Der Bilderwächter

 
 
cbt (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. November 2013
  • |
  • 480 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-09329-7 (ISBN)
 
Band 6 der "Erdbeerpflücker"-Thriller von Monika Feth!

Zwei Jahre lang hat Jettes Freundin Ilka den Nachlass ihres berühmten Bruders nicht angerührt. Als sie nun das erste Mal die Bilder von Ruben in Augenschein nimmt, ist es, als hätte sie die Büchse der Pandora geöffnet. Ein Mitarbeiter von Rubens Nachlassverwalter wird tot aufgefunden und ein unglaublicher Medienrummel bricht über Ilka herein. Jette und Merle ermitteln im Wettlauf gegen die Zeit, denn auch Ilka scheint in großer Gefahr zu sein ...

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
  • 1,10 MB
978-3-641-09329-7 (9783641093297)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Monika Feth wurde 1951 in Hagen geboren, arbeitete nach ihrem literaturwissenschaftlichen Studium zunächst als Journalistin und begann dann, Bücher zu verfassen. Heute lebt sie in der Nähe von Köln, wo sie vielfach ausgezeichnete Bücher für Leser aller Altersgruppen schreibt. Der sensationelle Erfolg der »Erdbeerpflücker«-Thriller machte sie weit über die Grenzen des Jugendbuchs hinaus bekannt. Ihre Bücher wurden in mehr als 24 Sprachen übersetzt.


Jedes Mal, wenn er den Raum betrat, schauderte es ihn. Er zog die Schultern zusammen, blieb stehen und holte tief Luft, bevor er die schwere Stahltür hinter sich zuzog und sich dem zuwandte, was ihn hier erwartete.

Bilder, wohin man blickte. Alle von demselben Künstler gemalt.

Ruben Helmbach. Superstar.

Jeder kannte seinen Namen. Hatte von seinem grauenhaften Tod gehört. Viele hätten ihren rechten Arm dafür hergegeben, auch nur ein einziges Bild von ihm zu besitzen.

Ruben Helmbach.

Noch so jung, und er hatte die Kunstszene gerockt. Die Leute hatten ihm seine Werke aus den Händen gerissen. Sie hatten sein Atelier belagert und sich um die kleinsten Skizzen gebalgt.

Ruben Helmbach war Kult. Bereits zu Lebzeiten gewesen. Und niemand hatte das besser gewusst als er selbst.

Auf den Fotos, die es von ihm gab, schaute er hochmütig in die Kamera. Als wär der Rest der Menschheit nur dazu da, ihm die Füße zu küssen.

Und nun war er tot, und für die Bilder, die er hinterlassen hatte, war eigens ein Raum gebaut worden.

Ein Sarkophag seiner Werke.

Hier warteten sie seit der Tragödie vor zwei Jahren darauf, wieder zum Leben erweckt zu werden.

Das Gebäude befand sich auf dem weitläufigen Anwesen der Ritters, einer Fabrikantenfamilie, die im Laufe der Generationen einen ähnlichen Niedergang erlebt hatte wie die Buddenbrooks.

Nur die Schwestern Emilia und Hortense waren übrig geblieben, beide unverheiratet, beide Mitte siebzig und beide exaltiert, verwöhnt und verschroben.

Nach dem Tod ihrer Eltern hatten sie die Fabrik verkauft und ihr Vermögen dazu genutzt, Maler und Bildhauer zu entdecken und zu fördern.

Und dann begegneten sie Ruben Helmbach, der ihr Universum erschütterte.

Sie konzentrierten all ihre Kraft auf ihn.

Nahmen ihn unter ihre Fittiche.

Brachten ihn mit den richtigen Leuten zusammen.

Sahen ihn wie ein Feuerwerk am Himmel erstrahlen – und verglühen.

Sein Tod traf sie bis ins Mark. Sie zogen sich aus dem Geschäftsleben zurück, ließen das Gebäude für Ruben Helmbachs Nachlass auf ihrem Anwesen erbauen und ergaben sich dem Alter, das sie bis zu der Tragödie kaum zur Kenntnis genommen hatten.

Man erzählte sich, dass sie den Raum mit den Bildern nur ein einziges Mal betreten hätten. Nachdem alles fertiggestellt war. Danach hatten sie den Nachlassverwalter, den Ruben Helmbach in seinem Testament bestimmt hatte, seine Arbeit tun lassen.

