Maskenspiele der Liebe

in Zeiten von Corona
 
 
myMorawa von Dataform Media GmbH (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 15. November 2021
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-99129-550-1 (ISBN)
 
Eine Liebesgeschichte zwischen Wien und Venezia, Corona und der großen Pest im Jahr 1630, Liebe und Spiritualität. In einer Welt der Transformation, im Ringen um Authentizität, mit der Maske als einem vielfältigen Symbol - vom Pestschutz bis hin zum Carnevale di Venezia. Pietros und Katharinas Geschichte entwickelt sich zum Mysterythriller, als er vor der Maske des Pestdoktors seine Vision hat, den Geheimbund "Black Swan" entdeckt und in seinen Fieberträumen im historischen Gefängnis des Dogenpalastes Casanova begegnet. Gelingt es, die "letzte Maske" fallen zu lassen?
  • Deutsch
Morawa Lesezirkel GmbH
  • 4,47 MB
978-3-99129-550-1 (9783991295501)
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1.) Karneval in Venezia

Wiener G'schichten

Ein Traum

Stehst vor mir,

strahlend, schön, kommst näher,

fremd, neu,

dann vertraut.

Deine Stimme, Dein Atem,

in meinem Ohr -

Warmer Körper,

zärtliche Hände, überall.

Lippen küssn, saugn, schleckn -

Einssein, verschmelzn

Begehren, Liebe, Erkennen -

Alles zsamm?

Du bist mein Traum!

I wach auf,

und Du bist

weg.

Pietro Falco, Wien, der erste Sonnenstrahl

 

Wien, 21.2.2020, abends, irgendwann, in Rebeccas Praxis

Hastig lösche ich Nachrichten und Fotos vom Handy, die mich an glückliche Zeiten erinnern. Warum lässt uns die Schönheit der Vergangenheit traurig werden? Nur, weil sich die Zukunft nicht so gestaltet, wie wir es uns erträumt haben?

Ich selbst war nie verheiratet. Bei frisch getrennten Paaren frage ich mich, warum sie einen Rosenkrieg beginnen. Weil wir keinen Weg finden, den Schmerz zu heilen, wenn Wahrheit die Wirklichkeit jäh zerstört?

Ich sitze in einer Psychologischen Praxis in Wien und trinke Whiskey, zu viel und zu hastig. Und ist das nicht ein ungewöhnliches Getränk, für diesen Ort? Aber ich scheine auf dem Weg der Besserung zu sein, denn zum ersten Mal überhaupt stelle ich mir diese Frage.

Die braune Flüssigkeit passt zum brennenden Fernweh in meiner Magengrube. Ein Fluchtdrang, wie ihn Thomas Mann treffend im Tod von Venedig beschrieb. Unruhig beginne ich auf und ab zu gehen. Und nachdem ich nichts Besonderes mit mir anzufangen weiß, drehe ich den Fernseher auf. Die Abendnachrichten:

"Entdecker des Coronavirus in Wuhan gestorben: China trauert um Li Wenliang"

Der Arzt hat früh vor dem neuen Corona-Virus gewarnt.

Die Regierung verdonnerte ihn zum Schweigen. Für die chinesische Öffentlichkeit jedoch gilt der 33-Jährige als Märtyrer und Symbol einer seit Wochen anhaltenden Gesundheitskrise. Ende Dezember hatte Li in seiner Klinik ein SARS-ähnliches Virus festgestellt, das sich rasant verbreitete. Er warnte vor möglichen Gesundheitsrisiken. Aber die Behörden zwangen ihn ein Dokument zu unterschreiben, "die öffentliche Ordnung in ernster Weise bedroht" und "falsche Angaben" gemacht zu haben. Ende Januar infizierte sich die tragische Heldenfigur selbst mit dem Corona-Virus. In Quarantäne kündigte er noch an, zurück an die medizinische Front zu wollen. Auf Weibo, dem größten chinesischen Mikroblogging-Dienst, wurde die Nachricht von seinem Tod über eine Milliarde Mal angeklickt. Die Zentralregierung in Peking wolle die Probleme "gründlich untersuchen". Aber dann wurde enthüllt, dass acht Ärzte und Studenten von Li Wenliangs Chatgruppe von der Polizei wegen "Verbreitung von Gerüchten" verwarnt wurden, nichts mehr über den neuen Erreger zu enthüllen. Und sämtliche Medienberichte gelöscht.

Ich tauche tief in mein Inneres ein, aber ich vermag keine Angst vor einem Virus zu entdecken. Zwei Erkenntnisse gewinne ich dennoch.

Erstens, die Wahrheit scheint im Reich der Mitte nicht gefragt. Zweitens, das Leben kann kurz sein, schießt mir durch den Kopf. Und das weckt endgültig wieder meine Abenteuerlust. Ich greife zum Handy und rufe meine langjährige Assistentin in Deutschland an:

"Veronika, schaue bitte, ob du mir für morgen einen Zug und ein Quartier buchen kannst. Ich fahre nach Venezia!"

"Bist du betrunken? Hast du mal auf die Uhr geschaut", höre ich eine unwillige Stimme.

"Venezia? Im Office stapeln sich unerledigte Arbeiten. Und du hast übermorgen endlich wieder eine Unternehmensberatung."

Sie ist merklich entsetzt über meine Disziplinlosigkeit. Bereits etwas lallend versuche ich mich zu erklären:

"Der Karneval ist schon in vollem Gange. Den historischen Engelsflug habe ich verpasst. Aber während die Geschäftsleute Business-Masken tragen, setze ich meine jetzt ab."

