Medienkompetenz im Unterricht durch die Dekonstruktion des Filmes "Bismarck" von 1940. Die Funktionalisierung des Bismarck-Mythos im Nationalsozialismus

 
 
Diplomica Verlag
  • 1. Auflage
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  • erschienen im August 2016
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  • 164 Seiten
 
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978-3-95934-460-9 (ISBN)
 
Die Spielfilme der Weimarer Zeit und des Nationalsozialismus, die Friedrich dem Großen gewidmet wurden, sind zahlreich. Im Gegensatz dazu existieren aus dieser Zeit allerdings nur zwei Filme über Bismarck von Regisseur Wolfgang Liebeneiner (1905 - 1987). Mit "Bismarck" (1940) und "Die Entlassung" (1942) wurde der Reichsgründer von 1871 in die immer wieder hervorgehobene "historische Linie" gerückt, die sich den Deutschen einbrennen sollte: Friedrich der Große - Bismarck - Hitler. Bismarcks Werk der deutschen Einigung sollte im Großdeutschen Reich aufgehen. Diese Filme prägen noch heute das Geschichtsbild über Bismarck und üben Einfluss auf die Frage nach der nationalen Identität der Deutschen aus, indem sie immer noch ausgestrahlt und kommerziell vertrieben werden. Deshalb bleibt die Auseinandersetzung mit Propaganda- und Unterhaltungsfilmen der NS-Zeit wichtig, um ihrer einschüchternden Art in Form der Autorität von Geschichte und Mythisierung des Vergangenen entgegenzuwirken. Diese Arbeit zum Film "Bismarck" von 1940 enthält im Anhang umfangreiche fachdidaktische Handlungsanweisungen und Arbeitsblätter mit Musterlösungen zur praktischen Umsetzung der Film-De-Konstruktion für den Lehrbetrieb. Ein Szenen- und Sequenzprotokoll des gesamten Filmes finden sich dort ebenfalls.
  • Deutsch
  • Hamburg
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  • Deutschland
  • 30,18 MB
978-3-95934-460-9 (9783959344609)
3959344600 (3959344600)
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Daniel Fischer, Studienrat, wurde 1979 in Meißen bei Dresden geboren. 1999 erhielt er das Abitur am Wirtschaftsgymnasium Coswig. Von 1999 bis 2000 absolvierte er seinen Wehrdienst bei der Luftwaffe der Bundeswehr. Danach studierte der Autor von 2000 bis 2008 Höheres Lehramt an Gymnasien mit den Fächern Geschichte, Gemeinschaftskunde, Rechtserziehung und Wirtschaft an der Technischen Universität Dresden. Er erhielt 2008 sein Erstes und 2010 sein Zweites Staatsexamen. Seit 2010 ist der Autor im Schuldienst des Landes Baden-Württemberg.
1 - Medienkompetenz im Unterricht durch die Dekonstruktion des Filmes "Bismarck" von 1940. Die Funktionalisierung des Bismarck-Mythos im Nationalsozialismus [Seite 1]
1.1 - Ein Wort des Dankes [Seite 3]
1.2 - Inhaltsverzeichnis [Seite 5]
1.3 - 1 Vorüberlegungen [Seite 7]
1.3.1 - 1.1 Einordnung des Themas [Seite 8]
1.3.2 - 1.2 Thema [Seite 9]
1.3.3 - 1.3 Ziel der Arbeit [Seite 9]
1.4 - 2 Theoretische Fundierung [Seite 11]
1.4.1 - 2.1 "Geschichte denken statt pauken" [Seite 11]
1.4.1.1 - 2.1.1 Historische Kompetenz: Basisoperationen historischen Denkens [Seite 13]
1.4.1.2 - 2.1.2 De-Konstruktion von Geschichte(n) [Seite 14]
1.4.2 - 2.2 Filme im Geschichtsunterricht [Seite 15]
1.4.2.1 - 2.2.1 Filme de-konstruieren, Filme analysieren? [Seite 16]
1.4.2.2 - 2.2.2 Medienkompetenz [Seite 18]
1.4.3 - 2.3 Methodenkompetenz und FUER Geschichtsbewusstsein [Seite 20]
1.5 - 3 Planungsüberlegungen [Seite 23]
1.5.1 - 3.1 Einordnung [Seite 23]
1.5.2 - 3.2 Bedingungsanalyse [Seite 24]
1.5.3 - 3.3 Sachanalyse [Seite 25]
1.5.4 - 3.4 Didaktisch-methodische Überlegungen [Seite 28]
1.6 - 4 Reflexion [Seite 33]
1.6.1 - 4.1 Evaluation [Seite 39]
1.6.2 - 4.2 Ziel-Ergebnis-Vergleich [Seite 40]
1.7 - 5 Literaturverzeichnis [Seite 43]
1.8 - 6 Anlagenverzeichnis [Seite 53]
1.8.1 - Anlagen [Seite 55]
Textprobe:

Kapitel 2.2.2 Medienkompetenz:

Medienkompetenz war das Wort des Jahres 1996. Seitdem "ist die Konjunktur des Begriffes kaum abgeflaut". So verwundert es nicht, dass auch Begriffe wie "Filmkompetenz" und "Filmgespräch" verwendet werden, um "affektive Gebundenheit" nach einem Film zu eliminieren. Medienkompetenz im Geschichtsunterricht manifestiert sich in erster Linie als Methodenarbeit im Sinne des FUER-Ansatzes, indem der Umgang mit und an Medien gelernt wird. Hier müssen konkrete Fragen an das Medium Film formuliert werden, die dann mit den Basisoperationen analytisch beantwortet werden können. Das entspricht dem konstitutiven Zusammenhang von Ziel, Inhalt und Methode. "Unter schulischer Medienerziehung versteht man jene pädagogischen Interaktionen, welche sich mit Theorie und Praxis der Entstehung, des Gebrauchs und der Wirkung von Medien befassen. [.] Medienerziehung ist keinesfalls synonym für den didaktisch oder methodisch begründeten Einsatz von Medien in der schulischen Praxis zu verwenden, wenngleich Medien im Sinne von Unterrichtsmitteln unverzichtbar sind." Medienkompetenz ist der Mittelpunkt schulischer Medienerziehung. Medien sind meiner Ansicht nach methodisch und didaktisch begründet einzusetzen, sodass die Unvereinbarkeit von medienerzieherischen und -didaktischen Aspekten nur auf Definitionsgirlanden hinausläuft (A 0.4). Bei diesem nodum in scirpo quaerere der zahlreichen Differenzierungen der Begrifflichkeiten zur Medienerziehung, -pädagogik und -kompetenz schließe ich mich den pragmatischen fachdidaktischen Überlegungen von FUER an. Die methodische Arbeit wird hier am Ziel der Ausprägung von Methodenkompetenz am und durch das Medium an die Frage- und Orientierungskompetenz angekoppelt: Nichts anderes ist im Lehrplan mit der "progressiven Entwicklung der Methodenkompetenz" gemeint! Hier liegt die konkrete Arbeit, die in manchen Eckwertepapieren leider eher eine Allgemeine bleibt. Medienerziehung heißt eben nicht nur, über Relevanz und Arten der Medien allgemein zu philosophieren, sondern konkretes methodisches Handeln zwecks Analyse von Botschaften in Medien. Ich behaupte sogar, dass die theoretischen Fundierungen, die FUER geliefert hat, Medienerziehung erst konkret werden lassen, weil mediendidaktische und -pädagogische Aspekte nur im Zusammenhang beim Aufbau von Methoden- bzw. Medienkompetenz gesehen werden müssen. Zentral sind hierbei die Basisoperationen, die als Methodenkompetenzen jene Medienkompetenz befördern. Nur die "Neigung mancher Didaktiker und Methodiker, sich terminologisch möglichst originell zu etablieren", führt zu den zahlreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen, die kaum Praktikabilität hinsichtlich der Arbeit an oder mit konkreten Medien liefern, als vielmehr jene Definitionsgirlanden, was Medien sind bzw. sein sollen, können oder dürfen. FUER stellt vielen dieser leider oft nicht einmal Binsenweisheiten á la "Was ist ein Medium?" ein Kompetenz-Struktur-Modell gegenüber, was interdisziplinär für die Beförderung der Medienkompetenz praktisch orientiert ist. Gleichsam besteht die Möglichkeit, Intermedialität zu thematisieren. Damit sind Kopplungen zwischen verschiedenen Medien gemeint, wie es am Beispiel der Kaiserproklamation in "Bismarck" deutlich werden wird.
Kompetenzen und Bildungsstandards, mit denen sich Körber auseinandersetzte, sind "nur in realen Handlungssituationen" zu überprüfen und liegen damit im Bereich von Unterrichtsvorbereitung, -durchführung und -reflexion, im Bereich der konkreten kompetenzbezogenen Medienarbeit also (A 0.4.2). Das Medium Tonfilm ist hierbei eine Darstellung in Form einer Bild-Wort-Kombination, die zahlreiche sinnstiftende Botschaften zu transportieren versucht. Dieses "Wozu", die Ideologie, die "Message", gilt es, zu analysieren: in Geschichte, Englisch oder Deutsch. Diese Analyse bewirkt eine Beförderung der Medienkompetenz im Sinne kritischen Hinterfragens eines jeden (!) Films und ist gleichsam Medienerziehung auf Grund medienpädagogischen Handelns in Lehr-Lern-Situationen fächerübergreifend und im besten Fall sogar fächerverbindend.

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