Mit einem lauten, endgültigen Geräusch fiel die zweite Tür hinter ihm ins Schloss.

Noch einmal atmete er tief ein. Streifte die nassen Stiefel von den Füßen und schlüpfte in die bereitstehenden Überzieher.

Zögerte.

Immer wieder kostete ihn der erste Schritt Überwindung.

Er wusste nicht, weshalb.

Seine Aufgabe war es, dem Nachlassverwalter zuzuarbeiten. Den Nachlass zu sichten und zu katalogisieren.

Ihn darauf vorzubereiten, die Kunstwelt auf den Kopf zu stellen.

Doch das war es nicht, was ihm dieses seltsame Gefühl vermittelte, das er nicht benennen konnte: eine Art leiser Furcht, die sich in seinem Magen bemerkbar machte und ihm einen kalten Schweißfilm auf die Stirn legte.

Bilder.

Überall.

Und auf den meisten war dieselbe junge Frau zu erkennen.

Lachend.

Traurig.

Gedankenverloren.

Wie verzerrt und verfremdet ihr Äußeres auch sein mochte, man erkannte sie immer wieder.

Was ihn am meisten beschäftigte, war ihr Lachen.

Auf den älteren Bildern wirkte es glücklich und unbeschwert.

Doch dann schlich sich etwas ein, das er zunächst nicht einordnen konnte.

Bis er schließlich begriff:

Es war das Lachen eines Menschen, dem in Wirklichkeit zum Heulen zumute war.

Er rieb sich die Arme, obwohl der Raum gut temperiert war, um die Bilder zu schützen. Dann schaltete er das Licht an und tat den ersten Schritt.

Auf die Bilder zu.

*

Pünktlich wie die Maurer, dachte Emilia Ritter, obwohl sie in ihrem langen Leben oft die Erfahrung gemacht hatte, dass Maurer alles andere als pünktlich waren.

Für einen kurzen Moment verwirrte diese Erkenntnis sie, doch dann streifte sie die Irritation ab, wie alles, was sie aus dem Gleichgewicht zu bringen drohte.

Sie hatte sich immer auf ihr Gedächtnis verlassen können, auch wenn Hortense das Gegenteil behauptete. Hortense gönnte ihr das Schwarze unter dem Fingernagel nicht.

Es war ein Kreuz, mit einer solchen Schwester gestraft zu sein.

Emilia schüttelte den Kopf und ließ die Gardine, die sie beiseitegeschoben hatte, um auf Rubens Haus sehen zu können, wieder los.

Rubens Haus.

So nannten die Schwestern das Gebäude, in dem sein Nachlass untergebracht war.

Rubens Haus.

Als wäre Ruben noch lebendig.

Emilia zog das Taschentuch aus ihrem linken Ärmel und tupfte sich die Augen. Der Duft ihres Parfüms stieg ihr in die Nase.

Gucci.

Man gönnte sich ja sonst nichts.

Sie kicherte, als sie das Taschentuch wieder wegsteckte.

So war das in ihrem Alter. Die Empfindungen lagen dermaßen nah beieinander, dass sie sich ständig gegenseitig in die Quere kamen.

Ähnlich war es mit den Gedanken.

Kaum dachte sie an etwas, drängte sich ein anderer Gedanke dazwischen.

Das Alter hatte seine Tücken.

Durch das zarte Gespinst der Gardine nahm sie die Dinge draußen wahr, als wären sie Teil einer anderen Wirklichkeit. Irgendwie getrennt von ihr. Weiter weg und deshalb nicht so erschreckend.

Sie behielt Rubens Haus im Blick, um zu sehen, ob der junge Mann noch einmal herauskam. Das tat er manchmal, um eine Zigarette zu rauchen. Emilia hatte ihn auch schon dabei beobachtet, wie er sich hinter einen Busch zurückzog, um zu pinkeln. Obwohl Rubens Haus über eine Toilette verfügte.

»Woher willst du wissen, dass er in den Garten pinkelt?«, hatte Hortense sie mit ihrer rechthaberischen Art gefragt.

»Weil er sich anschließend den Hosenschlitz zumacht«, hatte Emilia geantwortet.

Doch Hortense hörte nicht zu. Vermutlich würde sie morgen wieder dasselbe fragen. Und Emilia würde dasselbe antworten.

So ging es schon ihr Leben lang. Immer, immer und immer wieder. Wie in einer Endlosschleife.

