Spurensammler

Thriller
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. Juni 2015
  • |
  • 496 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-96945-1 (ISBN)
 
Als einer der gefährlichsten Schwerverbrecher Englands von seinen Komplizen aus dem Hochsicherheitsgefängnis befreit wird, holt Detective Mark Heckenburgs spektakulärster Fall ihn plötzlich wieder ein. Zwei Jahre nachdem unzählige Opfer entführt und ermordet wurden, beginnt der Albtraum von Neuem. Immer mehr Menschen werden getötet. Kaltblütig, brutal, am helllichten Tag. Und Heck weiß, dass es nicht lange dauern wird, bis auch er an der Reihe ist .
  • Deutsch
  • München
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  • Deutschland
Piper ebooks in Piper Verlag
  • 2,11 MB
978-3-492-96945-1 (9783492969451)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Paul Finch hat als Polizist und Journalist gearbeitet, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Er hat zahlreiche Drehbücher, Kurzgeschichten und Horrorromane veröffentlicht und wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem British Fantasy Award und dem International Horror Guild Award. »Spurensammler« ist nach »Mädchenjäger« und »Rattenfänger« sein dritter Thriller um den Ermittler Mark »Heck« Heckenburg. Paul Finch lebt mit seiner Familie in Lancashire, England.

Kapitel 3


Die Zeit hatte im Hendon-Viertel im Osten Sunderlands keine großen Spuren hinterlassen.

Der Stadtteil bestand vor allem aus uralten Reihenhaussiedlungen, schäbigen Wohnhochhäusern und dem eigenartigen verlassenen Fabrikviertel. Was Recht und Ordnung anging, war Hendon selbst in den Hochzeiten des Hafenviertels berüchtigt gewesen, doch inzwischen wurde der Stadtteil überwiegend von Arbeitslosen bevölkert, was das Ganze in dieser Hinsicht noch schlimmer machte. Die Straße, die sie entlangfuhren, war typisch; eine einzelne Häuserreihe ging auf einen tiefer liegenden überwucherten Streifen Brachland hinaus, vor dem sich ein klappriger alter Zaun entlangzog. Die Hausfronten waren rußschwarz, etliche Türen verbeult und ramponiert. Insgesamt gab es zehn Behausungen, die von zwei Eckläden flankiert wurden, in denen, soweit Heck es beurteilen konnte, nur Ramsch angeboten wurde.

Sie parkten Farthings Streifenwagen, einen Vauxhall Astra, gegenüber von Nummer drei neben dem einzigen Tor in dem Zaun. Als sie ausstiegen, wurden sie sofort von der Septemberbrise erfasst. Am Morgen hatte es in Strömen gegossen, die Straße war immer noch nass, in den Rinnsteinen standen Pfützen. Inzwischen war die Sonne hervorgekommen, doch graue, vom Wind getriebene Wolkenfetzen schoben sich immer wieder vor sie und absorbierten jegliche Wärme. Weit und breit war kein Mensch zu sehen. In dem Haus direkt vor ihnen regten sich keine Vorhänge, das Gleiche galt für die benachbarten Häuser. Es waren auch keine Lichter eingeschaltet.

Police Constable Farthing klopfte an die Haustür und wartete, Heck stand hinter ihm. Niemand reagierte auf das Klopfen. Im Haus blieb es dunkel. Farthing klopfte erneut. Immer noch keine Reaktion. Nichts regte sich.

Farthing sah Heck an und zuckte mit den Schultern. »Na gut, wir haben es versucht.«

Heck ignorierte die Bemerkung, ging in die Hocke und schob den Briefschlitz auf. »Mr Cooper!«, rief er. »Wir sind von der Polizei! Bitte öffnen Sie uns!«

Drinnen rührte sich immer noch nichts. Heck versuchte es noch zweimal, jedoch ohne Erfolg, und richtete sich wieder auf.

»Zufrieden?«, fragte Farthing.

