Sehnsuchtswort Liebe

Kurzgeschichten zum Nachdenken und Schmunzeln
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 7. Oktober 2020
  • |
  • 184 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7526-5180-5 (ISBN)
 
Wenn ihr unter hundert Männern optisch auch nur einer gefiel, hatte er todsicher irgendwelche charakterlichen Mängel. Oder er übte ein Hobby im Übermaß aus, mit dem sie, Couchpotato und Hasenfuß, nichts anfangen, geschweige denn sich daran beteiligen konnte - Fallschirmspringen oder Klettern zum Beispiel. Oder... Irgendetwas gab es immer, das nicht passte. Bisher hatte sie an Frank nichts dergleichen entdecken können. Abgesehen von dem leider nicht ganz unwesentlichen Detail, dass es da eine noch-Ehefrau gab...


In ihrem Erstlingswerk gewährt Elfi Fesl auf ihre unnachahmliche Art, teils mit humorvollem Augenzwinkern, teils nachdenklich, spannende Einblicke in die Abgründe der Seele ihrer ProtagonistInnen. Dabei werden Themen wie Heiratsschwindel und Ehebruch ebenso wenig ausgeklammert wie die von Erniedrigung und Selbstaufgabe und das vergebliche Ringen um sowie die ungebrochene Hoffnung auf die große Liebe im fortgeschrittenen Lebensalter mit der dazugehörigen, sich nicht immer einfach gestaltenden, Partnersuche. Abgerundet wird das Büchlein durch Geschichten über den Sohn der Autorin und Miniaturen der Selbstreflexion.

Alles in allem ein vergnüglicher, aber auch zum Nachdenken anregender Band rund um ein Thema, das uns alle immer wieder bewegt.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,25 MB
978-3-7526-5180-5 (9783752651805)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Elfi Fesl (1961) ist Mutter eines erwachsenen Sohnes und lebt in Landshut. Sie arbeitet als Assistentin an einem Max-Planck-Institut in München. Die ausgebildete Realschullehrerin liebt Kino, Theater, Konzerte, Bücher, Sprachen und Reisen und hat 2018 ihre Masterprüfung im literarischen Übersetzen aus dem Englischen abgelegt.

Elfi Fesl hat ein mehrjähriges Fernstudium an der Axel Andersson Akademie, Schule des Schreibens, Hamburg, absolviert und an der VHS-Veranstaltung "Erzählwerkstatt Landshut" unter Leitung der Autorin Barbara Krohn teilgenommen.

Die Entscheidung


Die ersten Sonnenstrahlen bahnten sich zaghaft ihren Weg durch den Spalt der orange-gelb geblümten Vorhänge. Es war kurz vor fünf. Eva sah zu ihrem Mann hinüber, der tief in seine Bettdecke vergraben gleichmäßig ein- und ausatmete. Mit Ausnahme seiner blonden Locken war nicht viel zu sehen.

Vorsichtig, um ihn nur ja nicht zu wecken, tappte Eva ins Badezimmer. Ungeduldig zog sie ihr weißes Spitzenunterhöschen herunter. Wieder nichts. Zwei Tage war sie nun schon "drüber". Wie konnte ihr nur so etwas passieren? Ungeschützt mit Peter, Tims engstem Freund aus der Schulzeit, zu schlafen. Wenn sie nun wirklich schwanger wäre? Nicht auszudenken. Eine Katastrophe.

Nur ein einziges Mal hatte sie Peter gesehen, auf der Party, die er anlässlich seiner Rückkehr aus Mexiko geschmissen hatte, wo er die letzten drei Jahre als Finanzberater gearbeitet hatte. "Du bist also Eva. Tim hat mir viel von dir geschrieben." "Hoffentlich nur Gutes?" Der Einstieg war nicht besonders originell gewesen. Doch der junge Mann mit dem braunen Bürstenhaarschnitt, dem glattrasierten Gesicht und den dunklen Augen, die sie neugierig musterten, hatte sie sofort fasziniert. "Darf ich dir was zu trinken anbieten?" "Ja, gerne. Ein Glas Sekt, bitte." "Wo ist Tim?" "Er musste noch dringend weg. Möglich, dass er heute noch ein Bild verkaufen kann. Er wird später nachkommen."

