Kaiserschmarrndrama

Ein Provinzkrimi
 
 
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen im Februar 2018
  • |
  • 304 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-423-43341-9 (ISBN)
 

Der neunte Fall für den Eberhofer

Im Wald von Niederkaltenkirchen wird eine nackte Tote gefunden. Sie war erst kurz zuvor beim Simmerl in den ersten Stock gezogen und hat unter dem Namen »Mona« Stripshows im Internet angeboten. Der Eberhofer steht vor pikanten Ermittlungen, denn zum Kreis der Verdächtigen zählen ein paar ihrer Kunden, darunter der Leopold, der Simmerl und der Flötzinger. Harte Zeiten für den Franz, auch privat: Das Doppelhaus vom Leopold und der Susi wächst in dem Maße wie Franz' Unlust auf das traute Familienglück. Dann: die zweite Tote im Wald. Das gleiche Beuteschema. Ein Serienmörder in Niederkaltenkirchen?

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
dtv Verlagsgesellschaft
Format: EPUB
  • 1,29 MB
978-3-423-43341-9 (9783423433419)
3423433418 (3423433418)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Rita Falk, Jahrgang 1964, geboren in Oberammergau, lebt in Bayern, ist Mutter von drei erwachsenen Kindern und hat in weiser Voraussicht damals einen Polizeibeamten geheiratet. Mit ihren Provinzkrimis um den Dorfpolizisten Franz Eberhofer und ihren Romanen ,Hannes' und ,Funkenflieger' hat sie sich in die Herzen ihrer Leserinnen und Leser geschrieben - weit über die Grenzen Bayerns hinaus. Höchst erfolgreiche Kino-Verfilmung der Eberhofer-Serie mit Sebastian Bezzl und Simon Schwarz in den Hauptrollen.

Kapitel 1

»Da, schau her, Eberhofer«, knurrt mich unsere dorfeigene Metzgersgattin gleich an, kaum dass sie bei mir zur Bürotür reinkommt, schmeißt eine Tablettenbox auf meinen Schreibtisch und somit exakt vor meine Füße. »Vi-a-gra!«, fügt sie betont langsam und bedrohlich hintendran. Ich schau mir die Schachtel an und: Ja, sie hat recht. Viagra.

»Aha. Und womit kann ich dir jetzt behilflich sein, liebe Gisela?«, frag ich, weil ich's wirklich nicht weiß.

»Jetzt red nicht so geschwollen daher, Dorfsheriff«, antwortet sie, zieht sich den Stuhl visavis hervor und nimmt schnaufend Platz. »Die hab ich bei meinem Alten im Schreibtisch gefunden.«

»Und was genau hast du bei deinem Alten im Schreibtisch zu suchen?«

»Einen Locher, 'zefix! Ich hab einen geschissenen Locher gesucht«, keift sie über die Ahornplatte hinweg.

»Du hast einen Locher gesucht und Viagra gefunden. Irgendwie witzig«, sag ich, während ich die Schachtel in alle Richtungen wende, und muss grinsen. Der Simmerl, der alte Lustmolch, der wird doch nicht .

»Witzig findest du das?! Ja, das war irgendwie klar, Eberhofer. Ich dagegen kann daran aber gar nix Witziges finden, verstehst. Ganz besonders nicht, weil bereits zwei Tabletten fehlen und ich ganz genau weiß, dass sie nicht meinetwegen fehlen.«

»Ja, aber meinetwegen fehlen sie auch nicht, Gisela. Garantiert nicht.«

»Haha, wirklich sehr lustig, Franz. Aber da, mein Freund, da hat bei mir der Spaß ein Loch, verstehst mich? Und du sagst mir jetzt gefälligst prontissimo, was du drüber weißt!«

Was ich drüber weiß. Gar nix weiß ich drüber. Und wie sollte ich auch? Schließlich und endlich ist der Simmerl nur der Metzger meines Vertrauens und so was wie ein alter Spezl halt. Und mit alten Spezln, da redet man nicht über Viagra. Nicht ums Verrecken. Weil man sich nämlich nicht zum Deppen macht. Wie sollte das auch gehen? Du, Franz, schau mal, ich hab mir da mal so ein Viagra besorgt, und jetzt schauen wir mal, was da so läuft . Nein, sicherlich nicht. Und das sag ich ihr auch. »Gisela«, sag ich. »Ich red mit deinem Gatten über Autos oder Bier, Fußball und gelegentlich auch über Weiber. Manchmal sogar über die Fleischpreise, etwas Politisches oder höchstens noch was Zwischenmenschliches. Aber wir reden nicht über Viagra. Definitiv nicht. Ob du das nun glaubst oder nicht.«

»Aber du bist doch sein Freund, Franz«, hakt sie weiter nach, und ihre Stimme ist nun nicht mehr so schrill. »Ich mein, da würd er dir doch vielleicht erzählen, wenn er . also, wenn da eine andere wär.«

»Vielleicht ja, vielleicht nein. Hat er aber nicht.«

»Wirklich nicht?«

»Nein.«

»Und so rein als Polizist gesehen, wie würdest du da die Sache mit dem Viagra einschätzen?«, bohrt sie weiter nach.

