amor et mortis

Liebe und Tod
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 20. November 2019
  • |
  • 400 Seiten
 
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978-3-7504-7283-9 (ISBN)
 
Das christliche Mittelalter betrachtete sich als eine im Glauben allen anderen Zeitaltern überlegene Zeit. Die Erkenntnis, dass auch innerhalb dieser Ära ein historischer Progress im Sinne von Fortschritt oder Verfall stattfinden könnte, war zwar nicht fremd. Sie war jedoch aus der Sichtweise der römischen Kirche gefährlich, weil diese einerseits eine Weiterentwicklung der christlichen Lehre seit der Zeit des Evangeliums nicht akzeptieren und andererseits auch die eigene Entwicklung nicht unter dem Aspekt des Verfalls beurteilen lassen wollte.
Sobald sich diesbezügliche Vorstellungen mit kirchenkritischen Reformkonzepten verbanden, wurden sie von der römischen Kirche attackiert.
In dieser Epoche war die gesellschaftliche Stellung der Frau, laut kanonischem und weltlichem Recht, generell unterhalb der des Mannes angesiedelt, was mit massiven Benachteiligungen einherging. Sie wurden als Menschen minderer Art betrachtet. Dieser Sachverhalt galt für Frauen aller Stände.
Begründet wurden die Einschränkungen seitens der Theologie mit Verweis auf die Vertreibungsgeschichte aus dem Paradies und der Naturphilosophie, die sich auf die biologischen Unterschiede der Geschlechter bezog. Die Unterordnung der Frau unter die Vormundschaft des Mannes führte zu weitreichenden Konsequenzen und betraf alle Lebensbereiche.
Dennoch lassen sich nicht alle Frauen von diesem Unrecht beeinflussen und unterdrücken.
Geberga, die als Christin in einem Kloster erzogen wurde und Marie, die als Halbjüdin nach dem Tod ihrer Mutter versucht, zu überleben, führt das Schicksal zusammen. In einer Zeit von unvorstellbarem Elend und unbeschreiblichen Entbehrungen brechen die beiden jungen, hübschen und hochintelligenten Frauen aus den vorherrschenden Denkmustern aus und versuchen, sich ein eigenständiges Leben aufzubauen.
Auf dem Weg in eine für sie unabhängige Zukunft geraten sie in mancherlei abenteuerliche Situationen und werden in kriminelle Machenschaften verwickelt.
Ihnen wird unterstellt, sie stünden aufgrund ihrer Heilkunst mit dem Teufel im Bunde, deshalb werden sie von einem mysteriösen Abt als Hexen verfolgt. Während ihrer Verfolgung lassen sie vielen Kranken und Verletzten ihre Heilkunst zukommen, auch, wenn sie das in große Gefahr bringt.
Sie verstehen sich nicht als minderwertiger Mensch, ohne Seele und Geist, der zwischen satanischer Lust und heiliger Askese angesiedelt ist. Sie rebellieren und stellen sich furchtlos gegen die bestehenden Autoritäten und bekämpfen diese.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,55 MB
978-3-7504-7283-9 (9783750472839)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Ulla Fichtner, geboren und aufgewachsen im Ruhrgebiet, lebt mit ihrem Mann im Rheinland.
"amor et mortis - Liebe und Tod" ist nach "Vertraue niemals deinem Nächsten" ihr zweiter Krimi.
Befasste sich ihr erstes Werk mit Gegebenheiten aus der Jetztzeit, so wird es den Lesern ihres neuen Buches möglich, in die spannende Epoche des Mittelalters einzutauchen und die Abenteuer zweier Frauen mitzuerleben, die sich aus den ihnen auferlegten Zwängen befreien und ihren eigenen Weg finden. Bis sie an ihr Ziel gelangen, müssen sie zahlreiche Hindernisse überwinden und Gefahren überstehen.
Ulla Fichtner arbeitete, nach ihrem Studium zur Diplom Pädagogin und der Promotion zum Dr. phil., mehrere Jahre als Lehrerin, bevor sie sich entschloss, mit dem Schreiben zu beginnen.

Kapitel 1


Der Tag versprach schon in aller Frühe schrecklich zu werden, da er mit einem unheilvollen Omen begann. Denn Geberga, die nach einer von Alpträumen gequälten Nacht, schweißgebadet aufwachte, sah direkt in das Augenpaar einer Eule, die sich auf dem offenen Fenstersims ihrer Kemenate niedergelassen hatte. Mit ihren auffallend großen, starr nach vorne gerichteten Augen und den Augenlidern, die sie von oben nach unten über die Augäpfel zog, erschien ihr Gesicht im ersten Moment menschlich. Geräuschlos hatte sie sich dort niedergelassen und drehte ihren Kopf um 180 Grad. Geberga bekreuzigte sich, denn das Erscheinen dieses Vogels verhieß nichts Gutes. Für viele Menschen des Mittelalters stand die Eule symbolhaft für das jüdische Volk, dem man spirituelle Verbindung zu den Mächten der Finsternis nachsagte. Und dieser Einfluss war nach Ansicht Gebergas schon nahe.

