Atlas Obscura

Entdeckungsreisen zu den verborgenen Wundern der Welt
 
 
Mosaik (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 16. Oktober 2017
  • |
  • 480 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-20711-3 (ISBN)
 
Der außergewöhnlichste Reiseführer der Welt

Der Atlas Obscura sieht nur auf den ersten Blick aus wie ein Reiseführer. Es ist vor allem ein Buch zum Lesen und Träumen - eine Wunderkammer voller unerwarteter, bizarrer und mysteriöser Orte, die gleichermaßen Wunderlust und Wanderlust hervorrufen. Jede einzelne Seite dieses außergewöhnlichen Buchs erweitert unseren Horizont und zeigt uns, wie wunderbar und schräg die Welt in Wirklichkeit ist. Fesselnde Texte, hunderte von fantastischen Fotos, überraschende Fakten und Karten für jede Region des Globus machen es nahezu unmöglich, nicht gleich die nächste Seite aufzuschlagen und weiterzuschmökern! Eine erstaunliche Liebeserklärung an die Welt, in der wir leben.

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
  • 500
  • |
  • 500 farbige Abbildungen
  • |
  • 4-farbig, ca. 600 Abbildungen und Karten
  • 111,96 MB
978-3-641-20711-3 (9783641207113)
3641207118 (3641207118)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Joshua Foer ist in Washington, D.C., geboren und studierte Wissenschaftsjournalismus in Yale. Er arbeitet als freier Journalist u.a. für die New York Times, Washington Post und Slate. Er ist der jüngere Bruder der erfolgreichen Autoren Franklin Foer und Jonathan Safran Foer.

Als Joshua Foer die USA-Memory-Championships als Journalist begleitete, konnte er beobachten, dass offensichtlich nicht besondere Gedächtnisgaben ausschlaggebend für den Erfolg der Wettkämpfer waren, sondern ihre Techniken des Memorierens. So kam ihm die Idee, selbst als Gedächtnis-Champion zu trainieren. Schließlich nahm er selbst an den Championships teil und gewann sie. Er stellte auch mehrere US-Rekorde für Gedächtnisleistungen auf. Mit seinem Buchkonzept für "Moonwalk mit Einstein" erregte er 2006 - 23-jährig - so viel Aufsehen, dass sein US-Verlag für die Rechte an dem Buch einen Vorschuss von 1,2 Millionen Dollar bezahlte.

ENGLAND

SILBERNER SCHWAN

NEWGATE, DURHAM

Auf einem Teich aus Glasfaserstäben treibt ein faszinierend naturgetreuer Schwan. Der Musikautomat wurde in den 1770-er Jahren angefertigt; angetrieben wird er von drei Uhrwerken, die für 40 Sekunden eine glockenhelle Melodie in Gang setzen. Er bewegt seinen Hals, als wolle er sein Gefieder putzen, um dann seinen Schnabel ins »Wasser« zu tauchen und einen Fisch zu schnappen.

Der Schwan wurde zunächst im Spring Gardens Museum des britischen Uhrmachers James Cox ausgestellt. 1872 erwarb ihn der Sammler John Bowes, Stifter des in einem französischen Schloss beheimateten Bowes Museum, wo das Kunstwerk heute zu besichtigen ist.

Bowes Museum, Newgate. Die Mechanik wird täglich um 14 Uhr vorgeführt. Das Museum liegt etwa 27 km vom Bahnhof Darlington entfernt - von London aus in 2,5 Std. zu erreichen.

N 54.542142 W 1.915462

Sprech-, Lauf- und Bewegungsmaschinen

Automaten - also mechanische Figuren, die schaurig lebensecht agieren - gibt es seit vielen Jahrhunderten.

Unter dem Türken saß ein Mensch und steuerte den Apparat.

Einer der beeindruckendsten war der 1770 von Wolfgang von Kempelen vorgestellte sogenannte »Schachtürke«, eine mechanische Figur mit Turban, die sich bereitwillig zu einer Partie Schach herausfordern ließ. Die Maschine ging um die Welt und nahm es mit Gegnern wie Napoleon Bonaparte und Benjamin Franklin auf. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts ließ sich das breite Publikum noch von der vermeintlichen Intelligenz des Türken und seinen erstaunlichen Fähigkeiten blenden. Schließlich lüfteten aber besonders aufmerksame Beobachter, darunter Edgar Allan Poe, der dem Türken 1835 in Virginia begegnete, das Geheimnis: Ein Kasten unterhalb des Schachbretts verbarg einen zusammengekrümmten Schachmeister, der die Züge auf seinem eigenen Brett bei Kerzenlicht nachvollzog und den Arm des Türken über Hebel bewegte. Der Türke war getürkt!

