Galgenhügel

Ein Münsterland-Krimi. Der erste Fall für Tenbrink und Bertram
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 5. Dezember 2017
  • |
  • 376 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-4787-6 (ISBN)
 
Ein nebelverhangener Herbstmorgen, ein kleines Dorf im Münsterland und ein historischer Galgen - an dem eine bekannte Schauspielerin hängt. Alles deutet auf Selbstmord hin. Doch Kommissar Tenbrink wird hellhörig, als er erfährt, dass die Schwester der Toten vor sechzehn Jahren an genau diesem Ort auf tragische Weise ums Leben kam. Ein bloßer Zufall? Tenbrink und sein junger Kollege Bertram glauben nicht an Zufälle. Irgendwo muss es eine Verbindung zwischen den beiden Todesfällen geben. Während ihrer Ermittlungen graben sie tief in der Vergangenheit der Dorfbewohner - was nicht allen im Ort gefällt. Und um ein altes Geheimnis zu schützen, schreckt jemand auch vor weiteren Morden nicht zurück.

"Galgenhügel" ist der Auftakt der neuen Krimi-Reihe von Erfolgsautor Tom Finnek um das Ermittlerteam Tenbrink und Bertram: Westfälischer Dickschädel mit Erinnerungslücken trifft auf strafversetzten Magdeburger mit heikler Vergangenheit.

LESER-STIMMEN

"Die vielen Spuren, denen das Ermittler-Duo unter erhöhtem Zeitdruck nachgehen muss, verdichten sich zu einem fulminanten Showdown." (Venatrix, Lesejury)

"Ein wirklich gut gelungener Krimi der alle Krimifans begeistern wird. Ein absolutes Muss!" (Kessi76, Lesejury)

"Tom Finnek hat hier ein ungewöhnliches, sehr sympathisches Ermittlerpaar geschaffen, das durch die bildhafte Beschreibung sofort im Kopf des Lesers haften bleibt. Die beiden agieren glaubhaft und kommen authentisch rüber." (Ladybella911, Lesejury)

eBooks von beTHRILLED - mörderisch gute Unterhaltung!
1. Aufl. 2017
  • Deutsch
  • Köln
  • |
  • Deutschland
  • 1,84 MB
978-3-7325-4787-6 (9783732547876)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Prolog

Warum konnte er nicht einfach den Mund halten? Verständnislos schaute Ellen ihren Mann an, der wild gestikulierend auf eine der verstört dreinschauenden Flugbegleiterinnen einredete, dabei lauthals fluchte und herumkrakeelte. Ellen betrachtete ihn wie einen völlig Fremden und kam sich plötzlich vollkommen einsam vor, als stürzte sie ganz allein mit diesem verdammten Flugzeug in Richtung Meeresoberfläche. Um sie herum weinten oder schluchzten die Leute, einige wenige beteten, ein junges Paar hielt sich über den Gang an den Händen, wieder andere tippten hektisch etwas in ihre Smartphones. Letzte Nachrichten für die Liebsten. Doch die meisten der Passagiere taten all das beinahe geräuschlos, wie gedämpft. Nur Michael brüllte herum und schnauzte die Stewardessen an, als wären sie irgendwelche Darstellerinnen in einem seiner Filme, die sich nicht an seine Regieanweisungen hielten. Ununterbrochen sprudelten Worte aus seinem Mund, dabei deutete er immer wieder auf seine Schwimmweste und die beiden Ventile, mit denen die Weste aufgeblasen wurde. Doch Ellen hörte gar nicht hin, sie schottete sich ab, gab keinen Ton von sich und versuchte, die letzten Augenblicke ihres Lebens ganz bei sich zu sein. Sie wollte sie nicht mit sinnloser Panik vergeuden. Sie wusste, dass sie in Kürze sterben würde, und versuchte, das Unvermeidliche zu akzeptieren. So schwer ihr das auch fiel. Was gab es jetzt noch zu sagen? Worte hatten jeden Sinn verloren. Vielleicht schwieg sie aber auch, weil die Angst ihr die Kehle zuschnürte. Wie in Schockstarre.

»Brace for impact!«, hatte der Flugkapitän über die Lautsprecher gesagt.

Gleich wäre alles vorbei! Da konnte der schlaksige Amerikaner in der Reihe vor ihnen behaupten, was er wollte. Angeblich hatte er schon einmal eine solche Notwasserung überlebt, damals in New York, auf dem Hudson River. Es komme lediglich darauf an, dass der Pilot das Flugzeug waagerecht in der Luft halte und die Boeing mit beiden Tragflächen gleichzeitig auf dem Wasser aufkomme, hatte er bereits kurz nach dem Ausfall der Triebwerke getönt. Dann bestünde eine nicht geringe Wahrscheinlichkeit, dass sie die Katastrophe unbeschadet überstanden.

