Garten und Demenz

Gestaltung und Nutzung von Aussenanlagen für Menschen mit Demenz
 
 
Hogrefe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 3. Dezember 2012
  • |
  • 176 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-456-75168-9 (ISBN)
 
Gärten gestalten, nutzen und unterhalten für und mit Menschen mit Demenz Wie müssen Gärten gestaltet, genutzt und unterhalten werden, damit Menschen mit einer Demenz daraus den grössten Nutzen ziehen können? Das kompetente Autorinnenteam des Departementes Life Sciences und Facility Management und des Departements Soziale Arbeit an der ZHAW sowie der Hochschule für Technik Rapperswil beschreibt, wie sich ein Garten auf das Wohlbefinden von Menschen mit einer Demenz auswirken kann zeigt, wie man die Nutzungsmöglichkeiten eines Gartens analysiert und in einem Nutzungskonzept weiterentwickelt beschreibt an Beispielen, welche Ansprüche aus Sicht der Nutzerinnen an einen Garten bestehen und welche Probleme und Wünsche formuliert werden zeigt, wie Gärten genutzt werden können, um Orientierung zu erleichtern, Erinnerung mit kulturellen und biografischen Bezügen zu wecken und Sinne zu stimulieren gibt Empfehlungen zur Gestaltung von Gärten für Menschen mit Demenz bzgl. Aussichten, Ausstattung, Grenzen und Ränder, Haltung von Tieren, Sicherheit, Wege und Plätze, Zugänge nennt und zeigt Pflanzen, die in Gärten für Menschen mit Demenz angepflanzt werden können zur sensorischen Stimulation, zur Orientierung und zur Nutzung als Nahrungs-, Heil- und Nutzpflanzen für die Gartentherapie weist auf Risiken und Sicherheitsgefahren durch Giftpflanzen, phototoxische und hautreizende Pflanzen hin nennt Kriterien zur Pflanzenauswahl aus gärtnerischer, ökonomischer und ökologischer Sicht beschreibt Grundlagen der Gartentherapie, des Gartenunterhalts sowie personelle Aspekte in der Betreuung eines Gartens und der Menschen mit Demenz veranschaulicht die Inhalte durch farbige Fotos, Pflanzenportraits sowie Pflanz- und Gestaltungspläne. Aus dem Inhalt: Einleitung Von der Philosophie der Institution zum Nutzungskonzept für den garten Anspräche an einen Garten aus Sicht der Nutzerinnen Gartenkonzepte und ihr Nutzen für Demenzenrichtungen Empfehlungen zur Gestaltung demenzorientierter Gärten Pflanzenauswahl Gartentherapie Gartenunterhalt Personelle Aspekte in der Betreuung Checkliste zur Nutzung und Gestaltung
1., Aufl.
  • Deutsch
  • Bern
  • |
  • Deutschland
  • 9,91 MB
978-3-456-75168-9 (9783456751689)
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3. Ansprüche an einen Garten aus Sicht der Nutzerinnen


Christina Dietrich, Sabrina Eberhart, Susanne Karn

In diesem Kapitel werden die fünf Projektgärten vorgestellt, die ins eingangs erwähnte interdisziplinäre Forschungsprojekt einbezogen waren. Außerdem werden Aussagen zu den Ansprüchen der Nutzerinnen zusammengefasst, die aus der sozialwissenschaftlichen Nutzungsanalyse des Projektes hervorgehen. Die Nutzung der Gärten wurde im Projekt anhand von Interviews mit Mitarbeitenden der Institutionen analysiert. Unter dem Begriff Nutzerinnen sind in erster Linie die Menschen mit Demenz gemeint. Ihre Bedürfnisse werden durch sie begleitende Angestellte der Institutionen (aus den Bereichen Pflege, Aktivierung und Therapie sowie Freiwillige) und/oder durch leitende Personen (Pflegedienstleitung, Leitung Aktivierung, u. a.), die im weitesten Sinne mit dem Garten zu tun haben, artikuliert. Gleichzeitig werden auch Mitarbeiterinnen der Institutionen selbst als Nutzerinnen des Gartens betrachtet, wie eben erwähnt als Begleiterinnen/Pflegerinnen, die einen Teil ihrer Arbeit draußen leisten, aber auch als Arbeitnehmerinnen, die ihre Pausen oder Erholungszeiten im Garten verbringen. In einzelnen Institutionen wird explizit thematisiert, dass sich Mitarbeitende im Garten wohlfühlen sollen.