Während der Schachtürke seine Gegner frustrierte, versetzten redlichere Automaten die Schaulustigen in Verzücken. Eine 1739 von Jacques de Vaucanson erbaute mechanische Ente konnte mit ihren Flügeln schlagen, den Kopf drehen, Körner fressen und diese kurz darauf wieder ausscheiden. Der Verdauungsprozess war zwar nicht echt - im Hinterteil des Tiers befand sich ein Vorrat an Kötteln, die entsprechend der Menge an verspeisten Körnern fallen gelassen wurden -, und doch war damit der erste Schritt zu einer authentischen Essmaschine getan.

Pierre Jaquet-Droz arbeitete sechs Jahre lang an einem Androidentrio, das heute im Museum für Kunst und Geschichte im schweizerischen Fribourg zu besichtigen ist: Schreiber, Organistin und Zeichner. Während die Musikerin auf der Orgel spielt, hebt und senkt sich ihre Brust, als würde sie atmen, und ihr Oberkörper bewegt sich wie der eines leidenschaftlichen Pianisten. Zeichner und Schreiber sitzen jeweils an einem Schreibtisch: Während der Zeichner eines von vier programmierten Bildern anfertigt, taucht der Schreiber eine Gänsefeder in Tinte und bringt dann einen beliebigen, auf den Empfänger zugeschnittenen Text mit bis zu 40 Zeichen aufs Papier.

Im späten 19. Jahrhundert waren dann dampfbetriebene Figuren der letzte Schrei. Den Anfang machte ein Modell des 22-jährigen Zadoc Dederick aus New Jersey: ein 2,30 Meter großer Mann mit Zylinder, der einen Wagen hinter sich herzog. In seinem massigen Oberkörper war ein Dampfkessel untergebracht, dessen Energie ausreichte, um ihn Schritt für Schritt voranzutreiben.

Tipus Tiger, eine schmucke Verkörperung der Feindschaft zwischen der indischen Bevölkerung und den im 18. Jahrhundert dort ansässigen britischen Kolonialherren, ist ein kurbelbetriebenes Spielzeug, das heute im Victoria & Albert Museum zu sehen ist. Dargestellt wird ein Tiger, der einen wehrlosen britischen Offizier zerfleischt. Dreht man die Kurbel, hebt der Mann in einer schwachen Geste die linke Hand, um sein Gesicht zu schützen. Durch die Auf-und-Ab-Bewegung der Hand strömt Luft aus vier Blasebälgen: Die dadurch entstehenden Geräusche - bestialisches Gebrüll und Todesschreie - räumen mit den letzten Zweifeln auf, wer hier den Kürzeren ziehen wird.

Tipus Tiger: beim Fressen erstarrt

GIFTGARTEN VON ALNWICK

ALNWICK, NORTHUMBERLAND

Wer den Giftgarten von Alnwick betreten will, muss das schwarze Eisentor von einem Guide aufschließen lassen; darauf prangt ein weißer Totenkopf vor zwei gekreuzten Knochen und der beunruhigenden Botschaft: »Diese Pflanzen können töten

Inspiriert von den Giftgärten der Medici in Padua schuf Jane Percy, Herzogin von Northumberland, im Jahre 2005 den Giftgarten von Alnwick und widmete ihn ausschließlich giftigen oder narkotisierenden Pflanzen. 1995 wurde ihr Mann nach dem Tod seines Bruders ganz unerwartet zum zwölften Herzog von Northumberland. Und als die frischgekürte Herzogin durch die Gartenanlage streifte, beschloss sie, einen überwucherten Teil des Gartens einem ganz besonderen Zweck zuzuführen.

Der sorgfältig kuratierte Garten liegt zwischen Grünanlagen mit versprenkelten Wasserskulpturen, einem Kirschgarten, einem Bambuslabyrinth und einem riesigen Baumhaus und beherbergt mehr als 100 Pflanzen mit der Fähigkeit zu stimulieren, zu betäuben, krank zu machen oder zu töten. Ihre gefährlichen Eigenschaften kann man sich detailliert von Guides darlegen lassen, die mit Nachdruck an die strikten Regeln erinnern: »Nichts anfassen, an nichts riechen!«

Unter dem harmlos aussehenden Grünzeug finden sich Mohngewächse, Cannabis, halluzinogene Pilze und das tödliche Strychnin. Weil die Flora so gefährlich ist (manche Pflanzen sind allein bei Berührung tödlich oder krankmachend), befinden sich einige Exemplare hinter Gittern; zudem wird der Garten rund um die Uhr bewacht.

