Bis das Feuer die Nacht erhellt

Engel der Nacht 2 - Roman
 
 
Page & Turner (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 9. November 2011
  • |
  • 448 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-07238-4 (ISBN)
 
Auch Engel haben ihre dunklen Seiten

Alles könnte so schön sein: Nora ist nun endlich mit Patch, ihrem Schutzengel, zusammen, der sein Leben für sie geopfert hat. Aber leider lässt das Happy End noch etwas auf sich warten. Denn statt verliebt und glücklich zu sein, zieht Patch sich immer mehr von ihr zurück und scheint sogar Interesse an ihrer Erzfeindin Marcie Millar zu haben. Als Nora dann immer öfter von ihrem Vater träumt, der eines Nachts die Familie für immer verließ, beschleicht sie der Verdacht, dass Patch etwas damit zu tun haben könnte. Auf ihrer Suche nach der Wahrheit gelangt sie auf gefährliches Terrain, aber sie vertraut darauf, dass Patch seine schützende Hand über sie hält. Doch als sie mehr über die Vergangenheit erfährt, muss sie sich fragen, auf welcher Seite Patch wirklich steht ...

Der zweite Teil der Serie um den verführerischen Engel Patch und seine große Liebe Nora.

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
  • 0,48 MB
978-3-641-07238-4 (9783641072384)
3641072387 (3641072387)
weitere Ausgaben werden ermittelt

PROLOG


Coldwater, Maine, 14 Monate zuvor


Die Zweige des Stechapfelbaums kratzten an der Fensterscheibe hinter Harrison Grey. Er machte ein Eselsohr in seine Seite, weil er bei dem Lärm nicht mehr weiterlesen konnte. Ein heftiger Frühjahrssturm tobte schon den ganzen Abend heulend und pfeifend um das Farmhaus, und die Fensterläden schlugen immer wieder mit lautem Knall gegen die Holzbretter der Außenwand. Dem Kalender nach war es zwar bereits März, aber Harrison war nicht so naiv, dass er an einen nahen Frühlingsbeginn geglaubt hätte. Nach so einem Sturm würde es ihn nicht weiter überraschen, wenn die Landschaft am nächsten Morgen weiß überfroren wäre.

Um das durchdringende Pfeifen des Windes zu übertönen, drückte Harrison auf die Fernbedienung und drehte die Lautstärke von Bononcinis »Ombra mai fu« hoch. Dann legte er noch ein Holzscheit aufs Feuer, wobei er sich nicht zum ersten Mal fragte, ob er dieses Farmhaus auch gekauft hätte, wenn er gewusst hätte, wie viel Feuerholz nötig war, um auch nur einen kleinen Raum zu heizen, geschweige denn neun.

Das Telefon schrillte.

Harrison nahm den Hörer beim zweiten Klingeln ab, in der Erwartung, die Stimme der besten Freundin seiner Tochter zu hören; sie hatte die ärgerliche Angewohnheit, zu nachtschlafender Zeit anzurufen, wenn am nächsten Morgen eine Hausaufgabe fällig war.

Flache, schnelle Atemzüge waren zu hören, bevor eine Stimme das Rauschen unterbrach. »Wir müssen uns treffen. Wie schnell kannst du hier sein?«

Die Stimme durchfuhr Harrison. Sie war ein Gespenst aus der Vergangenheit, und ihm wurde eiskalt. Es war lange her, dass er diese Stimme gehört hatte, und wenn er sie jetzt hörte, dann war etwas schiefgelaufen. Schrecklich schiefgelaufen. Er merkte, wie er sich versteifte und der Telefonhörer in seiner Hand plötzlich glitschig war von seinem Schweiß.

»In einer Stunde«, antwortete er matt.

Langsam legte er den Hörer auf. Er schloss die Augen, und seine Erinnerung reiste unwillkürlich zurück in die Vergangenheit. Vor fünfzehn Jahren hatte es eine Zeit gegeben, in der er beim Klingeln des Telefons erstarrte, in der die Sekunden wie Trommelschläge waren, während er darauf wartete, dass die Stimme am anderen Ende zu sprechen begann. Als jedoch ein friedliches Jahr auf das andere folgte, hatte er sich mit der Zeit schließlich selbst davon überzeugt, dass er die Geheimnisse seiner Vergangenheit erfolgreich hinter sich gelassen hatte. Er war ein Mann, der ein ganz normales Leben führte, ein Mann mit einer wundervollen Familie. Ein Mann, der nichts zu fürchten hatte.

