Der seltsame Fall Lengden

oder die Schwierigkeit, Wirklichkeit aufzuklären
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 2. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. Februar 2020
  • |
  • 272 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7504-7468-0 (ISBN)
 
Das seltsame Geschehen um Professor Lengden beschäftigt die Ermittler als Kriminalfall, sprengt aber ihre Möglichkeiten und wird zur Tragigroteske.
Der (Kriminal)Roman will spannende Unterhaltung bieten und eine ernste Botschaft: "Der Andere in Dir ist lebendiger, als Du denkst."

In dem hoffnungslos unterbesetzten Polizeirevier der kleinen Stadt geschehen große Dinge. Wie ist es möglich, dass eine Verschwörung um Maria Stuart aus dem Jahre 1587 aktiv in das Leben von Professor Lengden eingreift? Wieso verstört ihn die Ermordung seiner Frau Laura Maria auf so seltsame Weise? Als man seine Frau ein zweites Mal tot auffindet, zeichnet sich bereits ab, dass honorige Bürger ein Doppelleben führen: Zwei ehrenwerte Damen stehen im Verdacht, aus dem unterirdischen Bunker der Oberstadt linken Terror zu verbreiten, eine miese Klatschreporterin geht in den Untergrund, Professor Lengden hat nur eine Angst, dass sein dunkles Geheimnis aufgedeckt wird.

Und er ist nicht der einzige, der seine Identität während der Aufklärung des Falles wechselt.
Oberstaatsanwalt Steven aber weigert sich, das andere Leben Lengdens zur Kenntnis zu nehmen, seine Karriere ist ihm wichtiger als die Wahrheit. Unlösbare Widersprüche behindern die Aufklärung. Besonders folgenreich ist, dass dem BND alle Mittel rechtens sind, die offenbar ausgebrochene linke Verschwörung zu bekämpfen.
Dr. Jekyll und Mr. Hyde schauen aus der Ferne zu.
2. Auflage
  • Deutsch
  • 1,85 MB
978-3-7504-7468-0 (9783750474680)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Der Autor Peter Fleischhauer lebt in Köln. Er studierte Germanistik und Philosophie. Nach Staatsexamen und Promotion zog es ihn aber nicht an die Schule, da die digitale Welt der Bits und Bytes ihn mehr faszinierte. Also wurde er Programmierer. Trotzdem blieb er den Geisteswissenschaften immer eng verbunden. Sein Roman "Der seltsame Fall Lengden" spielt in einer doppelgesichtigen Welt und ist das Ergebnis einer langen Beschäftigung mit den Widersprüchen und Unvollkommenheiten, mit denen der Mensch klarkommen muss. Dazu gehört, dass verschiedene Menschen in sehr verschiedenen Wirklichkeiten leben. Und dass sie oft die Wirklichkeit des Anderen, oder auch ihre eigene, nicht ertragen können.

www.peter-fleischhauer.de

Kapitel 1: Eine Tote, 12 Messerstiche, keine Spuren

Professor Lengdens Montagsvorlesung "Kriminalgeschichte"

Montag, 1. Juni, 11:00 Uhr

"Guten Tag, meine Damen und Herren. Ich beginne heute."

Eine unerwartete Bewegung in der ersten Reihe, eine junge Frau erhebt sich ungestüm und läuft aufs Podium zum Pult. Die Kamera, weit hinten im Raum postiert, kann sich auf den großen Auftritt so schnell nicht einstellen. Eine Unruhe erfasst die Studenten angesichts der seit 1968 nicht mehr erlebten Störung in der wenig gefüllten Aula der kleinen Stadt.

"Herr Professor, gestatten Sie mir eine kurze Unterbrechung. Wir 12 Studenten Ihres Oberseminars haben einen Text verfasst, den ich verlesen soll."

"Wir sind bestürzt und möchten Ihnen unser Beileid aussprechen zum tragischen Tod Ihrer Frau. Wir schätzen Sie sehr, da wir Ihnen tiefe Einblicke in die Geschichte verdanken, die über die Bücher hinausgehen. Es ist die Betroffenheit, die sich überträgt. Wir fühlen uns von Ihnen geprägt. Wir fühlen uns daher gedrängt, Ihnen an dieser Stelle unseren Dank zum Ausdruck zu bringen."

Ein dem Anlass nach unangemessener Beifall beendet die kurze Rede. "Tja, das bringt mich jetzt aus dem Konzept. Es war nicht meine Absicht, das zu veröffentlichen. Da es nun mal so ist, betone ich: Es ist weder wissenschaftlich noch erwünscht, mein Inneres vor Ihnen auszubreiten. Eines jedoch muss ich Ihnen entgegnen, da es wissenschaftlich relevant ist.

