Mein Leben - Kampf um Selbstbestimmung

Eine Autobiographie von Maria Fasching
 
 
myMorawa von Dataform Media GmbH (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 15. November 2021
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-99129-380-4 (ISBN)
 
Die Autorin erlaubt mit diesem Buch einen intensiven Blick in ihr Leben: als Spastikerin, als Frau, aber vor allem einfach als Mensch. Sie erzählt, wie sie sich - allen Widrigkeiten zum Trotz - ihre Selbstständigkeit, ihre Lebensfreude und auch die Liebe ihres Lebens erkämpft hat.
  • Deutsch
Morawa Lesezirkel GmbH
  • 2,52 MB
978-3-99129-380-4 (9783991293804)
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Maria Fasching, in Österreich geborene Spastikerin, hat es vom vollbetreuten Wohnen in eine selbstständige Wohnsituation geschafft. Vor wenigen Jahren hat sie dann gelernt mit dem Computer umzugehen - und konnte so die Corona-Krise nutzen um ihr erstes Buch schreiben.

Kindheit - Familie

Maria mit Mama

 

Über mein Leben

Am 30. März 1951 war Ostermontag, so erzählte mir meine Mutter. Angeblich waren an diesem Tag zu wenig Ärzte im Spital. Meine Mutter wurde in der Früh noch untersucht und der Arzt bemerkte, dass etwas nicht stimmte. Er sagte zu der Schwester, bevor die Geburt eingeleitet wird, wäre es ratsam ein Röntgenbild zu machen. Doch auf das Röntgenbild wurde vergessen. Die Geburt verlief nicht ohne Probleme, weil ich als behinderter Mensch auf die Welt gekommen bin.

Wenn ich nachdenke, war mein Leben trotz meiner Behinderung sehr schön. Jeder Mensch hat Höhen und Tiefen. Das gehört zum Leben einfach auch dazu. Dank meiner Eltern wurde ich, wie andere Kinder, ganz normal aufgezogen und erzogen. Meine Mutter konnte auch sehr streng, aber auch sehr lieb sein. Dass ich so selbstständig geworden bin, habe ich nur ihr zu verdanken. Ca. mit drei Jahren wurde ich operiert und erst mit acht Jahren habe ich gehen gelernt.

Meine Mutter dachte, dass ich eine Schule besuchen sollte. Aber das war für meine Mutter und mich nicht so leicht. Wir wohnten in Kritzendorf im Wiener Wald. Es gab eine Schule, aber wegen meiner Behinderung haben sie mich nicht aufgenommen. Deswegen mussten meine Mutter und ich jeden Tag mit dem Zug nach Wien fahren, damit ich überhaupt eine Schule besuchen durfte. Zuerst zum Max Winter Platz im 2. Bezirk und dann nach Währing in 18. Bezirk. Damals hieß sie noch Währinger Schule. Sie wurde dann umbenannt und heißt jetzt Hans Radl Schule. Diese Schule wird als Sonderschule für körperbehinderte Kinder geführt und hat neben 4 Klassen Volksschule, 4 Klassen Hauptschule, noch eine M Klasse. Die M Klasse war für lernschwache Kinder, solche Kinder, die mit dem Hauptschulunterricht nicht zurecht kamen. Dazu gehörte auch ich.

In der 4. Klasse habe ich völlig versagt. Heute denke ich, vielleicht war es die Pubertät. Weil mit 13, 14, oder 15, wird ein Mädchen zu einer Frau. Die erste Regel, die erste Liebe. Die neue Lehrerin, sie war mir so fremd. Ich konnte keine Beziehung zu ihr aufbauen. Zum Lernen hatte ich die Lust verloren. Da war ein junger Lehrer, der war sehr fesch. In den habe mich verliebt und zum Lernen hatte ich keinen Kopf mehr. In der Mittagspause ging ich immer in den Schulgarten und schaute in die großen Fenster hinein, um meinen Lehrer zu sehen. Wenn ich heute zurückdenke, wie blöd ich war, müsste ich mich schämen. Kennengelernt habe ich ihn im Friesenheim am Nussberg. Ich war das erste Mal dort und habe mich gleich wohl gefühlt. Ich spielte gleich mit den anderen.