Ellen wollte davon nichts hören. Das hier war nicht New York, unter ihnen befand sich nicht der Hudson River, sondern das Karibische Meer, und die Küste Venezuelas war noch etliche Flugminuten entfernt. Statt auf dem Flughafen von Caracas zu landen, würden sie mitten in der Nacht mit der Boeing 767 im Ozean versinken. Und da sie in der Business Class direkt hinter dem Cockpit saßen, würden sie vermutlich als Erste auf dem Wasser aufschlagen und sterben. Bevorzugt selbst im Tod. Der Gedanke daran ließ Ellen mehrmals schlucken, sie war kurz davor, sich zu übergeben. Nicht jetzt, schalt sie sich in Gedanken und musste unwillkürlich und völlig unangebracht lachen.

»Was ist so witzig?«, schimpfte Michael und stieß sie ärgerlich mit dem Ellbogen an. »Glaubst du, wir sind hier bei Verstehen Sie Spaß

Ellen schüttelte den Kopf und biss sich auf die Lippen. Plötzlich hörte sie neben sich ein lautes Zischen. Sie erschrak und stellte irritiert fest, dass das Geräusch aus Michaels Rettungsweste kam. Entgegen den Anweisungen des Kabinenpersonals hatte er an den Ventilen der Druckpatronen gezogen.

»Wir sollen die Westen doch erst außerhalb des Flugzeugs aufblasen«, sagte Ellen und merkte im selben Moment, wie dumm und hohl ihre Worte klangen. Wie sehr sie den eigenen düsteren Gedanken widersprachen. Es würde kein außerhalb des Flugzeugs geben. Jedenfalls würden sie es nicht mehr erleben.

»Und wenn ich nach dem Aufprall nicht mehr in der Lage bin, das Scheißding aufzublasen?«, fuhr Michael sie an. »Was dann? Soll ich etwa ertrinken, nur weil das die verdammten Vorschriften so verlangen?«

Wir werden alle sterben, wollte Ellen sagen, beließ es dann aber bei einem stummen Achselzucken. Reden nützte ohnehin nichts mehr. Jetzt galt es, sich auf das Ende gefasst zu machen. Wie bei einem Countdown. Ellen begab sich wieder in die gebückte Brace-Position, wie sie es so oft in den schlecht animierten Filmchen zu Beginn eines jeden Flugs gesehen hatte. Gurt festgezurrt, Becken nach hinten, Kopf runter, Hände auf die Knie.

»Brace, brace!«, rief eine Stewardess. »Heads down!« Damit verschwand sie nach vorne zu ihrem Klappsitz vor den Toiletten.

Wieder fluchte Michael. Mit aufgeblasener Rettungsweste war gar nicht daran zu denken, sich nach vorne zu beugen und den Kopf nach unten zu nehmen. Er musste aufrecht sitzen bleiben, wie in einem Stützkorsett. Was ihn aber nicht daran hinderte, weiterhin unentwegt auf Ellen einzureden. Nur sein Ton hatte sich mittlerweile geändert. Da die Stewardess außer Reichweite war, schrie er nicht mehr herum, sondern haderte gestenreich mit seinem Schicksal, beklagte sich bei Ellen, machte ihr Vorwürfe, weil sie die Reise unbedingt unternehmen wollte, und schien sowohl mit ihr als auch mit seinem eigenen Leben abrechnen zu wollen. Völlig ansatzlos sprang er dabei zwischen der Vergangenheit und dem, was seine Zukunft hätte bringen sollen, hin und her. Seine Worte wurden zunehmend selbstmitleidig. Was er selbst aber gar nicht zu bemerken schien.

Ellen schloss die Augen, hielt sich unmerklich die Ohren zu und dachte mit Bitterkeit daran, dass dieser Urlaub eigentlich ein Neuanfang hätte sein sollen. Oder vielmehr eine letzte Chance. Für ihre zur bloßen Routine verkommene Ehe, für ihr scheinbar aufregendes, aber völlig sinnentleertes Leben, für einfach alles. Drei Wochen Venezuela, von den eisigen Anden über das tropische Orinoco-Delta bis zu den Traumstränden der Karibik, während im heimischen Berlin das übliche triste Novemberwetter herrschte. Drei Wochen ohne den ganzen Fernsehrummel, ohne mühsame Drehs und langweilige Studioarbeit, ohne alberne PR-Auftritte und ermüdende Interview-Termine. Ohne das nichtige Leben in einer schillernden Blase. Drei Wochen zum Innehalten und Durchschnaufen.