»Ganz und gar nicht. Wenn Sie unter Verdacht stünden, drei Mitglieder einer Gang umgebracht zu haben, und die Polizei kreuzte bei Ihnen auf, bevor Sie dazu gekommen sind, den Rest der Bande zu erledigen - würden Sie freiwillig die Tür öffnen?«

»Das ist ja wohl, verdammt noch mal, nicht Ihr Ernst! Ich habe den Typen doch nur im Rahmen einer Haus-zu-Haus-Befragung aufgesucht. Um ihn zu fragen, ob er an dem Tag, an dem es Crabtree erwischt hat, irgendetwas gesehen hat.«

Heck langte unter sein Jackett, holte ein zusammengefaltetes Schriftstück hervor und überflog es. »Wir werden nie erfahren, wie viel er tatsächlich gesehen hat, solange wir ihn uns nicht richtig zur Brust genommen haben.«

Farthing machte große Augen. »Ist das . ein Durchsuchungsbefehl?«

»Nein, eine Einladung zum Kosmetiker. Natürlich ist das ein verdammter Durchsuchungsbefehl.« Heck prüfte mit beiden Händen die Haustür, doch sie gab kein bisschen nach. »Die Tür ist ziemlich stabil. Am besten versuchen wir es mal an der Rückseite des Hauses.« Er drehte sich um und ging in Richtung Bürgersteig.

»Sie hatten wohl eine ziemlich geschäftige Mittagspause, was?«, fragte Farthing und eilte Heck hinterher.

»Ohne Sie hätte ich es nicht hinbekommen, Jerry. Hab dem Kadi von Coopers Bilanz in Sachen politischer Gewalt berichtet.«

»Politische Gewalt?«

»Na, dass er auf Hippies und IRA-Anhängern herumhackt. Hab ihm auch von dem grausigen Messer berichtet, dass Sie gesehen haben. Darüber brauche ich natürlich noch einen offiziellen Bericht.«

»Mein Gott, ich habe Ihnen doch gesagt, dass es sich um eine Art Museumsstück handelt.«

»Ein Kampfmesser ist ein Kampfmesser, Jerry.« Sie bogen am Ende der Häuserreihe um die Ecke und landeten in einer schmuddeligen Hintergasse. »Aber egal, jedenfalls haben wir den Durchsuchungsbefehl . und hier sieht es schon besser aus.«

Von dem Tor hinter Haus Nummer drei waren nur noch die Scharniere übrig, die Öffnung bot Zutritt auf einen kleinen asphaltierten Hof. Im Gegensatz zur sonstigen Umgebung war der Hof aufgeräumt und ordentlich gefegt. Am Kohlenbunker lehnte ein Wäscheständer, daneben stand ein Korb mit Wäscheklammern.

»Ich bin mir nicht sicher, was ich davon halten soll«, sagte Farthing, als sie den Hof betraten. Auf der Rückseite des Hauses gab es ein Erdgeschossfenster und eine Hintertür. Sowohl das Fenster als auch die Tür waren zu und sahen verschlossen aus. »Ich stehe nicht darauf, mir gewaltsam Zutritt zu verschaffen, auch nicht mit einem Durchsuchungsbefehl.«

Als Antwort auf diesen Einwand pochte Heck laut gegen die Hintertür und rief, so laut er konnte: »Mr Cooper . Polizei! Es ist wirklich dringend! Würden Sie bitte aufmachen!« Sie warteten eine halbe Minute. Heck versuchte es erneut. Sie warteten wieder. Keine Reaktion. Heck sah Farthing an. »Und der Bewohner war definitiv zu Hause, als Sie heute Morgen geklingelt haben?«

»Ja. Er hat uns reingelassen und uns einen Tee gekocht.«

»Gut. Und jetzt ist er ziemlich eindeutig nicht da. Würden Sie mir da zustimmen?«

»Ich denke schon.«

»Gut.« Heck lehnte seine Schulter gegen die Hintertür und drückte sich mit voller Wucht dagegen. Gleich beim ersten Versuch fiel das rostige Schloss ab, und die Tür flog krachend nach innen auf. Im Inneren des Hauses war es stockfinster.

»Mr Cooper, Polizei!«, rief Farthing, während sie eine enge Spülküche durchquerten und eine kleine, aufgeräumte Küche betraten. »Wir haben einen Durchsuchungsbefehl für dieses Haus!«

Niemand antwortete, aber Heck sah sich um. »Ist ja alles picobello aufgeräumt«, stellte er fest.