Fast jeden Tag gingen wir spazieren, den Weg zum Beethoven Gang oder zur Donau. Ich konnte damals nicht richtig gehen und deswegen setzte er mich in einen Leiterwagen. Dann führte er mich herum. Ich verbrachte dann viele Jahre die Sommerferien in diesem Heim. Doch mein Lehrer Rudi war nicht mehr dabei. Angeblich durften die Lehrer in den Ferien nicht mehr arbeiten. Zufällig nach vielen Jahren sah ich ihn wieder. In der Schule am Max Winter Platz gab es kein Schwimmbecken. Zum Schwimmen mussten wir in die Hans Radl Schule fahren, um die Unterwassertherapie zu machen. Das war für uns Körperbehinderte sehr wichtig denn dadurch wird unsere Spastik ein wenig gelockert.

Dadurch lernte ich besser gehen und mich bewegen. So sah ich ihn wieder und die Freude war sehr groß. Darum war ich gar nicht so abgeneigt, von der Schule am Max Winter Platz in die Hans Radl-Schule zu wechseln. Einfach so hätte ich nicht gewechselt. Sondern wegen dem Schulbus. Der Busfahrer wollte mich nicht mehr vom Franz Josef Bahnhof abholen, angeblich war es zu weit bis zum Max Winter Platz zu fahren.

Das Näheste war in Währing die Hans Radl-Schule. Es wäre eine große Anstrengung gewesen, für meine Mutter und mich. Zuerst mussten wir mit der Bahn von Kritzendorf nach Wien und dann noch mit der Straßenbahn weiter in zweiten Bezirk zur Schule fahren. Es war auch von der Straßenbahn ein Stück zu gehen und das zweimal am Tag. Mit dem Lernen wäre es mir zu viel geworden. Meine Mutter musste auch noch den Haushalt führen und mich betreuen (waschen, anziehen und manchesmal auch füttern). Nur am Wochenende musste ich mich alleine waschen, anziehen und essen.

Mama sagte zu mir: "Maria, du musst lernen im Leben alleine zurecht zu kommen. Ich werde nicht immer leben, du wirst in einem Heim bleiben müssen und im Heim selbstständig sein." Das waren harte Worte und manchmal wollte ich sie nicht hören. Ich musste auch in den Ferien bei der Hausarbeit mithelfen. Und so entschieden wir uns für einen Schulwechsel.

Ich würde normal vom Bus abgeholt werden, bis mein Vater ein Auto besaß und mich in die Schule bringen konnte. Nachmittags fuhr ich von der Schule mit dem Bus zum Bahnhof und meine Mutter holte mich ab. Wenn ich nachdenke, war es eine gute Entscheidung. Dann begann für mich eine der schönsten Zeiten in meinem Leben.

Kritzendorf

Mein Heimatort war in Kritzendorf, Bezirk Klosterneuburg. Wir wohnten in einer Villa in der Klinggasse 10. Die erste Gasse rechts. Am Anfang der Gasse steht ein Marterl. Die Klinggasse kreuzte sich mit der Bahngasse und führte zum Bahnhof. Dieser Ort hatte sich so lang hingezogen, dass es zwei Bahnhöfe gibt: Den ersten Bahnhof nannten wir Unterkritzendorf, da wohnten wir. Den zweiten Bahnhof nannten wir Oberkritzendorf. Von Klosterneuburg fährt ein Bus bis Höflein. Ich habe im Internet recherchiert, dass ganz früher Klosterneuburg zu Wien gehörte und der 26. Bezirk war. 1945 wurde Klosterneuburg selbstständig und gehört nun zu Niederösterreich. Es gab auch nur einen Bahnhof.

