Die Julibraut

 
 
cbt (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. März 2020
  • |
  • 512 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-26110-8 (ISBN)
 
Er ist der Mörder ihrer Freundin. Seit drei Jahren sinnt er auf Rache. Seine Zeit ist fast gekommen.

Vor drei Jahren verliebte sich Jette in den Erdbeerpflücker Georg Taban. Fast hätte er sie damals umgebracht, wie ihre Freundin Caro. Stattdessen sitzt Georg im Gefängnis - für immer aus ihrem Leben verbannt, meint Jette. Doch Georg hat noch nicht abgeschlossen mit ihr. Als Jette sonderbare Botschaften erhält und ihre besten Freunde Merle und Mike in Unfälle verwickelt werden, begreift sie, dass ihre Geschichte mit Georg noch lange nicht vorbei ist. Als sie sich an die Polizei wendet, nimmt der neue Kommissar ihre Befürchtungen nicht ernst. Doch Jette weiß, die Bedrohung ist real .

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
  • 1,00 MB
978-3-641-26110-8 (9783641261108)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Monika Feth wurde 1951 in Hagen geboren, arbeitete nach ihrem literaturwissenschaftlichen Studium zunächst als Journalistin und begann dann, Bücher zu verfassen. Heute lebt sie in der Nähe von Köln, wo sie vielfach ausgezeichnete Bücher für Leser aller Altersgruppen schreibt. Der sensationelle Erfolg der »Erdbeerpflücker«-Thriller machte sie weit über die Grenzen des Jugendbuchs hinaus bekannt. Ihre Bücher wurden in mehr als 24 Sprachen übersetzt.


Das Schlimmste waren die Nächte. Die langen, quälenden Stunden, in denen er sich von einer Seite auf die andere wälzte, um seinen Gedanken zu entkommen. Die endlose Zeit allein mit sich selbst, zersplittert in unzählige Stunden schwärzester Furcht.

Er fühlte, wie seine Handflächen nass wurden und das Blut in seinem Kopf zu pochen begann.

Hektisch glitt sein Blick über die vertrauten Dinge in dem winzigen Raum: den Tisch, den Stapel Papier darauf, die Wasserflasche, das Glas. Schemen nur, nicht mehr als eine Andeutung der Dinge, aber sie beruhigten ihn allmählich.

Bis der Schrecken zurückkehrte.

Er schloss die Augen, um nicht zum Fenster zu sehen und nicht zur Tür. Trank die Luft wie ein Verdurstender.

Er stellte sich das Meer vor.

Darüber einen weit gespannten Himmel.

Es half immer nur für einen Augenblick, einen kurzen, köstlichen Moment, der in sich zusammenfiel, sobald er begann, sich zu entspannen.

Das Meer.

Bis zum Horizont.

Das Meer .

Doch das Blau verblasste. Die Stunden bauten sich vor ihm auf wie ein Gebirge. Drängten das Bild zurück. Bis nichts mehr da war, das ihm helfen konnte, diese Nacht zu überstehen.

*

Noch im Schlaf wusste ich, dass dies ein Albtraum war. Ich wollte aufwachen, aber es gelang mir nicht. Als ich den Mund aufriss, um zu schreien, merkte ich, dass meine Lippen zusammengewachsen waren.

»Jette! Jette, du träumst.«

Jemand rüttelte mich sanft an den Schultern. Ich erkannte Merles Stimme und blickte kurz darauf in ihr verschlafenes Gesicht. Ihre kurzen Haare standen störrisch in alle Richtungen ab.

Das Licht aus dem Flur lag in einem breiten Streifen auf dem Holzfußboden. Es hatte nicht genügend Kraft, um mein Zimmer zu erhellen. Sämtliche Farben waren erloschen, selbst das leuchtende Rot von Merles Haaren.

Als meine Freundin sich zu mir auf die Bettkante setzte, gab die Matratze seufzend nach. Merle breitete die Arme aus und zog mich an sich.

Ich atmete ihren Nachtduft ein, die vertraute Mischung aus einem Rest ihres Parfüms, Henna und Schlaf, und war froh, meinem Traum entkommen zu sein.

»Willst du reden?«

Merle hielt mich noch immer. Ihr Atem strich über meine Wange.