»Der Kerl selbst sieht auch immer wie geleckt aus.«

»Ein bisschen der Soldatentyp, was?«

Im Eingangsflur stand in der Nähe der Tür ein Schuhregal, in dem Heck ein Paar matschverschmierte Laufschuhe ins Auge fielen. Über dem Geländer am Fuß der Treppe hing ein Regenmantel. Abgesehen von diesen alltäglichen Gegenständen, wirkte auch dieser Teil des Hauses aufgeräumt und ordentlich. Der Linoleumboden glänzte, als ob er regelmäßig gewischt würde. Doch die wirkliche Überraschung kam, als sie in das seitwärts vom Flur abgehende Wohnzimmer traten, von dem aus früher einmal ein Durchbruch zum Esszimmer vorgenommen worden war, um einen riesigen Wohnraum zu schaffen. Die Wände des großen Raums waren komplett mit sepiafarbenen Zeitungsausschnitten vollgehängt.

Fasziniert wanderte Hecks Blick von einer Schlagzeile zur nächsten.

Sowjets starten Winteroffensive
Britischer Sieg in Afrika

Wie er bereits in der Kantine der Wache gehört hatte, war das hier ein Museum des Zweiten Weltkriegs. Und zwar in allen Details. Tausende von sorgfältig zusammengefügten Zeitungsausschnitten waren im wahrsten Sinne des Wortes zu einer Tapete komponiert worden, die sich nahtlos in das Interieur des Hauses einfügte. Und es war eine professionelle Arbeit. Heck betrachtete den Teil des Raums, der einst das Esszimmer gewesen war.

Mussolini aus Bergfestung geholt
Königliche Marine läuft in Pazifik ein

In die Collage waren körnige Fotos montiert worden, um die Wirkung maximal zu verstärken: halb erfrorene in Russland kapitulierende deutsche Truppen; durch die sonnenverbrannten Ebenen in der Gegend um El Alamein rollende britische Panzer; wie Treibholz im ölverschmierten Meer dümpelnde Überlebende eines versenkten U-Boots.

Zu alledem standen auf dem Kaminsims vier gerahmte Schwarz-Weiß-Fotos, auf denen jeweils das gleiche breit grinsende Gesicht eines jungen Soldaten zu sehen war. Auf den meisten der Fotos hatte er zerzaustes Haar und staubverschmierte Wangen. Eines war offenbar auf einer Art Wüstenfriedhof aufgenommen worden, es zeigte ihn mit einem kleinen Mischlingshund auf seiner linken Schulter. Auf einem anderen hielt er ein Maschinengewehr in die Kamera.

»Ich hab ja schon von Leuten gehört, die in der Vergangenheit leben«, stellte Heck fest. »Aber das hier .«

»Scheiße!«, fiel Farthing ihm ins Wort. »Das Messer ist weg.«

Er stand vor der Anrichte, auf der weitere Devotionalien ausgestellt waren. Zwei der Stücke waren kreuzförmige Orden aus schwarzem Metall mit weißem Rand an schwarz-weiß-roten Bändern. An der Wand befand sich in einer Vitrine ein verblichenes rotes Barett mit einem silbernen Abzeichen, auf dem ein Adler zu sehen war, der zwei gekreuzte Dolche in den Krallen hielt. Ebenfalls an der Wand hing eine gebogene, hölzerne, mit schwarzem Leder umkleidete Scheide, auf die Farthing jetzt deutete und deren sich verjüngende Spitze mit Metallverzierungen versehen war.

Heck musste kein Experte sein, um zu erkennen, dass es sich um die Scheide eines Khukuris handelte. Während das Messer selbst verschwunden war, waren seine beiden kleineren Cousins - das Chakmak und das Karda, die dazu dienten, die Klinge des Hauptmessers zu schärfen - noch an Ort und Stelle.

»Vielleicht hat er es einfach nur mitgenommen, um es reinigen zu lassen oder so«, vermutete Farthing.

»Schon das wäre doch wohl ein bisschen verdächtig, meinen Sie nicht auch?«

Bevor Farthing etwas erwidern konnte, hallte ein dumpfes Geräusch durchs Haus, und sie spürten ein leichtes Beben. Das Ganze wiederholte sich, und dann noch einmal....

»Dieses Buch ist nichts für zartbesaitete Gemüter.«, Ruhr Nachrichten, 31.08.2015
 
»rasante Action und Hochspannung (...) perfekt inszeniert.«, dpa, 20.08.2015
 
»Nervenkitzel.«, Neue Woche, 06.07.2015
 
»Spannung pur!«, Alles für die Frau

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