Vor nicht einmal zwei Monaten verließ Geberga, die aus einer Landadelsfamilie mit riesigen Besitztümern stammte, das Nonnenkloster. In ihm hatte sie für einige Jahre gelebt, um auf die Ehe vorbereitet zu werden.

"Kirchliche Frömmigkeit", so meinte ihr gelehrter aber harter Vater Georg Albrecht von Bramburg damals, als er sie dorthin schickte, "hat noch keinem geschadet, am wenigsten den Frauen. Ihnen kann der Glaube nicht früh genug moralischen Halt geben, und wo kann ein Mädchen besser auf die Führung eines Haushalts vorbereitet werden, als unter Frauen? Hier kann sie lernen, wie man Brot backt, kocht, wäscht, die Betten macht, Leinen und Wollstoffe zuschneidet und Seide bestickt. Kein Mann, dem sie einmal ein Eheweib sein wird, soll sagen, dass sie aus den Wäldern kommt."

Geberga erinnerte sich an sein höhnisches Gelächter, dass er damals, als er dies von sich gab, kaum zu verbergen vermochte.

Sie wuchs in einer Zeit auf, in der die Reaktion auf die Geburt eines Mädchens keine allzu große Freude auslöste. Ein Mädel zu gebären, wurde als eine Strafe Gottes angesehen. Und es war die Ansicht üblich, dass Frauen von Natur aus eitel, hochmütig, listig, lügnerisch, zanksüchtig und ungebildet seien. Sie galten, im Gegensatz zu den Männern, sowohl geistig als moralisch als weitaus minderwertiger.

Schon Gebergas schwere Entbindung unterstrich diese vorherrschende Meinung.

Es war ein Karfreitag, an dem ihre Mutter Anna mit langanhaltenden Wehen im Kindsbett lag. Die Matern steigerten sich stündlich, aber nichts geschah. Ihre beiden älteren Brüder hatte die Mutter ohne jegliche Komplikationen entbunden und es sah so aus, als ob dieses Kind der Mutter den Tod bringen würde und selbst nicht lebensfähig wäre. Die Hebamme, deren Aufgabe es war, für eine reibungslose Geburt zu sorgen, und in deren Händen die gesamte Verantwortung lag, wusste um die Ausweglosigkeit der Situation und war damit einverstanden, dass, auf Drängen Georg Albrechts, ein Arzt herbeigerufen wurde, obwohl dessen Ausbildung das Fach Geburtshilfe nicht mit einschloss.

Der eiligst hinzugezogene Arzt war ratlos, als er Anna untersuchte und alle Anwesenden tief erschüttert und betrübt. Sogar Georg Albrecht vergoss, entgegen seiner sonst so strengen Natur, einige Tränen. Ein Geistlicher wurde hinzugerufen, um für alle Fälle schon einmal die Sterbesakramente zu erteilen und durch Gebete unbedingt das Leben des Kindes zu retten. Denn nach der Theorie des Augustinus, die zu jener Zeit vertreten war, konnte ein ungetauftes Kind nicht die ewige Seligkeit erlangen, die getaufte Mutter aber jederzeit.

Als letzten Ausweg sah dieser nur, dass man sich zum Altar der Gottesmutter begeben müsse, um dort anstelle eines Geschenkes ein Gelübde abzulegen.

So geschah es.

Georg Albrecht schwor, dass, wenn ein Junge geboren würde, er Gott und der Jungfrau Maria dienen und der Kirche beitreten solle. Wenn es etwas Minderwertigeres würde, dann wäre das Mädchen in einem passenden Orden unterzubringen.

Und siehe da, etwas Wundersames geschah. Es dauerte nicht lange und Anna entband ein schlaffes Etwas, annähernd eine Fehlgeburt, die aussah wie eine tote Frühgeburt, so klein und zart, dass man sich schwer tat zu erkennen, was es denn sei. Froh waren alle nur, dass Anna die Entbindung überlebt hatte.

Einen Tag vor Pfingsten fand Gebergas Taufe statt, um sie von der Sünde der Erbschuld reinzuwaschen. Die Taufe galt als unerlässliche Voraussetzung zur Erlangung des Seelenheils und, um so ihre Überlebenschancen zu erhöhen. Sie wurde in einen rechteckigen Badezuber, der die Form eines Sarkophags hatte, gänzlich untergetaucht und man hatte den Eindruck, sie ertrinkt. Dabei wurde das Gelübde feierlich erneuert.

Umso verwunderlicher war es, dass ihr Vater ihr dennoch eine Bildung zukommen ließ. In ihren ersten Jahren zu Hause lernte sie, wie es jeder Adelstochter zustand, zu reiten, Falken zu züchten, um sie bei der Jagd einzusetzen, Schach spielen, tanzen, singen, Gedichte vortragen, Geschichten erzählen sowie Romane und Poesie lesen.