Acht Uhr, grauer Schneeregen, und dieser Bodo Breitner trat zum Dienst an. Man konnte die Uhr nach ihm stellen.

Abgesehen von seinem lächerlichen Namen, der eher nach Detektiv oder Schlagersänger klang, und obwohl er noch so jung war, machte er einen ganz respektablen Eindruck.

Er war freundlich. Grüßte, wenn man ihm begegnete, war höflich und zuvorkommend, störte nicht. Fast konnte man vergessen, dass er da war.

Doch natürlich vergaß Emilia es nie.

Auch Hortense vergaß es nicht.

Seine tägliche Anwesenheit hatte ihr Leben verändert.

Jemand war in Rubens Haus eingedrungen.

Und tat es immer wieder.

Es war schrecklich, das mitanzusehen.

*

Bestimmt stand sie wieder am Fenster. Hinter der Gardine verborgen wie ein altes Klatschweib.

Das konnte Stunden so gehen.

Hortense mochte nicht daran denken, aber sie konnte es auch nicht vermeiden.

Emilia am Fenster.

Ein Bild, das sie fast schon verfolgte.

Glaubte Emilia denn, sie sei die Einzige, die unter der Anwesenheit des Mannes litt? Meinte sie wirklich, sie hätte die Trauer um Ruben für sich gepachtet? Die Trauer, die niemals aufhörte?

Zu keiner Tageszeit.

Die immer noch Schmerzen bereitete.

Wie am ersten Tag.

Hortense versuchte, den Fremden zu ignorieren. Ihn aus ihrem Bewusstsein auszublenden. Einfach so zu tun, als sei er nicht da.

Es kostete sie viel Kraft. Und dann gelang es ihr noch nicht einmal.

Manchmal setzte sie sich ans Klavier und legte die knotigen Hände auf die Tasten. Entlockte dem Instrument ein paar Töne. Und gab ernüchtert wieder auf.

Ihre Finger waren steif geworden. Die Haut spannte über den Knochen, übersät mit hässlichen Altersflecken. Wenn Hortense ihre Hände betrachtete, glaubte sie, die Hände einer fremden Frau zu sehen. Einer alten Frau, nach der sich niemand mehr umdrehte. Der keiner mehr freiwillig zuhörte.

Die allen bloß im Weg stand.

Seit Ruben tot war, war alles anders geworden.

Er war gegangen und hatte das Licht mitgenommen, das Hortenses Tage ausgeleuchtet hatte.

Von jetzt auf gleich hatte sie aufgehört zu lachen. Zu träumen.

Ohne Ruben fiel jegliche Hoffnung in sich zusammen.

War alles kalt.

Dabei hatten sie ihn gar nicht so oft gesehen. Doch wenn er vor der Tür gestanden hatte, mit diesem schiefen Grinsen im Gesicht, das Hortense so sehr geliebt hatte, dann war alles Warten zu Ende gewesen und sie hatte beinah so etwas empfunden wie Glück.

Hortense ging in ihr Schlafzimmer und drehte den Schlüssel im Schloss. Dann holte sie eine Schachtel aus dem alten Kirschholzschrank hervor und setzte sich damit in den Sessel, der früher ihrem Vater gehört hatte.

Andächtig hob sie den Deckel ab.

Und da lagen sie vor ihr. All die Briefe, die sie Ruben geschrieben und ihm nie zu lesen gegeben hatte.

Sie besaß...

"Der inzwischen sechste Jette-Thriller fesselt durch psychologisch überzeugend gezeichnete Figuren und Spannen, die einen bis zum Schluss in Atem hält."
 
"Der Bilderwächter ist ein kluger, einfühlsam geschriebener, außergewöhnlich fesselnder Psychothriller."
 
"Wieder enorm spannend für Leser ab 14 Jahren."
 
"Spannung pur vor verschneiter Kulisse und viel Dramatik bieten tolle Lesestunden und machen Lust auf viele weitere Abenteuer."
 
"Ideale Bücher für alle Krimiliebhaber"
 
"Volle Punktzahl für den 6. Band der Jette-Thriller"
 
"Gewohnt spannend und fesselnd zieht Monika Feth ihre Leser mit einem mehr als gelungenen Buch in den Bann."
 
"[...] ich kann ihre so wundervoll geschriebenen und immer spannenden Bücher nur jedem ans Herz legen."

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