Dann ist Kritzendorf wegen der Sommergäste größer und populärer geworden und deshalb der zweite Bahnhof. Ich denke, dadurch sind auch die vielen schönen Villen entstanden. In Kritzendorf waren fünf Geschäfte zum Einkaufen und sogar ein Gasthaus (der Stiffer-Keller) und ganz früher gab es ein kleines Milchgeschäft und ein Kino. Fast jeden Sonntag sind meine Eltern und ich ins Kino gegangen.

Aber es gab ein Problem und das Problem war der Friedhof. Weil der Weg führt am Friedhof vorbei. Untertags ging ich schon ganz gerne auf den Friedhof um die Gräber zu besuchen. Doch bei Dunkelheit habe mich gefürchtet am Friedhof vorbei zu gehen. Obwohl meine Eltern immer dabei waren. Mir ist murlig worden. Mein Vater sagte mir, du brauchst vor den Toten keine Angst zu haben. Sie tun nichts mehr. Leider gab es nur einen Weg und der ging am Friedhof vorbei.

Mit der Zeit wurden das Kino und drei von den fünf Geschäften aufgelassen. Am Ende gab es nur mehr ein Geschäft und das war der Metzger. Als ich einmal zu Besuch war, sah ich dass es andere Artikel gab außer Wurst und Fleisch. Ob es den Bäcker noch gibt?

Es ist schon sehr lange her, dass ich in Kritzendorf war. Früher habe ich einmal im Jahr die Nachbarin besucht. Seit ich nicht mehr alleine gehen kann, komme ich nicht mehr nach Kritzendorf. Meine Freundin und ihr Mann hatten ein Friseurgeschäft. Die beiden sind etwas älter als ich. Vielleicht sind sie schon in Pension gegangen. Oder es hat wer anderer übernommen. Wo früher der Holzhändler war, ist jetzt ein großes Textilgeschäft (Müller). Zuletzt ist ein Supermarkt errichtet worden. Das ist alles geschehen nach meiner Zeit.

Meine schwierige Zeit

Im Frühjahr waren meine Elten und ich in Cortina d´Ampezzo ein paar Tage auf Urlaub gefahren. Meine Mutter bekam ganz leichte Schmerzen. Im Spätsommer fuhren wir nach Traunkirchen. Es war der letzte Urlaub für meine Mutter. Die Schmerzen wurden immer stärker und sie ging zum Arzt. Der Arzt schickte sie ins Spital. Dort wurde festgestellt, sie hatte Lymphknotenkrebs. Eigentlich sollte sie gleich im Spital bleiben. Doch meine Mutter erklärte den Ärzten, dass sie eine behinderte Tochter hat und sie müsste sich zuerst mit meinem Vater besprechen.

Sie übergab uns den ganzen Haushalt und teilte uns auch ein. Mein Vater wurde für Einkaufen, Kochen und Wäschewaschen zuständig. Ich musste die Wäsche zusammenlegen, staubsaugen und die Küche aufwaschen. Das war auch schon vorher meine Arbeit und ist heute noch meine zweitliebste Arbeit. Kurz vor Weihnachten ging sie ins Krankenhaus und bekam die erste Chemotherapie. Die erste Therapie schlug gut an und sie durfte zu den Weihnachtsfeiertagen ein paar Tage nach Hause. Den Heiligen Abend verbrachten mein Vater und ich bei einem Arbeitskollegen von Vater. Ich kannte ihn von Vaters Büro. Gottfried, so hieß er. Wenn mein Vater keine Zeit hatte, holte mich Gottfried von der Werkstatt ab.

Weil Rosi mir immer alle meine Freunde ausgespannt hatte, legten meine Mutter und ich die Rosi hinein. An einem Nachmittag sollte mein Vater mich wieder abholen. Stattdessen kam meine Mutter in die Gruppe und sagt zu der Betreuerin: "Die Maria wird von ihrem Freund Gottfried abgeholt." Ich war auch sehr überrascht darüber und dachte mir: "Seit wann ist Gottfried mein Freund?"

Seine erste...

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