Ohne Reiten zu können, wäre sie nach einer Eheschließung nicht in der Lage gewesen, die Verantwortung für ein Gutsgebiet zu übernehmen. Reiten war ebenfalls wichtig, um an Wallfahrten oder Turnieren teilzunehmen, wobei Letzteres meist nur von der Tribüne aus geschah. In der Falknerei waren die Frauen den Männern überlegen, sie hatten ein besseres und einfühlsameres Händchen für die sensiblen Tiere.

Alle anderen Aktivitäten galten dem Zeitvertreib und der Unterhaltung.

Wahrscheinlich hatte Georg Albrecht, als er Geberga diese umfassende Ausbildung zuteil kommen ließ, tief in seinem Inneren verborgen, doch einen guten Kern und empfand etwas für Geberga. Er hatte den Orden des Heiligen Benedikt, in den sie geschickt wurde, aus vielerlei Gründen und mit Bedacht ausgewählt. In ihm verbanden sich römische Disziplin und mönchische Traditionen wie Armut und Keuschheit. Das schätzte Georg Albrecht als Ritter. Die Betonung der Handarbeit sowie Ablehnung einer übertriebenen Askese waren weitere wichtige Aspekte. Sie hielten Geberga offen für eine Zweierbeziehung. Außerdem, so Georg Albrecht, seien die Benediktinerinnen für ihre Gastfreundlichkeit bekannt, kümmerten sich rührend um die Armen und Kranken im Land und hatten Zeit, sich in Klosterschulen mit den Kindern aus adligen Familien zu beschäftigen. Denn Klöster waren zu dieser Zeit nicht nur Festungen des Glaubens, sondern ebenso der Wissenschaft sowie Bewahrer der Überlieferung des Wissens aus der Antike. So geschah es, dass Geberga neben einer Erziehung der höfisch-ritterlichen Weltanschauungen, auf die sie in ihren ersten Lebensjahren zu Hause vorbereitet wurde, eine Einführung in geistliche Dinge in dem Kloster erfuhr, in das sie mit sieben Jahren kam. Sie erlernte die lateinische Sprache und wurde in Geschichte unterrichtet. Die historische Lektüre verhalf ihr zu einer grammatisch-rhetorischen Festigkeit sowie zu einer moralisch-religiösen Besinnung.

Für ein Mädchen bekam sie somit eine ausgesprochen gute weltliche und geistliche Bildung mit auf ihren weiteren Lebensweg.

Geberga hieß, nach dem Willen ihres Vaters, wie die Tochter König Heinrichs I.. Ihr Erzeuger verehrte ihn, obwohl dessen Regentschaft schon über zweihundert Jahre zurücklag. Mit Heinrich I. nahm die sächsische Herrschaft in Deutschland ihren Anfang und damit das Zusammenwachsen der deutschen Stämme zu einer Einheit. Er sorgte für einen verstärkten Burgenbau, besonders zur Ostgrenze hin zur Verteidigung gegen Ungarn und für eine Neuorganisation des Heerwesens durch eine Verstärkung und Ausbildung eines gepanzerten Reiterheers.

Die von Bramburgs stammten ebenfalls aus sächsischem Geschlecht. Und so wie Heinrich I. wäre Georg Albrecht gerne gewesen.

Nach zwei Söhnen, Ludwig und Otto, war Geberga das dritte Kind. Ihr Vater, der sicher war, sie würde ein Junge werden, war enttäuscht, als er hörte, es ist ein Mädchen. Aber sie bekam, wie ihre Brüder, einen Vornamen, der eng in Verbindung mit Heinrich I. stand. Selbst die Geburt eines dritten Sohnes, nach Geberga, versöhnte Georg Albrecht nie mit seiner Tochter. So war er hocherfreut, als sich ihm die Möglichkeit bot, sie in einem Kloster unterzubringen, um so sein Gelübde zu erfüllen.

Was ihre Mutter zu all dem meinte, daran erinnerte sich Geberga nicht mehr. Hatte diese ihren Vater damals aus Liebe geheiratet oder wurde sie ohne ihre Zustimmung an den meist Bietenden verschachert? Was hatte sie überhaupt dazu gesagt, dass ihre einzige Tochter von Nonnen erzogen wurde, ihre drei Söhne in der Familie groß wurden? Erst spät in ihrem Leben erfuhr Geberga selbst von dem Gelübde, dass ihr Vater bei ihrer Geburt abgelegt hatte und dass ihr und ihrer Mutter das Leben gerettet hatte. Und unter diesen Umständen verstand sie, warum sich Anna nie gegen ihren Mann aufgelehnt hatte, wenn es sich um die Belange von Geberga handelte.

Meine Brüder hatten eine unbeschwerte Kindheit, dachte Geberga nur. Sie wuchsen hier in der Burg auf, unter der mildtätigen Aufsicht einer älteren Amme und der Dienstboten, denen...

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