Tim war nicht nachgekommen, hatte sich, wie so oft, nicht an sein Versprechen gehalten. Mit dem Unterschied, dass es ihr in zunehmendem Maße immer weniger ausmachte. Es tat gut, die kleine Marie in der Obhut von Anja, der Babysitterin, zu wissen; sich endlich einmal wieder nicht nur als Mutter, sondern als eigenständiges Wesen zu fühlen. Nur zweimal war sie seit Mariechens Geburt aus gewesen. Wie schön, dass sie endlich wieder in ihr enges schwarzes Kleid passte, das sie nur zu gern gegen ihre "Arbeitskleidung", Jeans, Sweatshirt und Spucktuch, eingetauscht hatte.

Peter wich den ganzen Abend nicht von ihrer Seite. Als ihr Magen knurrte, ging er ganz selbstverständlich zum Buffet, füllte einen Teller mit Häppchen und drückte ihn ihr entschieden in die Hand. "Hier! Damit du mir nicht verhungerst!" "Na ja, es würde mir bestimmt nicht schaden, ein bisschen zu fasten." "Nein, du bist goldrichtig, so wie du bist. Es wäre schade um jedes Gramm. Tim ist echt zu beneiden. Du siehst klasse aus, bist intelligent, hast Humor. Ich habe mich schon lange nicht mehr in Gegenwart einer Frau so wohlgefühlt." Die Stunden vergingen im Flug. Peter verstand sich nicht nur darauf, Komplimente zu machen, sondern er war auch ein blendender Zuhörer. Er interessierte sich für alles. Anfangs wohl deshalb, weil er Details über Tims Leben erfahren wollte, doch immer mehr, so hatte sie den Eindruck, um ihrer selbst willen. Sie erzählte ihm alles. Von ihren finanziellen Sorgen, von Tims Depressionen, von ihren Zweifeln, ob diese Beziehung überhaupt noch eine Chance hatte - ob die überstürzte Entscheidung, Tim zu heiraten, weil Marie sich angekündigt hatte, nicht ein riesengroßer Fehler gewesen war. Er hörte geduldig zu, schien jede ihrer Regungen zu verstehen, was wohl auch deshalb einfacher war, weil er offensichtlich ziemlich viel über Tim wusste. Als sie, erleichtert darüber, endlich mit jemandem ehrlich sprechen zu können ohne wie sonst die Fassade der Starken aufrechtzuerhalten, zu weinen anfing, erschien es beiden nur natürlich, dass er sie tröstend in den Arm nahm und ihr vorschlug, in seine Wohnung zu fahren. "Ich glaube, das hier ist in deiner momentanen Verfassung nicht die richtige Umgebung für dich!", hatte er gesagt und mit ihr zusammen das Restaurant verlassen, obwohl die letzten Gäste noch nicht gegangen waren.

Ihr gefiel seine Art: bestimmt, aber nicht bevormundend. Sie fühlte sich geborgen, genoss es, sich fallen zu lassen in dem Bewusstsein, dass jemand für sie entschied. Die Rollen waren so ganz anders verteilt als zwischen ihr und Tim. Dort war sie es immer, die Entscheidungen treffen musste. Tim half ihr lediglich dabei, sie umzusetzen. In letzter Zeit nicht einmal mehr das. Seit er, um die räumliche Trennung zu vermeiden, seine feste Arbeit auf dem Bau aufgegeben hatte und versuchte, vom Verkauf seiner Bilder und seinem Job als Kellner in einer Schwabinger Kneipe zu leben, gab es eigentlich nur noch Streit. Der ungeregelte Tagesablauf und das von ihm immer stärker empfundene Unvermögen, seine kleine Familie zu ernähren, trugen dazu bei, dass sich seine Depressionen immer mehr verschlimmerten. Dies zeigte sich auch äußerlich. Schon immer hatte er diesen künstlerischen Touch gehabt, seine hellblonden, gewellten Haare schulterlang getragen. Außer am Tag der Hochzeit hatte sie ihn nie anders gesehen als in Jeans. Anthrazitfarbene Stoffhose, silbergraugemustertes Hemd und schwarzes Sakko, so wie Peter es jetzt trug - schon seit jeher unvorstellbar. Doch mit der Zeit war seine Nachlässigkeit einer Gleichgültigkeit gewichen. Seine Jeans wurden immer vergammelter, seine Haare zunehmend ungepflegter. Er schien sich weder für sein Äußeres noch für den Zustand ihrer Wohnung zu interessieren und schon gar nicht - was das Schlimmste war - für seine schreiende Tochter, die auf die zunehmende Spannung zwischen den Eltern trotz ihrer knapp sieben Monate schon sehr sensibel reagierte.