Um die Bedürfnisse der primären Nutzerinnen zu verstehen, ist es notwendig, sich vor Augen zu führen, wer sie eigentlich sind. Was für Menschen mit einer Demenzerkrankung charakteristisch ist, lässt sich sehr gut aus der Fachliteratur (z. B. Gatterer/Croy, 2005; Klie, 2002; Menzi-Kuhn, 2006; Held/Ermini-Fünfschilling, 2006; Schaade, 2009) entnehmen. Bezogen auf die hier beobachteten Institutionen sei an dieser Stelle nur so viel gesagt, dass Personen mit Demenz heute häufig spät, das heißt in einem mittleren bis fortgeschrittenen Krankheitsstadium in eine Institution eintreten, da die Betreuung zu Hause beispielsweise dank Spitex länger möglich ist. Die Tatsache ist insofern relevant, als in mittleren bis späteren Stadien die Einschränkungen (kognitive und funktionelle Störungen wie auch Verhaltensstörungen) zunehmen und die Abhängigkeit der Betroffenen von betreuenden Personen entsprechend wächst.

Was die Perspektive des Personals betrifft, so ist ihre Sichtweise auf die eigene Arbeit, und hier insbesondere das Sicherheitsverständnis sowie die Einstellung zum Garten von Bedeutung. Die Sichtweise auf die Arbeit wiederum wird von der Philosophie der Institution wie auch von der personellen Ressourcenlage in der Institution beeinflusst (vgl. dazu Kap. 2 und 9; Beck et al., 2007).

Die analysierten Gärten werden im Folgenden zunächst einzeln aus einer landschaftsarchitektonischen Perspektive porträtiert und diese Darstellung der Sichtweise der Nutzerinnen gegenübergestellt. Im zweiten Teil werden die Einschätzungen der interviewten Personen über alle Anlagen in Themenblöcken zusammengefasst, um einen Überblick über die Bedürfnisse zu ermöglichen. In der abschließenden Zusammenfassung wird aus den in den Analysen gewonnenen Erkenntnissen ein Fazit hinsichtlich der Planung von Gärten für die spezifische Personengruppe gezogen.

3.1 Bestand und Beurteilung der untersuchten Gärten


Die einbezogenen Gärten unterscheiden sich in Größe, Typ und Ausgestaltung markant. Ihnen gemein ist lediglich, dass alle über eine verschließbare Umzäunung verfügen und bei der Anlage oder Umgestaltung die Sicherheit für Menschen mit Demenz explizit mit bedacht wurde. Um einen Einblick in die Anlagen zu ermöglichen, werden zu jedem Garten die wichtigsten Daten dargestellt sowie die Anlage durch einen Plan, einige Bilder und eine kurze Beschreibung illustriert.

Demgegenüber stehen jeweils die Einschätzungen und Perspektiven der Nutzerinnen, wie sie aus den Interviews hervorgegangen sind. In kurzen Zusammenfassungen werden die Ergebnisse aus der Studie festgehalten, wobei neben allgemeinen Aussagen insbesondere auf erwähnte Wünsche und Problematiken eingegangen wird. Auf diese Weise soll Interessierten ein Eindruck des Gartens ermöglicht und das Nachvollziehen von Aussagen erleichtert werden.

Abbildung 3-1:

An den Sitzplatz angegliedertes Hochbeet. Foto: S. Eberhart

3.1.1 Evangelische Alterssiedlung Masans, Chur


  • Eröffnung des Gartens: 2005
  • Größe des Gartens: 575 m2
  • Anzahl der Bewohnerinnen mit Demenz: 17 (nur Demenzabteilung)
  • Gartenarchitekt: Wegelin Landschaftsarchitektur Malans
  • Anlagentyp: kleiner Garten in Hanglage mit Terrasse und Rundweg
  • Grünflächen 67,5 %, Wasserflächen 2 %, befestigte Flächen 30,5 %

Zusammenfassende Beschreibung

Der Garten weist zwei Hauptbereiche auf: einen Sitzplatz, der dem Haus zugeordnet ist, und einen Rundweg, der in üppige Pflanzflächen eingebettet ist. In der Nähe des Sitzplatzes liegt ein kleines, durch den Handlauf unzugängliches Wasserbecken und am Beginn des Rundweges ein Hochbeet (s. Abb. 3-1). Der Garten wirkt aufgrund seiner vielfältigen Bepflanzung natürlich und verspielt. Er wird unter anderem aufgrund des Handlaufs, der den gesamten begehbaren Gartenbereich umgibt bzw. begleitet, als Einheit wahrgenommen. Der Garten wird auf zwei Seiten von Gebäuden der Institution eingefasst, wodurch er einen privaten und abgeschlossenen Charakter erhält. Der Gartenbereich mit Rundweg liegt im Gefälle (ca. 10 %), wobei der Weg so angelegt ist, dass sein Gefälle bzw. seine Steigung nirgends mehr als 6 % aufweist.