In der Küche trat Harrison an die Spüle, goss sich ein Glas Wasser ein und stürzte es hinunter. Draußen war es stockdunkel, sein wächsernes Spiegelbild starrte ihn vom Fenster gegenüber an. Harrison nickte, als wollte er sich selbst davon überzeugen, dass schon alles in Ordnung kommen würde. Doch sein Blick war schwer von Lügen.

Er löste seinen Schlips, um die Beklommenheit zu lindern, die seine Haut zu spannen schien, und goss sich ein zweites Glas ein. Das Wasser lag ihm ungut im Magen und drohte, wieder hochzukommen. Nachdem er das Glas in die Spüle gestellt hatte, griff er nach den Autoschlüsseln auf dem Tisch. Kurz zögerte er, als wollte er es sich doch noch anders überlegen.

 

Harrison fuhr das Auto an den Straßenrand und schaltete die Scheinwerfer aus. Mit dampfendem Atem saß er im Dunkeln und musterte die baufälligen Reihenhäuser aus Backstein in einem verwahrlosten Viertel Portlands. Es war Jahre her - fünfzehn, um genau zu sein - dass er einen Fuß in diese Gegend gesetzt hatte, und da er sich hier auf seine eingerostete Erinnerung verließ, wusste er nicht genau, ob er am richtigen Ort war. Er ließ das Handschuhfach aufschnappen und nahm ein vergilbtes Stück Papier heraus. 1565 Monroe. Er wollte aus dem Wagen steigen, doch die Stille in den Straßen beunruhigte ihn. Daher griff er unter den Fahrersitz, zog eine geladene Smith & Wesson hervor und steckte sie hinten in seinen Hosenbund. Seit dem College hatte er keine Waffe mehr benutzt, und auch da nie außerhalb eines Schießplatzes. Der einzige klare Gedanke in seinem schmerzenden Kopf war, dass er hoffentlich auch in einer Stunde noch dasselbe von sich sagen konnte.

Harrisons Schritte hallten laut auf dem verlassenen Bürgersteig, aber er ignorierte den Rhythmus und beschloss stattdessen, seine Aufmerksamkeit auf die Schatten zu richten, die der silberne Mond warf. Er zog seinen Mantel fester um sich, während er an engen, unbefestigten Hofeinfahrten vorüberkam, die mit Maschendraht eingezäunt waren; die Häuser dahinter waren dunkel und unheimlich still. Zweimal hatte er das Gefühl, verfolgt zu werden, doch als er sich umsah, war da niemand.

Bei Monroe Nr. 1565 angekommen, öffnete er das Tor und ging nach hinten um das Haus herum. Er klopfte einmal und sah, wie sich hinter den Spitzengardinen ein Schatten bewegte.

Die Tür wurde einen Spalt breit geöffnet.

»Ich bin's«, flüsterte Harrison.

Die Tür ging gerade weit genug auf, um ihn hineinzulassen.

»Ist dir jemand gefolgt?«, wurde er gefragt.

»Nein.«

»Sie steckt in Schwierigkeiten.«

Harrisons Herz schlug schneller. »Was für Schwierigkeiten? «

»Wenn sie sechzehn wird, kommt er sie holen. Du musst sie weit weg von hier bringen. Irgendwohin, wo er sie niemals finden kann.«

Harrison schüttelte den Kopf. »Ich verstehe nicht .«

Ein drohender Blick seines Gegenübers unterbrach ihn. »Als wir diese Abmachung getroffen haben, habe ich dir gesagt, dass es Dinge gibt, die du nicht verstehen würdest. Sechzehn ist ein verfluchtes Alter in - in meiner Welt. Mehr brauchst du nicht zu wissen«, schloss er abrupt.

Die beiden Männer sahen einander an, bis Harrison schließlich vorsichtig nickte.

»Du musst deine Spuren verwischen«, wurde ihm gesagt. »Wo auch immer du hingehst, musst du von vorne anfangen. Niemand darf wissen, dass du aus Maine kommst. Niemand. Er wird nie aufhören, nach ihr zu suchen. Verstehst du?«

»Ich verstehe.« Aber seine Frau? Und Nora?

