Dennis Hopper

Die Biografie
 
 
Blessing (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 28. Mai 2013
  • |
  • 416 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-10273-9 (ISBN)
 
Die Biografie des letzten wahren Hollywood-Rebellen.

2010 verstarb Dennis Hopper, bevor der maßgebliche Rebell Hollywoods eines seiner letzten Projekte inszenieren konnte: seine Autobiografie. Dank Bestsellerautor Tom Folsom liegt dieses große Werk nun vor: die außergewöhnliche Geschichte eines kleinen Jungen aus dem tiefsten Kansas, der - immer seine eigenen Bilder vom American Dream vor Augen - zu einem der größten Schauspieler, Regisseure und Künstler des 20. Jahrhunderts wurde. James Dean, Elvis Presley und John Wayne, Andy Warhol, Jack Nicholson und Charles Manson - die Liste der Persönlichkeiten, die Hopper prägte und die ihn prägten, ist lang. Dabei blieb Hopper immer nur den Regeln treu, die er sich selbst geschaffen hat. Wegbegleiter, Widersacher und Freunde Hoppers - wie Easy-Rider- Kollege Peter Fonda und Kult-Regisseur David Lynch - gaben Tom Folsom ihre Erfahrungen mit diesem manischen Perfektionisten, hochsensiblen Denker und ikonoklastischen Genie zu Protokoll. Dennis Hopper - Die Biografie ist eine wilde Fahrt durch die prägenden Epochen amerikanischer Kino- und Kunstgeschichte.

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Blessing
  • 14
  • |
  • 14 s/w Abbildungen
  • |
  • 16 S. s/w Abbildungen
  • 4,48 MB
978-3-641-10273-9 (9783641102739)
weitere Ausgaben werden ermittelt

KANSAS

Ein prächtiger peruanischer Abend. Dennis Hopper steckte sich eine Zigarette an. Schick, drahtig und reichlich verrufen, ein gut aussehender Gentleman mit Stetson, der auf der Rückseite der lichtgrünen Anden zu Tal preschte und dabei mit viel Geschick seinen schlammverschmutzten roten Ford Pick-up um die steil abfallenden Haarnadelkurven manövrierte. Auf der Seite des Wagens prangte sein persönliches Motto: KANSAS – HOLLYWOOD, CAL. BROKEN BONES BUT RARIN’ TO GO! Sein Beifahrer, ein Journalist von LIFE, gierte nach dem Exklusivknüller für die groß anlegte Titelgeschichte über das, was dieser manische Schauspieler – über Nacht weltweit berühmt geworden als der Chopper lenkende, rebellische LSD-Freak, der für den phänomenal erfolgreichen Film Easy Rider verantwortlich war – am Arsch der Welt trieb, zugekokst wie ein Irrer und umringt von einer Horde bulliger psychedelischer Cowboys, die ihn für ein Genie hielten oder gar für eine Art Messias.

Als trachtete er danach, das neue Jahrzehnt, die Siebziger, einzuläuten, hatte Hopper im beseelten Alter von dreiunddreißig Jahren auf dem Berg eine sonderbare Welt erbaut, deren wahre Bedeutung allein er zu kennen schien. Sie befand sich viertausend Meter über dem Meeresspiegel in dem uralten Dorf Chinceros, das von eingeborenen Indios bewohnt war, die sich genauso wenig vorstellen konnten, was in seinem Kopf vorging. Jahrhunderte zuvor waren sie von den Konquistadoren überrannt worden. Und jetzt kam Hopper, der ihr Dorf praktisch über Nacht in eine Grenzstadt des Wilden Westens verwandelte. Er ließ Pferde – ganze Herden – und Sättel den Berg hinaufschaffen. Er flog vierschrötige Männer ein und kleidete sie in verschiedenste Cowboyklamotten. Er ließ Kulissen aus B-Western den Bergpfad hinaufschleppen, darunter eine Art spiritualistischen Tempel namens Jimmy’s Place, auf dessen Fensterscheibe der Ausspruch REMINDS YOU OF YOUR DESTINY (Gemahnt dich an dein Schicksal) gepinselt war. Was zum Teufel sollte das alles?