»Alles auf Anfang!«, wie man beim Film sagen würde.

Ellen hatte gerade die erste Staffel einer humorigen Krimiserie mit dem Titel »Lustig bis in den Tod« abgedreht und mit Bedacht für den Rest des Jahres keine neuen Rollen angenommen. Und da auch Michael mit der Postproduktion seines neuesten Zweiteilers weitgehend fertig war, hatte sie die Reise gebucht, ohne ihn zu fragen. Natürlich war er außer sich gewesen und hatte behauptet, jetzt sei wirklich keine Zeit für Urlaub und er müsse sich unbedingt um die Finanzierung und Stoffentwicklung des nächsten Projekts kümmern. Doch das hatte Ellen nicht gelten lassen. Zu oft hatte sie diesen immer gleichen Sermon in den sechs Jahren ihrer Ehe gehört. Nie war Zeit für Urlaub, nie Zeit für irgendetwas, vor allem nicht für sich selbst. Und an Kinder war schon gar nicht zu denken. Stets gab es gute Gründe, äußere Zwänge oder nützliche Ausreden. Nicht jetzt, nicht hier, nicht so! Damit müsse nun Schluss sein, hatte sie gefordert und Michael die Pistole auf die Brust gesetzt. Entweder er begleite sie nach Südamerika oder sie werde ohne ihn fliegen. Und anschließend nicht zu ihm zurückkehren.

Anschließend! Ein großer Schwarm Vögel hatte dafür gesorgt, dass es dazu nicht kommen würde. Jedenfalls hatte der schlaksige Amerikaner vermutet, dass es Vögel gewesen waren. Wahrscheinlich Gänse. Wie damals in New York. Wenige Minuten nachdem die Maschine die Reiseflughöhe verlassen und zum Landeanflug auf Caracas angesetzt hatte, hatte es einen lauten Knall und ein kurzes Vibrieren gegeben. Ellen war aus dem Halbschlaf aufgeschreckt und hatte zunächst an ein Luftloch oder einen Blitzeinschlag geglaubt. Nichts Ernsthaftes jedenfalls. Bis sie aus dem Fenster geschaut und den Feuerschein auf der rechten Seite gesehen hatte. Da es draußen stockfinster war, konnte man die Flammen, die aus dem Triebwerk schlugen, auch im Bug des Flugzeugs erkennen. Ellen glaubte zu wissen, dass sich ein Flugzeug mit etwas Geschick auch mit nur einem Triebwerk steuern ließ, doch als sie bemerkte, dass die Passagiere auf der linken Seite ebenfalls wie gelähmt aus den Fenstern starrten und die beiden Triebwerke plötzlich jaulende Geräusche von sich gaben, ahnte Ellen, dass sie in ernsten Schwierigkeiten steckten. Nur wenige Augenblicke später zischte es laut und dumpf, die Flammen erloschen, erst rechts, dann links, und es war wieder dunkel hinter den Fenstern. Doch noch ehe so etwas wie Hoffnung oder gar Erleichterung aufkommen konnte, verstummten kurz nach dem Zischen auch die Motorengeräusche. Die Triebwerke waren ausgefallen. Auf beiden Seiten. Einzelne entsetzte Schreie betonten die unerträgliche Stille. Die Boeing 767 war zu einem gigantischen und völlig untauglichen Segelflugzeug geworden. Zu einem stromlinienförmigen Sarg aus Aluminium.

»Ellen, hörst du mir überhaupt zu?« Michael zerrte heftig an ihrer Schulter und riss sie aus ihren irrlichternden Gedanken.

»Natürlich«, log sie und nahm die Hände von den Ohren.

»Und was sagst du dazu?«

»Was soll ich sagen?« Sie war nicht in der Lage, ihn anzuschauen, und starrte weiterhin auf ihre Knie. »Nichts.«

»Nichts?«

»Wir werden sterben, Michael.« Das war alles, was dazu zu sagen war.

»Eben drum.« Seine Worte klangen gleichzeitig verständnislos und vorwurfsvoll. Als hätte sie ihn mit ihrem vermeintlichen Desinteresse tödlich beleidigt. »Willst du denn gar nicht wissen, was mit deiner Schwester geschehen ist?«

»Meine Schwester?« Ellen war völlig verwirrt und brauchte eine Weile, um zu begreifen, wovon Michael überhaupt sprach. Er war...

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