Denwick Lane, Alnwick. Geöffnet von März bis Oktober.

N 55.414098 W 1.700515

Strychnos nux-vomica, die Gewöhnliche Brechnuss beinhaltet das Alkaloid Strychnin und kann zu ernsthafter Übelkeit, Schaumbildung vor dem Mund, Krämpfen und zum Tod führen.

Wer Maiglöckchen isst, kann sich auf Bauchschmerzen, Erbrechen, eine Verlangsamung des Herzschlags und eine verminderte Sehkraft gefasst machen.

Psilocybinhaltige Pilze können zu Hochgefühlen, einem veränderten Zeitgefühl und heftigen Halluzinationen führen.

Mit Conium maculatum, besser bekannt als Schierlingspflanze, wurde Sokrates zur Strecke gebracht.

TUNNELSYSTEM VON LIVERPOOL

LIVERPOOL, MERSEYSIDE

Zwischen 1810 und 1840 grub eine Armee von Arbeitern ein weitläufiges Geflecht aus unterirdischen Gängen unter der Stadt Liverpool. Sie führten damit den Willen des exzentrischen Tabakhändlers Joseph Williamson aus, der Gerüchten zufolge Anhänger einer Sekte war - das Tunnelsystem sollte ihn und seine Familie im Falle des nahenden Weltuntergangs beherbergen. Weniger spektakuläre Berichte zeichnen ihn als selbstlosen Philanthropen, der den vielen von den Napoleonischen Kriegen zurückgekehrten Männern Arbeit verschaffen wollte. Dass er seine Arbeiter mit Vorliebe dazu anhielt, eben gegrabene Tunnel wieder zuzumauern, gibt ein weiteres Rätsel auf.

Als Williamson 1840 starb, bedeutete dies das Ende seines Untergrundprojekts. Das Labyrinth füllte sich mit Wasser, Geröll und Müll und blieb bis in die 1990-er Jahre in diesem maroden Zustand; dann beschloss man die Attraktion wieder freizulegen und die Tunnel der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ein - dramatisch beleuchteter - Abschnitt ist bereits für Besichtigungstouren geöffnet.

Williamson Tunnels Heritage Centre, The Old Stable Yard, Smithdown Lane, Liverpool.

N 53.403801 W 2.958444

KETTENBUCH-BIBLIOTHEK VON HEREFORD

HEREFORD, HEREFORDSHIRE

Die Kathedrale von Hereford beherbergt eine Kettenbuch-Bibliothek mit seltenen Werken und eine der ältesten Karten der Welt.

Im Mittelalter waren Bücher so rar wie kostbar. Um sie vor Dieben zu schützen, wurden sie deshalb an Pulte, Schreibtische und Kanzeln angekettet.

Die Kettenbuch-Bibliothek wurde 1611 gegründet - Anlass war eine Überführung von per Hand übertragenen und gebundenen Büchern in die Marienkapelle der Kathedrale. Der Großteil der Bände geht auf die 1100-er Jahre zurück, das älteste Werk, die Hereford Gospels, wird sogar in etwa dem Jahr 800 zugeschrieben.

Auf der in der Kathedrale gelagerten mittelalterlichen Weltkarte sind drei Kontinente abgebildet: Europa, Asien und Afrika. In der bis dato unerforschten Peripherie dieser Kontinente treiben feuerspeiende Drachen und Männer mit Hundegesichtern ihr Unwesen. Dazu sind die Skiapoden abgebildet, sogenannte Schattenfüßer: mystische Wesen, die so große Füße hatten, dass sie sie auf dem Rücken liegend als Schattenspender nutzten, wenn die Sonne zu sehr herunterbrannte.

Die um 1300 entstandene Karte hat eine Größe von 1,50 mal 1,40 Metern und diente zugleich als geografisches, historisches und religiöses Lehrmittel. Um bislang unbekannte Lücken in der Geografie zu füllen, bediente man sich Gerüchten, der Mythologie und nicht zuletzt der eigenen Fantasie. Das erklärt auch die vieräugigen Bewohner...

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