Der Journalist klammerte sich todesmutig im Pick-up fest, als Hopper mit seiner Story loslegte, einer seltsamen und verzwickten Geschichte über superheldenhafte Höhen und dekadente Tiefen. Sie nahm ihren ziemlich unschuldigen Anfang in Kansas, ungefähr zu der Zeit, als die Sandstürme der Dust Bowl es sich dort bequem eingerichtet hatten. Während ihrer fulminanten Blütezeit erklärten billige Schmöker in aller Welt Dodge City zur »verworfensten Stadt in Amerika«, Endstation der Viehtriebe für Horden von Cowboys, die darauf erpicht waren, es krachen zu lassen, nachdem sie die Longhorn-Rinder aus Texas hergebracht hatten – und eine ganze Menge Ärger gleich mit. Es bedurfte der schnellsten Revolver des Westens, für Frieden zu sorgen, der legendären Helden der Schießerei am O. K. Corral in Tombstone, Arizona – Wyatt Earp und sein schwindsüchtiger Kumpan Doc Holliday. Wen das Gesetz nicht vertrieb, den vertrieb damals, als Hoppers Story begann, ganz bestimmt der Staub.

An einem sonnigen Samstagmorgen im April 1939 holte die alte Rinderstadt mit Stolz ihre Stiefel hervor und tat ihr Bestes, so wüst auszusehen, wie es wüster nicht ging. Die Handelskammer forderte »Keep Your Whiskers« (Erhaltet eure Bärte) und lobte einen Zweihundert-Dollar-Preis für den schönsten Bart aus, einen, der an die haarigen Tage im alten Dodge gemahnte.

Abb. 2: Premiere von Dodge City, Kansas, 1939

Alle kamen sie aus ihren Häusern, darunter auch die Familie Hopper mit dem kaum dreijährigen Dennis, der die wilden Typen in Büffelleder bestaunte, die den geschniegelten Herren mit ihren Zwirbelbärten die Aufmerksamkeit stahlen. Wie Statisten nahmen sie allesamt ihre Positionen am Bahnhof ein, umgeben von Zehntausenden Gesichtern aus allen Ecken des Landes, die nach jahrelangem Leiden unter den sonnenverfinsternden Staubstürmen endlich ein bisschen Bräune zu ergattern suchten. Unaufhaltsam verrannen die Sekunden bis zur Ankunft der Schauspieler. Für immer und ewig würde sich die Stadt an Dodge City, den Film, als das Großartigste erinnern, das in Dodge jemals geschehen war und selbst die geschichtsträchtigen alten Tage in den Schatten gestellt hatte.

Kurz nach zehn stürmten dreißig Kunstflieger der Wichita Aeronautic Society über den Himmel. Die Band stimmte »Oh! Susanna« an, als der stahlblaue »Warner Bros. Special« auf den Schienen der Santa Fe Railroad herandampfte. Aus dem extravaganten Zug mit seinen siebzehn Wagen, darunter acht luxuriös ausgestattete Pullmans, stieg eine bizarre Auswahl von gefragten Hollywood-Größen wie Humphrey Bogart – und manchen nicht so gefragten wie der exotischen Lya Lys, die in L’Age d’Or, einem Meisterwerk des surrealistischen Films, an der Alabasterzehe einer Venusstatue gesaugt hatte. Der volltrunkene ehemalige Weltmeister im Halbschwergewicht, »Slapsie« Maxie Rosenbloom, torkelte aus dem Gepäckwagen, den man so herausgeputzt hatte, dass er wie der Lady Gay Saloon aussah, die berüchtigte Schenke im »trunksüchtigen Babylon der Westgrenze«, als das Dodge City bekannt war, bevor es knochentrocken wurde. Eine Auswahl bekannter Scharfschützen aus B-Movies drängte sich ans Tageslicht, Hoot Gibson und Buck Jones mit seinem weißen »Zehn-Gallonen-Hut«. Bucks treues Ross Silver tänzelte aus dem Tierwaggon. Zwischen Oma und Mama erhob sich die getuschelte Frage, ob er wohl tatsächlich aus Kalifornien käme, um sie zu besuchen.

Und schließlich erschien er, der Star mit dem bleistiftdünnen Schnurrbart, im Beifallssturm seiner Fans auf dem Bahnsteig.

»Ich weiß noch, wie Errol Flynn nach Dodge City kam«, sagte Hopper, und sein Leben lang erzählte er Freunden und Journalisten die Geschichte. »War ’ne ganz große Sache.«

Als Star in Hoppers frühesten Erinnerungen brachte der verwegene Hollywood-Libertin mit seinem strahlenden Lächeln Scharen junger Mädchen zum Schmelzen, die ohnehin schon vor Aufregung glühten, wie von Sinnen winkten und sich kreischend um seine Aufmerksamkeit rissen. Nur mit größter Mühe waren sie von sechs Kompanien der Nationalgarde an den Absperrungen in Schach zu halten. Eines Tages, wenn Dennis erwachsen war, würde auch er vielleicht in einer Wildlederjacke in die Stadt einziehen, hoch zu Pferde.