»Ja, keine Ahnung«, sag ich und zuck mit den Schultern.

Aus dem Augenwinkel heraus kann ich sehen, wie jetzt ein Wagen vorm Rathaus anrollt. Gas-Wasser-Heizung Flötzinger steht da drauf. Der hat mir grad noch gefehlt!

»Der Flötzinger«, sagt die Gisela, nachdem nun auch ihr Blick rüber zum Fenster wandert. »Der hat mir grad noch gefehlt.«

Ich heb meine Haxen vom Schreibtisch runter und nehm einen Schluck Kaffee. Der ist zwar mittlerweile nicht mehr warm, von heiß gar nicht zu reden, eher so lau, aber um einen neuen zu kriegen, da müsst ich nach vorn zu den Verwaltungsschnepfen, weil da die einzige Kaffeemaschine rumsteht. Doch erst mal sehen, was den Flötzinger so hertreibt.

In dem Moment klopft es kurz an der Tür, und er erscheint in all seiner ganzen Herrlichkeit. Also praktisch in seinem schmierigen Blaumann, mit einem äußerst ungepflegten Bart und total beschlagenen Brillengläsern. Irgendwie grindig halt.

Nach einem kollektiven Servus setzt er sich nieder und beginnt seine Brille zu putzen. »Du, Gisela, die schöne Maid, die da momentan ständig mit irgendwelchen Kartons bei euch ein und aus geht, zieht die womöglich bei euch ein, oder was? In die leere Wohnung von eurem Max vielleicht?«, fragt er dann erst mal polierenderweise.

»Ja, ja«, erwidert die Gisela. »Dem Maxl, dem haben wir doch so eine von diesen todschicken Wohnungen drüben im Neubaugebiet gekauft, weißt. Und irgendwie versteh ich's ja auch nicht: Obwohl ihn erst vor kurzem seine Ex, also praktisch diese elendige Schlampe, von heut auf morgen einfach hat sitzen lassen, will er ums Verrecken nicht mehr heimkommen zu uns. Er muss sein eigenes Ding durchziehen, sagt er.«

»Verstehe«, sagt der Flötzinger und wirft einen kontrollierenden Blick durch seine Gläser.

Ja, mei, erzählt die Gisela unbeirrt weiter. Und so hätte das verlassene Metzgerpaar halt jetzt einfach beschlossen, die leerstehende Wohnung oben im zweiten Stock zu vermieten, statt sie leerstehen zu lassen. Spült ja immerhin ein paar Euro in die Kasse, und die Räume werden bewohnt und geheizt. Macht auch Sinn. Obendrein wär diese junge Frau, also eben die brandneue Mieterin, auch noch die Schwester von dem doch so sehr netten Pfarrer aus der Nachbargemeinde. Es ist zwar ein evangelischer, aber da gibt es ja Schlimmeres, gell. Wie man heutzutage weiß.

»Schau, schau«, sagt unser Gas-Wasser-Heizungspfuscher, und zwar völlig versonnen. »Gar kein schlechter Tausch, wenn du mich fragst. Also ehrlich, Gisela, euren nervenden Balg, der ständig nur Kohle, was zum Essen und frische Wäsche haben will, einzutauschen gegen so ein Engelchen, das nenn ich mal einen Deal.«

»Flötzinger, ich warne dich«, knurrt die Gisela jetzt. »Lass bloß deine dreckigen Griffel weg von dem Mädl, verstanden. Das ist nämlich ein anständiges Ding, und ein so schwanzgesteuerter Kerl wie du ist sicherlich das Letzte, was die haben will. Einen, der von Frau und Kindern getrennt lebt und es noch nicht einmal auf die Reihe bringt, wenigstens regelmäßig und pünktlich seinen verdammten Unterhalt zu zahlen.«

»Ist ja schon gut, jetzt entspann dich wieder, liebe Gisela. Ich hab doch auch gar kein persönliches Interesse, verstehst. Man will halt einfach nur wissen, wer so alles herzieht zu uns. Was macht die Kleine denn eigentlich so beruflich?«, versucht er nun mit einem heiteren Tonfall an weitere Infos zu kommen.