Ich ändere also meine Vorlesung und belehre Sie.

Es ist uns strikt verboten, zur Geschichte Gefühle zu entwickeln. Historisches Geschehen ist weder tragisch noch glücklich gefügt. Wenn Sie Einblicke «fühlen», die über Bücher hinausgehen, irritiert mich das sehr. Denn ich habe das Gesetz so oft gepredigt: Die Wirklichkeit ist ein offenes Buch, aber es ist zum Lesen, nicht zum Fühlen. «Sine ira et studio, ohne Wut und Eifer», verlangt Tacitus, das große Vorbild, von uns Geschichtsschreibern. Merke: Der Zorn der Mörder Cäsars, die Rage des französischen Mobs, die katholischen Attentate auf Elizabeth I. entstehen aus der Betroffenheit. Uns aber ist jede Form von Betroffenheit über das Geschehen untersagt!"

Eine männliche Stimme aus dem Saal fährt vehement dazwischen: "Ich glaube, dass jede Wut, jeder Widerstand gegen die Übel in der Welt berechtigt ist!" - "Als künftiger Kriminalist sollten Sie sich vor solchen naiven Entgleisungen hüten.

Ich fahre fort. Wir sprachen über das fatale Erdbeben, das 1755 die Stadt Lissabon verwüstete. Eine große Erschütterung ging durch die Welt: «Wie konnte der gerechte und gütige Gott das zulassen?» HALT, sage ich! Verwahren Sie sich gegen solche Fragen! Folgen Sie Voltaire, der das Märchen von einem Gott, der uns mit Erdbeben straft, abgeschafft hat. Vertrauen Sie Ihrer zukünftigen kriminalistischen Vernunft, die die einfachen kausalen Ursachen allen Geschehens findet.

Ich rufe Ihnen zu: Vernunft weiß alles, Betroffenheit weiß nichts!" Ein zögerlicher Beifall lässt sich vernehmen. "Ich glaubte, Sie das hinreichend gelehrt zu haben. Ihre Rede enttäuscht mich.

Plötzlich aber bin ich gänzlich durcheinander. Ich höre die Stimme der Kontrolle leiser werden und sehe mich einem Anderen in mir gegenüber, das sich als Opfer fühlt. Denn dass meine Frau ermordet wird, während ich über die Kriminalgeschichte des Mordes schreibe, betrifft mich, verändert mich, gaukelte mir seltsamste Gefühle vor: Vielleicht ist die Geschichte zynisch. Vielleicht muss ich selbst noch einmal neu lernen, und Sie haben am Ende doch Recht?

Doch ich vergaß mich, sehen Sie es mir nach. Über mein Inneres spreche ich eigentlich nicht. Ich wende mich jetzt meinem Thema zu: Kriminalistik in der Antike."

Professor Lengden Vorlesung gilt künftigen Spitzenkräften der Kriminalwissenschaft. Er ist von stattlicher Erscheinung, schlank, 1,95 m groß, überkorrekt gekleidet, mit unauffälliger Perücke. Distinguiert und distanziert und fast aristokratisch ist sein Gang. Er zeigt, dass er sich seines Ansehens bewusst ist. Wenn aber das Gesicht der Spiegel der Seele ist, dann ist er ein harter und verschlossener Mensch. Dass die Studenten ihn verehren, ist schwer zu glauben.

In unserer Erzählung ist er die Hauptperson. Es sei jetzt schon darauf hingewiesen, dass der Begriff "Hauptperson" später sehr wichtig wird, allerdings in einer anderen Bedeutung.

Der Fund

Montag, 1. Juni, 06:06 Uhr

Um 06:06 Uhr desselben Tages war im Polizeirevier am Wietenplatz ein anonymer Anruf eingegangen. Eine raue Stimme hatte gesagt: "Guckst du Fenster, schöne Morgenröte. Aber die Lengeden isse nix mehr rot, isse hin. Wolle wisse? Gehst du Winkelgasse 17. Tür isse offe, yes, im Eingang ruht se wohl. Heut isse EJR, Erste Juniröte! Merken sich. Iche melde wieder."

Die kleine Stadt mit der kleinsten Universität Deutschlands hat etwa 16.000 Einwohner, die Hochschule zählt nur 400 Studenten. Prof. Lengden hat den einzigen Lehrstuhl für Kriminalgeschichte, Verbrechensgeschichte und Allgemeine Geschichte inne. Sein Spezialgebiet: England im 17. Jahrhundert.