"Du hast in fünfzehn Jahren noch nie einen Beratungstermin verschoben.", versucht Veronika mir ins Gewissen zu reden.

Beim Engelsflug schwingt eine verkleidete junge Frau an einem Seil vom genau 99 Meter hohen Glockenturm am Markusdom in der Luft und lässt Konfetti auf die Menge segeln. Was für ein Vergleich zu grauen Anzügen und eng sitzenden Krawattenknoten.

Daher beharre ich: "Termine können verschoben werden!"

Meine Argumentation scheint wenig überzeugend. Klack, mit einem unwilligen Seufzen wird das Gespräch abgebrochen.

Bereits zwanzig Minuten später erhalte ich per Handy Online-Zugticket, Übernachtungsbestätigung und eine Mail zur Terminverschiebung, die ich nur noch weiterzuleiten brauche. Na also, geht doch!

Aber plötzlich melden sich Zweifel. Ist Venezia wirklich eine gute Idee? Schließlich lauern dort versteckt, ebenso wie in Wien, die Erinnerungen um jede Ecke.

Mit geschlossenen Augen sehe ich die Silhouette des Kanals vor mir, das hektisches Treiben an der Rialto Brücke, die glitzernden Hochwasserpfützen an der Piazza San Marco. Und mit einem großen Schluck Whiskey spüle ich die letzten Bedenken hinunter.

Venezia - Santa Lucia, 22.2.2020

Wer jemals mit dem Nachtzug in die stazione, dem Bahnhof nach Santa Lucia, eingefahren ist, wird diese Bilder nie mehr vergessen. Die Brücke der Freiheit, Ponte della Libertà, verbindet die Stadt, die auf Pfählen erbaut ist, mit dem Festland. 3850 m lang ist die einzige Zufahrtstraße für Kraftfahrzeuge und Züge. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war hier nur eine Ansammlung von Inseln. Das bot einen gewissen Grad an Sicherheit, aber auch der Verletzlichkeit, durch das Abgetrenntsein. Ich sehe aus dem Fenster des Zuges in den beginnenden Tag hinein. Rechts und links das glitzernde blaue Meer, aus dem Holzpfähle hervorragen und die ersten Fischerboote in der Lagune. Das ist die helle Seite, aber es gibt auch eine dunkle - The dark side of Venezia.

Für Berufspendler ist die seinerzeit von Benito Mussolini in Auftrag gegebene Brücke der Arbeitsweg, den sie zweimal täglich zurücklegen. Sie arbeiten tagsüber in der Stadt der Liebe, aber schlafen in Mestre, am Festland. Die Venezianer können sich die eigenen Wohnkosten nicht mehr leisten, wegen der stetig steigenden Tourismuspreise.

Mestre ist eine funktionierende Stadt. Aber mein Herz bleibt in Venezia, vertraute mir einmal ein Kellner an.

Auch hier gilt: Geld regiert die Welt, - aber, das interessiert die verliebten Touristen auf ihren Lustreisen natürlich nicht!

Als ich vor der stazione stehe, ist so früh am Morgen noch nicht entschieden, ob sich die Helligkeit der Sonne gegen die Düsternis der Jahreszeit durchsetzen wird. Auf jeden Fall ist es für meine dünne Jacke viel zu kalt. Drei Grad Höchsttemperatur zeigt meine Wetter App - kälter als in Wien - und die nächsten Tage werden nicht besser. Habe ich überhaupt warme Kleidung dabei?

Pietro, wo warst du wieder mit deinen Gedanken, als du in Windeseile deine Sachen zusammengesucht hast? Natürlich bei meinem letzten Aufenthalt in Venezia. In der Erinnerung schwelgend, an laue Frühlingsnächte, Zärtlichkeit und schicksalshafte Begegnungen - antworte ich mir im Selbstgespräch. Aber seitdem hat sich so einiges merklich abgekühlt. Ich werde also zeitnah beim Doppelgänger, meiner Lieblingsboutique bei der Ponte di Rialto, der Rialto-Brücke, nachkaufen müssen.

So bin ich also wieder in der Stadt, in der das Wasser die Straßen füllt! Heimweh hat mich geplagt! An diesen zauberhaften Ort zu denken, ist wie die Verheißung einer Liebesnacht, hat einmal Hermann Hesse gesagt.

Aber das Treiben ist ruhiger als sonst in der Karnevalszeit. Bereits 2019 war kein gutes Jahr für die Einheimischen. Schuld daran sind Meldungen zum Hochwasser, die sich hartnäckig in den Medien halten. Hotels und Restaurants sind von Umsatzrückgängen betroffen, obwohl das acqua alta längst vorbei ist. Aber googelt man Urlaub in Venezia, werden plakative Bilder gezeigt, auf denen einem das Wasser über den Knien steht und man sich nur mit Gummistiefeln über Hochstege fortbewegen kann.

Und das Video eines Kreuzfahrschiffes, das mit technischem Defekt an der Anlegestelle ein Touristenboot rammt und dabei fünf Menschen verletzt. Viele Buchungen für Silvester oder den Karneval wurden deshalb storniert.

Ausgelöst nur durch Scheinwelten, die uns die Medien vorgaukeln! Erstmals wohne ich direkt an der Ponte di Rialto. Und bemerke, dass ich sogar erleichtert bin, so wenige Touristen anzutreffen. Zuerst gehe ich die...

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