, der dich verdient."

Jess nickte. "Der Richtige für dich ist irgendwo da draußen, und es lohnt sich, auf ihn zu warten. Wenn du ihn triffst, wird alles gut. Dann kriegst du dein Happy End."

"Ich dachte, Rob könnte der Richtige sein."

"Ist er nicht, Ellie, vertrau mir. Das wirst du erkennen, wenn du dem Mann begegnest, der für dich bestimmt ist." Ruby hatte mit Cort ihre große Liebe gefunden und glaubte, dass jeder Mensch irgendwann so glücklich sein würde wie sie selbst.

"Ich...

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