Auf einem Schimmel und einem 25 000-Dollar-Sattel, handgefertigt in Schwarz und Silber, in Auftrag gegeben von der Santa Fe Railroad, führte Errol Flynn die Parade an, gefolgt von einer Planwagenprozession, von fünfundzwanzig drallen Bauernkindern auf Shetlandponys, Einradfahrern, mit Melonen behütet, und Würdenträgern – darunter drei Gouverneure, Franklin D. Roosevelt Jr. und Miss Mary Jean Frankenberger, eben erst am Junior College von Dodge City zur »Cowgirl-Königin« gekrönt. Sie trug ihre weißen Stiefel.

Westlich von Chicago

Gab es kein Gesetz!

Westlich von Dodge City

GAB ES KEINEN GOTT!

Im Dodge Theater, dem prunkvollen Filmpalast der Stadt, dessen Fassade im Lichterglanz erstrahlte, stellte Errol Flynn in derselben fransigen Wildlederjacke, die er auch als Darsteller getragen hatte, den Film Dodge City (Herr des wilden Westens) vor. In Bildern wurde darin erzählt, wie die Santa Fe Railroad bis an die Grenze vorstieß und dort einen Tummelplatz für Horden von bösen Buben schuf, die geradezu darum bettelten, vom einsamen Cowboyhelden Flynn niedergeschossen zu werden. Die ganze Nacht lang folgte Vorstellung auf Vorstellung, und wieder und wieder ritt Flynn als Speerspitze in die untergehende Sonne, flankiert von seinem Mädchen, der lieblichen Olivia de Havilland. Nachdem er die lange vergessenen Ruhmestage von Dodge auf so triumphale Weise hatte wiederauferstehen lassen, zockelte der wahre Errol Flynn bei Sonnenuntergang aus dem Bahnhof, den Ehrenschlüssel zur Stadt in Händen; mit ihm reisten Hoot und Buck sowie der treue Silver in seinem Tierwaggon.

»Jedenfalls sind sie hergekommen«, sagte Hopper von jenen Kinocowboys und deutete damit an, warum er zu dem wurde, was er ist. »Sie hatten wahrscheinlich viel damit zu tun, dass ich Schauspieler werden wollte.«

Kein einziger Cowboy war am Montagmorgen auf den einsamen staubigen Straßen zu finden, als Dodge City, Einwohnerzahl neuntausend, wieder zum Leben erwachte – der gestrige Tag, an dem es von Zehn-Gallonen-Hüten wimmelte, hatte hinterlassen, was einem verwaisten Drehort glich.

Mit silbernen Zündplättchenpistolen lieferte sich der kleine Dennis mit dem älteren Jungen, der gegenüber von Opa Hopper wohnte, Pistolenduelle zwischen Cowboy und Indianer. Bei dem Gedanken an seinen frenetischen Spielgefährten auf dem Dreirad und mit dem Mini-Cowboyhut auf dem Kopf erinnerte sich Leonard Fowler: »Meistens wollte Dennis der Cowboy sein.«

~

»Also, als ich klein war, wohnte ich auf einer Farm in der Nähe von Dodge City, Kansas«, fuhr Hopper in seinem typischen hohen und näselnden Tonfall fort, während es mit lautem Röhren den Berg hinunterging. In seiner Geschichte für den Journalisten von Life machte er einen Zeitsprung. »Rundherum Felder, so weit man sehen konnte. Keine Nachbarn, keine anderen Kinder. Nur der Zug, der einmal am Tag durchkam.«

Der Knirps von der Farm hockte auf dem Land seiner Großeltern in einem Graben; der Wind rauschte, und der Himmel von Kansas wölbte sich über ihm. Bei ihm lag sein treuer Hund mit dem Fleck über dem Auge. Die Gleise der Santa Fe Railroad trennten das...

"Tom Folsom hat sich vom Zeitgeist und der Faszination dieses wüsten Lebens anstecken lassen, aber er hat sich nicht den Blick vernebeln lassen ..."
 
"Folsom nähert sich dem Maniac auf kongeniale Weise, in einer vorwärtsdrängenden, mitunter fiebrigen Sprache und mit einer beinahe romanhaften Darstellung."
 
"Eine Geschichte voller Rock'n Roll, die man kaum aus der Hand legen kann, so gut ist sie geschrieben."
 
"Die Biografie ist die Geschichte eines Rebellen. Der hätte sich über das Buch bestimmt mit einem 'Wow!' amüsiert."
 
"Folsom hat seinen Hopper studiert. Wie ein Method-Actor. Er schreibt nicht über Dennis Hopper, er IST Dennis Hopper."
 
"Er war, so viel ist sicher, eine der faszinierendsten Figuren des Film-Business. Das spannende Buch wird ihm in allen seinen Facetten gerecht."

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

11,99 €
inkl. 19% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen