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neobooks Self-Publishing
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 15. August 2019
  • |
  • 398 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7485-5861-3 (ISBN)
 
Ein einziger Moment verändert radikal das Denken von Franka, die anstelle ihrer Schwester einen Wochenendausflug mit Freunden in die Schweizer Alpen unternimmt. Eine Schneelawine ist die erste Welle von mehreren Geschehnissen, die Franka ihr Lebenskonzept neu überdenken lassen. Die will nun in Zukunft nie wieder etwas auf die lange Bank schieben. Von entsetzlichem Liebeskummer gepeinigt, flieht sie nach der Rettung in die Abgeschiedenheit eines buddhistischen Frauenklosters in Nordasien. Nach über einem Jahr ereilt sie dort die Nachricht, dass ihre geliebte Ersatztante im Sterben liegt, und sie kommt zurück. Liebevoll begleitet sie Tante Erna auf ihrem letzten Weg und ermöglicht ihr einen weitestgehend menschlichen Abschied vom Leben. Konsequent unterdrückt und vernachlässigt sie dabei ihre eigenen Bedürfnisse, bis dies nicht mehr möglich ist und sie sich erneut allen Erlebnissen aus der Schweiz stellen muss. Große Liebe, große Gefühle und eine Portion Drama mischen sich mit schaurig schönen Momenten, die das Leben bejahen und als etwas annehmen, was es ist. Voller Wunder.

Karina Förster (Jahrgang 1971, geboren in Wismar/Meckl.) lebt und arbeitet in Leipzig. Wenn die zweifache Mutter ihre Finger nicht gerade in die Gartenerde steckt, den streunenden Kater Namens Felix das Fell krault, verfasst sie auf ihrem Laptop neue Romane und wird ganz sie selbst.
  • Deutsch
  • 1,12 MB
978-3-7485-5861-3 (9783748558613)

Kapitel 2


Meine Schwester läuft mir freudestrahlend entgegen, als ich in der Einfahrt meines Elternhauses parke. Sie sah mich durch das Küchenfenster und ganz sicher erwartet sie mich seit Stunden ungeduldig.

»Franka! Wo warst du so lange?«, fragt sie vorwurfsvoll, als sie auf mich zugelaufen kommt und ihre Arme ausbreitet.

Ich öffne den Mund und lege das Bonbon zwischen meine Vorderzähne. Gekränkt blickt sie jetzt drein und stoppt in ihrer Bewegung, während ich den Schlüssel aus dem Zündschloss ziehe.

»Ich fasse es nicht! Dein erster Gedanke ist Tante Erna, wenn du herkommst und ich sehe immer in die Röhre. Du Rabenschwester bringst mir nicht einmal einen mit!«, schimpft sie.

Das sagt sie immer und weiß sehr wohl, dass ich so nicht bin, denn sie schielt zu meiner Hand. Die kramt in dieser Sekunde aus der Hosentasche das Bonbon heraus, welches Tante Erna mir nicht ohne Grund mitgab. Britta streckt ihre Hand erwartungsvoll aus und das Bonbon landet in ihrem Mund. Glücklich strahlt sie mich an. Erst nach diesem Ritual ist Zeit für eine gefühlvolle und ausgiebige Umarmung.

»Ich freue mich so, dich endlich zu sehen«, flüstert sie mir in mein Ohr, »und will ganz viel mit dir besprechen. In den nächsten Tagen will ich dir und Mama das Kleid zeigen, ein Friseurbesuch steht auf dem Plan, um die Frisuren zu proben, und mit Sophie geht es für einen Tag in eine tolle Wellnessoase. Hast du die E-Mail mit meinen Fotos von den Haarkränzen bekommen?«

»Ja. Ich finde die Idee ausgezeichnet und binde sehr gerne die Kränze für die Blumenkinder. Die für Mama und mich, sollten farblich darauf abgestimmt sein«, lobe ich ihren Einfall. Die Wahl des Blumenschmucks überlässt sie mir und als Fachfrau übernehme ich diesen Part gerne.

»Komm mit! Papa wartet. Mama bringt die Gästewohnung auf Vordermann, weil sich Davids Eltern ankündigten und darin einquartiert werden.«

»Oh, sie schickte dich fort, um selbst alles auf Hochglanz zu wienern? Dann will sie sich bestimmt nicht vor deinen Schwiegereltern blamieren, weil irgendwo Staub liegt«, lache ich und streife mir die Pumps an der Haustür ab.

»Du sagst es«, stöhnt Britta und rollt mit ihren blauen Augen. »Du hast den Garten noch nicht gesehen. Sie rannte wochenlang mit der Rosenschere umher. Kein Grashalm wächst mehr in die falsche Richtung und die, die ihre Schnittkur überlebten, werden sich sehr genau überlegen, wohin sie wachsen.«

Ich stelle mir bildlich vor, wie meine detailversessene Mutter mit dem unbändig wachsenden Rasen kämpft. Im Endeffekt wird niemand interessieren, wie der Rasen aussieht, aber meine Mutter ist halt meine Mutter. Was Ordnung betrifft, ist sie sehr gewissenhaft.

Und irgendwie schrullig.

»Erzählst du Franka gerade, dass ich sie die ganze Zeit über nur als Hauch eines Schattens ausfindig machen kann«, schaltet sich Papa ein, der uns im Flur entgegeneilt. Wir umarmen uns.

»Hallo Papa. Nun, ich leiste dir bei Bedarf gerne Gesellschaft«, grinse ich und küsse seine stoppelige Wange eingehend, bis er mich sanft von sich schiebt. »Nach der Hochzeit entspannt sie sich garantiert.«

»Hallo Franka. Willkommen.«

Mein Vater überragt mich um einen halben Kopf. Er ist kräftig gebaut und seine riesigen Hände, werkeln gerne und ausgiebig in der Werkstatt. Die richtete er sich in einer Ecke der Garage ein. Ein Tag ohne einen Gang in seine heiß geliebte Werkstatt, ist für ihn ein verlorener Tag. Meine kreative Ader vererbte er ohne Zweifel an mich.

»Ich würde euch ja gestehen, dass ich die ganze Woche entspannt in der Werkstatt werkelte, fürchte aber, dass ihr es Mama petzen geht.«

»Wir? Petzen?«, entrüsten sich Britta und ich fast zeitgleich. Beleidigt sehen wir ihn an.

»Es war so wunderbar«, schwärmt er mit verklärten und verdrehten Augen. »Kein mach hier, mach dort und wenn es nach mir geht, kann immer irgendwer heiraten, damit sie ausgiebig irgendwo putzen geht.« Er lacht solange, bis er husten muss.

Ich denke eher, dass er in diesem Fall schneller durchdreht, als ihm angenehm wäre. Meine Eltern lieben sich zu sehr, um lange voneinander getrennt sein zu können. Vermutlich sehnt er sich jetzt schon nach der Zeit, in der die Hochzeit Geschichte ist und will mit Mama endlich wieder den gewohnten Alltag als Rentnerehepaar genießen.

»Dann hättest du eben mehr Kinder fabrizieren müssen«, gluckst Britta altklug und schleicht sich vorbei, um in die Küche zu gelangen. Er lässt resigniert die Schultern hängen.

»Dabei bin und war ich schon immer mit euch drei Frauen bis zum Anschlag beschäftigt. Bin ich froh, dass ich demnächst mit David männliche Unterstützung bekomme. Herr im Himmel schicke mir schleunigst einen weiteren Schwiegersohn! Mit dem kommt dann in dieser, von Frauen wimmelnden Familie, wieder ein Gegengewicht!«

Mein Vater hebt seine Hände in die Höhe, um auf diese Weise seinem Flehen Nachdruck zu verleihen. Sein schmunzelndes Gesicht verrät mir, dass er es als Spaß meint. Ich hatte auch nie den Eindruck, dass er unter uns drei Frauen leiden musste.

»Gewöhne dich langsam an einen Schwiegersohn, Papa«, schlage ich einen Kompromiss vor und hake mich in seinen angewinkelten Unterarm. Ich führe ihn in die Küche. »Wenn ich dir richtige Unterstützung und ein gutes Gleichgewicht mit nach Hause bringen soll, musst du mir schon Zeit einräumen, denn Mister Wonder muss ich doch erst finden. Der wartet ja nun mal nicht an jeder Hausecke auf mich. Berlin ist riesig, aber auch randvoll mit merkwürdigen Figuren. Ich bringe dir einen dieser schrecklich schrägen Vögel mit, wenn du so unbedingt willst. Mal sehen, was du dir dann vom lieben Herrgott erflehst.«

»Genau«, ruft Britta gackernd. »Bringe hier bloß nicht den erst besten Vogel an, denn damit wäre ihm nicht wirklich geholfen. Lass Papa nur für seine Frechheiten zappeln, Franka! Wer so dreist um ein Gleichgewicht bettelt, obwohl seine drei Damen ihn nach Strich und Faden verwöhnen, der ist entweder übergeschnappt oder närrisch.«

»Oder tollkühn«, merke ich breit grinsend an, »wobei ich das an unserem Papa mag.«

»Ihr seid meine Engel«, raspelt er nun Süßholz und küsst meine Stirn. »Lass dir getrost Zeit mein Schatz, denn ich will einen richtig netten Schwiegersohn, der nach Möglichkeit so nett wie David ist.«

Britta und ich lachen ausgelassen über seine Schmeichelei und verdrehen die Augen. Er lernte bei uns Frauen die Wogen schnell zu glätten.

Papa hat recht, David trägt Britta auf Händen. Tag und Nacht arbeitet er an dem Haus, welches er und Britta nach der Hochzeit beziehen wollen. Sein ursprünglicher Plan war, dass es noch vor der Hochzeit bezugsfertig ist. Papa hilft ihm bei den Bauarbeiten, wo er kann, aber leider verschob sich der Einzugstermin auf mindestens drei Monate nach der Hochzeit.

Britta und David ergänzen sich perfekt. In jeder Lebenslage halten sie zusammen und sind unzertrennlich. Er liest ihr jeden Wunsch von den Augen ab und ohne etwas auszusprechen, weiß sie, was er sagen will. Selbst streiten steht bei ihnen unter dem Stern, den Andern zu achten. Neben meinen Eltern sind sie für mich ein Traumpaar und wie füreinander geschaffen.


Wir sitzen inzwischen am großen Küchentisch. Mit warmen und duftenden Kaffee aus riesigen Bechern gehen wir alle Varianten für den Sitzplan der Hochzeitsfeier durch. Britta verschiebt die Namen kreuz und quer an unterschiedliche Tische, die sie in ihren Plan einzeichnete.

Es gilt sehr vieles zu beachten: Wer kommt mit wem aus dem Dorf aus, ohne sich in die Haare zu geraten, wie mischen sich Freunde und Familie, Familie und Familie, et cetera. Britta will die Bildung von Grüppchen vermeiden, stagniert allerdings an einem Punkt.

Sie rauft sich die blonden Haare, die sie sich seit Jahren wachsen lässt. Abwesend trinkt Britta literweise Kaffee und kaut nervös die Kekse, die Papa eben auf den Tisch stellte. Familie Römer scheint jeden ihrer Pläne zu durchkreuzen. Sie kommen durch ihre eigenwillige Art mit niemand im Dorf so recht klar, können aber andererseits nicht allein irgendwo sitzen.

»Ich gehe Mama holen«, beschließe ich nach einer halben Stunde des hin und her Überlegens, welches zu keinem brauchbaren Ergebnis führt. »Sie kann dir gewiss sagen, wer es für mehr als eine Stunde neben Familie Römer aushält und gehen damit auf Nummer sicher. Ich frage sie einfach mal.«

Papa und Britta senken einverstanden ihre Köpfe. Sie legen eine wohlverdiente Zigarettenpause ein, während ich barfuß die Treppen in den Keller hinabsteige.

Die Gästewohnung, die Mama für Davids Eltern vorbereitet, liegt im Kellergeschoss des Hauses. Sie und Britta vermieten sie gemeinsam. Mama ist die Frau für das Gröbste vor Ort und Britta übernimmt die Vermarktung auf unterschiedlichen Vermietungsportalen, die deutschlandweit zugänglich sind. Die Wohnung ist oft gebucht. Meist wird sie von Monteuren angemietet, die irgendwo in der Nähe auf Baustellen arbeiten.

Ich spähe durch die Eingangstür, als ich an der Gästewohnung ankomme und entdecke Mama, die den Fußboden wischt. Einen Moment sehe ich ihr dabei zu. Sie richtet sich auf, streicht eine ihrer grau schimmernden Strähnen aus dem Gesicht und wirkt sehr erschöpft.

Ihre schlanke Figur wird von einem leichten Sommerkleid umhüllt, das sie sehr jung aussehen lässt. Britta und ich erbten unsere hellblonden Haare von ihr, die seidig sind und glänzen. Es fällt fließend weich um unsere ovalen Gesichter. Ich gehe langsam auf sie zu.

»Soll ich für dich weitermachen?«, frage ich und nehme ihr behutsam den Stiel des...

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