»Nein.« Ich löste mich von ihr und schüttelte den Kopf. Mein Traum hatte sich bereits verflüchtigt. Allerdings konnte ich die Angst immer noch schmecken. »Aber bleib noch ein bisschen, ja?«

Im nächsten Moment hatte Merle das Licht im Flur gelöscht und war zu mir unter die Bettdecke geschlüpft. Ihre Füße waren kalt, ihre Knie ebenfalls. Sie schmiegte sich an mich und gähnte.

»Gute Nacht«, flüsterte sie.

»Schlaf gut«, flüsterte ich zurück.

Ich fragte mich, ob alle Menschen im Dunkeln anfingen zu flüstern. Früher hatte ich geglaubt, in den finsteren Winkeln meines Zimmers lauerten Monster, die kleine Kinder fraßen und nur darauf warteten, dass ich einschlief, um sich auf mich zu stürzen.

Eines Tages hatte mein Vater mir einen großen Teddybären mitgebracht und mir versichert, das Tier habe magische Kräfte und sei in der Lage, mich vor sämtlichen Monstern der Welt zu beschützen. Von da an hatte ich meinen Teddy Nacht für Nacht fest umklammert gehalten.

Ich besaß ihn immer noch. Er thronte hoch oben auf meinem Bücherregal. Mein Bodyguard, dessen braunes Fell in meinen Armen brüchig und dünn geworden war.

Es dauerte nur ein paar Sekunden, bis Merles Atem ruhig und gleichmäßig wurde. Sie hatte sich mir zugewandt und mir einen Arm über die Hüfte gelegt.

Wenn ich die Augen schloss, konnte ich mir vorstellen, es sei Luke, der da neben mir lag. Doch obwohl ich ihn vermisste, war es schön, Merle mal wieder so nah zu sein.

In unserem früheren Leben, als Caro noch da gewesen war, hatten wir oft bei Pizza, Cola, Chips und Schokolade im Bett Filme geguckt. Ein verschworenes Kleeblatt, bei dem männliche Wesen allenfalls eine dekorative Rolle gespielt hatten.

Serien. Liebesfilme. Horrorthriller. Wir hatten vor Aufregung die Augen zugekniffen, uns vor Entsetzen aneinandergeklammert oder vor Lachen ausgeschüttet.

Wir drei. Danach kam lange nichts. Und dann erst der Rest der Welt.

Aber plötzlich hatte Caro sich zum ersten Mal richtig verliebt. Ohne Netz und doppelten Boden.

In ihren Mörder.

Das war vor drei Jahren gewesen.

In dem Sommer, der alles verändert hatte.

Seitdem hatte Merle eine ernste Geschichte mit Claudio angefangen und ich war Luke begegnet.

Mittlerweile war unsere Wohngemeinschaft von damals auf sechs Personen angewachsen und wir hatten unsere kleine Mietwohnung in Bröhl gegen einen Bauernhof am Rand der Stadt getauscht.

Außer Merle und mir lebten jedoch nur noch Luke und Mike ständig in Birkenweiler. Ilka studierte an der Kunstakademie in Düsseldorf und kam lediglich an den Wochenenden nach Hause. Mina war mit ihrem Freund Raoul in der therapeutischen WG nahe der Klinik hängen geblieben, in der sie beide behandelt wurden.

Wir hatten ihn bereits kennengelernt. Wie Mina litt er unter einer multiplen Persönlichkeitsstörung. Einige seiner Persönlichkeiten hatten sich uns schon gezeigt. Es war eine Herausforderung, mit ihnen allen zurechtzukommen.

»Wenn Mina und Raoul beide hier sind«, hatte Luke einmal gesagt, »wird es in unserer Küche verdammt eng.«

Das stimmte. Ich fragte mich oft, wie es Mina und Raoul gelang, mit ihrer komplizierten Beziehung fertigzuwerden, in der ständig die unterschiedlichsten Persönlichkeiten aufeinanderprallten.

Aber es gelang ihnen bisher ganz gut. Wir alle waren froh darüber, denn wir fanden, sie hatten sich ein bisschen Glück verdient. Auch wenn das bedeuten konnte, dass Mina irgendwann nur noch Gast bei uns sein würde, wie es nun schon eine ganze Zeit lang der Fall war.

Und jetzt war wieder Sommer.

Ganz Birkenweiler duftete nach Blüten und Früchten. Die Wege staubten unter den Schritten. Das Gras in den Gärten wurde allmählich gelb von der andauernden Hitze, die das Rheinland in Atem hielt. Kühe und Schafe drängten sich im Schatten der Bäume zusammen, während die Menschen bei geschlossenen Rollläden in der Kühle ihrer Häuser verharrten.

