Über den Tag hinaus

Historische Notizen von der unteren Saar
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 2. Auflage
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  • erschienen am 14. November 2018
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  • 268 Seiten
 
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978-3-7481-3587-6 (ISBN)
 
Das Buch enthält eine Sammlung von 27 historischen Beiträgen zur Geschichte der unteren Saar mit Schwerpunkt im Merzig-Mettlacher Raum. Das Spektrum der Inhalte ist weit gefasst und betrifft alle großen Geschichtsepochen. Die leicht lesbaren Darstellungen gehen entweder von heute Erlebbarem aus oder führen dorthin. So wird Geschichte nicht als etwas Fernes erfahren, sondern zeigt sich im Ergebnis als Teil der Lebenswirklichkeit von heute.
2. Auflage
  • Deutsch
  • 30,56 MB
978-3-7481-3587-6 (9783748135876)
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Studiendirektor a. D., Autor zahlreiche Fach- und Sachbücher

Leben vom Fluss - Leben mit dem Fluss


An den Ufern der Saar zwischen Dreisbach und Mettlach

Ein besonderer Flussabschnitt

Die Saar zwischen Dreisbach und Mettlach - der Bereich ihrer berühmten großen Schleife - spielte und spielt aus mancherlei Gründen im Bewusstsein und in der Erinnerung vieler Menschen, vor allem aber im Leben der Anwohner dieses Flussabschnitts, eine besondere Rolle.

Touristen, Wanderer und Wassersportler lockt heute der Reiz der grandiosen Landschaft und vergnügt sie für einige Stunden. Für die Menschen, die seit der Römerzeit hier lebten, aber war der Fluss über Jahrhunderte ein Teil ihres Lebens, für die meisten die Lebensgrundlage.

Die schmalen Uferzonen ließen entweder gar keine oder nur stellenweise einige Besiedlung zu, geschweige eine nennenswerte Landwirtschaft oder größeres Gewerbe, von denen viele Menschen hätten leben können. In den Ansiedlungen mussten sich die Häuser meist ganz dicht ans Ufer drängen. So ergab sich hier natürlicherweise, geradezu zwangsläufig, eine enge Verbindung der Menschen zu ihrem Fluss. Die Anwohner waren damit auf die Möglichkeiten verwiesen, die der Fluss ihrer Lebensgestaltung bot und ließ. Sie waren aber auch den Mühen, Lasten und Gefahren ausgesetzt, die der Wasserlauf mit sich brachte.

Die wirtschaftliche Abhängigkeit verlor sich erst im Zuge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert, als sich andere Erwerbsmöglichkeiten eröffneten. Mit dem Bau der Brücken in Mettlach (1886) und Besseringen (1903) gab es für die Überquerung der Saar mit größeren Lasten eine wesentliche Erleichterung.

Die Bedeutung des Flusses für seine Anwohner nahm auf diese Weise mehr und mehr ab. Was bis in unsere Zeit blieb, war das Hochwasser. Durch den Saarausbau und flankierende Schutzmaßnahmen scheint nun auch diese Gefahr weitgehend abgewendet zu sein.

So hat der "gezähmte" Fluss entlang der Saarschleife für die Anwohner praktisch nur noch Bedeutung in seiner Nutzung für Freizeitgestaltung, Sport und Erholung, Funktionen, die bereits ab etwa der Wende zum 20. Jahrhundert eine stets wachsende Wichtigkeit für diesen Landstrich bekommen hatten. Der Saarausbau unterbrach diese Entwicklung für etliche Jahre, um dann aber aufgrund der begleitenden Infrastrukturmaßnahmen (z. B. dem Straßen- bzw. Wegebau auf beiden Uferseiten) ein verstärktes Interesse an dieser Freizeitlandschaft auszulösen.

Die Restaurierung der Burg Montclair hat den Zustrom von Besuchern in die Region weiter verstärkt und das Bedürfnis wieder wachgerufen, den Burgberg auch von der linken Saarseite im Saarschleifenbereich aus erreichen zu können. Dies war vor dem Saarausbau von Steinbach aus mit einer Personenfähre möglich gewesen.

1994 wurde an diese Tradition auf Initiative der Gemeinde Mettlach angeknüpft. Seit diesem Zeitpunkt verbindet die Motorfähre "Welles" in Steinbach wieder beide Ufer der Saar miteinander.

Die Schifffahrt

Der heutige Motor-Schiffsverkehr auf dem kanalisierten Saarabschnitt ist mit der Saarschifffahrt von einst kaum noch zu vergleichen. Die Lastkähne des modernen Flussschifffahrtsverkehrs gleiten in rascher Fahrt aus eigener Kraft an den Uferorten vorbei. Sie haben für die Menschen dieser Orte keine wirkliche Bedeutung mehr, allenfalls noch als Kulisse und Staffage.

Abb. 1 Blick über die Saar zum Dreisbacher Ufer um 1930

Abb. 2 Die Saar bei Dreisbach heute

Abb. 3 Blick vom Montclair-Berg auf das Saartal bei Dreisbach (1950)

Abb. 4 Blick vom Montclair-Berg auf das Saartal bei Dreisbach heute

Ganz anders die Treidelschifffahrt früherer Jahrhunderte. Vielfältig waren die Beziehungen der Menschen am Fluss zu diesem Gewerbe. Es sicherte in Dreisbach und Steinbach traditionell mehreren Schiffer- und Schiffseignerfamilien ihren Lebensunterhalt.

Die Bewohner konnten den langsamen Treidelzug beobachten, erleben, wie das oft schwierige Zusammenwirken von Schiffern und Halfen mit ihren Zugpferden ablief. Gerade im Saarschleifenbereich stellte der "Welles" das Können der Schiffer und Halfen auf eine äußerst harte Probe. Der "Welles" war ein felsiger Abschnitt im Fluss hinter dem Scheitel der Saarschleife mit starker Strömung, Untiefen und Riffen im Fahrwasser. Nicht selten wurden Frachtschiffe an den Klippen beschädigt, sie verloren auch Ladung oder zerschellten gar. Von dramatischen Rettungsaktionen wird berichtet.

Werner Böcking teilt in seinem Buch "Schiffe auf der Saar" mit, dass 1828 der Saarbrücker Abgeordnete Schmidtborn in der Ständeversammlung der Rheinprovinz einen Antrag auf Verbesserung der Saar-Schifffahrt gestellt habe. Die Klippen zwischen Trier und Saarlouis seien nicht nur hinderlich, sie hätten auch zu Schiffs-Havarien geführt, bei denen beladene Frachtschiffe gesunken seien, wobei natürlich auch Schiffer ertranken.

Als Beispiele zählt er die Schiffer Johann Fischer aus Saarbrücken und Birkenauer aus Merzig an, deren Schiffe 1824 im "Welles" gesunken seien. Die gleiche gefährliche Stelle sei 1826 den Schiffern Marx und Görgen aus Trier zum Verhängnis geworden. Aus dem Jahr 1841 wird von drei, 1843 von zwei Schiffsuntergängen im "Welles" berichtet. Mehrere Sagen ranken sich um den "Welles". Karl Lohmeyer hat sie im Buch "Die Sagen der Saar" festgehalten.

Abb. 5 Treidelschifffahrt flussauf mit drei Pferden an langem Schleppseil (um 1750)

Abb. 6 "Halfe mit Pferd auf Zug"

Abb. 7 Schiff im "Welles" (um 1830)

Der Anstau des Wasserspiegels in der Saarschleife durch den Bau des Stauwerks bei Mettlach 1925 um 2,70 m setzte die gefährliche Stelle zu diesem Zeitpunkt gänzlich unter Wasser. Der Saarausbau in den 1980er Jahren hat den Wasserspiegel weiter erhöht, sodass der "Welles" für die moderne Schifffahrt keine Gefahr mehr darstellt.

Die Halfenhäuser

Andere Zeugnisse der lebendigen Beziehungen zur ehemaligen Schifffahrt in Dreisbach und Steinbach waren die Halfenhäuser, in denen die Halfen (Helfer der Schiffer) mit ihren Pferden Rast machten oder übernachteten. Es gab hier nicht weniger als vier, zwei in Dreisbach und zwei in Steinbach. Alle sind inzwischen verschwunden oder lassen ihre ursprüngliche Funktion nicht mehr erkennen.

Das letzte Dreisbacher Halfenhaus ist im Frühjahr 1990 von seinem Eigentümer wegen Baufälligkeit beseitigt worden, ohne zu wissen, dass es seit 1984 unter Denkmalschutz stand. Das innen ansehnliche Haus war zu Beginn des 18. Jahrhunderts erbaut worden und reihte sich in die Häuserzeile am Saarufer ein. Es ist auf der vorstehenden Abbildung 1 ganz links und der Abbildung 3 in der Mitte rechts neben der Baulücke zu sehen.

Abb. 8 Die Motorfähre "Welles" an der Saarschleife

Abb. 9 Lastschiffsverkehr in der ausgebauten Saarschleife

Abb. 10 Neue Möglichkeiten: Passagierschifffahrt bis hin zum Fluss-Kreuzfahrtschiff

Das zweite Dreisbacher Halfenhaus war das ehemalige Haus Hoffmann, das Eckhaus neben der vormaligen Gastwirtschaft Johannes. Nach einem Brand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde es zu einem Wohnhaus umgebaut.

Zu den beiden Halfenhäusern in Steinbach können Sie im Folgenden Näheres unter den Titeln "Alte Mühle oberhalb Mettlach" und "Im Zeichen von Ruder und Dau-Baam" lesen.

Das St. Nikolaus-Patronat

Während die Dreisbacher Halfenhäuser verschwunden sind, ist eine andere Wirkung der Schifffahrtstradition des Ortes noch lebendig und in Erinnerungsstücken fassbar: das Patronat des hl. Nikolaus für den Schifferberuf.

So hatte die 1881 abgerissene erste Dreisbacher Kapelle den hl. Nikolaus zum Patron. Pfarrer Christoph Schauffler von der alten Pfarrei St. Gangolf am Südhang des Montclair-Berges schreibt 1885 hierzu in seinen handschriftlichen Aufzeichnungen "Geschichtliche Notizen über Dreisbach": "Eine Kapelle (Oratorium) bekam das Örtchen Dreisbach im Jahre 1701. Sie stand in der Mitte des Dorfes zur Saarseite in der Nähe der Fähre . Auf dem Altar war ein Aufsatz mit dem auf Holz roh aufgemalten Bild des hl. Nicolaus . Das Bild (eine Statue; eig. Anm.) des hl. Nicolaus war über die Tür eingesetzt und wurde von den vorüberfahrenden Schiffern mit Hutabnehmen begrüßt. Nach dem Abbruch der Kapelle fand das Bild an der Frontseite des ersten Hauses eine passende Stelle . Am Fest des hl. Nicolaus wurde auch eine hl. Messe für die Gemeinde gesungen. Wegen zu großer Feuchtigkeit wurde die Nicolaus-Messe nach St. Gangolf verlegt."

Die oben erwähnte Nikolaus-Statue vom Kapelleneingang gibt es heute noch. Die erste Station ihres Schicksals nach dem Abriss der Kapelle ist im obigen Zitat bereits angedeutet worden: Sie erhielt an der Frontseite des Hauses Nr. 1 - Johann Palz-Kiefer - in einem Gehäuse aus...

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