Harrisons Augen passten sich allmählich der Dunkelheit an, und er stellte verwundert und ungläubig fest, dass der Mann, der vor ihm stand, seit ihrem letzten Treffen nicht einen Tag älter geworden war. Tatsächlich schien er seit dem College nicht einen Tag gealtert zu sein, als sie sich ein Zimmer geteilt hatten und beste Freunde geworden waren. Ob es an den Schatten lag?, fragte sich Harrison. Es konnte nicht anders sein. Etwas jedoch hatte sich verändert. Da war eine kleine Narbe unten an der Kehle seines Freundes. Harrison sah sich die Verunstaltung genauer an und zuckte zurück. Ein Brandmal, etwas erhöht und glänzend, kaum größer als ein Vierteldollar. Es hatte die Form einer geballten Faust. Zu seinem Entsetzen erkannte Harrison, dass sein Freund gebrandmarkt worden war. Wie ein Stück Vieh.

Sein Freund spürte Harrisons Blick, und sein Ausdruck wurde stählern, abwehrend. »Es gibt Leute, die mich zerstören wollen. Die mich entmutigen und entmenschlichen wollen. Ich habe eine Gesellschaft gegründet, zusammen mit einem treuen Freund. Es werden ständig neue Mitglieder aufgenommen.« Er hielt inne, als sei er sich nicht sicher, wie viel er noch sagen sollte, dann sprach er hastig zu Ende. »Wir haben die Gesellschaft zu unserem Schutz ins Leben gerufen und ihr Treue geschworen. Wenn du mich noch so gut kennst wie früher, dann weißt du, dass ich alles Nötige tun werde, um meine Interessen zu schützen.« Er machte eine kleine Pause und fügte beinahe geistesabwesend hinzu: »Und meine Zukunft.«

»Die haben dich gebrandmarkt«, sagte Harrison in der Hoffnung, sein Freund würde den Ekel nicht bemerken, der ihn erfasst hatte.

Sein Freund sah ihn einfach nur an.

Einen Augenblick später nickte Harrison, um zu zeigen, dass er verstand, auch wenn er es nicht für richtig hielt. Je weniger er wusste, desto besser. Sein Freund hatte das öfter klargestellt, als er zählen konnte. »Gibt es sonst noch etwas, das ich tun kann?«

»Bring sie einfach nur in Sicherheit.«

Harrison schob seine Brille auf dem Nasenrücken nach oben. Unbeholfen setzte er an: »Ich dachte, du möchtest vielleicht wissen, dass sie gesund und kräftig ist. Wir haben sie Nor.«

»Ich will nicht an ihren Namen erinnert werden«, unterbrach ihn sein Freund schroff. »Ich habe alles getan, was in meiner Macht stand, um ihn aus meiner Erinnerung zu tilgen. Ich will überhaupt nichts über sie wissen. Ich will, dass keine Spur von ihr in meiner Erinnerung zu finden ist, die dieser Bastard entdecken könnte.« Er drehte sich um, und Harrison wusste, dass ihr Gespräch zu Ende war. Einen Augenblick blieb er noch stehen; so viele Fragen lagen ihm auf der Zunge, doch wusste er auch, dass es nicht gut wäre, ihn zu drängen. Er unterdrückte sein Bedürfnis, diese dunkle Welt zu verstehen, die seine unschuldige Tochter nicht verdient hatte, und ging hinaus.

Als er gerade einen halben Block hinter sich gebracht hatte, zerriss ein Schuss die Nacht. Instinktiv warf Harrison sich zu Boden und wirbelte herum. Sein Freund. Ein zweiter Schuss wurde abgefeuert, und ohne nachzudenken lief er zurück zum Haus. Er stieß das Tor auf und rannte quer über den Hof. Als er gerade um die letzte Ecke biegen wollte, hörte er streitende Stimmen und blieb abrupt stehen. Trotz der Kälte schwitzte er. Der Hinterhof lag im Dunkeln, und er schlich die Gartenmauer entlang, darauf bedacht, keine Steine loszutreten, die ihn verraten könnten, bis die Hintertür in Sicht kam.

»Letzte Chance«, sagte eine sanfte, ruhige Stimme, die Harrison nicht erkannte.

»Fahr zur Hölle«, fauchte sein...

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