Sommer.

Wie damals.

Vor drei Jahren.

»An was denkst du?«, riss Merles schläfrige Stimme mich aus meinen Erinnerungen.

»An nichts«, wich ich aus. »Schlaf weiter.«

Ich wollte nicht über damals reden. Wollte nicht mal daran denken.

Schlimm genug, dass ich immer noch davon träumte.

*

Mike hatte die Musik so laut aufgedreht, dass die Bässe wummerten. Die Werkstatt, die er sich im ausgebauten Schweinestall eingerichtet hatte, war durch die dicken Mauern hervorragend isoliert, sodass er niemanden störte. Nicht mal um acht Uhr früh.

Er liebte die Bohemian Rhapsody und bekam Gänsehaut, wenn Freddie Mercurys Stimme sich in die Höhe schraubte, bis sie klang wie blitzendes Metall. Auch die Stones hörte er gern. David Bowie. Prince.

Ilka machte sich häufig über seinen Musikgeschmack lustig.

»Der ist dermaßen retro«, hatte sie erst gestern zu ihm gesagt, »dass er schon wieder in ist.«

Retro.

Okay. Solange Ilka ihn dabei ansah wie in solchen Momenten und ihn danach auf diese unwiderstehliche Art und Weise küsste und nicht wieder losließ, so lange war alles in bester Ordnung.

Retro passte doch genau zu dem, was er hier tat.

Er hatte seinen Traum verwirklicht und restaurierte alte Möbel. Schöne Stücke, von denen jedes seine eigene Geschichte erzählte. Vertikos, Nähtischchen und Sekretäre, Stühle, Sofas, Spiegel. Einmal hatte er sich sogar an ein Gemälde gewagt.

Längst wurde er weiterempfohlen und hatte sich schon eine Stammkundschaft aufgebaut. Dennoch überlegte er seit Kurzem, vielleicht doch eine Ausbildung zu machen und professionell in diesen Beruf einzusteigen.

Aber was hieß schon professionell? Und war es nicht genau die Freiheit in dem, was er tat, die ihn reizte? Aus welchem Grund sollte er sich Fesseln anlegen?

Um besser zu werden. Sicherer vor allem.

Learning by doing war zwar spannend und befriedigend, verschlang jedoch eine Menge Zeit, die er einsparen könnte, wenn er den Beruf von Grund auf erlernt hätte.

Dann wieder sagte sich Mike, dass die Geschäfte endlich angefangen hatten zu laufen. Er häufte nicht gerade Reichtümer an, verdiente aber doch so viel, dass er einigermaßen davon leben konnte. Warum riskieren, die Kunden während der Ausbildung wieder zu verlieren?

Seine Überlegungen verliefen immer wieder im Kreis.

Für heute hatte er sich vorgenommen, ein bisschen klar Schiff zu machen. Er war bei dem letzten Auftrag höllisch unter Zeitdruck geraten und hatte die Werkstatt ziemlich zugemüllt. Neu gelieferte Möbelstücke standen im Weg. Verpackungsmaterial wartete darauf, entsorgt zu werden. Die leeren Farbbehälter, die sich in einer Ecke stapelten, drohten bei der nächsten Gelegenheit umzukippen und das Chaos komplett zu machen.

Mike wusste, dass er das Zeug nicht mit einer einzigen Fuhre zur Müllkippe schaffen konnte, und hatte deshalb genügend Zeit eingeplant.

Es war ein schöner Morgen mit blauem Himmel und klarer Luft. Die Vögel veranstalteten ein Heidenspektakel. Sicherlich befand sich eine der Katzen auf der Jagd. Oder alle zusammen, was ab und zu auch vorkam.

Mittlerweile waren es vier:...

»Gekonnt wechselt Feth zwischen den Erzählperspektiven [.]. Atemlos und aufregend bis zur letzten Minute.«
 
»Leser lieben die packende, fesselnde Sprache der Autorin, den psychologischen Touch der Geschichten und deren hochspannende, dichte Atmosphäre.«
 
»BITTE lasst euch diesen wundervollen Schreibstil, die tollen Figuren und die spannenden Fälle der Jette-Thriller nicht entgehen!«
 
»Sehr kurzweilig und unterhaltsam.«

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