Reifezeit

Wie meine Mutter alt wurde - und ich erwachsen - Eine Liebeserklärung
 
 
Random House ebook (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 25. August 2011
  • |
  • 160 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-06340-5 (ISBN)
 
Zärtliche und humorvolle Hommage einer Tochter an ihre Mutter

SOPHIE FONTANEL ist beruflich erfolgreich und unabhängig. Ihr Leben ändert sich jedoch von Grund auf, als ihre 86-jährige Mutter zum Pflegefall wird. Die leicht skurrile alte Dame, die ihr Gedächtnis zunehmend im Stich lässt, nimmt sie fortan in Beschlag, strapaziert sie bis zum Äußersten - und bringt ihr Herz zum Schmelzen. Dieser Mutter, die nicht immer mütterlich war, schenkt Sophie alles, was sie hat: ihre Zeit, ihre Kraft, ihre Zuversicht, in einem gemeinsamen Kampf gegen das Unausweichliche.

Mit Esprit erzählt Sophie Fontanel, wie sich durch die Situation der Pflege die Beziehung zu ihrer Mutter von Grund auf wandelt: wie sie ihr in ihrer Hilflosigkeit und Angst zur Seite steht, und wie die langjährigen Spannungen zwischen Mutter und Tochter Gefühlen von bedingungsloser Liebe weichen. »Reifezeit « ist das zärtliche Porträt einer alten Dame an ihrem Lebensabend, und es ist die bewegende Schilderung eines Reifeprozesses, bei dem es Sophie gelingt, hinter allem Schmerz die Schönheit zu sehen und zu ihrer eigenen Stärke zu finden.



Sophie Fontanel lebt als Journalistin und Romanautorin in Paris. Sie arbeitet vor allem für große Frauenmagazine. Bekannt wurde sie durch ihre populäre Lifestyle-Kolumne »Fonelle« in der ELLE. Sie schrieb mehrere erfolgreiche Romane. Bei Kailash erschien von ihr »Reifezeit«.
  • Deutsch
  • 0,58 MB
978-3-641-06340-5 (9783641063405)
364106340X (364106340X)
weitere Ausgaben werden ermittelt
(S. 23-24)

Maria ist untröstlich. Diese Frau war durch nichts darauf vorbereitet, ein menschliches Wesen fallen zu lassen. Denn genau daran dachten wir beide, sie und ich, während wir meine Mutter unter großer Mühe zu dem mit einem Schutzlaken bezogenen Bett hinüberschleppten. Wie ich schon erwähnte, nährte meine Mutter selbst die Vision, in unmittelbarer Zukunft auf diese Weise zu sterben, nämlich indem sie den Lebenden aus den Händen glitt. Die Geschichte nahm in ihrer Vorstellung einen so ernsten Ausgang, dass sie eine ganz neue Autorität daraus bezog. »Lasst mich doch einfach … Kommt, lasst mich …«, erklärte sie immer wieder, wobei sie für nichts anderes mehr Augen hatte als das, was die Verdammten vor sich sehen.

Der Arzt war gekommen, aufgekratzter denn je, da er gerade in ein neuartiges Gerät zur Milderung erster feiner Fältchen bei jungen Frauen investiert hatte. Er war ein blendend aussehender Typ, der, berauscht von der Hoffnung auf eine goldene Zukunft, jeden Kampf zu gewinnen trachtete … »Wie könnte man es ihm verdenken, dass er sich für den angenehmen Weg entscheidet?«, hatte meine Mutter einmal bemerkt. Er stand mit der Antriebslosigkeit alter Leute auf Kriegsfuß. Und sein Beitrag war damit genauso unproduktiv wie mein eigener angesichts der Antriebslosigkeit meiner Mutter.

So konnte er beispielsweise keinen Krankenwagen rufen, da man einen alternden Menschen nicht in die Notaufnahme bringt. Sie war ja nicht krank. Man musste auf einen Bruch, auf klare Fakten hoffen, die das abstruse Drama dieses langsamen Verfalls ablösen würden. »Man sollte darüber nachdenken, sie in ein Heim mit medizinischer Betreuung zu ­geben«, hatte er schließlich vorgeschlagen, den Fuß bereits auf der Schwelle. Ich dachte an die Male zurück, die wir meine Mutter ins Krankenhaus hatten bringen und sie aus ­ihrer vertrauten Umgebung herausreißen müssen.

Sooft die zwei zuständigen Sanitäter die schmale Bahre hochgenommen hatten, auf die man sie zwangsverfrachtet hatte, hatte ihr flehender Blick nicht mir, sondern ihrer Wohnung gegolten. Ich wollte diese Situationen nicht mehr. Zur Enttäuschung des Arztes weigerte ich mich, die Prospekte entgegenzunehmen, die er mir hinhielt. Darin waren unter anderem die Häuser mit medizinischer Betreuung in Paris aufgelistet. Er schüttelte mir die Hand, und ich wusste, dass dies die Sorte Abschied war, die man von jemandem nimmt, für den man nichts mehr zu tun vermag.

Als der Arzt gegangen war, war unser letztes Fünkchen Hoffnung verflogen. Marias Schluchzen in der Küche war der reinste Fado, auch wenn sie sich darum bemühte, leise zu weinen, um meine Mutter nicht noch weiter zu deprimieren. Ich versprach, dass man mit etwas Phantasie eine Lösung finden werde. Ich stellte meiner Mutter Hilfe in Aussicht, umfassende Hilfe. Binnen einer Woche holte ich zwei weitere Personen mit ins Boot, deren Unterstützung sich als so wertvoll erwies, dass ich mich fragte, wie wir bloß so vermessen gewesen sein konnten zu glauben, wir würden ohne sie auskommen. Ich machte einen Facharzt für Geriatrie ausfindig, der mit dem Thema eingehend vertraut war.

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