»Mei, keinen blassen Schimmer. Irgendwas mit Internet oder so, ich kenn mich da ja nicht so aus. Und es ist mir auch egal, jedenfalls ist die Miete für drei Monate im Voraus bezahlt, und das ist schon was wert«, antwortet die Gisela, während sie ihren umfangreichen Leib in die Vertikale wuchtet. »Aber wie gesagt, Flötzinger, dich hat das eh nicht zu interessieren. Das Mädel könnt ja deine Tochter sein. Schau lieber zu, dass du deine Mary wieder zurückkriegst. Also Herrschaften, Servus miteinander.«

»Gisela, stopp!«, muss ich ihr jetzt noch kurz hinterherrufen, und schon hält sie inne. »Da, deine Viagra.«

Mit einer raschen Handbewegung entreißt sie mir die Packung, dreht sich wieder ab und verschwindet durch die Tür.

»Wegen was braucht jetzt ausgerechnet die Simmerl Gisela so ein Viagra? Wo sie mir doch grad mit ihrem moralischen Zeigefinger vor der Nase rumgefuchtelt hat«, murmelt mein verbliebener Zimmergenosse nun so vor sich hin.

Wo bin ich hier eigentlich gelandet: Niederpornokirchen, oder was?

Der eine, der braucht plötzlich Viagra, für was oder wen auch immer. Und der andere platzt hier ungebeten herein und erkundigt sich nach schönen Maiden. Und ich hock mittendrin und komm deshalb zu keiner einzigen anständigen Arbeit nicht. Ein Blick auf die Uhr verrät, es ist drei viertel zwölf. Wenn man mal vom Zeitunglesen und den diversen Besuchern hier absieht, hab ich heut rein dienstlich gesehen noch keinen einzigen Finger gerührt. Aber gut, es ist auch wenig los im Moment, das muss man schon sagen. Einen Zechpreller im Heimatwinkel drüben hab ich gehabt. Drei Falschparker, ein Suff-Fahrer mit dem Radl war dabei und zwei mit dem Auto. Einer davon war der Simmerl Max. Und da drückt man freilich schon mal ein Auge zu. Oder zwei. Ach ja, und ein Wandbeschmierer war auch noch darunter. Graffitikünstler, hat er sich selber genannt. Auch recht. Berappen hat er die Malerarbeiten hinterher aber trotzdem müssen, und eine Anzeige hat er sich auch eingefangen. Ansonsten war das aber auch schon alles. Und zwar im ganzen letzten Quartal, um genau zu sein. Da kann man nicht grad von Überarbeitung reden, gell. Was aber andererseits schon wieder ziemlich gut ist. Weil wir momentan nämlich dieses Haus bauen. Die Susi und ich. Und das ist eine Mörderaktion, das kann man kaum glauben. In jedem verdammten Winkel von unserm Hof stehen diverse Baumaschinen herum, ein Dixi-Klo und obendrauf ein Riesentrumm Bagger. Immerzu ist es dreckig, staubig und laut. Und zu allem Überfluss sind zwei der sechs Bauarbeiter aus Polen von Montag bis Freitag drüben im Wohnhaus untergebracht. Wenigstens aber nicht in meinem heiligen Saustall. Der ja, sobald dieser Neubau dann irgendwann steht, seine treuen Dienste als meine langjährige und heißgeliebte Unterkunft quittieren soll. So jedenfalls will es die Susi. Und auch der Papa. Und ich glaub, sogar die Oma, die möchte das ebenfalls.

»Wegen was braucht jetzt ausgerechnet die Simmerl Gisela ein Viagra?«, reißt mich der Flötzinger nun aus meinen Gedanken heraus.

»Ja, keine Ahnung«, sag ich, schnapp mir mein Kaffeehaferl und geh Richtung Tür. »Du, Flötz, ich muss jetzt wirklich was tun, gell. Also wenn's keine Umstände macht .«

»Ja, ja, ich geh schon«, entgegnet er, steht auf und drückt sich kurz seinen Buckel durch, dass alles kracht. »Aber du, noch was anderes, Franz. Also wegen dem Kostenvoranschlag, weißt. Also, der Leopold nämlich, ich mein: quasi dein Bruder .«

»Flötzinger,...

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