Aus den Interviews

Es handelt sich um eine kleine Anlage mit einer – in der Wahrnehmung der Nutzerinnen – beträchtlichen Steigung, die durch eine neue Wegführung bewältigbar gemacht wurde. Die Anlage wird allein aufgrund ihrer Existenz sehr geschätzt, denn dadurch ist es für die Leute jederzeit möglich, ins Freie zu gehen. Augrund der Verbreiterung der Wege ist es möglich, dass sich zwei Personen kreuzen. Die Atmosphäre wird als angenehm empfunden, insbesondere werden hübsche Sitzgelegenheiten erwähnt (Bänke, Hollywoodschaukel, Sitzplatz). Die geografische Lage mit Sicht auf die Berge wird sehr geschätzt (s. Abb. 3-2).

Als Wünsche werden mehr Sitzgelegenheiten für eine Rast unterwegs, Bäume, flacheres Gelände, aber auch eine Vergrößerung der Anlage genannt, damit auch Ballspiele möglich sind. Einige Nutzerinnen träumen von einem großen Garten für alle Abteilungen an anderer Lage (nicht zwischen den Gebäuden), um nicht so beobachtet zu sein. Schöne Bäume bzw. einen zentralen Baum mit Bank, aber auch etwas mehr Varianten in der Wegführung als nur der bestehende Rundweg stellt man sich als gewinnbringend vor. Die leichte Einsicht in den Garten wird bedauert; auch die Steigung wird mehrmals thematisiert, unter anderem im Zusammenhang mit Rollstühlen. Die Leute können sich teilweise nicht alleine bewegen, insbesondere Personen im Rollstuhl kommen zuweilen vom Weg ab, wenn sie versuchen, sich am Handlauf hochzuziehen. Außerdem ist Zugluft ein Problem – zwar halten bauliche Maßnahmen wie die Glaswand den Wind größtenteils ab, aber für einige Leute zieht es immer noch zu stark. Als letzter Punkt wird ein Wasserbecken kritisch bewertet (vereinfachter Plan s. auch Abb. 3-3).

Abbildung 3-2:

Der Garten bzw. der Rundweg liegt am Hang und bietet einen Ausblick in die umliegende Berglandschaft. Foto: S. Eberhart

3.1.2 Krankenheim Sonnweid, Wetzikon


  • Eröffnung des Gartens: 1987, etappenweise über mehrere Jahre ergänzt und erweitert
  • Größe des Gartens: 7200 m2
  • Anzahl der Bewohnerinnen mit Demenz: 150
  • Architekt: Bernasconi + Partner Architekten AG
  • Anlagentyp: Baumbestandene Rasen- und Wiesenflächen mit eingefügten Themengärten und Stationen: Wassergarten, Hühnergehege, Blumengarten
  • Grünflächen 75 %, Wasserflächen 1 %, befestigte Flächen 24 %

Abbildung 3-3:

Garten Evangelische Alterssiedlung Masans, Chur (stark vereinfacht). Plan: C. Leu und S. Eberhart

Zusammenfassende Beschreibung

Der Garten entstand in mehreren Etappen. Die drei Gartenteile sind miteinander verbunden, jedoch aufgrund des Niveauunterschiedes von ca. 7 m und der Bepflanzung räumlich erkennbar. Der Garten zeigt kein übergeordnetes gestalterisches Konzept, bietet jedoch für alle angrenzenden Wohngruppen gleichberechtigten und direkten Zugang. An die Gemeinschaftsräume, die sich im Erdgeschoss befinden, schließen jeweils Sitzbereiche im Freien an. Die Gartenanlage orientiert sich gegen Süden hin zur offenen Landschaft (s. Abb. 3-4), sodass die Sicht bis zu den Voralpen reicht. Sie ist von den angrenzenden Einfamilienhäusern im Westen und vom Parkplatz aus einsehbar. Zäune und Grenzen sind zum Großteil nicht kaschiert. Der überwiegend junge Baumbestand, teils mit Obstbäumen, spendet dennoch bereits Schatten. Ausgedehnte Rasenflächen und wenige Schmuckpflanzungen entlang der Gebäude und im Blumengarten prägen das Bild. Verschiedene Rundwege erschließen die unterschiedlichen Gartenbereiche und führen an einer großzügigen Wasserfläche, einem Tiergehege, zahlreichen Sitzplätzen, Ausstattungs- und Kunstgegenständen vorbei. Der patchworkartige Charakter des Gartens folgt dem Prinzip, flexibel auf aktuelle Bedürfnisse reagieren zu können und jeder Besucherin des Gartens etwas nach ihrem Geschmack zu bieten.

Abbildung 3-4:

Vom Garten...

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