Die Polizeidienststelle am Wietenplatz ist hoffnungslos unterbesetzt. Das Amtsgericht wird den blindwütigen Sparmaßnahmen bald ganz zum Opfer fallen. Bisher durfte man in der Stadt also kein Epizentrum der Macht oder des Verbrechens erwarten (was zu allen Zeiten leicht zu verwechseln ist). Ein Hort verlorener ländlicher Idylle ist es allerdings auch nicht.

Zwei Polizeiwachtmeister, die eigentlich nur Streife dürfen, hatten um 06:26 Uhr die telefonisch avisierte Leiche gefunden. Es war die einer Frau von etwa 60 Jahren. Der einzige Chefermittler befand sich mit drei Kollegen auf Dienstreise und wurde erst mittags erwartet. Die Stadt war ziemlich entblößt, vor Ort gab es keinen Inspektor mehr. Dem Zwei-Mann-Team mangelte es an Kompetenz, aber das sollte keine Folgen haben.

Die Leiche war nackt und wies 12 Messerstiche auf. Weder am Boden noch an den Wänden des Hausflurs fand sich jedoch Blut. Also war das nicht der Tatort. So überraschte es niemanden, dass die Spurensicherung, mit einiger Verspätung eingetroffen, keine Spuren sichern konnte. Ihr Bericht zog das vorläufige Fazit: "Mit so leeren Spurentütchen sind wir noch nie dagestanden."

Das abbruchreife Haus war lange schon unbewohnt. Wäre die Warnung "Vorsicht Einsturzgefahr" als Foto in die Presse gelangt, hätte man das dem Leser mit spöttischem Vergnügen als Omen serviert. Gab es Fußspuren im Staubfilm auf dem Boden? Dem war auch nicht so: Der oder die Täter hatten tatsächlich den Flur sorgfältig gefegt, am Fußende des Körpers eine Handvoll Gartenerde ausgestreut und mit dem Finger ein Herz hineingemalt. Erde nimmt keine Fingerabdrücke an.

Sie machten Fotos und nahmen Proben von Staub und Erde in der Hoffnung, dass sich später etwas in einem Hosenaufschlag wiederfindet. Wohl wissend, "dass wir das auch hätten lassen können". Ein Geisterhaus hat möglicherweise Spuren von Geistern, nicht aber von Lebenden.

Es war wirklich alles sehr frustrierend.

Immerhin half die Aussage des diensttuenden Rechtsmediziners Dr. Armando Bentle weiter: "Gehört zur Oberschicht in der Oberstadt. Na ja, gehörte. Also Vorsicht! Ist beliebt, gute Seele für die Armen. Hielt Vorträge, politisch auf zack. Wohnte Oberstadtweg am Berg. Erkenne sie trotz der Gesichtsschnitte. Definitiv Laura Maria Lengden. Bringt sie auf meinen Tisch!"

Sein vorläufiger Bericht: "Kein Messerstich tödl. Keiner ins Herz. Langsam verblutet, keine große Ader getr. Schienbein li., Ringfinger re. zertrümmert. Leichenflecken mind. 40 Std. Todeszeit: mind. 2 Tage, eher 3-4. Leichenliegezeit kompliziert!"

Niemand hat dem Mann bisher seine Abkürzungswut abgewöhnen können. Die beiden Polizisten übergaben per Funk zwei Streifenbeamten die Aufgabe, den Ehemann zu informieren und ihn um die Erlaubnis für eine Hausdurchsuchung zu bitten. Und sie begannen unbeholfen mit Befragungen in der Nachbarschaft. Da war es ca. 8 Uhr, für einen Anruf beim Staatsanwalt noch zu früh, der kommt erst um 9.

In Bericht der Beamten heißt es: "Der Mann hatte keine innere Erregung. Das fiel sehr auf. Er erlaubte die Durchsuchung, ließ uns aber allein. Das war noch komischer. Er sagte: «Ich hab jetzt eine Vorlesung zu halten. Tun Sie, was Sie tun müssen. Ich verbiete Ihnen, Dinge zu entfernen. Erweist sich das als notwendig, bestehe ich darauf, anwesend zu sein.»"

Oberster Dirigent der Ermittlungsbehörde der kleinen Stadt ist Oberstaatsanwalt Dr. Roberto Ludovico Steven: Er wird um 09:15 Uhr ins Bild gesetzt. Polizeiberichte liegen noch nicht vor. Walter What, sein einziger Chefinspektor, wird Chefermittler im Fall Lengden und erhält weitreichende Vollmachten, die er eh schon hat, verbunden mit der Forderung nach "baldigsten...

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