Ob Peter Kinder mochte? In seinem kleinen Apartment wäre jedenfalls kein Platz dafür. Es war eine typische Single-Unterkunft: von dem kleinen Flur führte eine Tür in ein winziges, weinrot gefliestes Badezimmer. Keine Badewanne, nur eine enge Duschkabine. Das Zimmer selbst jedoch war geräumig, an die 30 Quadratmeter. Links in der Ecke hatte er seinen Arbeitsplatz: einen Eckschreibtisch. Auf der Glasplatte standen nur ein Laptop, ein Köcher mit Stiften, ein Hefter und ein Locher, alles in silbergrau. Die fliederfarbene Küchenzeile rechts war picobello aufgeräumt, der angrenzende Holzklapptisch leer bis auf eine reich bestückte Obstschale aus dunkelblauer Keramik. Geradeaus gab eine große Fensterfront den Blick auf den Wintergarten frei, in dem neben einer riesigen Yuccapalme ein Schaukelstuhl aus hellem Rattan stand. In der rechten vorderen Ecke befand sich das zentrale Möbelstück der Wohnung: ein achteckiges Bett, umgeben von einem wollweißen, mit Silberfäden durchwirkten Store.

"Möchtest Du ein Glas Sekt? Mach es dir inzwischen gemütlich. Ich bin gleich wieder da." Dankend hatte sie das Glas angenommen, das er ihr kurze Zeit später entgegenhielt, es aber schon bald danach auf einem kleinen, weißen Beistelltischchen abgestellt, als seine langgliedrigen Finger begannen, sie zärtlich zu streicheln und er ihr anschließend das Kleid auszog. Es war schön gewesen, dennoch hätte sie es nicht tun dürfen. Das hatte sie sich immer wieder vorgesagt, als sie um 3 Uhr morgens zu Fuß in ihre Wohnung aufgebrochen war. Peter hatte angeboten, sie zu fahren, doch sie hatte abgelehnt. Sie brauchte frische Luft, musste sich darüber klar werden, was eigentlich geschehen war und vor allem, wie sie es Tim beibringen würde.

Zitternd hatte sie die Wohnung betreten, darauf gefasst, sofort mit der Frage "Wo warst du?" konfrontiert zu werden. Doch aus der nur angelehnten Schlafzimmertür drangen gleichmäßige Atemzüge von Tim. Was für ein Glück, dass sie ihren Kleiderschrank im Gang stehen hatte. Leise holte sie einen frischen Schlafanzug heraus und tauschte ihn im Badezimmer gegen ihr Kleid. Auf Zähneputzen und Dusche verzichtete sie, um keine Geräusche zu verursachen. Vorsichtig schlüpfte sie in ihre Betthälfte. Im Halbschlaf murmelte Tim "Gute Nacht, schlaf schön!". Er schien tief und fest zu schlafen, während sie sich selbst stundenlang hin und her wälzte, bevor sie schließlich völlig erschöpft einschlief. Als sie gegen 8 Uhr morgens durch das Schreien von Marie geweckt wurde, hatte Tim, ganz gegen seine Gewohnheit, schon den Frühstückstisch gedeckt und frische Brötchen besorgt. Er stellte ein paar allgemeine Fragen über die Party, murmelte etwas von "dringendem Termin" und verließ pfeifend die Wohnung. Sie hatte es dabei bewenden lassen.

"Hallo, guten Morgen! Was machst du denn hier?" Tims Stimme holte sie zurück in die Gegenwart. "Ich konnte nicht schlafen." "Und was machst du dann im Badezimmer?" "Ich habe nachgedacht." "Worüber?" "Über dieses und jenes." Jetzt hätte er nachfragen können, was "dieses und jenes" war. Doch er tat es nicht. "Komm zurück ins Bett und versuch es noch einmal. In zwei Stunden wird die Kleine wach sein."

So sehr sie sich auch bemühte, sie konnte keinen Schlaf mehr finden. Zu viel ging ihr durch den Kopf. Wie sie Tim damals in dem Stau auf der Autobahn kennen gelernt hatte. Sie war zu spät dran gewesen, hatte sich im Auto für ihr Vorstellungsgespräch als Technische Assistentin an der Uni geschminkt. Er hatte...

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